Umfrage: Arbeitszeitmodelle nach der Elternzeit

Liebe Forums-Mitglieder,

mich beschäftigt schon länger, mit Hinblick auf eine evtl. Familiengründung, die Frage ob es heute in Deutschland gut möglich ist Beruf und Familie zu vereinen. Dass die Antwort eher nein lautet, das suggerieren mir zumindest diverse Studien und Medienberichte.

In meinem Umkreis kann ich dazu wenig Erfahrung sammeln. In meiner eigenen Kindheit war es völlig normal, dass beide Elternteile nach einem Babyjahr in Vollzeit arbeiten, gleichzeitig aber trotzdem deutlich mehr die Mütter in Sachen Haushalt und Familie gefragt waren.
Ich würde eigentlich auch ungern lange (mehr als 1 Jahr) dem Beruf fernbleiben, bei meinem Partner ist es genauso. Gegen "Fremdbetreuung" (furchtbares Wort) habe ich nichts einzuwenden, solange sie denn auch zur Verfügung steht.

Sorge macht mir, dass sich automatisch beruflich viele Optionen schließen, nur weil man Mutter ist. Also, weil es quasi diese gesellschaftliche Annahme gibt man wäre dann nur noch so als Hobby auf der Arbeit und eigentlich keine gute Arbeitskraft mehr. Natürlich haben Eltern eine andere Flexibilität als ungebundene Singles, aber das trifft ja auf beide Elternteile zu und wird trotzdem (so nehme ich es wahr) nur auf Mütter projiziert.

Ich muss jetzt nicht demnächst ein DAX Unternehmen leiten, aber würde nach jahrelangem Studium und Berufserfahrung auch ungern das bisher erreichte in den Wind schießen.

Daher meine Frage, wie läuft bei euch die Aufteilung? Ist es möglich, dass beide Vollzeit arbeiten (evtl. mit flexiblen Arbeitszeiten und mal Home Office) oder zumindest, dass man als Eltern gemeinsam die Arbeitszeit auf 75% o.ä. reduziert?

Vollzeit arbeiten nach Elternzeit?

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Es geht. Aber es ist sauanstrengend. Wir haben unseren Sohn ungeplant im Studium bekommen. Wir haben beide Studiert und das war toll.
Im März 2020 hatten wir dann unsere Master und sind in den Beruf eingestiegen.nda war unser Sohn 2. Das war eine ganz andere Nummer. Gut, vielleicht lag es auch an meinem Referendariat, vielleicht an Corona, vielleicht an den wochenlangen Geschäftsreisen meines Mannes. Vielleicht daran, dass meine Großeltern pflegebedürftig wurden, meine Eltern eine Midlife-Crisis bekamen und meine Schwiegereltern aus Coronapanik komplett den Kontakt zu anderen Menschen meiden. Vielleicht aber auch einfach daran, dass 2x Vollzeitarbeit mit kleinem Kind einfach hart ist. Es ist ja nicht nur das Kind permanent krank - sondern es erlegt die Erwachsenen gleich mit. Und Kitaviren sind übel! Dazu ist die Kita eh permanent geschlossen, oder noch besser- offen gelassen aber gebeten die Kinder zuhause zu lassen. Dann hast du ein superschlechtes Gewissen noch dazu.

Hättest du mich vor einem Jahr gefragt, hätte ich gesagt alles super. Inzwischen sage ich "Ja, es ist machbar, aber nicht das optimale Modell, weder fürs Kind noch für die Eltern." Aber, wie gesagt, vielleicht lässt es sich auch nicht so pauschal sagen.

Wir werden jetzt beide auf 70% reduzieren. Jeder hat einen Tag frei für Haushalt und noch zwei Nachmittage früher Schluss. Mal schauen, ob es funktioniert. Ich hoffe. Vorstellen, länger zuhause zu bleiben können wir uns nämlich auch beide nicht.

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Ja, das schlechte Gewissen und das permanent entweder Kind, Job oder Partnerschaft nicht gerecht zu werden ist omnipräsent.

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Ich steige demnächst nach der EZ für zwei Kinder (jeweils ein Jahr unmittelbar nacheinander) Vollzeit wieder ein. Mein Mann arbeitet ebenfalls Vollzeit, wobei das in seiner Firma 35 Stunden sind.
Ob es geht, werden wir sehen. Für unsere Eltern war es normal.

Aber ja, die beruflichen Nachteile werden dir als Frau unmittelbar deutlich gemacht. Ich wurde in dem Moment, in dem ich meine Schwangerschaft verkündete, auf's Abstellgleis geschoben und in der Schwangerschaft selbst sollte ich bitte so weiter arbeiten, als gäbe es sie nicht. Das Verhältnis zu meinem Chef ist mittlerweile belastet und ich schaue mich zwar noch nicht gezielt nach etwas anderem um, mache das aber wenn sich die Kleine in der Kita eingelebt hat.

Problem wird tatsächlich sein, dass ich nicht mehr so flexibel bin wie vorher und die Gleitzeit nach vorne statt nach hinten ausreizen werde. Wird wahrscheinlich nicht bei jedem gut ankommen wenn ich 15.30 Uhr das Büro verlasse, egal wann ich angefangen habe. Spontane Überstunden sind natürlich auch nur noch bedingt drin, wenn ich mich mit meinem Mann dahingehend kurzfristig absprechen kann.

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Das hängt meines Erachtens nach maßgeblich davon ab, ob beide Elternteile tatsächlich gewillt sind, es durchzuziehen, dass alle Belastungen auf den Schultern von beiden gleichmäßig verteilt werden. Damit zusammenhängend ist auch wichtig, ob beide involvierte Arbeitgeber tatsächlich familienfreundlich und flexibel genug sind.

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Bei dem ersten mache ich mir weniger Sorgen als beim zweiten Punkt. Meine Sorge ist tatsächlich neben dem automatischen "Abstellgleis" für die Frau, wie sehr Arbeitgeber es mittragen, wenn der Vater eben auch Flexibilität verliert. Und klar, irgendwo ist da auch die Sorge, wenn es dann auf der Arbeit dumme Sprüche oder Nachteile gibt, zieht mein Partner dies dann trotzdem durch. Im Moment würden wir dies wohl beide bejahen, aber ich glaube so 100% weiß man das erst, wenn es soweit ist.

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Ja genau. Mein Mann musste sich auch einiges anhören in der Firma bis hin zur Androhung von Kündigung wenn er wirklich die Arbeitszeit reduziert.

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Wir haben 3jährige Zwillinge und einen 6jähriges Grundschulkind. Wir arbeiten beide Vollzeit. Wir waren uns aber immer einig, dass wirklich alles geteilt wird: Hausarbeit, Kindkranktage, Organisation, Schulsachen... usw. Ich möchte nämlich auch nicht, dass alles auf mir alleine lastet. Warum auch? Ich möchte auch einfach nicht abhängig sein oder ewig Teilzeit arbeiten, um dann in der Rente oder im Trennungsfall dazustehen...

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Nach der Elternzeit habe ich mit 30 Stunden wieder angefangen zu arbeiten, allerdings habe ich vorher auch nur TZ mit 34 Stunden gearbeitet, die Reduzierung war also nicht so massiv. Mein Partner arbeitet Vollzeit, kindkrank Tage teilen wir 50/50, an drei Nachmittagen hole ich unseren Sohn von der Krippe ab, einmal die Oma und einmal mein Mann.
Haushalt ist einigermaßen gleich aufgeteilt, Einkäufe erledigt mein Mann.
Ist vielleicht typisch, dass ich nur 75% arbeite, aber auch ohne Kind würde ich nicht Vollzeit arbeiten. Im Sommer kommt Kind Nr. 2 und nach der Elternzeit planen wir eine ähnliche Konstellation, wobei mittelfristig mein Mann auch auf etwa 35 Stunden reduzieren möchte.

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Wir arbeiten beide Vollzeit. Als Hauptverdienerin bin ich nach 2 Monaten Elternzeit im Januar wieder mit eingestiegen (Baby ist jetzt 5 Monate alt).

Mit 50% Homeoffice (im Moment noch mehr wg Corona) geht es, aber der Preis ist hoch. Wir sind nur noch am Organisieren und sehen uns gefühlt so gut wie nie. Dadurch dass unsere Arbeitszeiten versetzt sind, ist immer einer von uns arbeiten oder kauft ein o.Ä.

Ich liebe meinen Job wirklich, aber mich beschleicht das Gefühl, dass ich etwas verpasse. Meine Tochter ist nur ein einziges Mal klein, wird nur ein einziges Mal anfangen zu krabbeln, wird nur einmal ihr allererstes Wort sprechen.

Darum überlege ich derzeit auf 32 Stunden runter zu gehen.

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Ja, das kann ich verstehen. Ich würde, aus dem Gefühl, eine Reduktion auf 32-35 Stunden für beide Partner durchaus auch als die beste Option empfinden, gerade wenn die Kinder noch sehr klein sind. Allerdings finde ich eine 40-Stunden-Woche eh übertrieben, habe mehrere Jahre im Ausland gearbeitet und dort VZ irgendwas zwischen 34 und 37 Stunden gearbeitet. Kann dabei, zumindest für meinen Job der sehr selbstständig und Schreibtischlastig ist, keinen Unterschied in der Produktivität feststellen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Sehe ich ganz genauso mit der Produktivität! Ist eher so, dass man bei weniger Zeit produktiver wird. Was ich heute im Haushalt einer einzigen babyfreien Stunde schaffe, hätte ich früher in zweien nicht hingekriegt #rofl

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Wir haben zwei Kinder und ich werde auch nach der zweiten Elternzeit wieder mit 30 Stunden wiedereinsteigen. Mein Partner arbeitet Vollzeit. Rein von der Kinderbetreuung her könnte ich auch Vollzeit arbeiten. Aber ganz ehrlich? Das will ich gar nicht. Ich finde es so schon wirklich stressig und die Vorstellung, meine Kinder morgens um 07:30 Uhr an der Kita abzugeben und sie frühestens um 16:30 Uhr abzuholen macht mich traurig. Der Tag hat halt nur 24 Stunden. Kleine Kinder schlafen davon ca 12. Wenn du Vollzeit arbeitest (ich unterstelle mal, dass die Arbeit tagsüber zu "normalen" Zeiten und nicht spät abends wenn die Kinder schlafen geleistet wird) gehen von den verbleibenden nochmal 8-9 Stunden ab. Plus Fahrtzeiten, plus morgens fertig machen, plus Essen. Bleiben höchstens 2-3 Stunden übrig. Ich möchte schlicht und einfach mehr als nur 2 Stunden täglich mit meinen Kindern verbringen. Mit unserem Jobs und der guten Kinderbetreuung wäre es ohne weiteres möglich, dass wir beide Vollzeit arbeiten. Ich könnte eine Leitungsfunktion haben, wenn ich sie wollte (das ginge tatsächlich sogar auch mit "nur" 30 Stunden). Aber Vollzeit und Verantwortung bedeutet meistens auch, noch mehr als "nur" 40 Stunden die Woche zu arbeiten. Es ist also nicht nur eine Frage des Könnens, sondern ich denke vor allem eine Frage des Wollens.

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Das Problen ist ja blöderweise nicht der von dir beschriebene Tag. Sondern all die anderen Tage, an denen das Kind krank ist/man selbst krank ist/die Kita geschlossen ist/die Kita auf hat aber appelliert zuhause zu bleiben/der Augen/Zahn/Kinderarzttermin ansteht (entweder fürs Kind oder dich)/der Logopäde sagt ab 15 Uhr gibt es keine Termine/die Oma krank ist/Geburtstag hat/der Handwerker kommt/die Spülmaschine über Nacht ausgelaufen ist/sonstige wichtige Termine anstehenden. Dazu kommt natürlich auch, dass man eben keinerlei Puffer hat. Für sich selbst aber auch fürs Kind. Man schickt es eben in die Kita, wenn es gesund ist. Auch wenn es vielleicht an dem Tag so gar keinen Bock hat und gerne mal einen Mama-Kuschel-Tag hätte. Und sowieso immer das erste und letzte Kind in der Kita ist. Selbst wenn die Kita fantastisch ist (ist unsere nämlich zum Glück).

Das ist alles möglich. Definitiv! Aber ich frage mich langsam, zu welchem Preis. Ich freue mich sehr darauf, dass sich bei uns bald alles ändert. Inzwischen habe ich mir selbst bewiesen, dass Vollzeitarbeiten geht. Darüber bin ich froh. Deswegen kann ich jetzt mit gutem Gewissen reduzieren. Aber langfristig glaube ich nicht, dass 2x Vollzeit zu glücklichen Kindern und zu glücklichen Eltern führt. Obwohl meine Eltern auch Vollzeit gearbeitet haben und ich eine glückliche Kindheit hatte...aber ich glaube, dafür haben meine Eltern extrem viel opfern müssen.

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Exakt!

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Ich kann nur von mir persönlich berichten:

Ich bin erst mit 36 Mutter geworden, habe mehrere akademische Abschlüsse und habe vor meiner Mutterschaft bereits 7 Jahre Berufserfahrung gehabt und mir eine gute Position im mittleren Management erkämpft. Dafür habe ich jahrelang richtig rein geklotzt.

Ich bin dann ein Jahr in EZ gegangen, im Anschluss hat mein Mann 3 Monate EZ gemacht und die Eingewöhnung in der Kita. In der Zeit bin ich wieder eingestiegen.

Kurz vor meinem geplanten Einstieg habe ich von meinem damaligen AG leider nicht die Perspektiven eröffnet bekommen, die ich erwartet habe. Ich wollte weiterhin Projektverantwortung etc. und wusste genau, dass ich das auch in 25 oder 30 Std. schaffen kann. Kein Problem, ich hab mich umgehört und wurde mit Handkuss in einer anderen Firma genommen. Und da bin ich einfach selbstbewusst und bestimmt aufgetreten, geklotzt statt gekleckert - so wie Männer das auch machen. Dadurch habe ich die Position und Verantwortung bekommen die ich wollte und zudem verdiene ich in 30 Std. jetzt so viel wie vorher in Vollzeit. Und damit übrigens auch deutlich mehr als mein Mann in Vollzeit.

ABER: Es ist stressig, vor allem auch jetzt unter Corona wo man jeden Tag um die Betreuung bangen muss und das Kind bei der kleinsten Laufnase nicht in die Kita gehen kann. Dann beginnt hier täglich die Abwägung wer jetzt Kindkrank oder HomeOffice machen kann. Wobei HomeOffice mit Kleinkind eine Farce ist - in meinem Job geht das nicht da 100% Konzentration gefragt ist und viele Online-Termine sind bei denen man kein Kleinkind parallel auf den Knien haben kann.

Das wichtigste sind klare Absprachen: also vorfallen das Commitment, dass beide Jobs ganz unabhängig vom Gehalt gleich wichtig sind, dass Kindkranktage fair 50/50 aufgeteilt werden, der Haushalt geteilt wird, …

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Hallo.

Klar ist das möglich, dass beide Elternteile ihrer Arbeit wie gewohnt bzw. gewünscht nachgehen.

Ob und wie anstrengend es wird, hängt halt (wie immer) von mehreren Faktoren zusammen.

- Wie früh musst die die Kinder in der Kita oder bei der Tagesmutter abgeben
- Wie weit ist der Anfahrtsweg zu Kita bzw. deiner Arbeit
- Passen die Abholzeiten
- Bringt sich der Partner mit in die Haushaltsarbeiten ein
- Wie viel Freizeit bleibt als Familie übrig

Wenn sich das alles gut einrichten lässt - warum sollte es dann nicht gut klappen?

Das hängt überwiegend von DEINEN Rahmenbedingungen ab - nicht von den Firmen.
Teilweise gibts doch sogar betriebseigene Kitas, die man in Anspruch nehmen kann.

Ich habe nach dem Mutterschutz (8 Wo.) des ersten Kindes Vollzeit gearbeitet und nach dem 2. Kind dann auf 30 Stunden/Woche reduziert. Haushalt mach ich alleine - und es klappt alles ganz wunderbar. Muss aber dazu sagen, dass mir die Großeltern immer den Rücken frei gehalten haben in Sachen Kinderbetreuung. Ohne die beiden wäre das alles nicht möglich gewesen. :-)