Arbeitslosigkeit - ich weiß nicht weiter!

    • (1) 10.08.13 - 13:58

      Ich hatte vor einiger Zeit schon einmal hier gepostet - mein Mann ist arbeitslos und kümmert sich einfach nicht im einen neuen Job!
      Wir bekommen momentan nur sein ALG I und leben nebenher von der Abfindung, die er bekommen hat. Ich bin ebenfalls ohne Job, wurde in der Elternzeit wegen Insolvenz gekündigt und suche nun eine neue Stelle. In den nächsten Wochen kommt mein jüngster Sohn in die Kita, dann kann's losgehen.
      Ich weiß einfach nicht mehr, was ich mit ihm noch machen soll. Seit Oktober wussten wir nun, dass er seine Stelle verlieren würde, im März ist es dann passiert. In dem Zeitraum hat er es auf ganze 16 Bewerbungen gebracht, alles eher halbherzig und nur auf mein Drängen. Wenn ich keinen Druck mache tut er gar nichts, quält sich morgens aus dem Bett und dann - nichts. Ich weiß nicht, was aus uns werden soll, wir haben zwei kleine Kinder!

      Dazu kommt, dass er sich so einfach immer weiter von mir entfernt. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, noch bevor er morgens aufsteht, habe ich schon die Kinder fertig gemacht, Brötchen gebacken, eingekauft und eine Bewerbung fertig, ich habe ein Ehrenamt, dass mir viel Spaß macht, Freunde und Familie, mit denen wir viel unternehmen und ich freue mich auf eine neue Herausforderung im Job - das passt so einfach nicht mehr zusammen! Es zieht mich runter, immer mit diesem Problem zu leben, und ich sehe nicht ein, dass ich das muss, wenn ich doch auch ganz anders kann.

      Würdet ihr mir zur Trennung raten?

      • (2) 10.08.13 - 18:40

        Liest sich so,als würdest du wollen,dass man dir zu einer Trennung rät...

        Ganz ehrlich:Selbst wenn wir von Oktober letzten Jahres ausgehen,läuft es "erst" ein Jahr suboptimal und dann scheint nicht an eurer Liebe zueinander zu liegen (zumindest lese ich das nicht heraus),sondern an den Rahmenbedingungen.Ihr habt 2 Kinder.Willst du echt schon die Flinte in's Korn schmeißen,ohne überhaupt zu ergründen,warum er sich so gehen lässt bzw seinen Hintern nicht aus dem Bett bekommt?
        Gibt ja auch noch andere Gründe außer Faulheit.

        lg

        • (3) 10.08.13 - 21:03

          Wenn es nur das wäre. Wir habe in den letzten paar Jahren einen Schlag nach dem anderen eingesteckt. Mein Vater hat Lungenkrebs, eine Fehlgeburt, die schwere Neurodermitis meines Sohnes, Schlaganfall bei meinem Mann, ich habe meinen Job verloren, dann die Arbeitslosigkeit bei meinem Mann. Neben den ganz alltäglichen Sorgen. Ich habe langsam das Gefühl, unter alledem zusammenzubrechen, und wünsche mir nichts sehnlicher, als dieses Problem anzugehen und aus der Welt zu schaffen, um endlich wieder positiv in die Zukunft schauen zu können. Und ich finde daran müssten wir zusammen arbeiten, alles dran setzen, für unsere Kinder und für uns. Und ich bin maßlos enttäuscht darüber, dass er das für uns nicht zu tun bereit ist. Für mich ist das ein Vertrauensbruch, den ich nicht so einfach wegstecken kann.

          • (4) 10.08.13 - 21:33

            Ok,dann haben auch ein...paar...Informationen gefehlt.
            Das alles wird deinen Mann genauso schwer mitgenommen haben wie dich.
            Redet ihr darüber?Kannst du seine psychische Verfassung einschätzen?Hier wird ja schnell mal mit dem Begriff Depression um sich geschmissen,aber bei den ganzen Ereignissen könnte ich mir das gut vorstellen.Zumal es mich nicht wundern würde,dass sein Verhalten dann von dir leicht als Desinteresse,Faulheit und Gleichgültigkeit fehlinterpretiert werden könnte.

            • (5) 10.08.13 - 21:48

              Das ist natürlich etwas, über das ich auch schon nachgedacht habe. Allerdings glaube ich das eigentlich nicht. Solange ich ihn mit dem Thema Jobsuche in Ruhe lasse, ist er nämlich eigentlich sehr zufrieden. Er verhält sich nur eben einfach so als hätte er Urlaub und als sei es vollkommen in Ordnung, einfach mal in den Tag hineinzuleben.

              Und so hart das jetzt klingen mag: selbst wenn es eine Depression wäre, würde sich mir die Frage stellen, ob ich überhaupt noch in der Lage bin, das auch noch zu stemmen. In dieser ganzen Zeit bin ich immer für alle da gewesen. Um die Kinder und deren Belange kümmere ich mich sowieso schon praktisch im Alleingang. Für meine Eltern, meinen Mann und jeden anderen bin ich immer die starke Schulter, schlucke alles runter und mache weiter. Immer weiter. Mein Mann ist mir in dieser ganzen Zeit nie eine Stütze gewesen. Ich bin diejenige, die hier alles zusammenhalten muss. Noch nicht einmal in alltäglichen Dingen, wenn es darum geht, eine kaputte Waschmaschine zu reparieren oder den Fahrradreifen meiner Tochter zu flicken, kann ich mich auf ihn verlassen. Eigentlich bin ich soweit, dass ich sage ich brauche jemanden der mich stützt und nicht jemanden, der mich noch weiter runter zieht.

              Klar, in guten wie in schlechten Zeiten. Aber das gilt doch in beide Richtungen! Und ich habe einfach nicht das Gefühl, dass er zu mir steht!

              • (6) 10.08.13 - 22:01

                "Solange ich ihn mit dem Thema Jobsuche in Ruhe lasse, ist er nämlich eigentlich sehr zufrieden."

                Das schließt eine Depression nicht automatisch aus.Ein Schlaganfall ist ja auch ein einschneidendes Erlebnis.

                "Für meine Eltern, meinen Mann und jeden anderen bin ich immer die starke Schulter, schlucke alles runter und mache weiter"

                Weiß dein Mann,wie akut deine/eure Situation ist?Hast du während der ganzen Zeit mit ihm darüber geredet,dass dir seine Hilfe fehlt?Und ist dein Mann nach dem Schlaganfall körperlich in der Lage,dir zu helfen?

                Insgesamt liest man raus,dass du einfach viel zu lange gewartet hast,dich um deine eigenen Belange zu kümmern und jetzt total "drüber" bist.
                Wäre eine Kur eine Möglichkeit für dich,um erstmal abzuschalten bevor du dich endgültig entscheidest,wie es weitergeht?

                • (7) 10.08.13 - 22:24

                  Mein Mann und ich sind seit ungefähr einem Jahr in Paarberatung, auf meine Initiative hin. Er weiß also genau, dass es für mich langsam krizisch wird. Nach der letzten Sitzung habe ich auch das allerdings für mich als Möglichkeit verworfen. Er hat dort eigentlich nur noch in leeren Phrasen und an unserer Situation komplett vorbei geredet. Dass das "Glas halb voll" ist und er das Ganze als Möglichkeit für sich begreift... Natürlich war es auch ein Fehler von der Therapeutin, das nicht zu erkennen, zumal ich deutlich gesagt habe, dass sich die Situation für mich vollkommen anders darstellt.

                  Ich habe gerade vor zwei Wochen nochmal ganz deutlich mit ihm gesprochen und ihm auch gesagt, dass für mich Trennung eine Möglichkeit ist. Das ändert alles bei ihm nichts mehr. Er tut sich nur selbst leid. An mich denkt er nicht.

                  (8) 10.08.13 - 22:26

                  Körperlich ist mein Mann übrigens vollkommen wiederhergestellt. Er war gerade wieder beim Check up. Er könnte sogar seine Medikamentierung auf ein Minimum zurückfahren.

                  • (9) 10.08.13 - 22:31

                    Ok,dann kann ich dich vollkommen verstehen und auch die Überlegung,die Koffer zu packen.
                    Was hindert dich?

                    • (10) 10.08.13 - 22:38

                      Zwei kleine Kinder.

                      Ich habe eigentlich keine Angst, allein mit den Kindern zu sein. Ich habe ein gutes Netzwerk und meine Familie. Aber ich habe Angst davor, wie es für meine Kinder sein wird. Dass sie Wochenenden bei ihrem Vater, weg von mir verbringen werden. Dass sie es mir übelnehmen könnten. Irgendwie einen Knacks wegkriegen.

                      • (11) 10.08.13 - 22:53

                        Ich glaube eher,dass sie einen Knacks bekommen wenn Papa und Mama jahrelang unglücklich nebeneinander herleben.Es ist ja nicht so,dass man das auf Dauer vor seinen Kindern verbergen kann.Ich würde nicht wollen,dass sie falsche Schlüsse daraus ziehen und denken "das muss so!".Unglückliche Eltern=unglückliche Kinder
                        Ich bin wirklich nicht für übereilte Trennungen und immer dafür,nochmal genau hinzuschauen ob es eine andere Möglichkeit gibt.
                        Aber bei euch beiden scheint ja keiner mehr einen Hoffnungsschimmer zu haben.

                        Ich wünsche dir alles Gute und das du bald auch mal wieder aufatmen kannst

                        • (12) 11.08.13 - 13:50

                          Das ist eben die Frage, was nun wirklich schlimmer ist für die Kinder. Aber Du hast Recht, viel Hoffnung habe ich nicht mehr. Da mein Mann keinerlei Anstrengung unternimmt, die Situation zu verändern, gehe ich davon aus, dass ihm auch nichts mehr dran liegt. So wäre wahrscheinlich eine klare Entscheidung das Beste.

                          Danke Dir auf jeden Fall schonmal für Deine Hilfe!

      (13) 11.08.13 - 19:43

      "Dazu kommt, dass er sich so einfach immer weiter von mir entfernt."

      Er sich von Dir?! Doch wohl eher umgekehrt.

      Arbeitslosigkeit macht etwas mit den meisten Menschen. Selbst der fleißigste, motivierteste, agilste Mensch kann durch Arbeitslosigkeit in ein Loch fallen wie es bei deinem Mann offenbar passiert ist. Arbeitslosigkeit kann im Wortsinn krank machen, etliche Arbeitslose leiden unter einer handfesten, behandlungsbedürftigen Depression.
      Da ist nicht so einfach mit "einfach mal aufraffen, ich bin doch auch so aktiv und mache dies, das und jenes auch noch".

      Womit wir beim Punkt wären: Mit deiner Aktivität bzw. deiner Selbstweihräucherung (zumindest wirkt dein Text stellenweise so), treibst du ihn noch weiter in sein Mauseloch.

      Evtl. braucht dein Mann tatsächlich medizinische Hilfe und nicht eine Frau, die ihn genervt "antreiben" will, statt zu sehen, was ihm wirklich fehlt, denk vielleicht mal drüber nach.

      LG
      Ch.
      ...die so etwas mit ihrem Mann auch schon durch hat und BTW beruflich mit Langzeitarbeitslosen arbeitet.

      • (14) 11.08.13 - 20:27

        Wenn Du beruflich mit Langzeitarbeitslosen arbeitest, würde mich ja mal Deine Meinung dazu interessieren, was ich denn sonst für ihn tun soll. Es ist wirklich nicht so, dass ich nicht versucht hätte, ihn zu unterstützen. Ich habe von Anfang an gesagt, Lass uns das zusammen durchstehen, ich unterstütze Dich dabei wo ich kann. Ich habe ihm Coachings vorgeschlagen und ihn mit Menschen zusammengebracht, von denen ich dachte, dass sie ihm helfen können, eine neue Perspektive zu finden und sich zu motivieren, sich inspirieren zu lassen - unter anderem mit einem guten Freund, der ebenfalls mit Langzeitarbeitslosen arbeitet. Ich habe selbst immer wieder versucht, mit ihm Ideen zu entwickeln, seine Jobsuche zu strukturieren, seine Bewerbungsunterlagen auf Vordermann gebracht, versucht ihn zu motivieren, sich auf bestimmte Stellen zu bewerben, auf ihn eingeredet, sich nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt habe ich eine Paartherapie mit ihm gemacht. Mir gehen hier einfach langsam die Ideen aus, und wenn von ihm so gar nichts kommt, ja, dann ganz ehrlich auch die Lust.

        Ich habe zwei kleine Kinder hier sitzen und muss den Laden irgendwie am Laufen halten! Dazu kann ich mich einfach nicht mit in sein Loch setzen, oder wie stellst Du Dir das vor?!

    (15) 13.08.13 - 14:59

    Hallo

    Hilft er dir im Haushalt, bei den Kindern?

    Du solltest ihm schildern wie es dir geht. Aber sachlich dabei bleiben. Dann solltest du ihm alltägliche Aufgaben überlassen, die er aber auch übernehmen muss. Mittagessen/Abendessen kochen, staub wischen, durchsaugen, Badezimmer putzen, Kinder in den Kindergarten oder zur Schule bringen, bei den Hausaufgaben helfen...

    Er muss seinen Hintern hochkriegen, wieder integriert werden. Das passiert aber nur durch Aufgaben. Gibt es bei euch in der Nähe ein Tierheim? Er könnte dort vielleicht ehrenamtlich beim saubermachen helfen, oder beim Hundeausführen.

    Im Altenheim kann er vielleicht mit den Menschen Karten spielen. Du bist selber ehrenamtlich tätig, vielleicht kann er da mal mitkommen?

    Ich finde, ein bisschen Zeit solltest du ihm noch geben, aber er muss seinen Hintern hochkriegen. Irgendwann ist er dann vielleicht wieder motiviert an seinem Schicksal etwas zu ändern, positiver in die Zukunft zu blicken und durchzustarten. Anfangen tut man mit kleinen Schritten. Gebe ihm die Zeit, aber mache ihm deutlich, dass es so nicht mehr lange funktionieren wird.

    LG, Ciara

    • (16) 13.08.13 - 19:17

      Hallo,
      Das ist es ja, was mich so stört: dass ich ihn einfach nicht motivieren kann! Egal, um was ich ihn hier im Haus bitte, es bleibt erstmal liegen. Auch mit den Kindern ist er nicht gern unterwegs. Er hat eigentlich tolle Hobbies. Ich habe ihm schon oft vorgeschlagen, mal öfter in seinem Proberaum Musik zu machen, jetzt wo er die Zeit hat, oder Radfahren zu gehen. Einfach was für sich zu machen. Für andere ist auch ne Idee, klar.

      Er weiß eigentlich ganz genau, wie es mir damit geht, und da liegt für mich das Problem. Es kränkt mich einfach so sehr, dass er sich TROTZDEM nicht motivieren kann! Denn er weiß genau, er wird gebraucht: und zwar als Vater und Ernährer dieser Familie!!!

Ich finde Deine Reaktion ziemlich heftig.

Mein Mann hat auch lange vorher gewusst, dass er seinen Job verlieren würde. Als es dann soweit war, ist er zusammengebrochen - seelisch und gesundheitlich. Ich ging dann VZ arbeiten, er kümmerte sich um unsere Tochter und das Haus. Er war völlig am Ende. Hatte keine Perspektive mehr.

Obwohl das schon einige Jahre her ist, hat er sich davon nie erholt. Aufgrund seines Alters ist es schwierig einen Job zu finden. Einen Job, bei dem er auch noch so gut wie früher verdient, kann er sich abschminken.

Ich kann mir vorstellen, dass ihn Deine Aktivitäten noch mehr runter ziehen. Er fühlt sich neben Dir noch schlechter als eh schon. Du demonstrierst ihm evt. auch sehr deutlich als das, was er sich schon fühlt: als Looser.

Mein Mann hat von mir auch schon einige Male einen Tritt in den Allerwertesten bekommen. Dazu gehört aber auch, dass man als Partner auf Augenhöhe bleibt und er die Möglichkeit hat, über sich zu reden.

Aber Du hast wohl eher schon abgeschlossen?

  • Mag sein, dass er sich neben mir als Loser fühlt, weil ich versuche, mich nicht hängen zu lassen und mein Leben mit Sinn zu füllen. Aber mich würde mal interessieren: worin siehst Du denn die Alternative? Soll ich mich den ganzen Tag neben ihn auf die Couch setzen?! Ihn auch bemitleiden? Ich verstehe nicht, wie Du Dir das vorstellst. Ich kämpfe für unsere Perspektive!

    • Du bist ziemlich angepisst - ok-

      Du kämpfst um Deine Perspektive. Je mehr Aktion Du machst, desto mehr wird er sich er sich hängen lassen. Je mehr er sich hängen lässt, desto aktiver (weil wütender) wirst Du. Er reagiert depressiv auf die Situation. Bis zu einem gewissen Grad steht ihm das wohl auch zu. Für Männer hat Arbeit und der Familienernährer sein eine andere Bedeutung als für Frauen. Dass er jetzt nichts mehr wert ist, bestätigst Du ihm ja quasi täglich.
      Weisst Du, was ich meine? Ihr bewegt euch in einem Kreislauf.

      Ansonsten braucht er anderweitige Hilfe. Du bist seine Partnerin und nicht seine Therapeutin.

      Wenn Du eher der Part bist, der einen Job bekommen kann und Geld verdienen kann, musst Du eben ran und er daheim den Hausmann machen - und sich natürlich ume einen Job kümmern.

      • Ja, das stimmt, ich bin sehr angepisst. Es ist ja nicht nur sein Leben, das er hier einfach den Bach runtergehen lässt. Ich wollte mich eigentlich selbständig machen. Das kann ich mir mit dem Hintergrund von der Backe putzen. Und Vollzeit arbeiten, ganz ehrlich, das habe ich mir so nicht vorgestellt! Es wäre für mich extrem hart, die Kinder nur für eine Stunde oder so am Tag zu sehen. Für meinen Mann war es eigentlich immer in Ordnung. Auch für meine Kinder wäre es ein Rieseneinschnitt - auch für sie wäre so eine lange Trennung jeden Tag sehr schwer. Davon abgesehen trage ich ja auch ihr Netzwerk mit, mit ihren Freunden etc.

        Natürlich, wenn es nicht anders ginge, dann müssten wir so leben. Aber im Moment sehe ich einfach nicht ein, dass es nicht anders gehen soll. Er hat es ja noch nicht einmal probiert!

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