Wie kann ich aus Wut, Groll und Enttäuschung Gleichgültigkeit machen?

    • (1) 01.03.17 - 10:27

      Mein Partner und ich haben uns nach 13 Jahren getrennt. Vom Gefühl her stand das Thema Trennung für mich schon Jahre auf der Agenda, aber Ehe, gemeinsamer Besitz, gemeinsame Kinder und nicht zuletzt die von meinen Eltern eingetrichterten Glaubenssätze (man muss kämpfen, in guten wie in schlechten Zeiten, euch geht es doch gut, was sollen die Leute denken - ja solche Glaubenssätze können tief sitzen), ferner Hoffnung auf Besserung, aber auch Angst vor dem Danach und eine Krankheit, ließen mich bleiben.

      Mein Partner war wirklich die Person, der ich am meisten vertraut habe und ich hätte nie gedacht, dass er mich anlügt, nicht mal, als er es offensichtlich schon getan hat. Wenn ich von Trennung sprach und ihn mit seinen Lügen (es ging darum, ob eine gute Freundin, nur eine gute Freundin ist oder ob das was läuft und er verliebt ist) konfrontierte, wiegelte er ab, sagte, wir hätten es doch so schön und er würde mich lieben. Da stand ich dann verwirrt, weil mein Gefühl nicht zu dieser Aussage passte. Warum ich blieb? Siehe oben!

      Jetzt sind wir endlich getrennt und es fühlt sich super an. Viele Probleme gibt es eigentlich nicht mehr und von der Krankheit bin ich endlich genesen. Wahnsinn, was die Psyche ausmacht!

      Trotzdem ist es manchmal noch so, dass ich total wütend auf ihn bin, dass er mich so lange belogen hat, dass er meine Trennungsgesuche und wenn ich seine Lügen aufgedeckt habe, immer abgetan hat. Es wäre doch auch für ihn leicht gewesen zu sagen, ja so ist es, und fertig. Dann hätten wir uns die letzten 2 bis 3 Jahre sparen können.

      Ich würde also die Wut, so lange absichtlich belogen worden zu sein, den Groll auf seine "beste Freundin" (auch verheiratet, Kind) und die Enttäuschung, dass mein Vertrauen so missbraucht wurde, einfach gerne in Gleichgültigkeit verwandeln.

      Und das Thema Ehe ist wirklich gegessen: Morgen übertragen wir beim Notar einvernehmlich das Haus und unterschreiben eine einvernehmlich gefasste Scheidungsvereinbarung. Scheidung halt erst wenn das Trennungsjahr rum ist. Mit den Kindern können wir uns gut absprechen und ohne Streit miteinander umgehen.

      Die Wut, den Groll und die Enttäuschung spüre ich nicht oft, weil es mir ja gut geht. Aber manchmal, wenn die Gedanken in die Vergangenheit schweifen kommen Wut, Groll und Enttäuschung zurück. Ich würde gerne Gleichgültigkeit empfinden...

      Meine bisherigen Maßnahmen sind....mit Freunden reden, laufen gehen, die Wut zulassen und auch mal schlecht über meinen Ex reden (was nicht meine Art ist),...

      Was kann ich noch tun? Oder muss ich einfach Zeit verstreichen lassen? Wir sind seit 4 Monaten getrennt und nach Jahren der Lüge habe ich erst vor vier Monaten sein Geständnis erlangt.

      Sein Schlusssatz:
      "Sei doch froh, auf dein Gefühl kannst du dich wenigstens verlassen!"

      • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in wirklichkeit am meisten auf mich selber wütend war. Dass ich es zugelassen habe, dass er mich so behandeln kann. Dass ich "weg gesehen" habe obwohl ich wusste da stimmt was nicht. Und von ihm war ich maßlos enttäuscht.

        Irgendwann muss man anfangen die eigenen Fehler zu aktzeptieren (und ich habe beschlossen sie nicht mehr zu wiederholen), dann wird das mit der Wut besser.

        Die enttäuschung über diesen Menschen ist aber bis heute geblieben, er ist mir bis heute nicht gleichgültig, leider. Die Enttäuschung sitzt sehr tief.

      Hallo.

      Ich denke, dass das ein "gutes" Thema für ein paar Gespräche mit einem Profi ist ...

      ... damit meine ich nicht eine Langzeit-Therapie, sondern ein paar Akut-Gespräche bei einer Beratungsstelle (Pro Familia, Caritas, Sozialdienst katholischer Frauen, manchmal machen das auch Hausärzte mit entsprechender Ausbildung) ...

      ... einfach dass Du noch mal neue Sichtweisen bekommst und Strategien, wie Du mit Deiner Wut umgehst und sie kanalisieren kannst.

      Alles Gute.
      LG

    Das man erstmal wütend und enttäuscht ist und vielleicht auch Groll hegt, ist ein normaler Prozess.
    Dass man keine Gefühle mehr hat, ist das Ende dieses Prozesses.

    Das wickelt man nicht wenigen Wochen ab, das dauert seine Zeit.

Hi,

ich denke, dass diese Gefühle bei einer Trennung völlig normal sind. Und da hilft nur die Zeit.

Nach meiner Trennung war ich erst nur sauer auf ihn, natürlich auch auf seine neue Freundin und ich war das Opfer. Einen Betrug wegzustecken und alles aufzugeben, an das man geglaubt hat ist harte Arbeit.

Irgendwann habe ich mein eigenes Verhalten hinterfragt und musste mir eingestehen, dass ich auch Schuld an den Ereignissen hatte. Leicht war dieses Eingeständnis allerdings nicht.

Nach ein paar Jahren war mir das alles egal, völlig gleichgültig. Ich hab ihm und mir selbst verziehen und seine Frau finde ich klasse. Ich denke nicht mehr an die verschwendete Zeit und das verlorene Geld nach - all das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin und das ist ok für mich.

Geholfen haben mir auch ein paar Gespräche mit einer Psychologin - bei ihr habe ich mich getraut, ehrlich zu sein - auch was meine eigenen Verfehlungen angeht.

Also, gib Dir etwas Zeit - irgendwann geht Dir das alles sonstwo vorbei.

Lg

4 Monate sind nach 13 Jahren nicht ansatzweise lange genug, um gleichgültig zu werden :-)

(11) 02.03.17 - 08:42

<<<Ich würde also die Wut, so lange absichtlich belogen worden zu sein, den Groll auf seine "beste Freundin" (auch verheiratet, Kind) und die Enttäuschung, dass mein Vertrauen so missbraucht wurde, einfach gerne in Gleichgültigkeit verwandeln.>>>

Das wird noch eine Weile dauern. Ich hatte auch gedacht, nach der endgültigen Scheidung ist dann alles erledigt. Ne, auch jetzt sitzt manchmal noch die Wut in mir, was ich mir da jahrelang hab gefallen lassen. Welche Zeit mir verloren ging. Gerade, wenn die Mädchen erzählen, wie großzügig er jetzt doch ist. Hatte er doch immer versucht, den Unterhalt der Mädchen zu kappen bzw. zu reduzieren, da er mir das nicht in den Rachen schmeißen wollte und er doch ach so arm ist. Hat er den Mädchen immer erzählt. Da könnte ich schon gerne mal die Faust ausholen. Aber den Mädchen gönne ich es auf jeden Fall, dass beruhigt mich dann doch. Aber im Großen und Ganzen ist die Gleichgültigkeit bei mir eingeschlichen, zumal ich ja auch einen neuen Partner und noch ein gemeinsames Kind habe. Auf die konzentriere ich mich jetzt und die Mädchen natürlich auch.

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