Honorarbasis

Hallo ihr Lieben,

ich hab eine Frage und hoffe, ihr könnt mir ein bisschen helfen-

Zunächst zu meiner Situation, weil das zum Verständnis vielleicht wichtig ist: Ich bin Anfang 30, hab ein naturwissenschaftliches Fach studiert (Master of Science) und habe danach eine Promotion begonnen. Zuletzt wurde ich über ein Stipendium finanziert. Ich wurde schwanger und natürlich wurde mein Stipendium nicht verlängert. Ich habe quasi bis zum "Mutterschutz" vollzeit gearbeitet, trotzdem habe ich - weil das Stipendium nicht als Gehalt zählt - nur den Mindestsatz Elterngeld bekommen.

Meine Tochter ist jetzt 2 Jahre.

Um meine Promotion zu beenden, muss ich nun noch Publikationen schreiben. Mein Chef freut sich nen Loch in den Bauch, denn ich werde natürlich nicht dafür bezahlt und stecke da doch einiges an Arbeit rein. Zum Glück schreibt er fleißig mit!

Meine Tochter ist sein ein paar Wochen in der Krippe und es läuft gut.

So, nun zu meiner Frage: Ich hätte evtl. die Möglichkeit, auf Honorarbasis zu arbeiten (15 Euro pro Stunde). Ein "richtiger" Job kommt derzeit nicht in Frage, weil ich gerade noch die Promotion beende, eigentlich ein Geschwisterchen geplant ist und meine Vater akut an Krebs erkrankt ist und wir gar nicht wissen, was da jetzt noch auf uns zu kommt.

Mein Mann arbeitet vollzeit, ca. 60000 Euro Jahresgehalt.

Nun kann ich einiges gar nicht einschätzen:
1. Wie viel (oder wenig) sind 15 Euro pro Stunde? Lohnt sich das?
2. Was geht davon alles ab? Wie muss ich das versteuern? Oder ist es sogar steuerfrei, wenn man einen bestimmten Betrag nicht überschreitet?
3. Wie ist das dann später mit dem Elterngeld? Wird das Honorar mit einberechnet oder bekomme ich so oder so wieder nur die 300 Euro?
4. Ich bin ja dann quasi Freiberufler/Selbstständig, oder? Was kommt da noch grundsätzlich auf mich zu?
5. Kann ich dann ganz normal bei der gesetzlichen Krankenkasse weiter versichert sein? Zurzeit bin ich familienversichert, aber der Status würde sich ja dann wahrscheinlich ändern.

Mir geht es nur um einen kleinen Zuverdienst, für den Lebensunterhalt reicht eigentlich das Gehalt meines Mannes und bei uns fallen ab nächstem Jahr auch die Kita-Gebühren weg, das heißt, wenn/bis ein neues Baby da wäre, hätten wir effektiv knapp 800 Euro (keine Kita-Gebühren, Mindestelterngeld + Kindergeld) mehr pro Monat als jetzt. Ich würde aber gerne etwas verdienen, damit man auch mal was sparen kann, ich "einfach mal eben so" was schönes für meine Tochter kaufen kann oder wir uns Eltern auch mal was gönnen können.

Ich bräuchte einfach mal ein bisschen Input, ob so eine Anstellung auf Honorarbasis überhaupt Sinn macht und was man beachten sollte. Es bringt mir ja wenig, wenn ich zum Beispiel 500 Euro dazu verdiene und 450 Euro an irgendwelchen Abgaben zu leisten habe (übertriebenes Beispiel, aber ich hoffe, ihr versteht was ich meine).

Viele Dank, und ich bin auch für andere Vorschläge und Tipps offen!

Grundsätzlich geht es natürlich, dass du freiberuflich arbeitest. Dann könntest du Rechnungen z.B. ohne Ausweisung der Unsatzsteuer über die Kleinunternehmerregelung schreiben. So habe ich das im Studium gemacht. Ist man aber immer nur für einen Auftraggeber tätig, ist das eigentlich eine Scheinselbständigkeit.

Selbstständige bekommen auch EG auf ihr nachgewiesenes Einkommen der letzten 12 Monate. Du würdest dann also vermutlich mehr bekommen als die 300€ Mindestsatz.

Mit den Steuern kann ich dir keinen Rat geben, ich war zu der Zeit damals noch unverheiratet und hab darauf geachtet im Jahr nur so viel zu verdienen, dass ich keine zahlen musste. Auch wenn dein Einkommen erstmal wenig ist, wird es ja vermutlich bei der Veranlagung mit deinem Mann dann berücksichtigt und ihr müsstet dann jeweils mit einer Steuernachzahlung rechnen, wenn du keine Vorsteuer abführst.

Ich denke das ist mal ne klassische Situation für ne Einmalberatung beim Steuerberater.

Sinnvoll wäre es für deinen Lebenslauf auf jeden Fall, wenn du wenigstens etwas an Berufserfahrung in deinem Fachgebiet vorzuweisen hättest neben der Promotion.

15€ finde ich ok, ist aber auch nicht der Hit als M.Sc. Aber es ist ja auch ohne sonst nennenswerte Berufserfahrung, wenn ich das richtig gelesen habe. Daher als Einstieg ok.
Für wie viele Stunden hat dein AG denn im Minat Bedarf? Ginge das nicht auch über nen 450€-Job dann mit 30 Std/Monat oder als Midi-Job? Denn dann wäre das Versicherungsthema auf jeden Fall geklärt.

Promotion zählt ja halb/halb als Beruferfahrung, hab ja keine theoretische Arbeit gemacht sondern im Labor gearbeitet. Bei mir geht es um Nachhilfe, wäre also grundsätzlich nicht verkehrt, weil ja der Umgang mit Nachhilfeschülern auch unter "soft skills" fällt bzw. teils schon unter Führungsqualitäten (Anleitung, Motivation) ... Das wäre also nicht das blödeste.

Berufserfahrung in meinem Fachgebiet in Teilzeit ist als Berufseinsteiger nahezu unmöglich, das ist das Problem. Sonst wären 20 h pro Woche halt auch kein Thema. Aber leider nicht so einfach machbar. :-(

Grundsätzlich sehe ich aber bei dem Punkt mit der mangelnden Berufserfahrung auch kein Problem, weil das ja bei Promovierenden in meinem Bereich halt ein ganz normaler Werdegang ist. Wenn Kinder im Spiel sind, dauert es eben etwas länger.

450 Euro geht leider nicht, habe da schon nachgefragt.

Genau das ist meine Überlegung: Ich könnte mir natürlich auch nen 450 Euro-Job im Büro suchen, Akademiker werden ja häufig mit Handkuss genommen, hab ja durch Studium und fast fertiger Promotion auch schon gezeigt, dass ich zuverlässig bin und was leisten kann.

Danke für den Tipp mit dem Steuerberater, da habe ich gar nicht dran gedacht.

Was wäre das für eine Art Bürojob? Etwas fachfremdes oder unter deinem „Niveau“ würde ich nicht machen, das sieht dann im Lebenslauf auch komisch aus.

Und etwas in deinem Tätigkeitsbereich auf 450€-Basis zunfindrn vermutlixh schwierig, weil es vermutlich für so wenige Stunden keinen Bedarf gibt.

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1.: Naja, ich würde sagen das ist ungefähr Mindestlohn. Meine Putzfrau verdient NETTO gleich viel + natürlich bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die Versicherungen, Umlagen und Steuern. Für das Mini-Honorar würde ich keinen Finger krumm machen. Deinen Arbeitsplatz für später hast du ja offenbar schon.
2.: Kann man so nicht sagen. Das ist abhängig von deiner Stundenzahl. Aber grundsätzlich ist eine Abrechnung auf Honorarbasis immer eine selbstständige Tätigkeit. Du musst sämtliche Pflichtversicherungen selbst zahlen und alle Steuern. Dein Einkommen ist steuerfrei, wenn es einen bestimmten Wert nicht überschreitet - aber da zählen ALLE Einkommensarten zusammen.
3.: Das Honorar wird mit berücksichtigt. Es gibt ganze Berufszweige, die ausschließlich ein Honorar haben.
4.: Du bist Freelancer oder Selbstständiger, aber kein Freiberufler. Freiberufler sind nur Menschen aus ganz bestimmten festgelegten Berufszweigen - sie müssen kein Gewerbe anmelden.
5.:Ja...als freiwillig versichertes Mitglied. Ich zahle derzeit schon für meine gar nichts verdienenden Kinder (die ebenfalls freiwillig versicherte Mitglieder sind) pro Nase 185€ Mindestsatz.

Deine Putzfau verdient 15€ netto?? Interessant...
Das sind bei Vollzeit 2400€ netto. Das als Hungerlohn (gerade mal Mindestlohn) zu bezeichnen ist schon etwas steil.

Mindestlohn sind übrigens 9,19€ BRUTTO.... entsprechend sind 15€ brutto davon ziemlich weit entfernt.

Von den 15€ bleibt nicht mehr als der Mindestlohn, wenn man alle Abzüge abzieht - genau danach wurde gefragt.

„Hungerlohn“ hast du gesagt, nicht ich.

Ja, meine Putzfrau verdient 15€/Stunde. Keine Angst, so vermüllt ist es hier nicht, dass das ein Vollzeitjob ist. Sie arbeitet zwischen 2 und 3 Stunden pro Woche.

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Hallo, mein Bruder hat während seiner Promotion in Naturwissenschaften nebenbei als Pförtner gearbeitet und während dieser Arbeitszeit 1. seine Veröffentlichungen geschrieben und 2. Übersetzungen für Fachtexte gemacht. Das war ziemlich lukrativ - vor allem die Übersetzungen ... Die Übersetzungen macht er sogar weiterhin, auch nach Beendigung der Promotion und Anstellung als Dr. (er ist allerdings an der Uni geblieben, da sind die Gehälter sicherlich niedriger als in der freien Wirtschaft).

VG
B

Echt, parallel zur Doktorarbeit noch als Pförtner gearbeitet, das ist echt hart. In was hat er promoviert? Auch Naturwissenschaften? Das hätte ich gar nicht geschafft. Während der Diss war ich aber eh angestellt bzw. über Stipendium finanziert, da hatte ich zumindest auch keine Notwendigkeit auf einen Nebenjob.

An Pförtner hab ich auch schon gedacht, aber da wird primär für Feiertage/abends/Wochenende gesucht und das möchte ich mit Kleinkind nicht. Das ist ja die einzige Familienzeit, die ist mir heilig.

Ja, Naturwissenschaften. Er hat das prima hingekriegt. In der Forschung / an den Unis ist es ja auch so, dass sie immer nur projektbezogene Verträge bekommen (aus dem Projekt eine Viertelstelle, aus dem Projekt eine Viertelstelle ...). Das war ziemlich mühsam und ist Gift für jede Familienplanung ... Aber das kennst du sicher.

Seine Übersetzungen macht er heute noch, hat sich das quasi auch als 2. Standbein aufgebaut und hat sich da scheinbar auch in einem Gebiet einen gewissen Stamm an Auftraggebern erarbeitet, die nun auch sehr gut zahlen.

VG und viel Glück!
B

Je nachdem wie viel du monatlich verdienst, könnte es sein, dass du rentenversicherungspflichtig bist. Lehrer, die auf Honorarbasis tätig sind und über 450€ (oder 650€) verdienen, sind nämlich rentenversicherungspflichtig und das natürlich zu 100%. Du müsstest dann also von deinem Brutto neben der Steuer noch mal 18,7% Rentenbeiträge leisten. Viele Bildungsträger weisen nicht extra darauf hin!
15€ finde ich persönlich eher wenig. Dozenten an der VHS verdienen im „Hobbybereich“ etwa 20€, in anderen durchaus 35-40€ für 45 Minuten.

Ja, das ist richtig. Ich könnte auch woanders wesentlich mehr verdienen, das ist mir klar. Aber ein bisschen Nachhilfe kann ich mehr oder weniger aus dem Ärmel schütteln. Wenn ich als Dozent o.Ä. wäre, hätte ich deutlich mehr Vorbereitung. Von daher relativiert sich der höhere Stundenlohn. Dozenten werden ja i.d.R. nach gehaltener Stunde bezahlt.

Ach, ich weiß auch nicht.

Danke für die Info mit der Rentenversicherung, werd ich mal nachschauen.

Bei VHS ubd Bildungsverein usw. sind Naturwissenschaften auch nicht wirklich gefragt, höchstens Astronomie. 😬 Das hatte ich auch schon geschaut. Für mich wäre eher Dozententätigkeit an der Uni/FH möglich und da ist der Aufwand recht hoch.

Hallo!

Ich habe einen ähnlichen Verlauf - Ingenieursstudium, Promotion begonnen und musste diese letztendlich abbrechen, weil es gesundheitlich nicht mehr ging.

2 Kinder waren auch dabei.

Als die beiden älter waren und im Kindergarten bzw Schule, habe ich auch mit Nachhilfe auf Honorarbasis angefangen.
Mein Stundensatz betrug 12,50€. Da ich das für die Caritas gemacht habe, konnte ich die Übungsleiterpauschale steuerlich geltend machen, hatte so 2400€ steuerfrei.
Es gibt da Voraussetzungen, einfach mal recherchieren.


Für das, was darüber hinaus ging, hatte ich eine eigene Steuernummer als Selbstständige. Durch geringen Umsatz brauchte ich keine Umsatzsteuer abführen und nur eine EÜR einreichen. (Nur als Kurzinfo.)

LG
Danny0903

Danke für die Stichworte, da kann ich mal googeln. 👍

15€ die Stunde auf honorarbasis bei deiner Qualifikation? Das wäre bei einem Minijob noch ok.

Auf Honorarbasis min. das Vierfache