Behandlungsfehler?

    • (1) 19.07.19 - 13:14

      Hallo!
      Ich schreibe das jetzt, weil das einfach mal irgendwo raus muss. Ich sage gleich, wer empfindlich ist, besser nicht lesen!
      Ich habe vor vier Monaten meinen Sohn zur Welt gebracht. Die Schwangerschaft verlief absolut unkompliziert.
      Es hieß immer, er sei ein bisschen zu klein, aber das sei nicht weiter dramatisch.
      nachts hatte ich einen Blasensprung, aber keine Wehen. Also ab ins Krankenhaus. Dort wurde ich von einer komisch-unfreundlichen Ärztin grob untersucht und zum Kreißsaal geschickt. Ich kam ins Wehenzimmer, danach bekamen wir lange niemanden mehr zu Gesicht.
      Erster Versuch: Rizinuscocktail. Wirkte nicht.
      Tag später, ich bekam eine Antibiotikainfusion, damit sich nix entzünden konnte wegen der offenen Fruchtblase, zweiter Versuch: Vaginalinsert Propess? Andere Ärztin. Es schlug nicht an, tat nur sehr weh beim Einlegen.
      Also wieder raus von Hebamme Nr. 1. Erneutes Einlegen desselben Produktes von Hebamme Nr.2.
      Dann Nachts, wieder andere Hebamme, Einleitungsversuch Oxytocin plus Buscopantropf von Hebamme Nr. 3 und einer Assistenzärztin. Die Herztöne meines Kindes wurden schlechter. Ich bekam Panik, fragte nach einem Kaiserschnitt.
      "Nein, wir versuchen das so..."
      Dritter Tag, Nägel mit Köpfen. Irgendetwas von dem ganzen Zeug fing an zu wirken, ich bekam tatsächlich Wehen.
      Hebamme Nr. 4 schlug Wehenverstärkung mittels Oxytocin vor. Ich willigte sofort ein. Die Schmerzen wurden unerträglich, erst versuchten wir Lachgas, dann gingen wir direkt zur PDA über.
      Die wurde leider schief gesetzt, und mein rechtes Bein ist bis heute halbseitig taub, wird aber stetig besser.
      Auch unter Oxytocin wurden die Herztöne meines Sohnes immer schlechter. Ich dachte, wir überleben das Beide nicht.
      Er kam auf die Welt, die Nabelschnur hatte sich zweimal um den Hals meines Sohnes gewickelt. Das hatte man im Ultraschall nicht gesehen.
      Ich weiß nicht wieso, aber ich fühle mich schuldig, wegen dieses katastrophalen Geburtsverlaufes.
      Er war etwas zu leicht und zitterte stark. Auch dafür gab man mir die Schuld und veranlasste bei meinem Sohn eine Blutabnahme mit Drogentest. Die Ärztin sagte das so laut, dass ich es einfach hören musste. Und so ein Hammer nach einer Geburt bei der ich drei Tage nicht geschlafen habe.
      Natürlich haben sie nichts gefunden und waren wohl enttäuscht darüber. Da die Fruchtblase drei Tage offen war und das Antibiotikum, dass ich dreimal am Tag verabreicht bekam, wohl nicht angeschlagen hatte, hatte mein Sohn eine Neugeboreneninfektion. Und sein Blutzucker war im Keller. Außerdem hatte er eine "nasse Lunge".
      Es wurde behauptet, ich hätte während der Schwangerschaft geraucht. Auch Unsinn.
      Im Entlassungsbericht fehlten zwei Einleitungsversuche, auch das Buscopan wurde nicht erwähnt.
      Mein Sohn wurde zwecks Weiterbehandlung in ein anderes Krankenhaus überstellt, in dem man sich seinen Zustand nicht so recht erklären konnte, und dann auch wieder die Schuld bei mir suchte.
      Zum Glück haben wir das Beide unbeschadet überstanden.

      Na ja, wollte das nur mal loswerden. Es verfolgt mich schon eine Weile.

      Danke fürs Lesen

      • Mmh das ist echt merkwürdig. Woher die Symptome bei deinem Sohn kamen weiß ich nicht und das wären nur Mutmaßungen, vll Stress, vll nicht gut versorgt durch die Nabelschnurumwicklung, vll auf ein Mittel reagiert...keine Ahnung. Was ich aber absolut unlogisch finde ist die Gabe von oxytocin in Verbindung mit buscopan zur Einleitung. Das eine mittel (oxytocin) soll die Gebärmutter dazu bringen zu kontrahieren und buscopan bewirkt genau das Gegenteil, es ist krampflösend. Und eher eine Möglichkeit die Schmerzen bei den Wehen etwas abzudämpfen, aber so wie ich das verstanden habe hattest du zu dem Zeitpunkt ja noch keine. Irgendwie widersprüchlich diese Art der medikation zur Einleitung, allerdings weiß ich nicht genau in wie weit buscopan das oxytocin überhaupt ausbremsen kann oder ob sie das einfach prophylaktisch dazugegeben haben. Hast du mal mit deiner Hebamme oder deinem FA darüber gesprochen ?
        Ich kann absolut verstehen dass man nachvollziehen will was da los war. 😕ich hoffe dem kleinen Mann geht’s gut 😊

        Achso und dazu dass im Bericht was fehlt...das ist leider keine Seltenheit. Bin mir meine Berichte von der letzten Entbindung ins kh Archiv holen gegangen, weil ich das was damals los war mit der FA besprechen wollte und wir dann entscheiden wollten ob ich es wieder spontan versuche oder gleich ein KS gemacht wird...und siehe da von den Komplikationen steht kein Wort in den ganzen Seiten, es wurde noch gelogen was die Austreibungsphase betrifft. Realität = Kompilationen und Austreibungsphase von mehr als 1,5 Stunden...laut Bericht = 40 Minuten
        Tja jetzt sind wir auch nicht weiter wie vorher und ich weiß immer noch nicht was ich machen soll 🙄

      Ich würde mich damit ganz ehrlich an Hebammen im nächsten Geburtshaus wenden & die fragen, wie Du weiter vorgehen sollst. Stell Dir vor, du bekommst ein 2. Kind & dann sind die Umstände noch immer dieselben... Das darf SO nicht bleiben! Das sind ganz klar Behandlungs- und Kommunikationsfehler! ...was ja in gewissem Maße auch kein Wunder ist, wenn es in der Dokumentation nicht auftaucht - aber diese Dokumentationen sind ja genau dazu da, dass Hebamme Nr. 3 & 4 noch nachvollziehen können, was Hebamme Nr. 1 & 2 gemacht haben! (...und dass man nicht gesehen hat oder hätte sehen können, dass die Nabelschnur um den Hals gewickelt war, ist mit den heutigen Doppler-Geräten fast unvorstellbar!)
      Alles Gute Dir!

      Ich bin immer wieder erstaunt das die Ärzte die Fehler, wenn sie nichts finden, auf die Mutter aufschieben. Ich bin gerade echt sprachlos. Ich bewundere dich für deinen Mut und deine Stärke. Wenigstens geht euch jetzt wieder gut und ich hoffe das die Taubheit noch komplett verschwindet aus deinem rechten Bein.
      Ich würde auch mal mit einer Hebamme sprechen. In deinem Fall würde ich dir raten auf jeden Fall zum Anwalt gehen: http://www.tauer-rechtsanwaelte.de/ Eine Freundin von mir war dort auch weil bei ihr auch ziemlich viel falsch gemacht wurde und auch so schlimm das sie das Kind fast verloren hätte obwohl die Schwangerschaft auch so reibungslos war. Solche Kliniken sollte ihr Personal nochmal richtig schulen! Ich würde auf jeden Fall etwas machen, wer weiß ob die das genauso wieder machen würden bzw. schon gemacht haben.
      Ich wünsche dir viel Kraft und eine wunderschöne Zeit mit deinem Kleinen!
      LG

    • Hallo,

      erst einmal finde ich es schlimm, was du durchgemacht hast. Aber: sehr gut, dass du dich gedanklich damit beschäftigst, der Sache auf den Grund zu gehen und dich entsprechend zu wehren!

      Ich selbst habe gerade eine Fachanwältin für Medizinrecht beauftragt, eine Schmerzensgeldforderung gegenüber einem Krankenhaus durchzusetzen. Bei mir geht es um einen nicht erkannten Bruch am Fuß.
      Basis hierfür ist ein per medizinischem Gutachten bestätigter Behandlungsfehler.
      In dem Gutachten wird der Behandlungsfehler zwar festgestellt, nicht aber so sehr der medizinische Schaden.
      (Die Verletzung hat sich in den 4 Wochen, bis dann die Behandlung erst beginnen konnte nicht verschlechtert). Deshalb stehen bei mir die Chancen auch nur 50:50, die Forderund durch zu setzen. Und es geht um eine außergerichtliche Einigung, keine Klage. Dazu hat mich die Anwältin aber sehr offen beraten und ich "gönne" mir das Risiko, auf 600 Euro Anwaltskosten ggf sitzen zu bleiben, wenn ich verliere.

      Das Gute: das Gutachten dürfte deine Krankenkasse kostenlos für dich machen. So war es bei mir.
      Wende dich an den medizinischen Dienst der KK.
      Mit dem Gutachten dann an einen Fachanwalt.

      Selbst, wenn du nicht "gewinnst", finde ich es wichtig, alles nötige zu versuchen. Sonst ärgert man sich später.

      Alles Gute!

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