Tics - hört es irgendwann auf???

    • (1) 10.02.17 - 12:34

      Hallo zusammen,

      ich hoffe auf Erfahrungsberichte und hoffe, ihr könnt mir Mut machen.

      mein Sohn (8), sensibel, lieb und ein "Kopfkind" (er ist sehr weit, macht sich Gedanken über Gott und die Welt...). Irgendwie steht er ständig unter Strom, auch wenn er körperlich sehr aktiv ist.

      Mit der Einschulung fing es an: Er entwickelte eine extremen Tic (Kopf in Nacken werfen und dabei die Augen verdrehen). Der Kinderarzt blieb entspannt und sagte, wir sollen abwarten. Dennoch haben wir nach einigen Monaten Kontakt zu einer Kinderpsychologin bei einer Beratungsstelle aufgenommen, dort haben wir zügig einen Termin bekommen, aber helfen konnte sie uns nicht:
      Sie bestätigte, das er sich viele Gedanken macht, hat aber keine gravierenden Probleme feststellen können, also nichts, was ihn belastet. Er ist gut in der Schule, hat viele Freunde und innerhalb der familie läuft es auch "normal rund". Plötzlich war der Tic dann verschwunden.

      Fast ein Jahr später war er dann wieder da - das gleiche "Augenrollen und kopf in den Nacken werfen" wie im letzten Jahr. Wir haben abgewartet und es ignoriert. Es wurde besser, aber nun entwickelt Junior einen neuen Tic: er bewegt ständig die Finger, d.h. kneten, überstrecken, wackeln. Der Arzt sagt wieder: Ignorieren!!!
      Es macht mich irre. Weniger der Tic an sich, als das Gefühl, dass eine große Spannung in meinem Sohn vorhanden ist und wir ihm nicht helfen können, ein Ventil zu finden.
      Und dann ist da noch die Angst, dass es schlimmer wird - Stichwort "Tourette".

      Ich habe viel gelesen und Tics scheinen ja recht häufig vorzukommen. Leider habe ich aber in meinem Umfeld noch niemanden gefunden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

      Kennt ihr das??

      LG Doro

      • Leider nur zu gut.

        Bei unserem Sohn kommt mit kurzen Unterbrechungen immer was neues - Räuspern, ein komisches Geräusch mit Grimassen ziehen, Kopf kurz zucken, Schnaufen,...

        Mir tut es in der Seele weh, dass wir nicht helfen können.

        • (3) 10.02.17 - 19:05

          Diese Art von Tics kenne ich von meiner 11 jährigen Tochter auch. Angefangen hat das so ca. im 3 oder 4. Lebensjahr.
          Der Tic hält sich immer ein paar Wochen, wird meist konsequent von allen anderen ignoriert und verschwindet dann immer wieder.
          Auslöser sind sicher emotionaler Stress, der sich bei einer vorpubertierenden nicht immer vermeiden lässt ;-)
          Aber ich finde dass es in den letzten Jahren besser wurde und so haben wir zB jetzt bereits eine Tic-freie-Phase von ca. einem dreiviertel Jahr.

          #winke

      Hallo Doro!

      Ja, leider habe ich Erfahrung. Ich habe zwei Töchter (10 und 8 J.), die beide eine Ticstörung haben. Meine Große hat im 4.Lebensjahr damit begonnen, meine Kleine erst mit 8 Jahren. Bei uns liegt es wohl an einer erblichen Komponente, so dass beide betroffen sind. Ich kenne mich mit der Thematik wirklich sehr gut aus, weil uns die Krankheit (ja, es ist eine Krankheit!) schon mehrere Jahre lang begleitet. Wenn du spezielle Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben.

      Eine Ticstörung ist keine psychische Störung, sondern eine Störung des Stoffwechsels im Gehirn. Botenstoffe wie Dopamin werden ausgeschüttet und können bei Tic-Kindern nicht normal verarbeitet werden, sondern es kommt eben zu Tics. Weil Dopamin bei Stress (negativ oder auch positiv wie Freude) vermehrt ausgeschüttet wird, nehmen auch die Tics bei Stress zu. In erster Linie gilt es also, unnötigen Stress zu vermeiden und für viel Ruhe und Entspannung zu sorgen. Helfen können Entspannungsübungen (zb.Jacobsen).
      Die Kinder auf ihre Tics anzusprechen und sie aufzufordern, die Tics sein zu lassen, erhöht den Stress. Am besten also ignorieren, auch wenns schwer fällt.
      In der Pubertät verstärken sich die Tics in den meisten Fällen, nach der Pubertät nehmen sie ab und hören auch sehr oft ganz auf. Manche Menschen sind auch im Erwachsenenalter noch betroffen. Die schwerste Form einer Ticstörung ist das bekannte Tourette-Syndrom, was zum Glück nur selten vorkommt (beim Tourette-Syndrom kommt es zu einer Kombination von verbalen und motorischen Tics).

      Dass die Tics wie bei deinem Sohn plötzlich verschwinden und irgendwann wieder auftreten, oder sich auch spontan verändern (neue kommen dazu, andere fallen weg,...) ist ganz typisch für den Verlauf einer Ticstörung. Meine Große hatte anfangs auch Pausen von einem ganzen Jahr zwischen ihren "Schüben". Die Pausen werden aber kürzer, bis sie irgendwann fast gar nicht mehr vorkommen. Der Verlauf ist dann nur mehr durch stärkere und schwächere Phasen gekennzeichnet.

      Der richtige Ansprechpartner für euch und euren Sohn ist kein Psychologe, sondern ein Kinder-und Jugendpsychiater - also ein Arzt und kein Therapeut. Zuerst wird der Arzt einmal alle körperlichen Ursachen ausschließen und es werden Untersuchungen wie zb. CT oder MR vom Kopf angeordnet (zumindest was es bei uns so). Sollte der Leidensdruck des Kindes zu hoch werden, kann der Arzt auch Medikamtene verschreiben, die die Tics lindern (das kann ein Psychologe nicht).

      Leider gibt es keine Heilung und nicht viel, was ihr tun könnt. Das wichtigste und hilfreichste für uns war, einen guten Arzt zu finden, der sich mit der Thematik auskennt. Ich kann ihn jederzeit anrufen und um Rat fragen. Er hat uns auch versch. Entspannungstechniken gezeigt, die wir mit den Kindern täglich machen (wichtig: täglich!!!).

      Ob dein Sohn das Tourette-Syndrom hat, kann dir jetzt noch niemand sagen. Das zeigt sich erst in den kommenden Jahren.

      Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Wenn du Fragen hast - nur zu ;-)

      Lg Sandra

    • Hallo!

      mein Sohn, jetzt 14,5 9. Kl. hatte Tics entwickelt ab dem 3. LJ.
      Es waren über die Jahre sowohl motorische als auch vokale Tics, nie mehr als 5 gleichzeitig. Es gab auch Pausen (Tics verschwinden nie gänzlich!), die teilweise auch 6 Monate dauerten.
      Wir waren bei sehr vielen Ärzten (Kia, KiPsychologe, 2x KiNeurologe, Ki-Psychiater).

      Im Endeffekt sollte man nur dann etwas tun, wenn es den Patienten selber stört - das kam bei uns mit 12 J. (Anfang der Pubertät) vor, da waren die Tics auch extrem.
      Tun kann man eigentlich 1. Verhaltenstherapie - bei Kindern eher erfolglos und SEHR aufwendig. Da muss sich Kind des Tics bewusst werden, herausfinden, wie es sich ankündigt, lernen eine alternative (unauffällige) Handlung (Ableitung) durchzuführen. 2. Medikamentöse Behandlung mit Triapid(ex/al) . Führt aber auch eher dazu dass das Kind insgesamt eher "müde" und "träge" wird. Mein Sohn hat mit 12 einen Behandlungsversuch gestartet, den mussten wir aber abbrechen, wegen den Nebenwirkungen, aber unmittelbar danach waren die Tics für mindestens 1 Jahr KOMPLETT verschwunden. Jetzt, seit 1/2 Jahr tict er wieder, aber für jemanden den ihn jetzt kennen lernt nicht merklich. Seinen Schulfreunden fällt das nciht auf! Das Ticen beschränkt sich derzeit auf Augenblinzeln manchmal in stressigen Situationen. Ein Arzt kann das nur aus meinen Erzählungen feststellen und bei sehr langer genauer Beobachtung.

      Ich kann nur die Empfehlung aussprechen einen Ki-Neurologen oder Ki-Psychiater zu konsultieren um mögliche andere Ursachen auszuschließen, wo Tics nur eine Komorbidität ist. Ansonsten gilt, dass 80% der Kinder ihre Tics nach der Pubertät verlieren.
      Manchmal hilft zur "Entspannung" einfach das Wissen, dass nichts dahinter ist, dass es verschwinden kann und eher nach der Pubertät weg ist. Mach dem Kind in keinem Fall irgendeinen Druck!

      LG, I.

      Moin!

      Meine Tochter hat sich in der 3./4 Klasse zeitweise die Haare so gezwirbelt, dass sie auf dem Oberkopf eine Tonsur wie ein kleiner Mönch hatte.

      Es war eine Handbewegung nach oben auf den Kopf, die Daumenmaus hat dann eine Schneise gezogen und die Haare an der Wurzel rausgedreht.

      Gedankenverloren, in anstrengenden Situationen schulischer Art. Angefangen hat es bei einem Schulwechsel wg. Umzug. Immer bei den Hausaufgaben und wohl auch im Unterricht.

      Der Kinderarzt ordnete das als stressbedingten Tic ein, ähnlich dem Fingernagelkauen, Kratzen etc.

      Ich habe ihr dann die Haare so frisiert, dass die kahle Stelle verdeckt wurde. Und ich habe mit ihr eine Übersprungshandlung eingeübt.

      Dem Impuls der Hand nachgebend, aber die Handlung weiterentwickeln und nicht stoppen und zwirbeln. Sondern die Hand weiterführen, abflachend bis in den Nacken streichen und murmeln: "Ich bin gut so wie ich bin und ich schaffe meine Aufgaben."

      Das Ganze war nach einem halben Jahr verschwunden, ist dann noch einmal kurz aufgeflammt, war aber innert kürzester Zeit ganz weg.

      Heute mit 15 hat sie langes und volles Haar und kann mit Stress viel besser umgehen.

      Kopf hoch, das wird schon!
      Alles Gute wünscht der Klos

    • und was hältst du für Verstärker oder Auslöser dieser Ticks?

      wird es besser, wenn er viel Sport macht? -- wie viel Mittagsprogramm hat er: kann er sich auspowern?
      Also zumindest kenne ich einige im Umfeld (plus mein Sohn leicht), die mit Sport+körperlicher Auslastung alles in den Griff gekriegt haben...

      3-4 mal Sport -- in die Schule laufen... viel bewegung....

      • Hmmm... einen wirklichen Auslöser kann ich gar nicht festmachen. Wir versuchen, dass er sehr viel Zeit selber verplanen kann, also wenig "Programm" in Form von festen Terminen haben.

        Was mir aufgefallen ist, ist das beide "Schübe" im Winter am Schlimmsten aufgetreten sind, im Sommer war es einige Monate lang komplett weg. Mein Sohn ist ziemlich aktiv und auch viel draußen, Sommer wie Winter, aber trotzdem verbringt er im Winter auch Zeit drinnen.
        Keine Ahnung, ob es da einen Zusammenhang gibt.
        Ansonsten gibt es keinen "Stress" - nur den, den er sich selber macht. Er ist extrem perfektionistisch:-( und er hat sehr hohe Anforderungen an sich selbst....

    Hallo,

    meiner Erfahrung nach ist das Beste,was man gegen Tics machen kann, sie zu ignorieren (solange sie nicht krankhaft sind - Tourette o.ä.).

    Ich weiß,dass das ganz ganz schwer ist als Mutter. Ich selber stottere (nicht besonders stark und mittlerweile hab ich gelernt die Buchstaben zu umgehen, die ich nicht gut aussprechen kann) seitdem ich ca 8 bin und bei mir ist es psychisch (also im Prinzip auch ein Tic) und ich hab oft große Angst, dass es bei meinen Kindern auch so kommt. Deshalb fallen mir kleinere Tics, die meine Kinder zwischendurch mal hatten (mein Sohn hat ne Zeit lang mal immer son Geräusch gemacht) auch sofort auf und machen mich echt irre.

    Aber ich weiß aus eigener, leidvoller Erfahrung,dass es auch mir am besten getan hätte, wenn es einfach ignoriert worden wäre. Vielleicht wäre es dann sogar komplett verschwunden, wenn man mir signalisiert hätte "Hey, wir nehmen dich so wie du bist und uns stört das Stottern überhaupt nicht". Also hör auf, ihn zu Ärzten zu schleppen und lass ihn einfach machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es irgendwann verschwindet und wenn nicht? Was solls? Umso stärker und selbstbewusster du ihn machst, umso besser wird er damit umgehen können , auch im Umgang mit anderen Kindern!

    lg

    Hallo!

    Was mir jetzt spontan einfiel ich würde einen Kinesiologen einbeziehen oder und einen Energetiker. Uns konnte auch geholfen werden, keine Tics aber andere Sachen.

    LG Gabi

    Liebe Doro,

    oh ja - das kenne ich.

    Mein ältester Sohn ( ebenfalls sehr weit, intelligent, wissbegierig und auch ehrgeizig) hatte so etwa in der 5.ten oder 6.ten Klasse einen ähnlichen Tic: er drehte oftmals täglich (vor allem beim gehen) den Kopf zur Seite, und tippte mit seinem Kinn auf die jeweilige Schulter, die er gleichzeitig nach oben zog...

    Ebenso kenn ich dieses "Ständig in Bewegung sein", egal ob Finger, Beine im Sitzen.... von sehr vielen Jungs.
    Ich bin bei solchen "Tics" leider auch keine gute Zuschauerin bzw. tu mich da echt schwer, einfach darüber hinwegzusehen, obwohl mir sehr wohl klar ist, daß eine Thematisierung nix bringt und falsch ist.

    Was ich damals bei meinem Sohn gemacht habe: Ich habe ein paar Termine bei einer Osteopathin vereinbart, weil ich halt auch unsicher war, ob nicht evtl. seine Wirbelsäule etwas "verschoben" ist. Diese Behandlungen haben ihm gut gefallen, waren für ihn wohl wirklich etwas, wo er zur Ruhe kam, er ist da manchmal sogar leicht eingeschlafen.

    LG

    Hallo,
    meine siebenjährige Tochter hat vor kurzem auch einen Tic entwickelt.
    Sie hat sich immer geräuspert und ganz tief und übertrieben eingeatmet.
    Auch sie ist sehr sensibel, macht sich viele Gedanken.....sie ist Hochsensibel.

    Nach einem Gespräch erzählte sie uns, dass sie sich in der Schule unter Druck gesetzt fühlt. Möchte alles richtig machen, hat unbegründet Angst Ärger zu bekommen. Seit dem haben wir den Deal, dass sie zweimal in der Woche nicht in die Mittagsbetreuung geht, sondern nach Hause kommt ( bzw. zur Oma geht). Für sie sind die langen Tage in der Schule einfach noch zuviel. Der Tic ist im Moment verschwunden. Ich hoffe, es bleibt so.
    Lg

    Hallo Doro,
    auch wir haben ein "Tic" Kind, auch sehr intelligent und sensibel.
    Bei ihm ging es mit ca. 6 Jahren los, seine Tics waren ständiges Räuspern, nach ein paar Wochen war es weg, dann kamen Grimassen, dann ging es wieder weg, zur Zeit ist es Kopfschütteln. Er ist jetzt 9.
    Ich war zunächst auch sehr irritiert und habe ihn darauf angesprochen bzw. ermahnt es zu lassen - aber er kann es ja nicht steuern.
    Nachdem ich ein wenig gelesen haben, ignoriere ich es völlig.
    Er ist sich seiner Tics bewusst und wenn er es anspricht sage ich ihm- das haben viele, du kannst nichts dafür, es geht vorbei.
    Das hoffe ich zumindest....
    Du bist also nicht allein.
    LG Petra

    Mein Sohn fing mit 4 an: Räuspern, Lippen wundlecken, Atmen, Blinzeln, Augenrollen und Pobacken zusammenkneifen.

    Es kommt und geht. Ich hatte auch Angst vor Tourette, aber letztendlich kann man nichts machen, nur abwarten. Solange die Tics milde bleiben, kann man hoffen, dass sie irgendwann weg bleiben.

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