Honorarbasis

    • (1) 07.03.19 - 13:16
      Inaktiv

      Hallo ihr Lieben,

      ich hab eine Frage und hoffe, ihr könnt mir ein bisschen helfen-

      Zunächst zu meiner Situation, weil das zum Verständnis vielleicht wichtig ist: Ich bin Anfang 30, hab ein naturwissenschaftliches Fach studiert (Master of Science) und habe danach eine Promotion begonnen. Zuletzt wurde ich über ein Stipendium finanziert. Ich wurde schwanger und natürlich wurde mein Stipendium nicht verlängert. Ich habe quasi bis zum "Mutterschutz" vollzeit gearbeitet, trotzdem habe ich - weil das Stipendium nicht als Gehalt zählt - nur den Mindestsatz Elterngeld bekommen.

      Meine Tochter ist jetzt 2 Jahre.

      Um meine Promotion zu beenden, muss ich nun noch Publikationen schreiben. Mein Chef freut sich nen Loch in den Bauch, denn ich werde natürlich nicht dafür bezahlt und stecke da doch einiges an Arbeit rein. Zum Glück schreibt er fleißig mit!

      Meine Tochter ist sein ein paar Wochen in der Krippe und es läuft gut.

      So, nun zu meiner Frage: Ich hätte evtl. die Möglichkeit, auf Honorarbasis zu arbeiten (15 Euro pro Stunde). Ein "richtiger" Job kommt derzeit nicht in Frage, weil ich gerade noch die Promotion beende, eigentlich ein Geschwisterchen geplant ist und meine Vater akut an Krebs erkrankt ist und wir gar nicht wissen, was da jetzt noch auf uns zu kommt.

      Mein Mann arbeitet vollzeit, ca. 60000 Euro Jahresgehalt.

      Nun kann ich einiges gar nicht einschätzen:
      1. Wie viel (oder wenig) sind 15 Euro pro Stunde? Lohnt sich das?
      2. Was geht davon alles ab? Wie muss ich das versteuern? Oder ist es sogar steuerfrei, wenn man einen bestimmten Betrag nicht überschreitet?
      3. Wie ist das dann später mit dem Elterngeld? Wird das Honorar mit einberechnet oder bekomme ich so oder so wieder nur die 300 Euro?
      4. Ich bin ja dann quasi Freiberufler/Selbstständig, oder? Was kommt da noch grundsätzlich auf mich zu?
      5. Kann ich dann ganz normal bei der gesetzlichen Krankenkasse weiter versichert sein? Zurzeit bin ich familienversichert, aber der Status würde sich ja dann wahrscheinlich ändern.

      Mir geht es nur um einen kleinen Zuverdienst, für den Lebensunterhalt reicht eigentlich das Gehalt meines Mannes und bei uns fallen ab nächstem Jahr auch die Kita-Gebühren weg, das heißt, wenn/bis ein neues Baby da wäre, hätten wir effektiv knapp 800 Euro (keine Kita-Gebühren, Mindestelterngeld + Kindergeld) mehr pro Monat als jetzt. Ich würde aber gerne etwas verdienen, damit man auch mal was sparen kann, ich "einfach mal eben so" was schönes für meine Tochter kaufen kann oder wir uns Eltern auch mal was gönnen können.

      Ich bräuchte einfach mal ein bisschen Input, ob so eine Anstellung auf Honorarbasis überhaupt Sinn macht und was man beachten sollte. Es bringt mir ja wenig, wenn ich zum Beispiel 500 Euro dazu verdiene und 450 Euro an irgendwelchen Abgaben zu leisten habe (übertriebenes Beispiel, aber ich hoffe, ihr versteht was ich meine).

      Viele Dank, und ich bin auch für andere Vorschläge und Tipps offen!

      • Grundsätzlich geht es natürlich, dass du freiberuflich arbeitest. Dann könntest du Rechnungen z.B. ohne Ausweisung der Unsatzsteuer über die Kleinunternehmerregelung schreiben. So habe ich das im Studium gemacht. Ist man aber immer nur für einen Auftraggeber tätig, ist das eigentlich eine Scheinselbständigkeit.

        Selbstständige bekommen auch EG auf ihr nachgewiesenes Einkommen der letzten 12 Monate. Du würdest dann also vermutlich mehr bekommen als die 300€ Mindestsatz.

        Mit den Steuern kann ich dir keinen Rat geben, ich war zu der Zeit damals noch unverheiratet und hab darauf geachtet im Jahr nur so viel zu verdienen, dass ich keine zahlen musste. Auch wenn dein Einkommen erstmal wenig ist, wird es ja vermutlich bei der Veranlagung mit deinem Mann dann berücksichtigt und ihr müsstet dann jeweils mit einer Steuernachzahlung rechnen, wenn du keine Vorsteuer abführst.

        Ich denke das ist mal ne klassische Situation für ne Einmalberatung beim Steuerberater.

        Sinnvoll wäre es für deinen Lebenslauf auf jeden Fall, wenn du wenigstens etwas an Berufserfahrung in deinem Fachgebiet vorzuweisen hättest neben der Promotion.

        15€ finde ich ok, ist aber auch nicht der Hit als M.Sc. Aber es ist ja auch ohne sonst nennenswerte Berufserfahrung, wenn ich das richtig gelesen habe. Daher als Einstieg ok.
        Für wie viele Stunden hat dein AG denn im Minat Bedarf? Ginge das nicht auch über nen 450€-Job dann mit 30 Std/Monat oder als Midi-Job? Denn dann wäre das Versicherungsthema auf jeden Fall geklärt.

        • (3) 07.03.19 - 14:31

          Promotion zählt ja halb/halb als Beruferfahrung, hab ja keine theoretische Arbeit gemacht sondern im Labor gearbeitet. Bei mir geht es um Nachhilfe, wäre also grundsätzlich nicht verkehrt, weil ja der Umgang mit Nachhilfeschülern auch unter "soft skills" fällt bzw. teils schon unter Führungsqualitäten (Anleitung, Motivation) ... Das wäre also nicht das blödeste.

          Berufserfahrung in meinem Fachgebiet in Teilzeit ist als Berufseinsteiger nahezu unmöglich, das ist das Problem. Sonst wären 20 h pro Woche halt auch kein Thema. Aber leider nicht so einfach machbar. :-(

          Grundsätzlich sehe ich aber bei dem Punkt mit der mangelnden Berufserfahrung auch kein Problem, weil das ja bei Promovierenden in meinem Bereich halt ein ganz normaler Werdegang ist. Wenn Kinder im Spiel sind, dauert es eben etwas länger.

          450 Euro geht leider nicht, habe da schon nachgefragt.

          Genau das ist meine Überlegung: Ich könnte mir natürlich auch nen 450 Euro-Job im Büro suchen, Akademiker werden ja häufig mit Handkuss genommen, hab ja durch Studium und fast fertiger Promotion auch schon gezeigt, dass ich zuverlässig bin und was leisten kann.

          Danke für den Tipp mit dem Steuerberater, da habe ich gar nicht dran gedacht.

          • Was wäre das für eine Art Bürojob? Etwas fachfremdes oder unter deinem „Niveau“ würde ich nicht machen, das sieht dann im Lebenslauf auch komisch aus.

            Und etwas in deinem Tätigkeitsbereich auf 450€-Basis zunfindrn vermutlixh schwierig, weil es vermutlich für so wenige Stunden keinen Bedarf gibt.

            • (5) 07.03.19 - 14:56

              Naja, ich bin fast fertig promoviert in Naturwissenschaften. Nahezu alles was ich in der mir zur Verfügung stehenden Zeit/im Rahmen meiner derzeitigen Möglichkeiten machen könnte, ist "unter meinem Niveau". Ich meine das jetzt gar nicht überheblich, sondern das ist leider einfach so. Ich hab mich über 10 Jahre lang qualifiziert, durch Studium und Promotion. Aber das hilft mir jetzt so gut wie gar nix. :-)

              Das ist leider das typische Dilemma von Frauen in meinem Fachbereich, bin da nicht die einzige. Viele Kolleginnen geben die Kinder mit einem halben Jahr vollzeit in die Fremdbetreuung ... wenn man dazu nicht bereit ist, schaut man - wie ich - in die Röhre.

              Ich könnte natürlich auch versuchen, vollzeit nen passenden Job zu finden, dann direkt schwanger werden und auf teilzeit pochen. Aber das ist ja auch irgendwie ka*ke.

              Blöde Situation, würde gerne nachträglich meine Studienwahl ändern. :-)

              • Eben das Dilemma ist mit bewusst. Sobald man recht hoch qualifiziert ist stellt einen aber auch keiner mehr ein für normale Bürotätigkeiten. Zurecht haben die ja Angst, dass du dann unterfordert bist und nach nem Monat wieder gehst, weil du das Gefühl hast zu verblöden. Ist ja so... weiß ich selbst ;-)

                Daher ist die Mini-Selbständigkeit vermutlich ne ganz gute Sache. Das Stundenhonorar kannst ja erstmal als Einstieg betrachten und wenn es gut läuft zügig verhandeln.

                Also ab zum Steuerberater ;-)

                • (7) 07.03.19 - 16:09

                  Wie meinst du das mit verhandeln? Bei Nachhilfe ist ja der Stundenlohn gesetzt ... zumindest wenn ich mir das nicht irgendwie "privat" organisiere. Oder reden wir grad von zwei verschiedenen Dingen?

                  • Ich dachte, das wäre bei einem Unternehmen, das Nachhilfe anbietet. Die haben mit ihren Kunden so Monatspakete oder deutlich höhere Stundentarife und du bekommst deinen Stundenlohn. Daher ist es ja ggf. möglich dann irgendwann nachzuverhandeln, dann verdienen sie halt weniger daran, für die Kunden bleibt der Tarif gleich. Ist ja nicht so unüblich.

                    • (9) 07.03.19 - 16:39

                      Achso, so meinst du das. Ich hätte angenommen, dass die gezahlten Stundenlöhne entsprechend einkalkuliert sind ... aber gut, das würde man ja herausfinden können.

                      Ja, das wäre ein Nachhilfe-Institut.

                      Mein Plan ist ja auch nicht, dass nun jahrelang zu machen. Derzeit sehe ich das eigentlich eher als Zwischenlösung. Mein Ziel ist ganz klar, nach dem 2. Kind beruflich Fuß zu fassen, notfalls würden wir auch umziehen ...

          (10) 07.03.19 - 14:57

          Ich weiß nicht, was du Nachhilfe machen willst, aber bei mir war es damals während des Studiums unheimlich beliebt in der VHS Kurse anzubieten. Das war zwar auch auf Honorarbasis, aber die waren deutlich besser bezahlt.
          Falls du in deiner Nähe irgendwelche Privatschulen hast, kannst du dort auch nachfragen. Die zahlen auch super. Die Schule meiner Kinder erhält sich so ein riesiges Angebot an Kursen jedes halbe Jahr. Klar müssen wir immer einen kleinen Beitrag zahlen, aber letztendlich gefällt es den Kindern. Derzeit zahle ich 20€/Monat für einen Kurs den insgesamt 8 Kinder besuchen und der während der Schulzeit jeden Freitag eine Stunde läuft. Die Schule teilt sich die Einnahmen mit dem Leiter des Kurses und der Kurs fällt oft genug aus wegen Ferien...lohnt sich also.

    (11) 07.03.19 - 14:45

    1.: Naja, ich würde sagen das ist ungefähr Mindestlohn. Meine Putzfrau verdient NETTO gleich viel + natürlich bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die Versicherungen, Umlagen und Steuern. Für das Mini-Honorar würde ich keinen Finger krumm machen. Deinen Arbeitsplatz für später hast du ja offenbar schon.
    2.: Kann man so nicht sagen. Das ist abhängig von deiner Stundenzahl. Aber grundsätzlich ist eine Abrechnung auf Honorarbasis immer eine selbstständige Tätigkeit. Du musst sämtliche Pflichtversicherungen selbst zahlen und alle Steuern. Dein Einkommen ist steuerfrei, wenn es einen bestimmten Wert nicht überschreitet - aber da zählen ALLE Einkommensarten zusammen.
    3.: Das Honorar wird mit berücksichtigt. Es gibt ganze Berufszweige, die ausschließlich ein Honorar haben.
    4.: Du bist Freelancer oder Selbstständiger, aber kein Freiberufler. Freiberufler sind nur Menschen aus ganz bestimmten festgelegten Berufszweigen - sie müssen kein Gewerbe anmelden.
    5.:Ja...als freiwillig versichertes Mitglied. Ich zahle derzeit schon für meine gar nichts verdienenden Kinder (die ebenfalls freiwillig versicherte Mitglieder sind) pro Nase 185€ Mindestsatz.

    • Deine Putzfau verdient 15€ netto?? Interessant...
      Das sind bei Vollzeit 2400€ netto. Das als Hungerlohn (gerade mal Mindestlohn) zu bezeichnen ist schon etwas steil.

      Mindestlohn sind übrigens 9,19€ BRUTTO.... entsprechend sind 15€ brutto davon ziemlich weit entfernt.

      • Von den 15€ bleibt nicht mehr als der Mindestlohn, wenn man alle Abzüge abzieht - genau danach wurde gefragt.

        „Hungerlohn“ hast du gesagt, nicht ich.

        Ja, meine Putzfrau verdient 15€/Stunde. Keine Angst, so vermüllt ist es hier nicht, dass das ein Vollzeitjob ist. Sie arbeitet zwischen 2 und 3 Stunden pro Woche.

        • (14) 07.03.19 - 19:15

          Dann ist das aber 15 Euro brutto, nicht netto.

          Wenn man alle Abzüge abzieht, dann ist es netto! Und der Mindestlohn beträgt 9,19 € brutto, entsprechend netto deutlich weniger.
          Und wenn man von 15 € alle Abzüge abzieht, dann bleibt mehr als 9 € NETTO übrig und damit ganz ganz deutlich mehr als Mindestlohn.

          Eieiei....

          Ja, wenn jemand nur ein paar wenige Stunden arbeiten geht, dann gibt es auch mal für ne Putzkraft 15 €. Ist aber auch eher selten. Und ob das was du ihr zahlst bei ihr netto ist kannst du insofern vermutlich nicht beurteilen, als dass du vermutlich ihre Steuererklärung nicht kennst (ggf. noch andere Nebenjobs, Veranlagung mit Ehemann, etc.).

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