Wie das Selbstwertgefühl steigern?

    • (1) 30.03.17 - 07:00

      Guten Morgen!
      Es geht mal wieder um meine große Tochter, die in die 1. Klasse geht!
      Wir hatten letzte Woche Elternsprechtag und die Lehrerin ist genau wie wir der Meinung, dass unsere Tochter in den letzten Wochen einen großen Schub hatte. Mathe und Sachunterricht lief von Anfang an ohne Probleme. Das Lesen viel ihr anfangs jedoch sehr schwer. Sie hat immer gleich dicht gemacht, sobald sie ihren Anforderungen nicht genügt hat. Das ist nach der ersten Leseprobe, in der sie die volle Punktzahl hatte viel besser geworden. Sie traut sich mehr zu und liest auch viel besser. Als wäre ein Knoten geplatzt. Schreiben klappt auch gut.

      Die Lehrerin sagte uns jedoch, dass das Arbeitsverhalten manchmal zu wünschen übrig lässt. Sie sieht, dass andere Kinder schneller sind und denkt "schneller = besser" und gerät dann total in Stress, fängt an zu schludern, schmiert rum und macht natürlich Fehler, die nicht nötig wären. Außerdem kommt es ab und zu vor, dass sie vor einer Aufgabe steht, nicht weiß, was sie machen soll und anstatt um Hilfe zu bitten, fängt sie an zu weinen. Sie ist sofort panisch und hat Angst, es nicht zu können. Sie sagt mir auch oft, dass sie dies und jenes nicht so gut kann wie anderen.

      nun ja, wir suchen nun einen Sport oder so, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Sie geht schon lange zum Turnen, ist da auch ganz gut, allerdings gibt es dort keine Wettkämpfe. Ihre Freundinnen gehen zum Reiten, Handball und Tennis. Dort gibt es öfter Medaillen, Urkunden und Pokale. Das möchte sie auch, die Sportarten gefallen ihr aber nicht. Ich würde es toll finden, wenn sie Handball spielen würde, weil ich selber 25 Jahre gespielt habe und dort immer viel Spaß hatte, aber es ist nicht ihrs.
      Jetzt suchen wir einen Sport, der ihr Selbstwertgefühl unterstützt und bei dem es Medaillen gibt.

      Hier in de Nähe gibt es einen Schwimmverein, Judo, Geräteturnen und Leichtathletik. Wir werden uns alles einmal anschauen.

      Womit habt ihr gute Erfahrungen gemacht?

      Viele Grüße
      Lotte

      • (2) 30.03.17 - 07:43

        Hallo,
        wenn ich deinen Ansatz weiter spinnen darf, kommt mir die erste Frage:
        Was machst du, wenn sie keine Medaille erhält in dem neuen Sport?
        Sondern immer 5,6,7 ist?

        Ich würde genau anders vorgehen, statt noch mehr Möglichkeiten zum Vergleich mit anderen Kindern bieten.

        Deine Tochter hat:
        lesen gelernt!
        schreiben gelernt!
        traut sich laut vorzulesen!
        ist in Sachkunde gut!
        versteht Mathematik gut!
        Das hervorheben und loben!

        Alles weitere, wie schludernden, unsauber schreiben, würde ich nicht überbewerten.
        Das geht vermutlich der Hälfte der Klasse so.
        Übe diese Dinge mit ihr.
        Sternchen für besonders schön schreiben usw.

        Natürlich ist es gut, wenn sie mehr Selbstbewusstsein entwickelt, und sich traut Nachfragen zu stellen.
        Auch das würde ich mit ihr üben und besprechen.

        Und, warte noch etwas ab. Sie ist jetzt im ersten Schuljahr. Da ist alles neu und der Druck für viele Kinder hoch.
        Gruß

        • (3) 30.03.17 - 07:53

          Danke für deine Antwort!
          Natürlich loben wir sie ganz viel! Wir sagen ihr auch immer, wie stolz wir auf sie sind, weil sie so viel gelernt hat und weil sie sich angestrengt hat und so weiter! Da sind wir auf jeden Fall dran. Sie macht das auch alles wirklich toll.
          Der Wunsch nach einer Medaille geht von ihr aus #hicks
          Und zum Glück ist es bei den meisten Wettkämpfen von Kindern hier in der Gegend so, dass jeder eine Medaille bekommt, der mitgemacht hat. Sie möchte gerne so wie ihre Freundinnen einen Sport haben, in dem sie besonders gut ist und stolz drauf sein kann. Das ist ihr aus irgendeinem Grund sehr wichtig im Moment.

          • (4) 30.03.17 - 08:01

            Der Wunsch nach einer Medaille wird sicher von ihr ausgesprochen, kommt aber ja auch irgendwo her.

            Ich denke nich,t dass man das was ihr sucht, so aus dem Ärmel schütteln und beschließen kann.

            Wenn ein Kind in etwas richtig gut sein soll, sollte es dafür "brennen" und das kann es nicht, wenn man im Vorfeld nicht mal eine Idee davon hatte, was es sein kann.

            Reiten nicht Tennis nicht...was denn bloß usw

            Verstehst Du? Ihr sucht etwas ohne zu wissen was sie mag.

            Entweder sagt das Kind "ich will.....Fußball" oder ihr werdet unter Umständen auf der Suche nach dem richtigen lange herumirren und euch stressen.

            • (5) 30.03.17 - 09:51

              >>Der Wunsch nach einer Medaille wird sicher von ihr ausgesprochen, kommt aber ja auch irgendwo her.<<

              Das kann ich so unterschreiben. Ich wollte auch immer von mir aus "Erfolge" erzielen. Aber nur, weil ich wollte, dass meine Eltern stolz auf mich sind. D.h. als Kind habe ich mein Selbstwertgefühl daraus gezogen, dass ich meine Eltern stolz mache und Lob bekomme. Deswegen wollte ich auch Medaillen...

              Wäre es meinen Eltern egal gewesen und ich hätte die Botschaft erhalten "Wir sind auch stolz auf dich, wenn du einfach so bist, wie du bist. Auch, wenn du nicht zu den besten gehörst", dann hätte ich sicherlich viel mehr aus Freude und nicht nach der Jagd nach "Erfolgen" gemacht...

          (6) 30.03.17 - 09:10

          Es ist ihr vermutlich wichtig, weil die Freundinnen mit einer Medaille angeben können, und sie nicht.
          Aber auch aus diesem Grund würde ich nicht auf Biegen und Brechen einen Sport suchen.
          Sie turnt ja.

          Wenn es aber unbedingt sein muss, sollte sie einfach überall mal mitgehen und zuschauen.
          Vielleicht gefällt ihr irgendwas.
          Hier ist Kunstradfahren, Volleyballspiel, Handball, Fußball, HipHop, Tischtennis, Ballet und im Chor singen sehr beliebt.
          Viele Kinder spielen ein Instrument und definieren sich darüber.

          Da braucht es keine Medaillen.
          Gruß

        • Nur vom erfolglosen mitmachen bekommt man keine Medaille....in Wettkämpfen bekommen nur die ersten drei Medailen/Pokale und nur in Tunieren bekommt jede Mannschaft Preise.
          Ob Handball, Tennis oder Leichtathltik ect. kann nur einer gewinnen, der Rest muss mehr oder weniger Niederlagen einstecken können, was wieder am Selbstwertgefühl nagt.

          Sport brächte deiner Tochter den Vorteil Teamfähigkeit und Kampfgeist zu entwickeln und vorallem den Umgang mit Niederlagen klar zu kommen, was sie aber hinnehmen und lernen können muss.
          Sportverein kannst mit der Schule vergleichen, nur mit Leistung steht man oben, ansonsten üben/trainieren um seine Leistung zu steigern....dazu braucht man Wille und Ehrgeiz, denn wenn man Druck dazu benötigt , fördert es ein Versagensangst und verliert die Lust..

          Würde mal versuchen ihren eigenen Druck etwas rauszunehmen...Schwächen in Ruhe zu fördern, vorallem jede kleinste Steigerung zu loben, auch wenn sie mehr Zeit dazu braucht.

          (8) 30.03.17 - 16:43

          Vielleicht lobt ihr zu viel, wenn das Selbstwertgefühl nicht so stimmt? Ein Zuviel ist ähnlich schädlich wie ein Zuwenig.

          Was die Medaille angeht: Meine Große hatte in der zweiten Klasse auch so einen Flitz und wollte unbedingt eine. Sie hat dann an einem Lauf teilgenommen, wo jeder Teilnehmer, der ins Ziel gekommen ist, auch eine Medaille bekommen hat. Danach war der Flitz vorbei.
          Hätte sich das mit dem Lauf nicht ergeben, hätt ich halt welche gekauft und selbst etwas organisiert. Nur deshalb jahrelang auf etwas zu trainieren, damit man in den Top 3 landet wäre für mich nicht verhältnismäßig.

          Mal davon abgesehen: Es gibt doch auch Turner, die Medaillen gewinnen. Gibts da keine Wettbewerbe für Kinder?
          Vielleicht kannst Du ja auch mal die Trainer fragen, ob sie sich nicht künftig an solchen Aktionen wie dieser http://www.turnfest.de/portal/ beteiligen möchten?

          Meine Kinder tanzen und turnen und sind da auch ohne Medaillen stolz. Sie haben regelmäßig Auftritte auch in größerem Rahmen, das ist auch ohne Medaillen eine Herausforderung.

    (9) 30.03.17 - 08:25

    Meine 2te war früher extrem schüchtern, ich kann mich noch gut erinnern wie ich mit ihr Wochen lang beim Ballett sass und sie nur zu schauen wollte, hat sehr lange gedauert bis sie mit gemacht hat.

    Sie mochte auch Turnen wie ihre Schwester , und probierte dann Geräteturnen, da war sie etwas offener und der erste Wettkampf kam irgendwann , aber die Trainer haben dass sehr gutgemacht sie musste nicht mitmachen, hätte jeder Zeit nein sagen können, sollte halt einfach mal mitkommen und schnuppern, nachdem warmmachen war es dann so wie erwartet Kind wollte nicht, war auch für alle ok, ihre gesamte Mannschaft war dann mit den Gerät durch und sie entschied sich doch zu probieren, die anderen Geräte klappten dann ... am ende wurde sie als jüngste ausgerufen und besonders für ihren Mut ausgezeichnet..ab da ist der knoten geplatzt... das schüchterne Kind gab es nicht mehr und mit jedem Wettkampf wuchs der Stolz...

    Dieser Sport ist deshalb so gut weil er vielseitig ist, Kinder werden in jeder Richtung gefordert, wichtig ist nur dass man am Anfang nicht unbedingt etwas sucht wo es nur um Erfolg geht, der spass sollte im Vordergrund stehen die Trainer sollten auf Kinder eingehen und so fordern wie es für Kind gut ist, seiner Entwicklung entsprechend und der Rest zeigt sich dann mit der Zeit.

    (10) 30.03.17 - 08:46

    Ich empfehle immer gern Kids Wing Tsun

    http://www.kids-wingtsun.de/
    Das ist Selbstverteidigung und Sport.

    Leider gibt es da keine Medaillen aber es gibt 2x im Jahr Urkunden und auch Aufnäher fürs Trikot sobald ein höherer Rang erreicht ist.
    Meine Kinder waren in dem Sport und es gab kein Kind was die Prüfung nicht geschafft hat.

    (11) 30.03.17 - 09:38

    Hallo,

    an einen Wettkampf muss man sich ran trauen. Wenn aber immer alle besser sind als man selbst, wird das nichts. Und wer versessen auf Medaillen ist und keine bekommt, bekommt einen Knacks im Selbstvertrauen.

    Beim Judo gibt es Gürtelfarben je nach können. Die Kinder bekommen so ein Gefühl dafür das sie immer mehr können. Bei Kindern gibt es nicht nur volle Grade sondern auch Teilgrade
    Weiß
    Weiß mit gelber Spitze
    Weiß mit gelben Streifen
    Gelb
    Usw
    Man kann auch trainieren ohne an Wettkämpfen teilzunehmen.

    Gruß Sol

    (12) 30.03.17 - 09:45

    >> Sie sagt mir auch oft, dass sie dies und jenes nicht so gut kann wie anderen.<<
    Ich frage mich, woher das kommt. Wieso hat sie so eine Angst davor nicht so gut zu sein, wie die anderen? #kratz

    Ich kann dir nur aus meiner persönlichen Erfahrung erzählen. Ich war immer eine 1er-Schülerin. Ich habe dafür auch viel getan. Meine Eltern waren so stolz auf mich und ich wurde auch viel gelobt. Und genau das hat mir diesen Erfolgsdruck eingebracht. Ich wusste, meine Eltern sind stolz, weil ich gute Noten nach Hause bringe. Und ich wollte sie um keinen Preis „unglücklich“ machen. Das hat mich bereits als Kind sehr belastet. Ich hatte immer das Bedürfnis, besser zu sein als alle anderen. War ich es nicht, habe ich sofort an mir gezweifelt, mir war zum heulen zumute (meistens habe ich dann auch geweint) und mir ausgemalt, wie meine Eltern wohl diese Note aufnehmen werden. Ich weiß, dass es meine Eltern sicherlich gut gemeint haben, jedoch war bei mir genau das Gegenteil der Fall.

    Heute, selbst Mutter einer Tochter, weiß ich persönlich, was ich anders machen würde: Meiner Tochter sagen, dass sie gut ist, so wie sie ist! Dass es toll ist, dass sie eine 1 nach Hause gebracht hat. Dass sie jedoch nicht „schlechter“ ist, wenn sie mal kein 1 hat. Dass nicht jedes Kind gleich ist und jeder seine individuellen Talente hat. Und wenn meine Tochter mal etwas nicht so gut kann wie andere: So what! Dafür kann sie etwas anderes gut! #herzlich

    Ich glaube nach deinem Post (und das ist nur meine persönliche Meinung, da ich nur diesen Post kenne und euch sonst nicht beurteilen kann), dass es weniger am Selbstwertgefühlt als am Erfolgsdruck (wenn auch unbeabsichtigt) deinerseits liegt. Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, warum sie so eine Angst hat, nicht „gut genug“ zu sein. Weil sie Angst davor hat, keinen Lob mehr zu bekommen? Weil sie Angst hat dich zu enttäuschen? Weil sie Angst hat, dass du wegen ihr „unglücklich“ wirst?

    Ich kann nur sagen: Ich habe als Kind so gedacht und es war für mich nicht förderlich!

    (13) 30.03.17 - 10:09

    Hallo Lotte,

    du könntest glatt von meiner Tochter schreiben.

    Sie ist ebenfalls in der ersten Klasse und hat ein Problem mit dem Selbstwertgefühl. Auch sie fängt an zu weinen, sobald etwas nicht so läuft wie sie sich das denkt. Eine Mischung aus höchsten Ansprüchen und Perfektionissmus.

    Medaillen sind bei uns auch hoch im Kurs. Meine Tochter wünscht sich auch eine eigene. Sie möchte deswegen in diesem Jahr ihren ersten Stadtlauf mitmachen. Das war schon letztes Jahr ihr Wunsch, was wir aber verpasst haben. Dieses Jahr klappt es nun.

    Das gute ist, dass da alle Teilnehmer eine Medaille bekommen. Und es auch gar nicht so sehr darum geht erster zu werden, sondern sein bestes zu geben und es überhaupt zu schaffen.
    Bei uns ist nämlich häufiger das Problem, dass sie gar nicht erst anfängt oder sofort aufgibt, wenn sie merkt, dass sie (in ihren Augen) nicht gut genug ist.

    Sportmäßig hat sie sich mittlerweile für Klettern entschieden. Da gibt es zwar gar keine Medaillien, aber immer das Ziel und die Belohnung oben anzukommen und es geschafft zu haben. Auch dort gibt es häufiger die Situation, dass sie nicht weiterkommt und den Tränen nahe ist. Aber die Trainer gehen damit gut um und motvieren sie und geben gut Anleitung.

    Außerdem spielt sie Klavier. Das hat auch schon sehr viel gebracht.

    Anfangs ist sie in Tränen ausgebrochen, wenn sie sich verspielt hat. Fast zwanghaft MUSSTE das komplette Lied korrekt gespielt werden. Und wenn sie sich beim vorletzten Ton verspielt hatte, dann konnte sie nicht den letzten Ton noch spielen und damit zufrieden sein, dass es trotzdem wirklich gut war. Nein, dann MUSSTE von vorn begonnen werden. Und über den ganzen Frust wurde es natürlich nicht besser und es endete in Tränen.

    Durch den 1:1 Unterricht und die wirklich mühevolle Bestätigung, dass dieser Übungs- und Lernprozess ebenso wie Fehler zum Leben dazu gehören ist das wirklich viel viel besser geworden.

    Mir ist dieses Thema auch sehr wichtig. Sie hat einen großen Leistungsvorsprung gehabt, als sie eingeschult wurde und der reicht auch noch eine Weile. Die Rückschläge in der Schule waren dadurch gar nicht so häufig. Höchstens mal wenn sie träumt o.ä.. Können tut sie das alles.

    Aber ich kenn halt mein Kind. Irgendwann ist der Vorsprung aufgebraucht und sie kommt auch Leisungsmäßig an ihre Grenzen. Bis dahin muss sie mit ihrer Art klar kommen. Denn ICH komme nicht damit klar, wenn wir dann schon bei einer 2 oder 3 hier ein Drama feiern, weil sie frustriert und unzufrieden mit sich ist. Mich macht dieses geheule nämlich wahnsinnig :-[

    Dem permanenten Leistungsdruck wie es jetzt beispielsweise beim Reiten der Fall ist, würde ich meine Tochter nur ungern aussetzen. Da sie sich vermutlich ihr ganzes Leben lang selbst so unter Druck setzen wird, fänd ich das zu viel. Deswegen haben wir uns erstmal für Dinge entschieden, die zwar gesellig sind aber wo sie gedanklich eher bei sich ruht und auch den Raum dafür hat mit ihrer Art kennenzulernen.

    VG
    Anne

    (14) 30.03.17 - 10:34

    Hallo,

    unsere Tochter (4. Klasse) war und ist auch immer langsam in der Schule, im Sinne davon, dass sie langsam schreibt und auch länger nachdenkt als manche anderen. Trotzdem ist sie mit einem anderen Mächden zusammen seit mindestens 2 Jahren Klassenbeste (Das sieht man ja erst, wenn es Noten gibt.), und das Tempo ist das einzige, was die Lehrerin an ihr kritisiert.
    Unsere Tochter hat zwischendurch auch mal Sachen, die sie nicht sofort versteht. Das geht jedem so.
    Mit dem Lesen hat sich unsere Tochter anfangs ebenfalls schwer getan, aber seit der 2. Klasse war sie jedes Jahr eine der zwei Besten beim Lesewettbewerb, weil sie zu Hause aus Spaß gerne und viel liest.

    Die Kinder, die schnell etwas hin schreiben, haben das nicht unbedingt richtig. Viele wollen die Aufgaben nur schnell erledigen, bzw. schreiben einfach mal drauf los, was ihnen als erstes in den Kopf kommt.
    Ich glaube, vielen Eltern wäre lieber, wenn ihre Kinder erstmal etwas ausführlicher nachdenken würden, bevor sie loslegen. ;-)

    Deine Tochter kann also eigentlich gar nicht absehen, wie gut sie im Vergleich mit den anderen Schülern ist. Vielleicht ist sie im oberen Drittel und merkt es gar nicht.
    Das würde ich ihr mal so sagen.

    Diese Überlegung mit den Medaillen beim Sport von ihr ist unrealistisch. Eine Medaille, die alle kriegen, die mitmachen, ist nichts wert. Da kann man sich auch eine im Laden kaufen.
    Die echten Medaillen kriegen nur die Gewinner und da kann es Deiner Tochter passieren, dass andere besser sind.
    Es wäre daher die Frage, ob man ihr mit einem solchen Sport einen Gefallen tut. Vor allem, weil sie offenbar zu keiner Sportart einen echten Bezug hat.

    Das würde ich erstmal mit ihr besprechen.

    Bei uns gibt es übrigens beim Reiten keine Medaillen oder Urkunden, es sei denn, man hat ein eigenes Pferd und geht auf Turniere. #kratz

    Unsere Kinder machen neben Reiten bzw. Voltigieren (ohne Wettkämpfe) Judo. Da sieht man an den Gürteln, wie weit jemand ist, und die Kinder sind stolz auf ihre neuen Gürtelfarben. Der Verein unserer Kinder nimmt gar nicht an Wettkämpfen teil, weil unsere Kinder nicht in einen Verein mit Wettkämpfen wollten.
    Aber auch in Judo-Wettkämpfen gibt es Verlierer.

    Bei den Kampfsportarten sagt man aber allgemein, dass sie das Selbstbewußtsein steigern.
    (Unsere Große war schon immer ziemlich selbstbewußt, und der Kleine zumindest normal. Daher weiß ich nicht aus eigener Erfahrung, ob das funktioniert.)

    Aber ich denke, ganz wichtig wäre erstmal, dass Deine Tochter lernt, dass es immer Sachen gibt, die man nicht sofort kann und dass jeder Mensch seine Stärken und Schwächen hat. Es ist keine Schande nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Das ist eher eine Stärke, weil man sich traut, eine Schwäche zuzugeben, um sich zu verbessern.
    So etwas kann man gut im Alltag einfließen lassen.
    In vielen Büchern sind die Helden ja auch erstmal nicht so fähig, verbessern sich aber, und auch realistische Helden in Büchern haben Schwächen.
    Ich denke z.B, dass Hermine aus Harry Potter beim Quidditch eine ziemlich schlechte Figur machen würde. Dafür hängt sie Harry im Unterricht ab. ;-)

    LG

    Heike

    (15) 30.03.17 - 11:16

    Hallo

    Wenn es dir nur um Seblstwertgefühl und Selbstvewusstsein geht, ist Kampfsport super,

    Die Kids lernen dort Selbstbewusstsein usw.

    Mein Sohn macht seit ein paar Jahren Taek-Won-Do seit dem ist er selbsbewusster und traut sich sich seitdem viel mehr zu. (Ok wir haben auch noch ein paar andere Baustellen aber auch da hat ihm der Kampfsport geholfen).

    Es muss doch nicht um Medaillen gehen.

    lg

    klee76

    (16) 30.03.17 - 11:49

    Danke für die vielen Antworten!

    Ich habe mich vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt. Eine Medaille zu bekommen steht für uns nicht im Vordergrund. Unserer Tochter ist es wichtig, wir als Eltern fordern das natürlich nicht. Wir loben immer wieder ihre Bemühung und Anstrengung. Den Ehrgeiz hat sie schon immer und wir wurden in allen Entwicklungsgesprächen im Kiga darauf hingewiesen und uns wurde auch immer wieder nahegelegt "richtig" zu loben. Also nicht den Erfolg, sondern die Bemühung. Wir sagen ihr immer wieder, wie toll sie ist. Aber es ist einfach ihre Art, sich selber solch einen enormen Druck zu machen.

    Von mir hat sie das nicht. Ich habe leider sehr wenig Ehrgeiz und bin im Allgemeinen zufrieden mit mir und meinen Leistungen, auch wenn ich weiß, dass ich mit mehr Mühe auch viel mehr erreichen könnte.

    Bei ihr kommt noch dazu, dass sie es nicht gewohnt ist, sich für etwas anstrengen zu müssen und sich etwas erarbeiten zu müssen. Das kennt sie jetzt erst seit der Einschulung und daran musste uns muss sie sich erst gewöhnen. Bislang gelang ihr alles auf Anhieb.
    Rad- und Inlinerfahren lernte sie in 5 Minuten. Obwohl sie Nichtschwimmer war, hat sie in der 2. von 15. Kursstunden ihr Seepferdchen gemacht, die Schleife, die Uhr, die Buchstaben und Zahlen.. Alles klappte immer sofort. Ich glaube es passt gar nicht in ihren Perfektionismus und Ehrgeiz, dass das jetzt nicht mehr so ist. Sie war nach einer Woche Schule ganz enttäuscht, weil sie "immer noch nicht" fließend lesen konnte. Da macht sie sich selber Druck und wir sind immer bemüht, ihr den Druck zu nehmen, ihr zu zeigen, was sie doch schon alles gelernt hat in den paar Monaten. Auch an Selbstständigkeit und so weiter. Dann ist sie kurze Zeit stolz und dann kann wieder jemand etwas besser als sie.

    Sie kommt die letzten Tage aus der Schule und fragt uns, was sie denn für einen Sport machen kann, in dem sie trainieren und immer besser werden kann. so wie ihre Freundinnen. Ich glaube, dass sie sich darüber identifizieren will. Sie würde gern Gitarre spielen. Die Kurse beginnen hier aber erst ab 8 Jahren. Genauso wie die Nähkurse. Klettern gibt es hier leider nicht in der Nähe. Nur für Jugendliche.

    nun ja, irgendwann wird sie schon etwas finden, für das sie sich begeistern kann..

    Nochmal vielen Dank für die vielen Antworten und fürs Lesen der langen Texte #hicks

    • (17) 30.03.17 - 12:44

      Ich kann dir da nur bestätigen, dass es durchaus Kinder gibt, bei denen es aus dem Innersten heraus kommt. Sicher kann auch die Erwartungshaltung der Eltern ein Grund sein. Aber die war es bei uns auch definitiv nicht.
      Ich kam nicht auf die Idee sie mit 5 ans Klavier zu setzen. Sie wollte das und nach 6 Monaten nerven habe ich gesagt: ok, lass es uns probieren.
      Obwohl sie jedes Mal geweint hat hat, wenn sie ihre (oft selbst gesteckten) Hausaufgaben nicht umgesetzt bekommen hat, sie wollte auf gar keinen Fall aufhören.

      Für meine Tochter ist das darüber identifizieren ein ganz wesentlicher Punkt. Was kann ich gut? Wer bin ich? Was unterscheidet mich von anderen? Und andersrum auch zu sehen was können meine Freunde gut oder besser als ich? Was kann ich nicht so gut?

      Man kann den Stolz - ihren ganz eigenen Stolz auf die Person die sie ist und zu der sie sich gemacht hat - richtig sehen, wenn sie in Freundebücher schreibt, dass sie gut klettern und Klavier spielen kann.

      Also ich rate definitiv zum rumprobieren und suchen.

      Wenn Gitarre ein großer Wunsch ist, dann auch da dran bleiben. Auch wenn die Kurse erst ab 8 sind. Vielleicht darf sie vorher schon mal schnuppern ob es wirklich in Frage kommt?
      Oder ihr versucht privat jemanden zu finden? Wir haben unsere Klavierlehrer immer über Kleinanzeigen gefunden.

      • (18) 30.03.17 - 14:18

        Danke für deine Antworten! Es freut mich, dass ihr einen Weg gefunden habt, mit dem es deiner Tochter gut geht!

        Ich werde mal die Kleinanzeigen durchsuchen. Leider sind mein Mann und ich absolut unmusikalisch.

        Viele Grüße
        Lotte

        • (19) 30.03.17 - 14:27

          Hihi. Ich bin vollkommen unsportlich und mich interessiert Sport nicht die Bohne ^^
          Das kann ich gut nachvollziehen!

          Wir haben das damit natürlich nicht aus der Welt geschafft. Ich glaube das werden wir auch nie. Das gehört einfach zu ihr dazu. Aber sie ist zumindest so gestärkt, dass sie mit sich zufrieden ist und es ihr ein Anker ist, wenn sie wegen etwas anderes unglücklich ist.

          Mein Ziel war erstmal, dass sie in der Schule nicht mehr weint. Und da sind wir von beinahe täglich im Oktober/November auf einmal in 2 Wochen (Stand Februar) runter. Mit positiver Tendenz.

          Ich drücke euch wirklich sehr die Daumen!

    Wenn Musikkurse erst ab 8 Jahren starten, dann schaut euch nach privaten Musikunterricht um.
    Meine Erfahrung ist ,dass es nicht oder auch nicht wirklich teurer ist als die Musikschule.
    Oft lernen Kinder im Einzelunterricht wesentlich mehr, als in den Gruppen.

    Da muss ich mich jetzt doch auch noch mal einmischen! ;-)

    Meine schüchterne Maus ist schon fast eine Rampfensau geworden, denn sie liebt "Auftritte"! Ob beim Flöten oder Klavierunterricht, Tanz der Fastnachts-Zunft, der Zirkus-Gruppe oder bei der Turnschau des Turnvereins. Gibt es sowas bei euch nicht beim Turnen? Bei uns ist das immer ein Riesending, wird aufwändig vorbereitet, tolle Kulisse, Kostüme, Musik und ganz viele Zuschauer (Eltern, Familien, andere Kinder des Vereins). Danach sind die Kinder immer 5 cm größer und unglaublich stolz! Ist auch viel unkritischer als Wettkämpfe, denn unter Umständen landet man da gar nicht so weit vorn. Selbst als Schnell-Lerner nicht, denn da geht es so sehr in die Feinheiten oft...

    Gibt es bei euch evtl. Tanzgruppen, Turngruppen, Musical-Gruppen, Chöre oder ähnliches? Dann würde ich das mal versuchen!

    Liebe Grüße,
    Elfchen

Kinder sind eben unterschiedlich und nicht alles ist auf die Erziehung zurück zu führen. Bei uns im Kindergarten ist auch ein sehr ehrgeiziges Kind, dessen Eltern sehr bodenständig sind und sicher keinen Leistungsdruck ausüben.

Findet ein gesundes Mittelmaß. Wege, um ihre Ambitionen auszuleben aber bremst sie auch, wenn es zuviel wird

(24) 30.03.17 - 12:30

Wettkampfdenken gibt es kein Selbstwertgefühl, denn Niederlagen können hier vieles kaputt machen.

Meine Tochter hatte damals eine Reittherapie gemacht, z.B. Hippotherapie.

Da lernen die Kinder reiten, sich um das Pferd eigenständig zu kümmern und die Ausbilderin ist oft Physiotherapeutin, Ergo, etc. und kann so dem Kind weiter helfen.

Ganz ohne Druck.

ABER anstatt zu sehen, was Dein Kind NICHT kann, warum stärkst du es nicht, indem Du vieles hervorhebst, was es kann?
DAS bringt Selbstvertrauen!!!

LG
Lisa

  • (25) 30.03.17 - 14:13

    Wo steht denn, dass ich das nicht mache?
    Ich sage nie zu ihr, dass sie nicht so gut lesen kann wie x oder nicht so gut schreiben wie y. Das ist ihre ganz eigene Meinung. Sie setzt dabei auch Schnelligkeit mit Qualität gleich. "Z ist viel besser in Deutsch als ich, der hat immer die ganze Seite fertig, wenn ich erst bei der Hälfte bin." Das sagt ja aber nichts darüber aus, wie gut das Ergebnis ist.

    Und das sage ich ihr auch immer wieder. Dass ich es ganz toll finde, wie viel sie gelernt hat und was sie schon alles kann und dass ich es toll finde, dass sie sich beim Lesen anstrengt und dran bleibt. Dass wir ganz stolz auf sie sind, weil sie sich so gut organisiert, dass ihre Lehrerin ihr Sozialverhalten ganz doll gelobt hat und und und..

    ICH weiß, dass sie ein ganz tolles Kind ist. Für mich eines der zwei besten Kinder auf der ganzen Welt. ICH weiß auch, dass es absolut normal ist, dass sie nach 9 Monaten Schule noch nicht alles kann. Aber sie will das nicht glauben. und so ist sie schon immer. sie hat schon immer ganz hohe Erwartungen an sich. und da ich das nicht ändern kann, möchte ich gerne etwas finden, das ihr zeigt, was sie alles kann. Vielleicht auch etwas, dass eine Leidenschaft in ihr weckt und sie so sehr begeistert, dass sie nicht mehr so viel Zeit hat, um sich wegen der Schule zu stressen.

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