Mein Partner leidet unter einer Angststörung und ist sich unserer Beziehung nicht mehr sicher

    • (1) 09.08.16 - 16:26

      Ich bin gerade ziemlich verzweifelt.

      Mein Freund und ich kennen uns praktisch eine Ewigkeit, wir sind nun seit mehreren Jahren ein Paar und wohnen seit Kurzem auch zusammen.
      Seit ca. 1 Jahr leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die aus dem nichts zu kommen scheinen.
      Er hat dann immer Angst seinen Verstand zu verlieren und diese Angst lähmt ihn komplett. Kino oder Familienbesuche gehen nur wenn er einen wirklich guten Tag hat. Ich würde ihm so gerne helfen :(, es tut weh ihn so zu sehen. Zu einer Verhaltenstherapie konnten wir ihn jetzt endlich überreden, die macht er nun seit ein paar Wochen.

      Aber leider hat das Alles auch sehr negative Auswirkungen auf unsere Beziehung. Wir haben uns immer abgöttisch geliebt, in den letzten Monaten ist es jedoch anders geworden. Er hatte sich immer mehr zurückgezogen, konnte über seine Probleme nicht sprechen. Ich habe eine andere Frau dahinter vermutet und ihn immer wieder darauf angesprochen, und immer und immer und immer wieder- Streit war da natürlich vorprogrammiert.

      Vor ein paar Wochen ist es dann "eskaliert". Wir haben ein offenes Gespräch geführt und er sagte er hätte keine Freude mehr im Leben, er wäre komplett abgestumpft und wüsste gar nicht mehr was er fühlt. Er hätte sich emotional von mir abgeschottet und wüsste nicht wie es weiter gehen soll. Das hat mir natürlich mein Herz gebrochen :(. Wenn ich nur gewusst hätte, dass es SO SCHLECHT um ihn steht.

      Er hat mir dann gesagt er wolle keinesfalls dass wir die Wohnung aufgeben, könnten auch natürlich weiterhin miteinander sprechen, an guten Tagen vielleicht was unternehmen. Aber dass er sich momentan ausschließlich um sein Problem kümmern müsse und nicht die Kraft hat Verantwortung für unsere Beziehung zu übernehmen.

      Das war echt hart ;(. Ich bin niemand der sofort aufgibt wenn es schlecht läuft oder der Partner sich verändert. Er ist krank und ich möchte ihm helfen.
      Aber wie kann ich das am Besten anstellen?
      Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir berichten?

      Viele haben mir gesagt ich solle mich trennen und bloß weg von ihm, sie nehmen seinen Zustand nicht ernst und glauben es sei eine Ausrede um sich von mir trennen zu können.
      Aber das macht doch alles keinen Sinn !!

      Wäre in seinem Zustand eine stationäre Therapie ratsam? Ich habe das Gefühl dass er in eine Depression abrutscht wenn er weiterhin so leidet.

      • >>Wäre in seinem Zustand eine stationäre Therapie ratsam? Ich habe das Gefühl dass er in eine Depression abrutscht wenn er weiterhin so leidet.<<

        Ich denke, er ist da schon mitten drin. Und wenn du das aushältst, würde ich die Beziehungsfrage offen lassen und tatsächlich dazu raten, dass er sich voll um sich und seine Krankheit kümmern sollte. Ist er denn mal vom Fachmann untersucht worden? Vielleicht braucht er neben einer Therapie auch medikamentöse Unterstützung.

        Grüße Küstenkönigin

        • Sagen wir es mal so. Ich bin schon ein zäher Knochen und ich liebe ihn wirklich sehr. Aber es ist schon schwer auszuhalten....erstmal nicht zu wissen wie es beziehungstechnisch weitergeht und dann auch den Partner so zu sehen. Diese Traurigkeit in ihm ist so Allumfassend, ich habe das Gefühl dass sein Lachen manchmal nur gespielt ist und er sich dazu zwingt uns allen etwas vorzumachen.

          Ich habe versucht ihn zu einer stationären Therapie zu überreden und er ist dem auch nicht gänzlich abgeneigt.

          Trotzdem plagt es mich so sehr, dass mir andauernd eingeredet wird er habe einfach eine andere Frau und verhält sich deswegen so.
          Das kann doch nicht der Grund sein!? Zumal ich ihn danach gefragt habe und er mir mehrmals klipp und klar gesagt hat, dass das nicht der Fall ist!! Es ist so zermürbend....

          Ich will ihm seine Zeit zugestehen, keine Frage. Mir ist auch bewusst dass das keine Sache von Tagen oder Wochen ist, sondern sich über einen sehr langen Zeitraum erstrecken kann.

          Er ist ja bereits bei einer Verhaltenstherapeutin, ich glaube aber nicht, dass ihm das maßgeblich weiterhilft. Deswegen der Vorschlag der stationären Therapie.

          • Wenn der Grund für sein Verhalten in einer anderen Frau liegen würde, würde er dann ernsthaft über eine stationäre Therapie nachdenken? Dafür müsste man doch schon sehr merkwürdig gestrickt sein, wenn man statt die Trennung auszusprechen lieber in die Psychiatrie geht.

            Daher glaube ich das nicht.

            Liebe Grüße

      Als erstes einmal finde ich es absolut positiv von Dir, dass Du Dir um Deinen Freund Sorgen machst und nicht auf das Umfeld hörst, dass Dir zur Trennung rät.

      Aus Deinen Zeilen lässt sich für Fremde hier natürlich nicht lesen, wie er wirklich ist bzw ob es doch Anhaltspunkte dafür gibt, dass er die Beziehung nicht mehr will, weil es eine andere Frau gibt o.Ä.

      Eine Partnerschaft soll ja aber nicht nur in guten Zeiten funktionieren, sondern eben auch Rückhalt in schlechten Zeiten geben. Dass Du Deinem Freund helfen und für ihn da sein willst, ist ja sicherlich eher das, was er gerade braucht, als dass sich seine Partnerin in dieser schwierigen Phase von ihm abwendet.

      Ohne Hintergrundwissen etc. klingt Deine Beschreibung in der Tat recht deutlich nach Depressionen bei Deinem Partner. Die Angststörung hast Du ja beschrieben - leider kenne ich mich damit etwas aus und kann Dir sagen, dass es ohne Therapie fast nicht möglich ist, da aus eigener Kraft heraus zu kommen, wenn es den Alltag quasi schon so lähmt und im Griff hat.

      Mein wirklich gut gemeinter Laienrat: Wenn Dein Freund grundsätzlich zu einer stationären Therapie bereit ist, dann verliert keine Zeit mehr! Die Wartelisten sind lang und ich würde da jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, damit er dort einen Platz bekommt!

      Und trotz allem: Angststörungen und Depressionen verschwinden in den seltensten Fällen komplett. Man kann im besten Fall nur lernen, damit zurechtzukommen und sie nicht den Alltag bestimmen zu lassen (das ist zumindest mein Wissensstand - ich lasse mich gerne verbessern). Daher solltest Du Dir beim Aufrechterhalten der Beziehung im Klaren sein, dass das Thema sich mit einer Therapie nicht schnell erledigen, sondern wahrscheinlich immer Teil Eures Alltages bleiben wird.

      Ich wünsche Euch beiden ganz viel Kraft!

      • Danke für die mitfühlende und ausführliche Antwort.

        Klar, wir stehen hier einem komplexen Problem gegenüber...ich hab versucht alles so ausführlich wie möglich zu schildern und freue mich, dass hier versucht wird mir zu helfen. Ich brauche diese Unterstützung gerade so dringend!

        Sein Verhalten ist eben einfach teilweise widersprüchlich, er ist den größten Teil der Zeit "abwesend" und oft traurig. Das was mich so fertig macht ist eben unsere Aussprache....er sagte ja er müsse sich gerade um sich selber kümmern und dass er keine Kraft für die Beziehung hat. Wir sind also gerade weder das eine noch das andere.
        Ich habe als Kurzschlussreaktion auf das Gespräch damals meine Sachen gepackt und bin bei einer Freundin untergekommen. Am 1. Abend hat er bereits angerufen und geschrieben und mich gebeten nach Hause zu kommen, am 2. Abend dann wieder das Gleiche.

        Aber als ich dann nach Haus kam hat sich nichts geändert. Ich weiß nicht was das alles soll. Ist es denn möglich dass ausschließlich die Krankheit der Ursprung diesen Übels ist?

        Ich will wirklich für ihn da sein und ihm helfen, ihn unterstützen und ihm den nötigen Halt geben. Und es ist mir klar, dass ich keine Wunder erwarten kann. Es wird, auch bei erfolgreicher Therapie immer wieder Rückfälle geben. Aber kann man denn lernen, dass dann nicht sofort das "Leben" vorbei ist? Ich hab solche Angst.

        Ich kann ihn jetzt auch nicht andauernd "zwingen" über unsere Beziehung nachzudenken....eigentlich bin ich froh dass er wenigstens nach Haus kommt und mich auch umarmt usw. Aber es gleicht jeder Tag dem Anderen, jeden Tag wache ich auf und denke: Was passiert heute? Was geschieht mit ihm und mit uns?

        Ich hoffe so sehr dass er sich auf die stationäre Therapie einlässt, es würde ihm helfen. Er soll wieder an etwas anderes als an die Angst denken können. Wir hatten so viel vor zusammen. Vor einigen Wochen haben wir noch über unsere Zukunft gesprochen. Es ist so ein Albtraum :(.

    Hallo,

    als meine Mutter sich als narzitisch veranlagte Person mehrfach gedroht hat umzubringen war ich in einer ähnlichen Lage. Nur dass ich da einen Mann und zwei Kinder hatte.

    Ob eine stationäre Therapie sinnvoll ist weiß ich nicht - für den Notfall eine Option aber danach ist es so wie früher - die Leute dort können auch nicht hexen.

    An Deiner Stelle suche Deinem Freund einen gescheiten Therapeuten. Meine Therapeutin hat mir damals sprichwörtlich mein Leben neu geschenkt.Wenn Sie ihren Job gut macht wird relativ schnell der Grund gefunden warum Dein Freund in dieser Situation ist. Dann sucht Euch eine Familienberatungsstelle die auch Paarberatung macht und lasst eine Familienaufstellung machen. Im Idealfall (war bei uns so) macht die dort weiter wo der Psychotherapeut aufgehört hat. Und dann arbeitet mit dem Wissen weiter. Da wird sich so einiges verändern im Leben aber dass kann auch gut sein.
    Die Reha war bei mir der Abschluss von dem ganzen, dort habe ich mich gegen die lieben Mittel der Pharmaindustrie entschieden (meine Therapeutin war dafür - meine Hausärztin nicht) und bin meinen Weg gegangen. Ich leben seit Jahren ohne das Zeug, es gibt immer mal wieder Höhen und Tiefen aber mir geht es gut. Und wenn immer ich mal so einen Tag habe, denke ich an meine ehemalige Therapeutin was diese immer gesagt hat und mit dem Wissen nie wieder bei ihr sein zu wollen klappt dann auch die Umsetzung der Dinge.

    VG Geli

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