Konflikt im Sandkasten

Hallo zusammen 🙂

Mich wĂŒrde mal interessieren wie ihr folgende Situation seht:

Ich war heute Vormittag mit meinem Sohn auf dem Spielplatz. Ich bin noch etwas ungeĂŒbt in Konfliktsituationen im Sandkasten, da es mein erstes Kind ist und mit meinen Babysitterkindern gab es solche Situationen nicht.
Ich bin dafĂŒr, dass man die Kids erstmal versuchen lĂ€sst, etwaige Streitereien selbst zu klĂ€ren und halt in der NĂ€he ist, damit man eingreifen kann, wenn es erforderlich ist. Mein Sohn ist fast 18 Monate alt, da halten sich die Streitigkeiten bisher auch im Rahmen. Wir haben immer einiges an Sandspielsachen dabei und ich bin auch sehr dafĂŒr, diese zu teilen. Wenn andere Kids was haben, womit er spielen will, dann ĂŒbernehme ich das sprechen fĂŒr ihn (weil er das noch nicht kann) und frage fĂŒr ihn, ob er sich xy mal ausleihen darf. Meistens ist die Antwort ja, bei einem nein hat er halt Pech. Ich wĂŒnsche mir im Gegenzug, dass die anderen Kids (oder deren Eltern) ebenfalls fragen, bevor sie etwas nehmen (vor allem direkt vor seiner Nase). Wenn die Schaufel am anderen Ende des Sandkastens ist oder auch gar nicht ersichtlich ist, dass es unsere ist, dann ist klar, dass fragen keinen Sinn macht. Wie haltet ihr das mit euren Kids?

Heute lief es dann so, dass wir zuerst alleine im Sandkasten waren und dann kamen 2 MĂ€dels (ca 4 und 6 Jahre alt) mit ihrer Mama. Die Mutter saß in einiger Distanz und hat nicht alles mitbekommen, die MĂ€dels sind ja aber auch schon alt genug. Mein Sohn ist mit seiner Schaufel durch den Sandkasten geflitzt und hat neugierig geschaut, was die MĂ€dels machen. Ich saß etwa 5 m entfernt. Ich war dann kurz abgelenkt und als ich wieder zu meinem Sohn geschaut habe, hatte er die Schaufel nicht mehr in der Hand, dafĂŒr hatte das Ă€ltere MĂ€dchen sie. Er sah nicht sonderlich begeistert aus, hat aber auch nicht geweint. Ich kann nicht sagen, ob das MĂ€dchen gefragt hat oder nicht. Mein Sohn kam dann zu mir und hat sich seinen Rechen genommen und damit war die Situation erstmal "gelöst". Etwa 15 Minuten spĂ€ter haben wir zusammengepackt und da wollte ich natĂŒrlich unsere Schaufel wieder haben. Ich bin also zu den MĂ€dels hin und habe sie freundlich gebeten, dass sie mir die Schaufel wieder zurĂŒckgeben. Die Ältere hat dann gesagt, dass das ihre Schaufel sei. Ich habe aber alle unsere Spielsachen markiert und ihr das auch gezeigt. Das hat sie nicht wirklich beeindruckt, sie sagte dann, dass mein Sohn sie ihr geschenkt habe. Da ist mir dann alles aus dem Gesicht gefallen. Hab ihr dann erklĂ€rt (freundlich), dass er zu klein ist und nicht versteht, was schenken heißt und dass ich die Schaufel wieder haben möchte. Die Mutter der beiden kam dann dazu und hat sich die Situstion erklĂ€ren lassen. Sie war aber leider keine große Hilfe, da ihre "xy bestimmt nicht lĂŒgen wĂŒrde." Und ich solle mich nicht so anstellen, wir haben ja sogar noch eine 2te Schaufel dabei und dann könnten wir die Schaufel ja entbehren.... da war ich dann echt sprachlos. Hab dann gesagt, dass das ja wohl kein Argument sein kann und wir jetzt bitte die Schaufel haben wollen. Die Mutter hat dann lang auf das MĂ€del eingeredet, es flossen TrĂ€nen, die Mutter hat wieder versucht mich zu ĂŒberreden und dann wars mir zu doof. Ich bin zu dem MĂ€dchen und habe ihr die Schaufel wortlos aus der Hand genommen. Habe der Mutter gesagt, dass es mir Leid tĂ€te, aber ich habe nicht den ganzen Tag Zeit und man die Sachen natĂŒrlich gerne leihweise verwenden kann, aber dann ist auch gut.

Jetzt beim Rekapitulieren der Situation frage ich mich, ob ich das anders hĂ€tte lösen können. Ich bin echt nicht geizig, aber ich kann doch auch nicht die Spielsachen meines Sohnes verschenken, vor allem nur weil ein kleines MĂ€dchen behauptet, dass er das getan hĂ€tte. Ich hab mich sehr bemĂŒht, kindgerecht mit ihr zu sprechen und immer freundlich zu bleiben. Auch als ihr Tonfall immer frecher wurde bin ich höflich geblieben. Hab ich vielleicht zu viel erklĂ€rt? HĂ€tte ich "forscher" sein mĂŒssen?

Wie hÀttet ihr reagiert?


Liebe GrĂŒĂŸe 🍀

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Dass das Kind sich so verhĂ€lt, ist in einem gewissen Alter ja normal. Bedenklich finde ich, dass die Mutter es durch ihr Verharmlosen und "Mein kleiner goldiger Sonnenschein wĂŒrde niemals lĂŒgen!"-Getue noch verstĂ€rkt, statt dagegen zu arbeiten.

An der Kinderfront hĂ€ttest du meiner Ansicht nach nicht viel anders handeln können. Bei der Mutter wĂ€re ich schon deutlich schneller am Ende meiner Geduld gewesen. Das ist einfach unverschĂ€mt, aber leider kennt wohl jeder solche Personen, die einem dann noch selbst die Schuld zuschieben - offenbar ist man ja leider geizig, ĂŒberempfindlich, verbissen...such dir was aus.

Ich persönlich wĂŒrde die Sache beim nĂ€chsten Mal deutlich an der "Mutter-Front" verkĂŒrzen. Die Teile sind markiert, sie gehören dem Kind nicht, wenn sie es ihm nicht selbst wegnehmen will, musst du das tun (kann man ja vorher ankĂŒndigen). Fertig. Man kann da leider wenig ausrichten, auch wenn es einen in den Fingern juckt, da zum großen Vortrag anzusetzen :-D

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Danke fĂŒr deine Antwort. Ja, im Nachhinein betrachtet habe ich da wohl echt zu lange abgewartet bzw zu viel "verhandelt". Ich war auch echt einfach baff, wie dreist die Tochter drauf war und wie wenig die Mutter darauf reagiert hat. Ich kenne die HintergrĂŒnde nicht und versuche nichtbzu urteilen, aber fremdes Eigentum zu achten wĂ€re mMn schon eine wichtige Regel, die jedes Kind beherzigen sollte.

Aber gut, wenn ich den dreien beim nĂ€chsten Mal auf dem Spielplatz begegne weiß ich zumindest schon, was ich zu erwarten habe.

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Hey đŸ‘‹đŸ» hĂ€tte genauso reagiert wie du, wenn nicht sogar noch unfreundlich dabei 😅
Unglaublich...
Lg juju:)

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Hey 😃
Danke, ja ich glaub ich muss da einfach noch ein wenig abgebrĂŒhter werden. Also bestimmter meine ich. Bin da oft noch ein bisschen arg abwartend unterwegs, will niemandem auf die FĂŒĂŸe treten... aber Sohnemann soll ja auch lernen, dass er sich behaupten darf.

Lg 😊

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Hallo 😊
Meiner Meinung nach hast du alles richtig gemacht.

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Dankeschön 🙂
Es beruhigt mich schon ein wenig, dass hier alle auch so oder sehr Àhnlich reagiert hÀtten.

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Also das MĂ€dchen hat denke ich fĂŒr ihr Alter normal reagiert. Der Mutter gegenĂŒber hast du auch völlig normal reagiert. Evtl hĂ€tte die Tochter etwas mehr Zeit benötigt um zu verstehen bzw die Mutter hĂ€tte etwas eindeutiger ihrer Tochter gegenĂŒber sein mĂŒssen.

Aber grundsÀtzlich hast du mMn richtig reagiert. Also alles gut.

LG

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Das MĂ€dchen ist 6 Jahre alt. So normal ist das in dem Alter nicht mehr. Das Kind sollte wissen, dass es nicht seine ist und sollte auch verstehen, dass kleine Kinder eben Mama fragen sollten, bevor sie irgendwas verschenken.
Ich bezweifle hier auch, dass er Junge, die Schaufel wirklich verschenkt hat. Sondern eher, dass das MĂ€dchen fragte "Schenkst du mir die? ." und der Kleine nickte.

Sie ist wohl mit so einem Verhalten schon öfters durchgekommen.
Das Problem lag hier aber eindeutig bei der Mutter.

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Ja, sie hat sehr clever agiert - sofortiges Ändern der Taktik, wenn Variante 1 nicht funktioniert. Da ist jemand sehr geĂŒbt oder wahnsinnig talentiert :-D. Manche Kinder haben eine stĂ€rkere Veranlagung zum LĂŒgen als andere, und wenn man da nicht rechtzeitig eingreift, hat man in ein paar Jahren wirkliche Probleme. Ist eben schwierig, wenn die Mutter das noch positiv verstĂ€rkt...

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Ich hÀtte es am Ende auch einfach aus der Hand genommen. Finde aber das ist eigentlich Aufgabe der anderen Mutter. Ich hatte wahrscheinlich gesagt "wir nehmen unsere Schaufel jetzt mit. Wollen Sie sie mir geben oder soll ich sie selber nehmen?" Man ist ja selbst aus dem Kindergartenalter raus.

WĂŒrde gar nicht auf die Idee kommen dass mein Kind Spielzeug anderer Leute behĂ€lt. Auch wenn die 15 Schaufeln dabei haben.

Ärger dich nicht, vielleicht hatte die andere Mutti einfach nur einen furchtbaren Tag, hat nicht alles mitbekommen, die KommunikationsfĂ€higkeit deines Sohnes ĂŒberschĂ€tzt oder gedacht du wĂŒrdest LĂŒgen unterstellen usw usw. Man weiß ja nie was bei anderen so abgeht đŸ€·đŸŒâ€â™€ïž

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Hm, da ist auch was Wahres dran, so hab ich das noch nicht gesehen, danke dir.

Zu dem Zeitpunkt wo ich die Schaufel genommen habe, war ich mit meiner Geduld echt am Ende und auch ziemlich genervt von der anderen Mutter. Ich hab eigentlich keine Lust, die anderen Kids am Spielplatz auch noch zu erziehen. Das mache ich beruflich schon zur GenĂŒge 😅 Aber es stimmt, vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag. Wenn ich der Familie nochmal am Spielplatz begegne, bemĂŒhe ich mich unvoreingenommen zu sein und wenn sich die MĂ€dels wieder eine Schaufel ausleihen wollen, kein Thema. Aber ich hĂ€tte sie dann dieses Mal auch gerne wieder zurĂŒck 🙂

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Ich wĂ€re wahrscheinlich sowohl den Kindern als auch der Mutter gegenĂŒber Forscher gewesen.

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Danke dir 🙂
Ja, daran muss ich noch arbeiten. An der nötigen "Forschheit". Da bin ich meist noch unsicher wann und in welchem Ausmaß ich eingreifen soll. Aber ich hoffe, dass auch hier die Übung den Meister macht.

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Ehrlich gesagt hĂ€tte ich das Theater gar nicht so lange mitgemacht und dem Kind die Schaufel sofort weggenommen, nachdem ihr erklĂ€rt wurde, daß es unser Eigentum ist.
Mit geschÀtzt 6 Jahren sollte das wohl verstanden werden.
Bei der anderen Mutter fehlen mir die Worte.

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Ich denke an einem anderen Tag hÀtte das durchaus so laufen können. Aber heute Vormittag war ich durch das schöne Wetter endlich mal wieder so richtig schön ausgeglichen und hab die Zeit mit meinem Sohn einfach genossen. Ich war wild entschlossen mir diesen Tag nicht verderben zu lassen und dachte einfach, dass man da mit ErklÀrungen weiter kommt als mit Ermahnungen.
Ich denke bei einem erneuten Aufeinandertreffen werde ich situationsabhĂ€ngig eventuell bestimmter handeln. Kann aber auch sein, dass sowohl Mutter als auch Kind heute einen schlechten Tag hatten. Fremdes Eigentum sollte man natĂŒrlich trotzdem respektieren und sollte es da nochmal einen Vorfall geben, dann bin ich da wohl auch nicht mehr so geduldig.

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DU hast absolut richtig reagiert. DarĂŒber solltest du dir jetzt auch im Nachhinein auch bitte nicht mehr den Kopf zerbrechen. Ok, vielleicht brauchst du beim nĂ€chsten mal nicht ganz so verstĂ€ndnisvoll sein, aber das ist ja auch sehr vom Typ abhĂ€ngig 😊

Das MĂ€dchen hat altersentsprechend reagiert, ihre Mutter absolut daneben. Ich wage mal die Voraussage, dass sie in wenigen Jahren richtig Spaß mit der kleinen haben wird. Aber erfahrungsgemĂ€ĂŸ liegt das dann am Kind, welches einfach furchtbar schwierig ist, und nicht an ihrer verpassten Erziehung. Das kannst du aber nicht Ă€ndern und somit zeige deinem Sohn, dass man auch fĂŒr sein Recht einstehen und sich manchmal einfach behaupten muss.

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Danke dir. Ja, ich weiß, dass ich da manchmal noch zu abwartend und unsicher bin. FĂŒr mich ist das meist noch eine Gratwanderung. Soll ich schon eingreifen oder warte ich noch ab? Wie greife ich ein. ErklĂ€re und verhandele ich oder ermahne ich und setze dann meine Prinzipien durch?
Ich hoffe einfach, dass da Routine das Zauberwort ist. Solche Situationen wie heute brauche ich definitiv nicht auf einer regelmĂ€ĂŸigen Basis, aber so generell gibt es ja sehr vielfĂ€ltige Situationen auf dem Spielplatz, wo man dann doch mal eingreifen muss.
Und man will ja den anderen Eltern eigentlich auch nicht auf die FĂŒĂŸe treten. Allerdings muss ich da einfach die Rechte meines Kindes ĂŒber die "Angst" sich einzumischen stellen.

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Selbst wenn es die 10. Schaufel ist, kann ich nicht einfach davon ausgesehen, dass meine DreijĂ€hrige die haben darf. Und selbst wenn die Schaufel wirklich geschenkt ist, also auch die Mutter sagen wĂŒrde, dass wir diese haben dĂŒrfen, wĂŒrde ich mich fĂŒr das Ausleihen bedanken und sie anschließend trotzdem zurĂŒckgeben. Mit 3 Jahren darf meine Tochter wissen, dass man Spielsachen von anderen Kindern wieder zurĂŒckgeben muss. Sie will ja die ihren auch wieder zurĂŒck. Und mit 6 Jahren sollte dieses VerstĂ€ndnis eigentlich bereits vorhanden sein. Aber die Mutter scheint dieses Verhalten ja zu unterstĂŒtzen, denn ihr braves MĂ€dchen wĂŒrde wohl nie lĂŒgen 🙃
Du hast richtig reagiert 👍

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Danke dir.
Ja, so sehe ich das auch. Ich wĂŒrde ein Geschenk von einem wildfremden Kind auch sehr skeptisch sehen und erstmal nicht annehmen. Vor allem, wenn dieses Kind noch nicht mal sprechen kann. Dass die Tochter nicht ĂŒberreißt, dass mein Sohn keine Vorstellung von Schenken und Leihen hat, kann ich mir vorstellen. Aber da muss dann die Mutter erklĂ€rend eingreifen. Und das kann man den Kids auch schon frĂŒh beibringen.