So traurig. Gefühl bei meinem großen Sohn viel falsch gemacht zu haben

    • (1) 15.02.16 - 08:54

      Hallo zusammen,

      ich muss mir nun mal meine Trauer von der Seele reden, weil mich so keiner richtig versteht.

      Meinen älteren Sohn habe ich vor 10 Jahren mit 25 bekommen. Er war von Anfang an mein absoluter Sonnenschein und sehr einfach. Gerade weil er so einfach war, sich nie beschwert hat, bin ich schon nach 8 Monaten wieder zu arbeiten angefangen. Hab mich meinem Arbeitgeber verpflichtet gefühlt. Deswegen habe ich auch mehrere Fortbildungen gemacht und war abends oft zur Fortbildungseinrichtung. Am WE bin ich ab und zu auch noch feiern gegangen. Ich empfand es als normal, haben ja alle so gemacht. Die Ehe zum Papa ging leider in die Brüche. Alle haben immer gesagt, ich bin eine Glucke und habe es gut im Griff, dass ich alles für meinen Engel gebe und ich MICH rotzdem nicht vergesse. Nun habe ich nach 10 Jahren noch einen Sohn bekommen,der genau das Gegenteil ist. Er war ein Schreibaby, ist nach einem Jahr immer noch sehr anstrengend und nimmt meine Zeit komplett ein.

      Jetzt habe ich das Gefühl bei meinem großen Sohn komplett versagt zu haben. Ich bin manchmal tottraurig und würde am liebsten die Zeit 10 Jahre zurück ädrehen. Ich würde 2 Jahre Elternzeit nehmen und die Zeit mit meinem lieben Sohn intensiv nutzen, anstatt ihn mit 8 Monaten in die Krippe zu geben. Ich würde auf die Fortbildungen sch....,denn im Endeffekt haben diese nur meinem Arbeitgeber genutzt. Es dankt einem keiner, wenn man dafür auf Zeit mit seinem Kind verzichtet. Ich würde mir mehr Mühe geben, die Ehe zu retten, denn im Nachhinein wäre es für meinen Sohn besser gewesen.

      Nun ist er fast 11 und sooo groß. Bald interessiert es ihn nicht mehr Zeit mit mir zu verbringen. Ich würde auch jetzt gerne noch intensiv die Zeit mit ihm nutzen, aber das fällt mir so schwer, da der Kleine so unglaublich viel Aufmerksamkeit braucht und der Papa damit überfordert ist. Ich hab so viel Zeit vertan.
      Geht es anderen auch so? ?
      Ist es normal, dass man sooo sentimental wird, wenn die Kinder groß werden?

      Ich dachte immer, ich habe alles für meinen Großen getan. Aber nun habe ich den kleinen Wutzwerg und merke, dass ich noch mehr hätte tun können. Vielleicht liegt es auch an meinem jetzigen Alter. Wahrscheinlich ist mann mit 36 bereit auf mehr zu verzichten als mit 25 und hat auch die Erfahrung, was in den letzten 10 Jahren im Nachhinein wichtig war und was nicht.

      Trotzdem macht mich diese Traurigkeit um Moment fertig.

      Vielen Dank für das Ausjammern;-)
      LIEBE GRÜßE

      Leni

      • Hallo Leni,

        ich denke es macht keinen großen Sinn sich Schuldgefühle einzureden, für etwas man irgendwann mal vielleicht falsch gemacht hat. Denn zu dem Zeitpunkt war es für Dich richtig :-) , sonst hättest Du es wahrscheinlich nicht getan, oder ?

        Wer sagt Dir denn, dass Dein Sohn auch so ein Sonnenschein gewesen wäre, wenn Du ihn Tag und Nacht selbst betreut hast ? Vielleicht wäre er ein verwöhnter Rotzlöffel geworden, der den ganzen Tag nur von Mama bedient werden will.

        Wie heißt es doch so schön ? Wie man es macht, man macht es verkehrt :-)

        Liebe Grüße
        Tiffy

        Ich kann das ein bißchen verstehen!

        Ich hab meine Zwillinge mit 24 bekommen, mit einem Jahr in die Krippe gesteckt und wieder viel gearbeitet. Aber ich habe immer das getan, was ich für richtig hielt. Kinder müssen lernen, das man für sein Geld was tun muss, in der Krippe haben sie soziale Kontakte usw usw usw
        Meine Beiden sind auch sehr bescheiden und genügsam. Jetzt werden sie 10 und auch ich hatte schon die Gedanken, dass ich soviel nicht mitbekommen habe.

        Im Juni kommt unser Nachzügler, ein Junge.

        Schon jetzt denke ich, dass ich einiges anders machen werde. Ist schwer zu erklären, aber wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte und nochmal 24 mit der Erfahrung von heute wäre, würden wir natürlich alles etwas anders machen.
        Die vergangene Zeit gibt uns keiner zurück, aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit soviel wie möglich mit den Kindern zu machen.

        Denn ja, sie werden so schnell groß und gehen ihre eigenen Wege.
        Arbeitstechnisch bin ich auch mittlerweile sowas von entspannt. Dann geh ich eben weniger arbeiten und dann haben wir für eine gewisse Zeit weniger Geld. Ich hatte noch nie große und hohe Ansprüche und solange wir alles was zu essen und trinken haben und ordentlich gekleidet aus dem Haus gehen, ist doch alles schicki!

        Kann dich wirklich gut verstehen, dass du traurig bist.....

        Ich kann deine Gefühle ein wenig nachvollziehen.

        Meine Große ist mein Versuchskanninchen, grade so fühle ich. Bei ihr probier ich mich aus. Ich habe nämlich keine Ahnung, was ich mache. Im nachhinein denke ich, ich müsste mehr auf sie hören , Sie hat mir immer gezeigt, was sie braucht, ich habe sie ignoriert, weil ich dachte sie muss Lehrplanmäßig funktionieren. Tja pech, funktioniert nicht. Sie hat gelernt, dass sie mit mir kämpfen muss, damit sie das bekommt, was sie braucht.

        Meine Kleine lass ich laufen, und es funktioniert. Sie ist entspannt, ich bin entspannter.

        Was war können wir aber nicht ändern. Wir können aber versuchen, unseren Umgang mit unseren großen Kindern jetzt zu ändern.

        Theresa

      • Hätte hätte, Fahrradkette

        ... wer sagt dir denn bitte, das das Bemuttern, betüteln...deines jetzigen Kindes auf Dauer gut ist? Vilelleicht ist er ja dann total verzogen, etc.....

        Jedes Kind ist anders, jede Erziehungsmethoden sind anders.....ich würde sagen, ich erziehe meine Zwillinge ( fast) gleich aber trotzdem sind sie total unterschiedlich.....

        lisa

        Hat es Deinem Kind denn geschadet? Wahrscheinlich nicht ;-) Er war ein Kind mit dem diese Entscheidung gut funktioniert hat. Es ist jetzt rum. Du kannst immernoch für Deinen ersten Sohn da sein und er kann davon profitieren, dass Du jetzt zu Hause bist. Mit 11 Jahren ist er zwar selbstständig aber kuschelt sicher gerne noch mit Dir auf dem Sofa und hat gerne Familienzeit.

      • (7) 15.02.16 - 12:04

        Die wichtigste Frage ist doch eigentlich: wie geht es deinem Sohn? Wie hat er sich entwickelt?
        Daran siehst du doch dann, dass du nicht alles falsch gemacht hast ;-)

        Du würdest es aus heutiger Sicht ANDERS machen, ja... aber ob das nun richtger oder weniger falsch gewesen wäre - wer weiss...

        LG,
        Lyss

        Hallo Leni,

        ich schreibe dir jetzt als das genaue Gegenteil von Dir ;-)

        Ich habe all das getan, was du versäumt hast, ich habe 3 Jahre Elternzeit genommen und hatte meinen Sohn die ersten 3 Jahre komplett zuhause, KiGA im ersten Jahr nur von 9-12 und später auf 15 Uhr ausgeweitet, weil der junge Mann es so wolllte, mein Kind habe ich nie fremdbetreuen lassen, mit seinen jetzt fast 10 Jahren hat er nichtmal 5x insgesamt auswärts übernachtet, ich habe 18 Monate gestillt und arbeite auch jetzt nur Teilzeit, um so viel zeit wie mögllich mit ihm vebringen zu können. Am Wochenende fahren wir gemeinsam zu seinen Fußballspielen um nichts zu verpassen usw.

        UND TROTZDEM könnte ich im Moment abends heulen, wenn ich ihn im Bett liegen sehe, schon so groß, so selbständig, ich versuche, jeden Moment aufzusaugen wenn er mit mir kuschelt oder Trost braucht oder so. Ich würde auch so gern die Zeit zurückdrehen und nochmal mit ihm verbringen, habe Angst, dass er mich bald nicht

        mehr braucht usw.

        Mir graut vor dem Gedanken, dass er irgendwann ne Freundin hat, auszieht usw. obwohl das doch das normalste von der Welt ist.

        Ich denke also nicht, dass du viel falsch gemacht hast sondern dir eher bewusst wirst, wie gross er schon ist.

        LG

        Wenn dein Großer bald nichts mehr von dir wissen will (überspitzt gesagt), würde ich meinen, du hast alles richtig gemacht. Eltern die nur über ihren Kindern glücken tun Ihnen ebenso wenig gut, wie Eltern, die sich garnicht kümmern.

        Du musst so langsam los lassen und das wird dir im Kontrast zu dem Kleinen jetzt bewusst. Ich finde, da darf man auch traurig sein.

        "Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel."
        -Goethe-

        Vielen Dank für eure Antworten. Wahrscheinlich habt ihr recht. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn ich ihn anders erzogen hätte. Und ich bin sehr stolz auf ihn und was bisher aus ihm geworden ist. Vielleicht ist es auch normal, dass man traurig wird, wenn einem bewusst wird, wie begrenzt die Kinderzeit doch in Wirklichkeit ist.

        Mir graut auch davor, wenn er auszieht. Gerade wenn ich daran denke, dass der Zeitpunkt u. U. weniger weit weg ist, als seine Geburt her ist. Andererseits bin ich auch stolz, wenn ich sehe wie selbständig er bereits ist und froh, wenn irgendwann auf eigenen Beinen stehen kann und dabei glücklich ist. Mit 40 noch bei Mami zu wohnen ist ja auch eine grauenhafte Vorstellung; -)

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