Meine Frage im Vorstellungsgespräch: Zu unverschämt?

Ich war diese Woche in einem lockeren VG, das über zwei Stunden dauerte.

Der potenzielle Chef war Typ “Christian Wulff”, ein biederer Typ im Anzug.

Er hat mich während meiner Präsentation ständig unterbrochen, Fragen gestellt, was ja auch normal ist. Er hat versucht, mich zu verunsichern und wollte mich testen.

Ich sollte ihm im Anschluss Fragen stellen und nach zwei inhaltlichen fragte ich ihn, ob er mir eine Stärke und eine Schwäche nennen könne, die er als Vorgesetzter hat (Ich bewerbe mich um eine Leitungsposition, sprich von mir wird kein Duckmäusertum erwartet).

Er meinte, dass Führung seine Stärke sei und seine Schwäche könne er mir nicht nennen, an der würde er aber mit einem Coach arbeiten.

Die Antwort fand ich wenig souverän, man hätte ausweichend mit “Fußball, was sonst?” antworten können (es ging vorher um Fußball).

Nun besprach ich das Gespräch mit meinen Freunden und während mir drei Freunde zu meiner schlagfertigen Frage gratulierten, die zeigen würde, dass ich mich als Frau in einer Männerdomäne nicht einschüchtern lassen würde und dass ich ebenfalls wissen will, mit wem ich es zu tun habe, meinte ein Freund, dass die Frage gar nicht gut gewesen sei.

Sie würde zeigen, dass ich die Rolle umkehre und Hierarchien nicht beachten würde.
Ich wäre damit quasi schon raus (am nächsten Tag rief der mögliche Chef an, er könne sich noch nicht entscheiden, aktueller Stand: bin in der top 2).

Ist die Frage so schlimm?

Ich finde die Frage nicht schlimm, aber ich will ja auch nicht, dass du für mich arbeitest.
Dein (vielleicht) neuer Chef könnte das anders sehen, aber dass weiß hier auch keiner.

Im Übrigen gebe ich dir Recht, als Frau in einer Männerdomäne darf frau nie duckmäuserisch daherkommen, dann ist es sofort vorbei. So betrachtet war es ein guter Zug, jetzt die Frage aus welcher Sicht der gute Mann das sieht.

Ich drück dir die Daumen für den Job.

Rolle umkehren? Welche Rolle? Die des braven Weibchens, welches natürlich weiß, dass sie die Männerhierarchien und die sensible Seele des Vorgesetzten achten muss? ;-)
Blödsinn! Du hast Dich auf eine Führungsposition beworben und nicht für die Registratur im Keller. Ich war 45 Jahre bei der Bundeswehr, auch in Positionen, in denen ich Leute ausbildete (EDV) oder auch in Bezug auf ihren Beruf nach der Bundeswehr beriet - und zwar quer durch alle Dienstgrade.
Beachtung von Hierarchien war selbstverständlich nötig, aber mit Unterwürfigkeit und Duckmäusertum konnte ich auch nicht dienen, im Gegenteil #cool. Ich finde, Du hast nichts Falsches gefragt. Wenn er die Frage nicht verträgt, tja....ist so gesehen sein Problem. Du warst nicht frech sondern taff- sind zwei Paar Stiefel.
So gesehen kann man bei Vorstellungsgesprächen immer was falsch machen, da man ja nie weiß, was der andere nun unbedingt hören will. Mal sehen, ob er Deine Frage verdaut und Du den Job bekommst#pro
LG Moni

Die Frage hätte von meiner Chefin kommen können, die nicht umsonst "Chefin" ist. Sie hat auch ein sehr selbstsicheres und durchsetzungsfähiges Auftreten.

Du wirst nicht umsonst in den Top Zwei sein, ob das nun ausgerechnet mit dieser Frage zu tun hat, oder nicht. Was Du Dir vornehmen solltest: Falls Du den Job bekommst frag zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt mal bei dem Mann bezüglich Deiner Frage nach. Ich finde nämlich auch seine Antwort sehr interessant und vielsagend.

Danke... ich vermute allerdings, dass sie der anderen Bewerberin ein Angebot gemacht haben und ich nur die Ersatzkandidatin bin. Falls der unterschriebene Vertrag bis Mitte nächster Woche nicht vorliegt, bin ich es. Warmhaltetaktik.

Er hat geantwortet und fertig. Du bist noch im Rennen, top 2, wie du sagst.

Hey,

nein, "schlimm" ist die Frage sicher nicht!
Wie sie allerdings wirklich bei deinem potentiellen zukünftigen Chef ankommt ist glaube ich eine ganz persönlich Frage seiner Vorlieben und Denkweisen.

Ich persönlich finde die "Schwächen-Stärken"-Frage eh irgendwie blöd, ein bißchen plump, schon wenn ich als Arbeitssuchende danach gefragt werde (...und obwohl ich mich jedesmal innerlich auf diese Frage vorbereitet habe, bekam ich sie auch noch nie gestellt- arbeite allerdings in einem Bereich, in dem absoluter Fachkräftemangel herrscht und wahrscheinlich daher immer ganz besonders entgegenkommend mit mir umgegangen wurde). Mir würde das als Chef deshalb nicht gefallen, hätte mir eine Bewerberin diese Frage gestellt.
Andere empfinden dies aber bestimmt als Zeichen von Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen oder besonderes Interesse, insofern kann das bei einem bestimmten Typ Chef auch gerade besonders gut ankommen und punkten. Ich glaube, das kann man so nicht sagen....
Drücke dir jedenfalls die Daumen!

Was bedeutet schlimm?

Krebs im Endstadium ist schlimm.

Ich finde diese Frage nicht sehr diplomatisch fast schon frech und hätte sie einem Vorgesetzten, den ich nicht kenne und seinen Schlagfertigkeit und seinen Humor nicht einschätzen kann, nicht gestellt. Er wollte dir ja darauf auch nicht antworten und ist ausgewichen. Das heißt ja, dass er sich damit nicht wohl gefühlt hat.

Grüße

Hallo,
von Führungskraft zu Führungkraft.

Nun, "Ihr Weibchen" tut euch ja regelmäßig etwas schwerer beim souveränen auftreten als "wir Männchen", aber deine Frage finde ich absolut normal und erwarte ich auch wenn sich jemand als Führungskraft bewirbt.

Ich habe da noch viel mehr harten Tobak im Gepäck, ich stelle "härtere" Fragen ;-)
Wenn ich dann dran bin mit Fragen kommt da von mir:

Was sind ihre größten Herausforderungen als Unternehmen in der nächsten Zeit?
Wie bewerten sie intern Risiken und Chancen in ihrem Unternehmen, welche Methodiken wenden Sie an?
Was tun Sie wenn Sie ihre gesetzten Ziele nicht erreichen?
Wie wird meine Leistung bewertet, nach welchen exakten Parametern (KPI)?
Warum arbeiten Sie für dieses Unternehmen, was gefällt Ihnen gut, was gefällt Ihnen nicht so gut?
etc. pp

Solche Fragen werden in der Regel von Führungskräften erwartet und darauf sind die in der Regel auch vorbereitet.
Du bist also voll im grünen Bereich ;-)

Gruß
demy