Verdienen Frauen wirklich weniger als Männer?

Verdient ihr als Frau weniger als männliche Kollegen?

Anmelden und Abstimmen
    • (1) 02.01.19 - 13:17
      Bininteressiert

      Man hört ja immer wieder, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Diese Aussage so pauschal zu verwenden finde ich irgendwie schwierig, da ich mir denke, dass es Gründe gibt, dass eine Statistik entsprechend ausfällt:
      *Frauen arbeiten eher in Teilzeit als Männer
      *Frauen verhandeln ihre Gehälter nicht so selbstbewusst und geben sich leichter zufrieden
      *Frauen wählen eher Berufe, die sich mit Kinderbetreuung besser vereinbaren lassen und stecken dann im Zweifel lieber beim Gehalt zurück

      Mich würde mal interessieren, wie das bei euch ist. Ich hoffe, ich habe alle Antwortmöglichkeiten abgedeckt.

      • Man muss ja erstmal die Bedingungen gleich setzen. Natürlich verdient man Teilzeit weniger als Vollzeit.

        • (3) 02.01.19 - 13:39

          Ja, genau das meine ich ja, kam nur vielleicht nicht so rüber. In der Statistik wird oft nur das Gesamtgehalt berücksichtigt, aber nicht die damit verbundene Arbeitszeit. Das lässt sich natürlich nicht vergleichen.

      Die tariflichen Mitarbeiter verdienen bei uns logischerweise geschlechtsunabhängig das Gleiche. Da kommt es nur auf die Betriebszugehörigkeit an. Wobei ich eine Abteilung kenne, bei der zwei verschiedene Entgeltgruppen da sind. Schlicht weil zur schlechteren keine Mitarbeiter mehr gefunden wurden.
      Bei den außertariflichen Mitarbeitern kommt es drauf an wie verhandelt wurde.

    • (5) 02.01.19 - 14:37

      Hallo

      ich hatte durch Zufall bzw. Fehler im System in meiner alten Firma Einblick auf die Überweisungen der Gehälter. Also nicht auf die brutto Gehälter die man ja eigentlich vergleicht, sondern nur auf das was netto raus kommt. Das kann man dann natürlich nicht 100% vergleichen weil das netto Gehalt von vielen Faktoren abhängig ist.

      Ich war natürlich neugierig und habe mir die Datei angesehen. Ich konnte da nicht erkennen, dass es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gab der so groß war, dass er aufgefallen ist. Es gab natürlich Ausreißer nach oben aber das hatte sicher damit zu tun dass die Personen gut verhandelt haben und nicht mit dem Geschlecht. Es waren auch Männer dabei die verhängnismäßig wenig bekommen haben und Frauen die deutlich mehr hatten als die männlichen Kollegen in gleicher Position.

      Ich glaube so pauschal kann man es nicht sagen weil es auch oft einfach darauf ankommt wie man sich verkauft. Je besser man das kann, desto eher bekommt man auch ein höheres Gehalt. Leider habe ich es oft erlebt, dass Männer das einfach besser können und Frauen eher zurückhaltend sind. Und das obwohl sie fachlich ganz oft mehr drauf haben als die männlichen Kollegen

      Ich bin im öffentlichen Dienst und hier gibt es keine Unterschiede. Aber es sind leider mehr Männer auf hohen Positionen und hohen Entgeltgruppen als Frauen.

      • (7) 03.01.19 - 12:11

        Ich bin auch im öD.
        Und mein neuer Kollege bekam bei Einstellung gleich eine Erfahrungsstufe höher als ich. Dabei hatte er weniger Berufserfahrung als ich.
        Hab beim Personalrat nachgefragt wie es sein kann... auf die Antwort warte ich heute noch.

    Du musst zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap unterscheiden.
    Der unbereinigte beinhaltet auch Merkmale, die du genannt hast - eher Teilzeit bei Frauen zB, unterbrochene Erwerbsbiographie. Der sagt was über das System, in dem wir leben. Das sind die berühmten 22%.
    Der bereinigte Gender Pay Gap ist der, der nicht durch solche Merkmale erklärt werden kann, weil er existiert, obwohl Männer/Frauen denselben Job mit derselben Arbeitszeit und vergleichbarer Qualifikation machen. Der liegt derzeit bei bis zu 7%.
    de.m.wikipedia.org/wiki/Gender_Pay_Gap

    Fun fact: Wenn der Frauenanteil in einem "Männerberuf" steigt, sinken der Durchschnittslohn, Status und Anerkennung. Wenn der Männeranteil in einem "Frauenberuf" steigt, steigt auch der Durchschnittslohn.
    https://www.zeit.de/arbeit/2018-06/gehaltsunterschiede-frauenberufe-loehne-gender-pay-gap/komplettansicht

    Nachtrag: An der Umfrage kann ich mich nicht beteiligen, weil ich in meiner Firma die einzige mit genau diesem Job bin.

    Der Berufsverband gibt alle zwei Jahre eine Gehaltstabelle raus, sehr detailliert aufgeschlüsselt, die auf den Angaben der Mitglieder beruht. Bei jeder Firmengröße, in jeder Region und in jeder Branche verdienen die weiblichen Mitglieder deutlich weniger, heißt, im Durchschnitt fehlen ihnen mehrere hundert Euro monatlich zum Durchschnitt der männlichen.
    Das fand ich schon ziemlich krass, es so schwarz auf weiß zu lesen.

    Bei uns gibt es Objektbezogene Aufschläge und da bekommt jeder den identischen Lohn pro Stunde. Allerdings fair ist das auch nicht. Denn es gibt Leute die eine höhere Ausbildung haben und Fachkräfte sind, andere sind Quereinsteiger.

    Wenn man also keinen Lohn oder Gehalt nach Vorgabe bekommt, sind Schwankungen nicht selten üblich.

    Man darf auch nicht vergessen das es nur wenige Frauen in Führungspositionen gibt und oft liegt es daran das Frauen sich selbst im Weg stehen. Auch verdient man in typischen Männerdomänen im Schnitt mehr als in Jobs die typisch von Frauen dominiert werden. Auch bei gehaltsvorstellungen (hab im Büro schon vielen Vorstellungsgesprächen als protokollführer beigewohnt.) Setzen Männer häufig viel höher an als Frauen! Wenn diese im Gespräch neben Qualifikation auch noch mit Charisma Punkten... zahlt der AG nicht selten den höheren Preis.

    Ich hatte zb mal ein Vorstellungsgespräch wo der AG mich unbedingt haben wollte. Aber mir in der Befristetung nicht entgegen kommen wollten. Ich wollte keine 2 Jahre Befristung! Aber anstatt mit hier entgegen zu kommen.... fingen sie plötzlich an das Gehalt hoch zu treiben als Mittel mich zu überzeugen. Sprich wenn man jetzt nicht gerade aufgrund anderer Umstände ablehnt... ist das auch ein gutes Pokerwerkzeug. Aber dafür muss man wirklich merken das die einen wollen.

    • (11) 03.01.19 - 13:09

      Danke für Eure Meinungen und Erfahrungen. Es spiegelt eigentlich genau das wieder, was ich mir schon dachte. Ich empfinde halt, dass da immer so pauschalisiert wird und es so dargestellt wird, dass Frauen grundsätzlich weniger verdienen.
      Kennt ihr zB diese Video mit den Kindern: immer ein Mädchen und ein Junge bekommen die Aufgabe, dass sie gemeinsam Bälle aufräumen sollen. Als Belohnung bekommen sie Süßigkeiten. Der Junge ein ganzes Glas und das Mädchen ein halbes. Und alle Kinder verstehen das nicht und teilen die Süßigkeiten gleich auf. Das wird dann als das Große Vorbild gesehen. Und dass es doch überall so sein müsste...

      Ich selbst habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich einen Job nicht annehmen wollte und die mich unbedingt haben wollten. Das aus meiner Sicht gut verhandelte Gehalt wurde mir dann noch mal um 20% höher angeboten. Da war ich echt überrascht, wieviel Spielraum da noch gewesen wäre. Den Job habe ich trotzdem nicht genommen. Geld ist halt nicht alles 🤷🏼‍♀️ Und das sehen Männer vielleicht auch eher anders als Frauen.

Denk schon dass Männer mehr verdienen. Ich verdiene €2200 netto und mein Mann verdient um einiges mehr und ist aber mehr zuhause als ich , bzw ich komme immer später heim als er. Finde es oft schon ungerecht, aber dafür macht er in dieser Zeit den Haushalt.

Habe das selber auch erlebt:ein Chef wollte mich nicht nach meinen Qualifikationen einstellen und bezahlen, sagte mir dues aber nicht und ich erfuhr es erst durch die Personalabteilung, in welche Lohngruppe ich eingruppiert werde. Auf mein intensives Nachfragen meinte der Chef nur, Frauen in Teilzeit stellt er nur in der untersten Lohngruppe ein... Habe dann zügig den Arbeitgeber gewechselt und bin jetzt in einem anderen Bundesland in einer Führungsposition mit entsprechend hohem Gehalt. Allerdings ist mein jetziger Chef eine Frau!

(15) 05.01.19 - 16:13

Ich finde die Frage schwer zu beantworten.
Natürlich gibt der Unterschied zwischen bereinigter und unbereinigter pay gap wichtige Aufschlüsse.
In der Realität finde ich es aber deutlich schwerer.
Klar, dass man als Führungskraft mehr verdient. Klar, dass das die Statistik für die Männer positiv beeinflusst. Aber warum findet man dort so wenige Frauen?
Viele Aspekte wurden ja schon beleuchtet.
Ich sehe jedoch auch Ungerechtigkeiten in Bereichen, in denen es sie scheinbar nicht gibt. Im ÖD z.B. Wo alles super transparent erscheint sind auch dort große Unterschiede. Ich kenne Behörden, da wurden Teilzeitkräfte grundsätzlich viel später befördert. (Und hier handelte es sich um Beförderungen, die an der eigentlichen Arbeit bzw. den Aufgaben nichts geändert haben.)
Dabei ist nachgewiesen, dass Leute mit Teilzeit im Verhältnis produktiver sind.
An anderer Stelle gibt es Grauzonen: Frau erhielt eine Beförderung nicht, da sie über Jahre hinweg keine mehrtägigen Dienstreisen wahrnahm, der Kollege aber schon. Scheint zwar eindeutig, doch ist es ja nicht die Faulheit, sondern die Tatsache, dass man mit 3 Kindern im Abstand von ja ca 2 Jahren natürlich lange durch Mutterschutz und dann noch durch Stillen gebunden ist.
So finde ich es nicht immer ganz so eindeutig...

Top Diskussionen anzeigen