9 Jähriger benimmt sich wie Kindergartenkind

    • (1) 14.03.18 - 07:58

      Hallo....

      Ich hoffe mal, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin.... Also mein Sohn ist 9 Jahre alt und geht in die 3. Klasse. In der Schule ist er sehr gut, auf seinem 1. Zeugnis hatte er nur die Noten 1 oder 2, aber seine Frustrationstoleranz ist leider wirklich sehr gering :-( Wenn er seine Hausaufgaben nicht versteht oder sich öfters verschreibt schmeisst er z.B. seinen Stift gegen die Wand, fängt an zu heulen oder rennt schreiend in sein Zimmer. Meistens klappt es gut mit den Hausaufgaben aber gestern hatte z.B. wieder so einen Ausraster und dann hat er mit Abregen fast ne Stunde für die Hausaufgaben gebraucht, die er sonst in 15 min erledigt hätte und dabei habe ich noch versucht es ihm zu erklären. Manchmal komme ich mir wie eine Hobbylehrerin vor...

      Das nächste Problem ist, dass es noch nicht alles ist. Am Samstag hatte er z.B. eine Schulaufführung für uns Eltern und wusste nicht, wo er hin muss, obwohl er Freitags Generalprobe hatte und die da alles erklärt haben. Mitten im Flur schmiss er sich auf den Boden und heulte wie ein Kindergartenkind. Nicht nur dass alle Klassenkammeraden und Elten geguckt haben, er hat sich auch nur schwer beruhigen lassen. Zum Glück kam dann ein Lehrer, mit dem er mitgehen konnte. So ist es leider ziemlich oft, wenn es nicht haargenau so läuft, wie er will, z.B. wenn wir einkaufen sind und er irgendwas will.

      Mein Mann wird dann immer sauer und gibt mir die Schuld, weil mein Sohn Einzelkind ist und ich ihn zu viel mitentscheiden lasse. Wir überlegen z.B. zusammen, was wir in der Woche essen und mein Mann meint, dass ich das alleine zu bestimmen hätte. Natürlich ist das zum Glück nicht so häufig der Fall aber 1- 2 in der Woche kann das schon vorkommen. Zu Hause ist das meiner Meinung nach auch nicht so schlimm, obwohl die Nachbarn schon gucken, wenn er so laut heult und brüllt, aber in der Öffentlichkeit ist das mega peinlich. Einmal ist das auf der Kirmes passiert und einmal im Kino, dann gucken natürlich alle und man hat kaum die Lust noch was zu unternehmen. Mein Mann meint, dass es das Verhalten eines Kindergartenkind wäre und es für einen 9 Jährigen nicht normal sei. Ich weiss es nicht, immmerhin ist er noch ein Kind und ich habe auch schon mitbekommen, dass seine Klassenkammeraden geweint haben, als sie eine schlecht Note hatten oder was nicht verstanden haben....

      Geht es einem von Euch genau so wie mir? Was kann man dagegen tun, denn meine Nerven leiden ist diesen Momenten sehr und leider fange ich da manchmal an zu schreien. Ich weiss, dass sollte man nicht, aber manchmal bin ich echt überfordert, besonders, wenn ich mir wieder anhören muss, dass das meine Schuld ist. Oder hat mein Mann Recht und sein Verhalten ist echt nicht für sein Alter entsprechend und was muss man in dem Fall tun bzw. was muss man ändern....

      Ich bin auf Eure Meinung und Vorschläge gespannt.... Liebe Grüsse

      • Hallo,

        er schmeißt sich auf den Boden? Das ist tatsächlich nicht altersgemäß.
        Welche Alternativen habt ihr mit ihm besprochen?
        Und da es so häufig vorkommt würde ich wie dein Mann vorschlägt für Frust sorgen damit er die Alternativen üben kann.

        Gruß Sol

        Kann viele Ursachen haben......da keiner Euren Familienablauf/-geschehen kennt, ist es schwierig es zu beurteilen.Ob er ein zu arg behütendes Kind ist oder bei den Ausraster , von Eltern nur schreiender Gegenwind kommt.
        Es kann vom überschnellen Überforderung sein bis über, wenn was nicht so läuft, in die Opferrolle schlupft.

        • Ich würde schon sagen, dass mein Sohn schon ein sehr behütetes Kind ist. Im Kiga war er immer nur bis 12 h, weil ich da auch zu Hause war. Seit er in der Schule ist gehe ich wieder auf Minijob- Basis arbeiten, aber nur 2 Tage die Woche, das heisst ich bin die meiste Zeit zu Hause. Er geht in die Betreuung bis 13 h, also macht er die Hausaufgaben zu Hause und wir Essen auch zusammen. Meine Mutter lasse ich nur sehr selten auf ihn aufpassen, weil wir Beide ein schwieriges Verhältnis hatten. Meine Mutter war immer sehr streng und so bin ich nicht, dass heisst mein Sohn darf relativ viel mitbestimmen. In die Opferrolle schlüpft er auch sehr schnell, da kommt dann immer die anderen haben nicht aufgepasst oder dies und jenes gemacht. Kommt das daher, dass ich vielleicht eine "Helikoptermutter" bin?

          • Ich habe drei Kinder (8,6,4), sie gingen und gehen auch nur bis 12 Uhr in den Kindergarten...& Hausaufgaben werden zu Hause erledigt.
            Wir überlegen auch oft, was sie gerne die Woche über essen möchten. All das hat nichts mit helikoptern zu tun.

            Keins meiner Kinder macht sowas. Auf den Boden schmeißen macht vielleicht ein 2-jähriger, der versucht seinen Kopf durchzusetzen und lernen muss, dass sich die Welt nicht nur um ihn dreht. Mit 9 ist für mich nicht altersgerecht. Da weinen meine Kinder nichtmal vor anderen, weil sie es peinlich finden. Scheint ihm ja völlig egal zu sein.

            Also das aussuchen des Essens ist es sicher nicht.

      Hmm, ich glaube, da gibt es mehrere Ansatzpunkte: das Verhältnis von Dir zu Deinem Sohn und das Verhältnis zwischen Dir und Deinem Mann (vom Verhältnis zwischen Deinem Mann und dem Sohn schreibst Du nichts, daher sei dies mal außen vor gelassen.).

      Zu Dir und Deinem Mann: die Eltern müssen sich in Erziehungsfragen nicht immer einig sein und es ist für ein Kind auch gut verkraftbar, wenn beide Elternteile unterschiedlich erziehen/handeln/entscheiden. ABER die beiden sollten sich gegenseitig respektieren und VORLEBEN, wie ein harmonisches, höfliches Miteinander geht. Das heißt, dass Vorwürfe, der Partner würde alles falsch machen, das Kind verziehen etc. völlig deplaziert sind. Erst Recht, wenn sie auch noch vor Augen des Kindes passieren. Das heißt auch, dass der eine Elternteil die Entscheidung des anderen Elternteils akzeptiert und respektiert und nicht dazwischen grätscht, so dass das Kind dann beide Eltern gegeneinander ausspielen kann.
      Da habt ihr beide wohl ein wenig Redebedarf. Ihr solltet wirklich an eurer gemeinsamen Kommunikation und am gegenseitigen Respekt arbeiten.

      Zu der Beziehung zu Deinem Sohn: ich finde durchaus, dass das Verhalten Deines Sohnes (sofern es gehäuft vorkommt) nicht mehr altersgemäß ist. Eine gewisse Frustrationstolleranz sollte im Grundschulalter vorhanden sein. Normalerweise wird sowas eigentlich im Kleinkind- und Kindergartenalter geübt.
      Meine kleine Tochter ist jetzt 3 Jahre alt.
      Wenn sie sich über irgendetwas ärgert und anfängt zu weinen/schreien/jammern, dann sage ich ihr kurz und knapp, dass ich sie so gar nicht verstehen kann und sie mir SAGEN soll, was sie will bzw. was sie ärgert. Ich steige aber nicht auf ihr schreien/jammern ein, indem ich zurück schreie, sondern sage ihr, dass sie normal zu mir sprechen soll und ansonsten ignoriere ich ihr Geschrei und wende mich ihr erst wieder zu, wenn sie damit aufhört und zu mir spricht.
      In dem jungen Alter gebe ich ihr natürlich - je nach Situation - auch Hilfestellungen, indem ich ihr sprachlich helfe, ihre Gefühle auszudrücken (z.B. sowas wie "Ärgerst Du Dich gerade, dass Du kein Eis essen darfst?" so in der Art), damit sie darauf einsteigen und mit mir darüber reden kann.
      Habt ihr das im Kleinkind/Kindergartenalter mit Deinem Sohn auch so gemacht? Auf diese Weise wird das ja normalerweise eingeübt, dass man trotz Ärger/Wut etc. nicht sofort anfängt, zu brüllen.
      In dem Alter Deines Sohnes würde ich ihm eine ganz klare Ansage machen, dass er mir SAGEN kann, was er will/ worüber er sich ärgert, aber dass er sofort sein Geheule einstellen soll. Und für die Zeit seines Heulens/Schreiens würde ich ihn komplett ignorieren, also am besten das Zimmer verlassen. Schenke ihm nicht noch zusätzlich Aufmerksamkeit und steige auf sein Heulen ein, indem Du auch noch anfängst zu schreien.
      Bleib ruhig, aber bestimmt und laß nicht so mit Dir umspringen.
      Wenn er z.B. bei Hausaufgaben anfängt zu heulen, dann laß ihn alleine und sage, dass er gern wieder zu Dir kommen kann, wenn er sich beruhigt hat. Dann verlaß den Raum und trink einen Kaffee und warte ab, was passiert. Du mußt ihn deutlich machen, dass Du erst wieder bei ihm bist, wenn er sich angemessen verhält.
      Wenn er ihm Kino oder auf der Kirmes so ein Ausraster kommt, dann würde ich ihm ganz klar sagen, dass er sich beruhigen soll und wenn er das nicht tut, dann würde ich die Veranstaltung verlassen und nach Hause fahren. Fertig.
      Wenn ihr das so konsequent durchzieht, denke ich nicht, dass er das noch öfter macht...

      • Mein Mann ist wegen der Arbeit lange unterwegs, das heisst er geht Morgens kurz nach 6 aus dem Haus und ist zwischen 17.30 und 18 h wieder zu Hause. Mein Sohn geht um 19.30 h ins Bett, so dass die Beiden sich in der Woche nicht so lange sehen und die letzte Stunde vor dem Schlafen guckt mein Sohn immer Tv, also machen die Beiden da auch nicht wirklich was zusammen. Manchmal ist mein Mann auch ein paar Tage auf Seminar, also bin ich die meiste Zeit mit meinem Sohn alleine. Meistens spielen wir nach den Hausaufgaben was er will und er darf auch sonst relativ viel mitbestimmen.

        Hmm, ob ich das mit den Hilfestellungen so gemacht habe weiss ich leider nicht mehr. Ich habe ihn nur früher oft auf den Arm genommen und getröstet, auch für Sachen, die mein Mann für unnötig hält. Inzwischen versuche ich das Geheule grösstenteils zu ignorieren, dass heisst ich gehe wie du sagst aus dem Zimmer, aber dann wird es immer lauter. Manchmal fängt er schon Morgens um 6.30 h an zu heulen, weil er einen Stift nicht direkt findet. Ich sehe den schon nach 10 sek., aber der Herr hat keine Lust ordentlich zu gucken und heult lieber, schon anstrengend, weil ja auch andere Leute bei uns im Haus wohnen, die vielleicht noch schlafen wollten.... Ich finde das geht gar nicht, sich für sowas aufzuregen...

        • "Meistens spielen wir nach den Hausaufgaben was er will"
          Hmm, vielleicht interpretiere ich das falsch, aber irgendwie hört sich das für mich an, als ob Du von einem kleinen Kind und nicht von einem 3. Klässler redest.
          (Wenn ich das falsch auffasse, dann entschuldige ich mich.) Es kommt so rüber, als ob ihr sehr aufeinander fixiert seid. Ihr macht gemeinsam die Hausaufgaben und dann spielt ihr beide gemeinsam? #kratz
          Ein 3. Klässler sollte ja eigentlich seine Hausaufgaben allein machen und nur ZUR NOT mal bei den Eltern um Rat fragen. Und nachmittags macht meine Tochter (2. Klasse) in der Regel etwas mit ihren Freunden oder ist in ihrem Zimmer und beschäftigt sich dort (größtenteils) ohne mich. Was spielst du denn genau mit ihm? #kratz

          Sind ihm seine Ausraster vor Klassenkameraden nicht peinlich? Sprechen ihn die anderen nicht darauf an bzw. lachen ihn aus?
          Und stören ihn die Blicke anderer Leute nicht, die sich fragen, was denn bei ihm gerade los ist, wenn sich ein so altes Kind auf den Boden schmeißt in aller Öffentlichkeit?
          Hast Du ihm denn mal ganz deutlich gemacht, dass sein Verhalten zu einem Kleinkind paßt, aber nicht zu einem Grundschüler?
          Du schreibst ja oben etwas davon, dass Du ggf. zurück schreist.
          Ich glaube, ich würde beim Anblick eines 3. Klässlers, der vor Wut heulend auf dem Boden liegt, eher anfangen zu lachen, weil diese Situation so absurd ist. #sorry
          Siehst Du Deinen Sohn wirklich als großen 3. Klässler oder im Grunde noch irgendwie als Deinen "kleinen" Sohn? Eventuell "hockt" ihr auch ein wenig aufeinander, kann das sein?

          • Er macht seine Hausaufgaben schon alleine, aber am Wohnzimmertisch während ich daneben sitze und Kaffee trinke oder eine Zeitung lese. Da er meistens was von der Schule erzählen will oder zwischendurch Fragen zu den Hausaufgaben hat passt das ganz gut. Nach den Hausaufgaben guckt er erst ein wenig Tv und dann spielen wir meistens was zusammen, z.B. Uno, Kniffel, Rummykub oder Gesellschaftsspiele wie Mensch Ärgere dich nicht, Trivial Persuit oder Hotel. Hobbys hat er auch, er geht einmal die Woche zur Tanzschule Hip Hop tanzen und dann hat er einen Mittag Sport- AG. Bis vor Kurzem waren wir noch zusätzlich einen Tag Schwimmen, aber da mein Sohn inzwischen Silber hat und auch keine Lust mehr, hat er damit aufgehört. War davor auch was viel mit 3 Terminen in der Woche.

            • OK, aber was ist mit seinen Freunden? #kratz
              Ich spiele auch gerne mal mit meinen Kindern Uno, aber doch nicht jeden Nachmittag?!?
              Für mich hört sich das einfach irgendwie komisch an, dass ein Kind in dem Alter Deines Sohnes so ganz selbstverständlich (fast) jeden Nachmittag mit seiner Mutter verbringt.
              Ich frage deshalb nach, weil sein Verhalten ja nun ziemlich merkwürdig ist bzgl. Frust/Ärger/... und hier ja auch schon mehrfach an Dich die Frage kam, warum ihm das vor seinen Freunden gar nicht peinlich ist, sich so zu verhalten.
              Daher auch meine Verwunderung, warum er fast jeden Nachmittag mit Dir und nicht seinen Freunden verbringt.

              • 90% seiner Klassenkammeraden sind in der OGS, das heisst die sind alle bis 16h in der Schule, nur wenige werden wie er um 13h abgeholt. Deshalb ist mein Sohn ja auch in der Tanzschule und war bis vor Kurzem in einem Schwimmkurs damit er was zu tun hat und auch andere Kinder sieht. Die Kinder die nicht in der OGS sind haben selber viele Termine wie Fussball, Handball, Englischkurs oder Kunst-/ Musikschule, so dass die auch keine Zeit haben. Anscheinend ist das hier in der Stadt so normal, denn sogar viele von den OGS- Kindern haben nach 16h noch Kurse. Bei mir früher war das auch nicht so, aber hier findet man kaum einen Nachmittag, wo 2 Kinder können, weil immer einer einen Kurs hat oder im Verein ist. In den Ferien klappt es schon eher mit dem Verabreden, weil dann keine Kurse sind.

        (12) 14.03.18 - 14:13

        "Meistens spielen wir nach den Hausaufgaben was er will"

        Ähem, sollte ein Neunjähriger nicht so gut wie jeden Nachmittag mit Freunden zum Spielen unterwegs sein oder ein einem Verein, Musikunterricht - aber mit Mama eher weniger spielen (ok, Brettspiele mal ausgenommen)?!

Hallo,

und ich dachte, unser Sohn (8) hätte eine schlechte Frustrationstoleranz, aber so etwas macht er schon lange nicht mehr. #schwitz

Kann es sein, dass Euer Sohn in der Vergangenheit mit diesem Verhalten Mitleid geerntet hat bzw. sich damit Deiner Aufmerksamkeit sicher sein konnte?

Wir haben unsere Kinder schon im Kleinkindalter liegen gelassen, wenn sie meinten, sich vor Wut auf den Boden werfen zu müssen. Da habe ich nur ab und zu nachgefragt, ob sie bald fertig mit dem Theater sind.
Einen 9-jährigen würde ich in diesem Fall fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat...

An Eurer Stelle würde ich Deinem Sohn als erstes erklären, dass sich mit diesem Kleinkind-Verhalten zum Idioten vor allen seinen Freunden macht.

Zweitens würde ich ihm mitteilen, dass ich in Zukunft kommtarlos gehe, wenn er sich in der Öffentlichkeit so aufführt. Ich würde dann weiter weg auf ihn warten. Mir wäre es zu peinlich neben einem 9-jährigen mit einem solchen Verhalten stehen zu bleiben.

Drittens sollte er in Zukunft seine Hausaufgaben alleine in seinem Zimmer erledigen. Er kann rufen, wenn er Hilfe braucht, aber bei Ausrastern würde ich sofort gehen.

Nach meiner Erfahrung werden solche Ausraster umso uninteressanter, je weniger Aufmerksamkeit die Kinder dafür bekommen.

Wenn das nicht funktioniert, solltet Ihr einen Kinderpsychologen aufsuchen, bevor Dein Sohn sich in der weiterführenden Schule als Kleinkind mit Trotzanfall präsentiert und sich damit selbst den Stempel "Mobbingopfer" verpasst.
Wir hatten so einen Jungen auf dem Gymnasium, und der war bei uns mit seinen affigen Wutanfällen wegen jedem Krimskrams die absolute Lachnummer.

LG

Heike

Hallo,

dass ein 9jähriger sich auf den Boden wirft oder in der Öffentlichkeit rum brüllt weil er seinen Willen nicht bekommt ist nicht normal. Ich würde da meine auch ganz diskret fragen ob bei ihnen noch alles rund läuft. In der Hinsicht gebe ich deinem Mann Recht. Das ist das Verhalten 3-4jähriger Kinder in der Trotzphase. Meinen Kindern wäre das viel zu peinlich. Frust bei den Hausaufgaben hatten wir in der Grundschule auch. Gerade beim Mittleren flog öfters mal das Heft oder der Füller quer durch den Raum und er heulte und tobte. Meine Reaktion darauf: "Da kannst du fluchen und toben wie du willst, machen musst du es trotzdem, so dauert es nur länger." Ich bin auf sowas gar nicht eingegangen. Ist es deinem Sohn nicht peinlich, sich bei einer Schulveranstaltung in den Flur zu werfen? Da würden hier sogar die Erstklässler lachen. In so einer Situation würde ich ihn liegen lassen und sagen, dass ich schon mal vor gehe um zu gucken wo er hin muss, und er gerne nachkommen kann wenn er wieder normal ist. Du gehst jedesmal auf seine Abwandlungen ein und reagierst. Ich hab 3 Kinder. Wenn ich bei jedem so einen Affentanz mitmachen würde, könnte man mich einliefern. Konsequenz für Ausraster im Supermarkt, Kino etc. wäre für mich, nicht mit ihm hinzugehen. Den Stress würde ich mir gar nicht antun. Dein Mann sagt, dass du ihn zu viel entscheiden lässt z.B. beim Essen. Meine Kinder wählen hier auch den Speiseplan aus und jeder darf mit aussuchen. Das haben wir schon immer so gemacht. Daran kann es bei euch nicht liegen. Ich denke aber, dass du ihm in allen Belangen bisher zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hast. Bis zu einem bestimmten Alter können Eltern jeglichen Frust von ihren Kindern fernhalten. Ganz einfach indem sie ihren Willen bekommen und Wünsche quasi von den Augen abgelesen werden. Kinder kennen also keinen Frust. Der erste Frust kommt dann in der Schule wenn Leistungen erfüllt und erbracht werden müssen. Für die Kinder natürlich blöd weil sie nie gelernt haben mit Frust umzugehen. Dass Kinder bei einer schlechten Note weinen, hat nichts mit einer schlechten Frustrationstoleranz zu tun. Sie sind einfach enttäuscht. Auch Erwachsene weinen manchmal aus Enttäuschung. Das ist normal und menschlich. Sich aber auf den Boden werfen, die Wut nicht zügeln können und rum schreien nicht.
Meine Tochter z.B. denkt auch teilweise, dass sie die Größte ist. Komplett von sich überzeugt in allen Belangen. Sie ist mein jüngstes Kind und ein kleiner Überflieger. Im Kindergarten hatte sie immer die Hauptrollen bei Aufführungen, wurde in den Himmel gelobt, ihre Bilder hingen immer aus. Sie konnte mit 5 flüssig lesen, schrieb Wörter aus dem Kopf und rechnete im 20er Bereich. Und nein, sie ist weder hochbegabt noch hochintelligent oder sonstiges. Sie hatte einfach eine schnelle Auffassungsgabe, steht gern im Mittelpunkt und hat 2 große Brüder, bei denen sie sich viel abschaut. Nun kam Madame in die Schule und war natürlich erst mal allen voraus. Es hört sich jetzt gemein an, aber ich war tatsächlich froh, als die anderen Kinder aufgeholt haben und sie das erste Mal in ihrem Leben den Dämpfer bekam, nicht mehr die Beste zu sein. Es wurde tatsächlich Zeit, dass sie vom hohen Ross mal runter geholt wurde. Hier zu Hause bekam sie nicht mehr Aufmerksamkeit als ihre Brüder, aber wie gesagt, außerhalb der Familie schon. Meine Tochter wurde aber mit dem Frust selbst fertig, da sie von klein auf gelernt hat mit Frust umzugehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man einem Einzelkind mehr Aufmerksamkeit schenkt als wenn man mehr Kinder hat. Dass man lieber sämtliche Wünsche erfüllt und nachgibt um seine Nerven zu schonen oder weil man denkt, dass man einem Kind alles abnehmen muss. Bei mehreren Kindern ist es einfach nicht möglich. Man kann nicht allen zeitgleich gerecht werden und man muss auch mal zurück stecken wenn man Geschwister hat. Sei es der 2jährige dem die Mama gerade nicht vorlesen kann weil sie das Baby ins Bett bringt oder der 4jährige, der warten muss bis die Mama mit ihm spielt weil sie gerade mit dem Großen Hausaufgaben macht. Das sind alles Situation, wo Kinder lernen mit Frust umzugehen. Deshalb denke ich, dass es Einzelkinder da tatsächlich schwerer haben. Auch der Vergleich fehlt. Geschwister vergleichen sich untereinander. Es gibt immer Dinge, die der eine kann und der andere nicht. Der eine kann schnell rennen und höher auf Bäume klettern, der andere kann dafür besser schwimmen. Der eine ist besser in Deutsch, der andere in Mathe. Alles Dinge, bei denen Kinder kleine Niederlagen erfahren, aber auch wiederum Erfolgserlebnisse haben. Für viele Mütter von Einzelkindern sind die Kinder Dreh- u. Angelpunkt. Das ist weder böse noch abwertend gemeint. Es ist ja normal. Wo andere Mütter ihre Aufmerksamkeit eben teilen müssen und Kompromisse finden müssen, müssen das Mütter, die nur ein Kind haben eben nicht. Und eine Mutter geht automatisch auf die Bedürfnisse und den Willen des Kindes ein. Ich kenne auch keine Mutter, die standhaft jedem Quengeln gegenüber steht nur um seiner Erziehungspflicht nachzukommen. Ich würde bei deinem Sohn anfangen, sein Verhalten, gemeinsam mit ihm, zu reflektieren. Findet gemeinsam Möglichkeiten, wie er seinen Frust kompensieren kann. Rede mit ihm wie sein Verhalten in der Öffentlichkeit wirkt. Beachte seine Ausraster einfach nicht und schenke ihm in dem Moment dadurch keine Aufmerksamkeit. Hinterher, wenn er sich beruhigt hat, wieder in Ruhe reden und reflektieren. Was hat er gefühlt in dem Moment, wie hat er auf andere gewirkt etc. Ich denke, je älter er wird umso besser lernt er damit umzugehen. Enttäuschung zu zeigen, ist keine Schwäche. Man muss nur den Rahmen wahren. Mein Mann ist ebenfalls Einzelkind und ich wurde mit 2 Geschwistern groß. Man merkt wirklich bei vielen Verhaltensmustern Unterschiede. Positive und negative. Das ist jetzt auch ohne Wertung, was für ein Kind besser ist. Da gibt es kein besser oder schlechter und die Pro und Contras halten sich in etwa die Waage. Verzogen ist dein Sohn ganz sicher nicht. Da musst du dir keine Gedanken machen. Er braucht einfach nur etwas Unterstützung im Umgang mit Niederlagen. Und mit deinem Mann musst du unbedingt reden. Es geht nicht, dass er dir Vorwürfe macht. Dass Eltern unterschiedlich erziehen kommt oft vor und ist bei uns auch so. Aber jede Partei hat die Erziehung des anderen zu respektieren und zu unterstützen. Außer natürlich wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist. Dann natürlich nicht. Bsp.: Ich habe weitaus stärkere Nerven als mein Mann und bei mir dürfen die Kinder mehr. Mein Mann ist strenger. Sage ich z.B. sie dürfen bis ,20:00 Uhr raus, akzeptiert das mein Mann weil ich es erlaubt habe. Fragen sie meinen Mann und er sagt, dass sie um 18:00 Uhr da zu sein haben, gilt das was mein Mann sagt. Ich stelle die Erziehung meines Mannes nicht in Frage und er meine nicht. Wir ergänzen uns gut und die Kinder kommen damit auch gut klar.

LG
Michaela

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