Trennung hinauszögern? - Zum Wohle des Kindes???

    • (1) 04.10.13 - 21:28

      Hallo zusammen!

      Nachdem ich hier schon diverse Foren wie Kinderwunsch, Schwangerschaft und Baby durchlaufen habe, bin ich nun leider hier bei Trennung gelandet... Ich hoffe, hier ein paar Tipps und Ratschläge zu bekommen. Ich weiß im Moment einfach nicht weiter und brauche einfach mal ein paar fremde Meinungen!

      Ich bin seit 15 Jahren mit meinem Partner zusammen, seit 10 Jahren verheiratet und unser gemeinsamer Sohn wird bald 6. Mein Mann hat erst gearbeitet, ist aber seit über 4 Jahren arbeitslos. Ich habe nach meinem Jahr Elternzeit wieder begonnen zu arbeiten, mittlerweile Vollzeit, damit wir unsere Rechnungen zahlen können... Einen neuen Arbeitsplatz hat mein Mann bisher nicht gefunden, seine Suche ist allerdings auch eher halbherzig, schließlich verdiene ich ja für uns alle.

      Nun könnte man meinen, dass er sich zumindest komplett um den Haushalt kümmert, doch auch das tut er nicht. Er wäscht unsere Wäsche und saugt manchmal, aber das war es dann auch schon. Um alles, was darüber hinausgeht, muss ich ihn bitten oder es am besten selbst machen.

      Der Mülleimer ist 3/4 voll und stinkt, aber er bringt ihn noch nicht raus, weil ja noch Platz ist.
      Die Fenster werden nicht geputzt, da steht ja Dekokram vor.
      Und gekocht wird auf keinen Fall, da ich seine gekochten "Mahlzeiten" nicht anrühre. Einen Kochkurs würde er aber niemals machen... Stattdessen ist er Stammkunde in der Pommesbude nebenan.
      Er hat keine Freunde, weil ihm alles zuviel wird.

      Als ich ihm letztens vorgeschlagen habe, im nahegelegenen Supermarkt einen 450€-Job anzunehmen, meinte er, das würde sich doch nicht lohnen.
      Termine beim Arbeitsamt oder Arzt vergisst er, wenn ich ihn nicht erinnere.
      Er putzt nicht, räumt nicht auf und es dürfte NIEMALS jemand unangekündigt vorbeikommen, weil sich die Wäsche noch im Wohnzimmer stapelt oder schon seit Tagen nicht mehr gesaugt wurde (ich würde mich schämen, um ehrlich zu sein).
      Wenn unser Sohn mal krank ist und zu festen Zeiten Antibiotika nehmen muss, schaffen sie es gemeinsam, gegen Mittag bei McD... vorbeizufahren, zu spielen, etwas zu essen und dann zu Hause die Medizin zu nehmen!!! Unverantwortlich!!!
      Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
      Am meisten aber nervt mich, dass er all das nicht einsieht und meint, ICH würde mich ihm gegenüber ja blöd benehmen.

      Da ich es nicht einsehe, ihn in seiner Faulheit noch weiter zu stärken, muss er zumindest unseren Sohn morgens zur Kita bringen. Dort kommt er immer erst auf den letzten Drücker an, weil Papa erst Zeitung lesen und rauchen muss, bevor er unser Kind kita-fertig macht und wegbringt. Bis dahin darf der Kleine auf dem Sofa liegen und Kika schauen (ca. 1 Stunde). Zu der Zeit bin ich schon längst arbeiten.

      Dazu kommt, dass ich häufig auch am Wochenende zu Hause arbeiten muss und das Gefühl habe, mit allem allein gelassen zu werden.

      Sämtliche Diskussionen enden im Nichts, wir drehen uns im Kreis und von Liebe kann schon lange keine Rede mehr sein. Als letztens die Sprache auf Trennung bzw. Scheidung kam, meinte er doch allen Ernstes, ER würde das Kind mitnehmen, soviel sei ja wohl klar.

      Einerseits möchte ich keine Trennung oder Scheidung, weil ich meinem Kind all das ersparen möchte. Wir liefern uns auch keinen Rosenkrieg, wobei Harmonie definitiv anders klingt.
      Aber andererseits merke ich, wie ich die Geduld verliere. Ich ertrage seine Ansprüche und schlauen Reden nicht mehr. Ich glaube, dass er sozial und emotional gestört ist, vielleicht auch depressiv, keine Ahnung. Ich habe einfach keine Lust mehr und wünsche mir ganz oft, mit meinem Sohn allein zu sein, ohne den ständig nörgelnden Vater, der sich am besten einfach in Luft auflösen könnte...

      Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Druck aufbauen, dass er arbeiten geht, klar. Macht er nicht. Rummeckern, weil er den Haushalt nicht macht? Tue ich. Aber es verändert sich nichts. Ich arbeite Vollzeit, teilweise eben auch zu Hause am Wochenende, bin ehrenamtlich in der Kita beschäftigt, habe (noch) Freunde und meine Eltern, mit denen ich auch Zeit verbringen möchte, so lange sie noch da sind.

      Ich habe keinen neuen Partner, das ist keinesfalls der Grund für meine Fluchtgedanken, aber ehrlich gesagt kann ich einfach nicht mehr.

      Aber ich weiß eben nicht, ob nicht ein völlig verrückter Richter - und so einen habe ich gerade in einem Arbeitsprozess erlebt! - Gut und Böse verwechselt und mir meine Vollzeitarbeit nicht zum Nachteil auslegt. So nach dem Motto: Sie arbeiten ja ständig und hätten gar keine Zeit für den Jungen.

      Eben noch habe ich nach Anwälten im Familienrecht recherchiert und dachte, dass mir das alles eine Nummer zu groß ist und ich das nicht auch noch schaffe. Wenn ich diese Ehe noch einige Jahr durchhalte, könnte unser Sohn zumindest (noch) deutlicher und verlässlicher äußern, was und zu wem er möchte. Sein Wohl ist für mich das Allerwichtigste. Ich möchte eigentlich auch diese ganze Trennungsproblematik nicht haben. Wann ist er bei wem? Wie lange? Was macht er da? Wird er entführt? Man weiß ja nie...

      Andererseits wird mit jedem Monat die Summe größer, die ich meinem Mann bei einer Scheidung zahlen muss... Quasi für's Nichtstun, Rauchen, Fernsehen und Zeitung lesen.

      Hat jemand Tipps für mich? Oder Erfahrungen mit Richtersprüchen? Bin für jede Antwort dankbar!!!

      Liebe Grüße und noch einen schönen Abend!

      Heidi

      • (2) 04.10.13 - 23:03

        Hallo,
        ich kann dir nicht sagen, was bei euch nun schief läuft, oder nicht. Aber an deiner Stelle würde ich mich erst einmal beim Anwalt beraten lassen.

        Ich würde mich auch damit auseinandersetzen, was passiert, wenn der Papa keineswegs damit einverstanden ist, dass du das Kind bekommst. Immerhin ist ein Kind immer mit Unterhalt und Betreuungsunterhalt verbunden.

        (3) 05.10.13 - 07:59

        Hallo,

        ich kann Deine Ängste verstehen, leider kann man in Richter nicht rein schauen. Auch wen sie es eigentlich nicht so sein sollte bringt jeder seine eigene persönliche Geschichte mit die natürlich in irgendeiner Form in die Urteile mit ein fließt.

        Ich würde mich mit einem guten Anwalt beraten und sehr strategisch vorgehen.
        Aber mein persönliches Ziel wäre es diesen Kerl schnellstmöglich los zu werden.

        Schreib doch mal die Userin " baltrader" an die hat s geschafft so einen Mann los zu werden allerdings auch nicht mal eben so einfach den der Ex hat sich mit allen Mitteln gesträubt sein bequemes Leben auf zu geben.

        liebe Grüße und alles gute Dore

        (4) 05.10.13 - 09:51

        "Als letztens die Sprache auf Trennung bzw. Scheidung kam, meinte er doch allen Ernstes, ER würde das Kind mitnehmen, soviel sei ja wohl klar."

        Für mich hört sich das sehr nach heißer Luft an. Im Grunde genommen ist es deinem Mann doch schon zuviel, dass er sich um sich selber kümmern muss, und dann hätte er noch SEINEN Haushalt und das Kind zu versorgen...ich glaub irgendwie nicht dran, dass er das schafft bzw. will.

        Bleiben halte ich übrigens für keine Alternative. Lass dich von einem Fachanwalt für Familienrecht bzgl. deiner Mögluchkeiten beraten...

      • (5) 05.10.13 - 14:46

        Hallo,

        das Problem ist, dass Deine Sorge nicht unbegründet ist. Bei euch liegen schlicht und einfach umgekehrte Rollenverhältnisse vor.

        Würdest Du hier lesen, dass ein vollzeitig arbeitender Mann sich von seiner arbeitsscheuen Frau trennen will, die sonst nicht viel auf die Kette bekommt, würde ein Großteil der urbia-Gemeinde nicht zucken und es völlig normal finden, dass das Kind bei ihr bleiben würde.

        Das Problem ist: Du kannst nicht wissen, an welche Sorte Richter du gerätst. Dein Mann hätte unabhängig davon, ob das Kind bei ihm bleibt oder nicht zunächst einen Anspruch auf Trennungsunterhalt. Es wäre also ziemlich lukrativ für ihn, wenn das Kind bei ihm bliebe. Unabhängig davon muss man ihm nicht mal unlautere Motive unterstellen. Es wird keiner euren Haushalt überprüfen und feststellen, dass Dein Mann eine Haushaltsschlampe ist und das Kind zu viel fernguckt oder spät in die Kita kommt. Nix davon ist verboten und wird einen großartigen Ausschlag dafür geben, das Kind nicht zu ihm zu geben. Ihr habt ein gewachsenes Familienmodell und es wird auch keiner wissen wollen, ob das freiwillig so geführt wurde oder nicht. Ganz so, wie es Millionen Männern geht, deren Frauen erklärt haben, sie würden 1 Jahr nach der Geburt wieder arbeiten gehen und sich dann eben doch umentschieden haben.

        Dein Kind wird auch in einem Jahr noch zu klein sein, um eine eigene Entscheidung zu treffen. Das wird erst viel später relevant sein, aber nicht in nächster Zeit. Außerdem ist es auch eure Aufgabe als Eltern, euch zu einigen.

        Interessant ist dabei vor allem auch Dein Verdienst. Du wirst jetzt vermutlich Steuerklasse 3 haben. Wenn Du Dich jetzt trennst, dann ab 2014 Steuerklasse 1 (oder 2, je nachdem) bzw. auch wenn die Trennung mitten im Jahr erfolgt, solltest Du möglichst schnell in die ungünstigere Steuerklasse wechseln, um für die Unterhaltsberechnung klare Verhältnisse zu schaffen. Unterhalt für das Kind ginge vor, besonders auch dann, wenn Du das Kind tatsächlich mitnehmen kannst, er keinen Unterhalt zahlt und selbst Unterhalt beansprucht.

        Da er sich weigert, das Kind mit Dir mit ziehen zu lassen, wirst Du um den Anwalt nicht drum herum kommen. Gehen ohne seine Zustimmung, das Kind mitnehmen zu können resp. eine gerichtliche Zustimmung, halte ich für Harakiri in Deiner Situation. Vortasten könntest Du Dich in der Hinsicht, ob Dein Mann für ein Wechselmodell zu haben wäre. Oder für großzügigen Umgang über die üblichen 14-Tage am WE hinaus.

        LG

        Schon beim Lesen Deines Textes beschlich mich der Gedanke dass Dein Mann depressiv sein könnte. Leider ist das nur behandelbar , wenn der Betroffene das auch will.

        Nun zu Deinem Problem:

        Ohne Diagnose und ohne echte Kindeswohlgefärdung würde Dein Mann mit mittelmäßig begabtem Anwalt das Kind wohl zugesprochen bekommen, da er es hauptsächlich betreut. Hierbei zählt definitiv vor Gericht die quantitative Zeitfrage, nicht die Qualität.

        Eigentlich ist Dein Problem noch größer , als Du glaubst. Denn einmal getrennt, wird Dein Mann vermutlich viele viele Jahre nicht mehr arbeiten, denn dann wird - ausgelöst durch das Trennungstrauma, seine Depressionen erkennen und ihn auf sehr sehr lange Zeit arbeitsunfähig machen.

        Du steckst richtig in der Klemme und ich habe leider keine Idee wie Du auch nur halbwechs gut aus dieser Nummer herauskommen kannst.

        Pina

      • (7) 23.04.14 - 00:25

        Hallo, wenn Dir Dein Kind am Wichtigsten ist, würde ich jetzt den Job aufgeben und auch zu Hause bleiben. Trennen kannst Du Dich ab ca. 1 Jahr danach und wenn Du das hinter Dich gebracht hast kannst Du wieder arbeiten gehen.

        Viel Glück

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