Verlustausgleich durch Partner während Elternzeit

Hallo ihr Lieben,

ich beschäftige mich grad mit der Frage, wie wir die finanziellen Einbußen während der Elternzeit gerecht aufteilen. Hier im Forum bin ich bereits auf interessante Threads gestoßen, allerdings scheint es meistens so zu sein, dass Mütter diejenigen sind, die von vornherein eh weniger verdienen. In meinem Fall ist das anders herum. Und das macht es für mich grad kompliziert, einen gangbaren Kompromiss zu finden.

Ich spiele zum Framing mal ein paar Varianten durch - sind alle jeweils auf einen Monat Elternzeit bezogen, in dem die Mutter das Basis-Elterngeld beziehen würde und der Vater in VZ arbeiten gehen würde. Die Gehälter sind alle in netto-Angaben gerechnet.

Variante A: Mutter und Vater verdienen vor Elternzeit beide gleich viel, z.B. 5000€ monatlich.
Die Mutter würde in der Elternzeit 1800€ bekommen, hätte also einen Verlust von 3200€.
Lösung: Verlustausgleich durch den Vater, so dass der Vater 1600€ an die Mutter zahlt. Anschließend teilen sich beide die Kosten für das Kind 50/50.

Variante B: Mutter verdient vorher 2500€, Vater 5000€. Dann läge der Verlust der Mutter bei 700€.
Lösung: Verlustausgleich durch den Vater in Höhe von 350€. Anschließend teilen sich die Eltern die Kosten für das Kind anteilig am Einkommen.

Ich finde, in diesen beiden Fällen ist es super eindeutig und unstrittig, wie vorzugehen ist. Ab jetzt wirds aber komplizierter.

Variante C: Mutter verdient vorher 5000€, Vater 2500€. Der Verlust der Mutter länge bei 3200€.

Lösung 1: Voller Verlustausgleich durch den Vater dh er würde von seinen 2500€ insgesamt 1600€ an die Mutter zahlen. Die Mutter hätte dann 3400€ zur Verfügung, der Vater nur mehr 900€. Außerdem würden sie sich anteilig die Kosten für das Kind teilen, die Mutter dann also den größeren Teil übernehmen.

Lösung 2: Verlustausgleich durch den Vater in Höhe einer fix definierten Summe, aber: WELCHE??


Variante D: Tatsächlich ist es aktuell so, dass mein Partner studiert und keinerlei Einkünfte hat (Perspektivisch wird sich das natürlich ändern, aber gehen wir erstmal davon aus, dass er für die ersten Monate nach der Geburt keine Einkünfte haben wird). Ich hingegen habe ein durchschnittliches Monatseinkommen von 5000€ netto, weil ich eine Führungsposition im oberen Management habe. Natürlich kann man jetzt sagen, dass einfach mein Partner in Elternzeit gehen soll, denn dann hätte er de facto sogar mehr als aktuell, da er ja immerhin das Mindestelterngeld beziehen würde und ich keinerlei Verluste hätte. Allerdings _möchte_ ich gerne für eine gewisse Zeit in Elternzeit gehen und außerdem soll er natürlich die Chance haben, sich beruflich zu entwickeln, was so im Hinblick auf Rente und finanzielle Absicherung für ihn persönlich ein wichtiges Thema ist.

Das heißt, wir würden uns perspektivisch irgendwo zwischen Variante C und Variante D einpendeln.

Dh. schlimmstenfalls könnte ich mEn gar keinen Verlustausgleich einfordern (wo nichts zu holen ist, ist eben nichts zu holen), bestenfalls steigt er finanziell so ein, dass er den Verlustausgleich voll übernehmen kann, realistischerweise wird es aber irgendwo dazwischen liegen und ich mich mit einem anteilig deutlich größeren Verlust zufrieden geben müssen.

Die Frage ist: was ist hier fair?

Wir haben bisher unsere Finanzen komplett getrennt, er lebt aktuell von einem kleinen Erbe, ich eben von meinem Gehalt. Gemeinsame Urlaube o.ä. haben wir per default 50/50 aufgeteilt, wobei wir uns budgetmäßig immer an ihm orientiert haben und ich dann einfach alles, was ich zusätzlich ausgeben wollte, gezahlt habe. Das fand ich fair, es war dann eher ein Verhältnis von 35/65.

Es ist aber natürlich was anderes, ob ich für einen Urlaub mehr auszugeben bereit bin, oder ob ich für ein gemeinsames Kind dauerhaft von meiner persönlichen Lebensplanung abweiche und das, was ich mir durch meine bisherige Berufliche Leistung erarbeitet habe, aufgebe, denke ich. Mit 1800€ Elterngeld kommt man ja nun auch nicht grad weit in der Großstadt. Bei 12 Monaten Elternzeit würde der Verlust übrigens insgesamt 38.400€ betragen.

Jetzt werden wahrscheinlich einige Leute sagen, dass diese "Mein Geld, dein Geld"-Denke total bescheuert ist, aber es hat ja auch was damit zu tun, ob wir uns dahingehend committen, bis ans Ende unserer Tage ein füreinander verantwortliches Paar zu sein, oder ob wir uns einfach drauf committen, gemeinsam Eltern zu werden, uns aber offenhalten, ob wir als Paar nicht irgendwann auch wieder getrennte Wege gehen. Ich bin da Realistin, mein Freund ebenso Realist. Aber grad vor dem Hintergrund fühlt sich das für mich nach einem sehr großen, unfairen finanziellen Opfer an.

Bin gespannt auf Eure Antworten.

PS: Die Einbußen bzgl der Rente habe ich hier noch gar nicht betrachtet, ich weiß. Aber der Einfachheit halber würd ich die erstmal weglassen.

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Man kann sich sein Leben auch kompliziert machen. Ich rate dir auch gleich nach einer Lösung zu suchen, wenn einer von euch einen Unfall hat oder schwer krank wird. Muss jeder dieses Risiko alleine tragen oder ist man für den anderen da. Ich habe mit dem Mann meine Kinder gezeugt , mit dem ich auch alt werden möchte. Aber eine lange Beziehung zu führen ist Arbeit. Es sind deshalb unsere Kinder, unser Haus und unser Geld. Als ich zuhause bei den Kindern war, habe ich ohne schlechtes Gewissen sein verdientes Geld ausgegeben und sogar verwaltet. Was macht dann derjenige mit seinem Geld, wenn er viel mehr hat. Macht dann der eine Urlaub in der Karibik und der andere im Schwarzwald oder wird er großzügig eingeladen? Jeder hat sein eigenes Auto, dass er sich leisten kann? Ich lebe in einer Familie und in keiner WG. Deshalb muss ich auch keine unnötige Zeit für Gedankenspiele für jede Situation und Ausgaben aufwenden. Nach 35 Jahren Ehe kann ich dir nur sagen, egal wie du rechnest, es wird nie für jeden gerecht sein. Einer zahlt immer drauf und das muss es für eine Familie wert sein.

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um ehrlich zu sein: ja ich mache mir um solche Dinge schon jetzt Gedanken. Ich möchte, dass es dem Kind gut geht, dass es mir gut geht und dass es meinem Partner gut geht. Dazu gehört, dass ich auch Vorbereitungen treffe für Dinge, die hoffentlich so nicht eintreten: Frühe Arbeitsunfähigkeit, Tod, was auch immer. Ist das nicht der Kern von Verantwortung tragen?

Zugegeben, ich bin ein Kopfmensch mit starkem Sicherheitsbedürfnis, aber eine gesunde Vorausschau halte ich, wenn man ein Kind in die Welt setzt, für absolut notwendig.


Wo ich Dir zustimme, ist, dass es wahrscheinlich nie für alle Beteiligten zu 100% gerecht sein kann und vielleicht auch gar nicht muss. Dann muss man sich aber ja die Frage stellen, wie viel man zu geben bereit ist. Und das tue ich, unter anderem jetzt im Austausch hier im Forum.

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Achso, vielleicht noch zur Motivation: die Frage ist nicht nur theoretisch gemeint, sondern rührt daher, dass ich tatsächlich schwanger bin. Ein Wunschkind, jedoch ist es deutlich früher passiert als geplant, sonst wäre die finanzielle Situation ja möglicherweise schon anders.

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Wie lange gedenkst du denn in EZ zu gehen?

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Sagen wir mal so, ich finde 50:50 bei einem Gehalt von 5000 netto zu kleinem Erbe aufbrauchen nicht fair.

Ebenso finde ich, dass du DEINE Entscheidung, trotz "umgekehrter" Finanzen als üblich, selbst finanzieren solltest. Du musst keine Elternzeit machen, denn wie du schon sagst, macht das normalerw

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Normalerweise derjenige, der weniger verdient. Du aber WILLST trotzdem EZ nehmen. Deine Entscheidung, die du selbst getroffen hast und dafür gerade stehen solltest.

Mit 5000 Euro netto nagst du wahrlich nicht am Hungertuch. Eine Denke wie deine wäre mir bei dem Gehaltsunterschied völlig fremd.
Ich finde also, dass dein Partner dir NICHTS ausgleichen muss.

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Sehe ich genauso. Bei dem guten Verdienst und einem Wunschkind sollte es möglich sein, sich ein kleines Polster anzusparen für die EZ, ohne den Partner (der kein Einkommen hat) finanziell heranzuziehen.

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nunja, wenn es ums finanzielle geht, müsstet ihr es so machen, daß er in elterzeit geht und du das geld verdienst. so wäre es fair.
wenn du aber elternzeit machen WILLST - was ich voll und ganz verstehe - kannst du von ihm keinen "ausgleich" fordern. es ist ja deine wahl.
allerdings könntest du mit ihm vereinbaren , daß du jetzt abstriche machst, aber wenn es um die kindergarteneingewöhnung geht und um die abdeckung der schließzeiten im kindergarten bzw. die ferienbetreuung später dann , dann muß er proportional ein wenige mehr beitragen.
oder du machst es einfach so, wie wir es hier gehandhabt haben: wir schnallen gemeinsam den gürtel enger, leben weiterhin von meinem elterngeld (also du von deinem) und er von seinem erbe.

bei uns war die situation so: ich beamtin, er student. in der elternzeit haben wir von meinem elterngeld gelebt und er hat sich einen studentenjob gesucht, so daß er ca. 400 euro im monat beisteuern konnte.

mittlerweile arbeitet er als kommissionierer, in seinem studierten bereich konnte er nie fuß fassen. ich bin nach wie vor polizistin.

wir haben auch getrennte konten - immer schon - aber wir haushalten gemeinsam. also da wird fröhlich geld hin und her überwiesen, er zahlt in sparverträge, ich zahle unsere wohnung ab..... letzendlich ist es unseres. unsere wohnung, unsere sparverträge.... ich zahle wohnung, nebenkosten, autos, alle verisicherungen, alle sonstigen kosten, urlaube, geschenke, kleidung usw. er zahlt am monatanfang 600 euro in unser portemonnaie für haushaltseinkäufe, zahlt die sparverträge und bespart das tagesgeldkonto unseres sohnes. extra-gelder kommen aufs tagesgeldkonto und werden von mir verwaltet (brauchen wir für urlaub, für große käufe, handwerkerrechnungen usw.). und wir haben es nie nach prozenten oder euro ausgerechnet.
ich habe nicht das gefühl, daß einer von uns übervorteilt wird.

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Du redest fast nur vom finanziellen Verlust und bekommst ein Kind. Entschuldige meine Worte, aber ich finde das total bekloppt. Dieses ständige vorrechnen, wer wem was ausgleichen muss. Dein Partner kann dir doch finanziell gar nichts ausgleichen in seiner Situation. Mein Denken zu Elternschaft und Partnerschaft sind eh ganz anders und traditionell.

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Ich halte ehrlich gesagt nichts von Traditionen in dieser Hinsicht. Habe leider öfter schon beobachten können, wie lange glückliche Beziehungen doch irgendwann mit einem Riesentheater auseinander gegangen sind. Und ich finde, finanzielle Dinge sollte man vorab ehrlich besprechen und jeder seine Erwartungen und Vorstellungen teilen. Ich finde, Grade wenn es gut läuft in der Beziehung, hat man doch die Kapazitäten, solche unbequemen Themen einigermaßen nüchtern zu diskutieren und Lösungen für den Fall zu erarbeiten, dass es Mal nicht so gut läuft.

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'Aber grad vor dem Hintergrund fühlt sich das für mich nach einem sehr großen, unfairen finanziellen Opfer an.'
Na dann überlass halt Deinem Freund die Elternzeit.
Es ist doch nunmal so, wer keiner Erwerbsarbeit nachgeht, kriegt kein Geld. Völlig egal, ob Du mit Baby zuhause bleibst, den Kilimandscharo erklimmst oder Dir eine Auszeit bei einem indischen Guru gönnst. Und wenn ich Dich richtig verstanden habe, willst Du ja auch dieses eine Jahr zuhause bleiben (obwohl es monetär vernünftiger wäre, Dein Freund übernimmt). Also ist der Einkommensverlust selbst gewählt und damit finde ich Dein Gejammer darüber ein wenig übertrieben.

Meine Güte, es ist doch nur Geld. Es liest sich nicht so, als müsstest Ihr in Deiner Elternzeit von Knäckebrot und Nudeln leben und in eine winzige Wohnung wechseln.
Achja; Bis Dein Kind 18 ist, wird es Dich ca. 150.000€ kosten. Glaub' mal nicht das es Dir das jemals wieder ausgleicht ;).

Grüsse
BiDi

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Möchte dein Freund denn, dass du in Elternzeit gehst? Wenn ja, sollte er seinen Wunsch auch finanzieren können.

Wenn nein: Das Kind kann nach dem Mutterschutz zur Tagesmutter. Wenn du das nicht willst, ist das dein persönliches Problem. Da hat dann aber der Papa nichts mit zu tun, wenn der sagen würde Tagesmutter oder selbst Elternzeit und/oder vernünftig einbringen wäre für ihn eine gangbare Option.

Ich würde wohl von meinem Partner erwarten, die EZ zu übernehmen wenn er finanziell nicht für uns sorgen kann. Aber gut, das möchtet ihr nicht. Insgesamt, auch wenn es dir jetzt anders vorkommt, ist die Elternzeit aber wirklich ein lächerlich kurzer Zeitraum. Da werden noch ganz andere Kodten auf euch zukommen!

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Und da isses schon wieder... Dieses FAIR oder GERECHT. Es ist fair oder gerecht, wenn beide Parteien es als solches empfinden.
Wie wäre es mit
Beide Einkünfte zusammenrechnen, Fixkosten abziehen, Rücklage/sparen/urlaubsgeld abziehen, den Rest durch zwei Teilen und dieses jedem Partner als Taschengeld belassen?