Partner lustlos / Depression

Hallo zusammen,
mein Mann und ich sind Mitte 40, haben 2 gemeinsame Teenagerkinder, sind materiell im grünen Bereich und haben in 18 Partnerschaftsjahren so einiges zusammen gestemmt.
Wir haben beide so unseren "Rucksack" an Ballast aus der Kindheit / Vergangenheit, aber im Gegensatz zu mir tut er sich schwer damit, sein Zeug aufzuarbeiten. Daher ist er eigentlich ständig am Grübeln oder stürzt sich in die Arbeit, bzw. lenkt sich mit PC-Spielen ab. In unserer Anfangszeit hatten wir oft und echt richtig guten Sex. Das wurde dann phasenweise weniger, aber aus den Phasen wurden Monate, Jahre, ..... mittlerweile haben wir, trotz vieler Gespräche, nur noch 2-4x im Jahr (!) Sex und ich trau mich kaum noch, die Initiative zu ergreifen. Er sieht keinen Handlungsbedarf, weil es ihm nicht fehlt. (Also nicht nur mit mir nicht, sondern gar nicht). Er gibt sich Mühe, mir auf andere Weise zu zeigen, dass ich ihm wichtig bin. Ich wiederum will nicht mit Jemand anderem Sex, sondern mit ihm, weil ich mich von ihm begehrt fühlen will. Insgesamt hab ich aus verschiedenen Gründen auch nicht ständig Lust, aber so gar nicht ist halt doch ein bißchen wenig :(
Sein Hausarzt sagt, das liegt alles am Stress, eine Gesprächstherapie vor Jahren hat er abgebrochen.
Irgendwelche Tipps? Danke im Voraus!

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"Eine Gesprächstherapie hat er abgebrochen".

Das ist der Punkt, an welchem jeder mögliche, jeder sinnvolle Rat eines Dritten beinahe wie eine Verhöhnung erscheinen könnte, obgleich es absolut so nicht gemeint wäre.

Vielleicht auch der Grund, weshalb hier noch keine Beiträge stehen, wozu natürlich auch der wunderschöne Sonnenschein an diesem Tag beigetragen haben könnte (weil die Leute Besseres zu tun haben, als hier zu schreiben).

Es tut mir beinahe etwas leid. Denn euch verbindet unendlich viel. Da ist an Trennung aus den von Dir andiskutierten Gründen nicht zu denken. Auch so ein Thema wie "offene Beziehung" ist in eurem Fall kaum sinnvoll. Also was tun, außer sich mit der Situation abfinden?

Wie wichtig ist Sex?

Das muss jeder für sich beantworten, aber ich denke, dass er für die meisten Paare mehr als nur "gesund" ist.
Krankheiten und Alterungsprozess können natürlich auch die Sexualität seltener werden lassen oder unmöglich machen. Aber solange ein Paar noch nicht an diesem unbedingt zu akzeptierenden Punkt ist, stellt sich mir eine ganz andere Frage: Fürsorge und Liebe gegenüber meiner Partnerin sind für mich wichtig. Solange sie ihre Sexualität mit mir genießen möchte, ist mir ihre Sexualität wichtig - und damit in Konsequenz auch meine eigene. Wenn meine Libido ohne erkennbare gesundheitliche Beeinträchtigungen so reduziert wäre, dass ich kaum noch Sex wollte, dann würde ich erstmal kompetente Ärzte aufsuchen. Wenn es an der Psyche liegen würde, dann wäre es für mich nicht nur wegen des Sex wichtig, genau daran zu arbeiten.

Er liebt Dich - aber ihm sind diese Zusammenhänge vielleicht nicht so ganz klar. Es mag sein, dass "es" ihm nicht unmittelbar fehlt, aber er sollte sich überlegen, dass "es" ganz erheblich auch zu seiner eigenen Lebensqualität beitragen könnte. So etwas verlernt man nämlich nicht, wenn es früher mal gut war. Man legt es nur beiseite und verdrängt da einiges.

Was Du mit den Worten andeutest, auch bei Dir sei ja aus verschiedenen Gründen nicht immer Lust vorhanden, ist eher unverständlich. Bei nur ganz wenigen ist immer die Lust zu Hause, Phasen der Unlust gehören sogar zum Leben von Leuten, die Sex für "wichtig" halten. Also deutest Du hier etwas an, was Du uns nicht mitteilen möchtest - wozu Du alles Recht der Welt hast. (Überhaupt ist nicht jede Mitteilung in Foren wirklich gut). Aber an dem Punkt könnte ja etwas Wichtiges verborgen sein - auch für euch als Paar. Wenn Du das einem Therapeuten mitteilen würdest, könnte es vielleicht weiterhelfen. Ich weiß es nicht, aber weise einfach mal auf die theoretische Möglichkeit hin (dass es wichtig sein könnte).

Fazit: Lösen könnt ihr das ja nur gemeinsam, aber ein Versuch wäre, ihm klarzumachen, dass eine eher nur geschwisterliche Liebe auch für wenigstens einen von euch einen Verzicht bedeutet. Zwar könnte dies ihm "Druck" machen, aber es hilft auch nicht seine Gefühle ebenfalls immer zu "unterdrücken" und niemals deutlich zu werden. Allerdings muss die Art, in der Du mit ihm sprichst, schon sehr verständnisvoll sein, um genau dieses unvermeidliche "Druckmoment" zu kompensieren.