G8 in Bayern, ein wirklicher Horror?

    • (1) 02.07.19 - 16:49

      Der Aufmacher ist natürlich reißerisch von mir aufgemacht.

      Meine Zwei gehen in Bayern auf ein Gymnasium in dem sie das G8 durchlaufen müssen. Die neuen Jahrgänge haben nun wieder das G9.

      Nach nun 5 bzw. 6 Jahren auf diesem ganztägigen Gymnasium kann ich nun in der Zwischenzeit und mit den gemachten Erfahrungen sagen, dass viele der hier herum geisternden Horrorgeschichten und da möchte ich solche Kampfbegriffe wie "fehlende Kindheit" und/ oder "keine Hobbys mehr möglich" etc. nicht stimmen.

      Im Mittel betrachtet gehen beide ihren Hobbys nach, sind bei der freiwilligen Feuerwehr im Ort, spielen mehrere Musikinstrumente, treffen gleichgesinnte Freunde und gehen auch mal am Wochenende abends zu einer Party. Ach ja und in den Ferien machen sie "leider" nichts für die Schule, ausser dass sie am letzten Ferientag die Schultasche packen.

      Ich denke, dass die Kinder die im G8 scheitern aus anderen Gründen als dem immer vorgeschobenen System scheitern. Es ist aus meiner Sicht und Beobachtung meist mangelnde Lernstruktur, fehlender Wille Lernspitzen vor Prüfungen einzugehen und durchzuhalten und eben auch die falsche Schulwahl die durch das Elternhaus oftmals eingefordert wird.

      G8 ist sicher nicht optimal, aber es schadet nicht auf die Realitäten der Arbeitswelt vorbereitet zu sein.

      (10) 02.07.19 - 18:51

      Mein Sohn hat auch gerade G8-Abi gemacht und kenne durch meine Arbeit mehr als genug Gymnasiasten. Und ich muss dir zustimmen, für geeignete Schüler ist es absolut machbar.
      Mein Sohn hatte in der 10. und 11. Klasse tatsächlich relativ viel Nachmittagsunterricht, bis zur 9. aber max 2 Nachmittage, bis zur 7. Klasse sogar nur einmal. Das geht doch, oder?


      Diese oft geschilderten Horrorszenarien mit überarbeiteten Kindern, die nur mehr für die Schule leben und keinerlei Zeit für Hobbys haben, sind Quatsch.
      Kinder, die wegen der Schule keine Freizeit mehr haben, sind definitiv an der falschen Schule und es liegt an den Eltern dies zu vermeiden bzw zu ändern.

      • (11) 02.07.19 - 19:08

        P.S : Mein Sohn ist bzw war immer ein 3er Schüler, mal etwas besser, oft auch schlechter. Er war sicher gut fürs Gym geeignet aber ganz sicher nicht hochbegabt.

        Überarbeitet hat er sich nie, er hat mehr als genug zeitaufwendige Hobbys, denen er nachgeht und einen großen Freundeskreis. Er hat sich garantiert nicht überarbeitet.

    (12) 02.07.19 - 19:26

    Ich kenne eine, die (vor einigen Jahren) von G8 in Bayern auf G9 in NRW gewechselt ist - die war sehr froh, weil sie wirklich Vollzeit mit Schule beschäftigt war.

    Ich habe selber ein G8 Abi gemacht, ohne groß lernen zu müssen, weiß aber, dass es vielen anderen aus meiner Stufe anders ging. Und auch ohne viel Lernen war der viele Nachmittagsunterricht anstrengend, v. A. weil ich in der Nachbarstadt zur Schule gegangen bin und der Bus dann im Berufsverkehr schon mal 1h statt 20min gebraucht hat. Da bin ich im Winter im Dunklen gegangen und im Dunklen wiedergekommen ...

    Eines der größten Probleme von G8 war, dass es übereilt eingeführt wurde. Ich hatte denselben Stoff wie die G9-Jahrgänge - nur eben mit einem Jahr weniger Zeit. In der 9. musste ich in Deutsch innerhalb von zwei Wochen zwei Bücher lesen. Für mich als Leseratte war das in Ordnung, aber andere hatten schon zu kämpfen, und in Englisch, etc. gab es ja dann auch noch Lektüren ... Die Schulbücher waren größtenteils auch noch von G9, da hatten wir dann teilweise den Spaß, gleich zwei für dasselbe Fach zu kriegen. 9. Klasse Geschichte hatten wir die beiden, die in G9 in Jahrgang 9 und 10 behandelt wurden ...
    Da haben sie dann aber zum Glück irgendwann die Lehrpläne überarbeitet.
    Nett war auch, dass gleichzeitig der gute alte Frontalunterricht immer mehr von modernen Lehrmethoden abgelöst wurde. Wir haben allesamt die Gruppenpuzzle, Think-Pair-Share, Fishbowl-Discussions, etc. gehasst und dabei auch nichts gelernt. Die Dinos mit ihrem Frontalunterricht waren da die beliebtesten Lehrer.

    "fehlender Wille Lernspitzen vor Prüfungen einzugehen und durchzuhalten"
    Na ja, das ist bei 4 Klausuren in einer Woche, noch ein bis zwei in der nachfolgenden Woche schwer, wenn man 4 Tage die Woche erst um 5 Uhr von der Schule nach Hause kommt und ggf. noch einem Hobby nachgehen möchte. Ich war nach 9h Unterricht und dem völlig überfüllten Bus so erschöpft, dass ich erst mal eine Runde Assi-TV geguckt habe ... ;-) Unabhängig vom Willen hatte ich meistens einfach die Konzentration nicht mehr nach 9h Dauerinput. Irgendwann muss man die Infos ja auch sacken lassen.

    Falsche Schulwahl spielt aber sicher auch oft eine Rolle.

    "G8 ist sicher nicht optimal, aber es schadet nicht auf die Realitäten der Arbeitswelt vorbereitet zu sein."
    Na ja, vorbereitet ist man vielleicht in der Hinsicht, dass man einen anstrengenden Arbeitstag hat und viel zu tun. - Da wird man dann eigentlich "übervorbereitet", denn ich hatte (trotz selten gemachter Hausaufgaben#schein) mehr als eine 38h-Woche, sondern 40+. Inhaltlich lernt man nach wie vor viel zu wenig - hab mich an der Uni immer wieder über die PowerPoint-Präsentationen mit hereintanzenten Buchstaben und ausformulierten Sätzen amüsiert.

    Und viele Vereine, etc. leiden wirklich unter den Ganztagsschulen. Die Termine müssen auf den Abend gelegt werden, damit die Leute kommen können und es ist schwieriger, mehrere Hobbys gleichzeitig auszuüben, vor allem, wenn man noch etwas Familienleben haben wollte.

    Den gewünschten Effekt, dass die Leute früher in den Beruf gehen, kann ich aus persönlicher Erfahrung nicht bestätigen. Fast mein gesamter Abijahrgang hat ein FSJ o. Ä. gemacht (bei meinen kleinen Geschwistern auch) und viele haben lange herumgeeiert, was sie machen wollten, häufiger Studiengang gewechselt, hatten Probleme mit dem selbstständigen Lernen an der Uni, etc. Das war in den G9-Jahrgängen, zu denen ich teils auch guten Kontakt hatte, anders. Meine Laieneinschätzung ist, dass viele aus den G8-Dauerlangtag-Jahrgängen keine bzw. weniger Hobbys ausgeübt haben, weniger Zeit hatten, sich auf sich selbst und ihre Interessen zu konzentrieren und so Schwierigkeiten hatten, herauszufinden, was sie machen wollen. Und da das selbstständige Arbeiten an den Schulen immer weniger gefördert wird (zumindest bei uns war das so), hatten sie auch Schwierigkeiten, mit dem Uni-System klarzukommen, bzw. wollten erst mal "runterkommen" von dem Schulstress.

    Ganz generell bin ich der Meinung, dass im Schulsystem viel zu viel rumgedoktort wird. Ständig ist irgendein neues System richtig, nichts wird ausreichend geprüft und die Schulbücher sind oft nicht mehr aktuell. Da sollte man viel geplanter und überlegter rangehen.

    (13) 03.07.19 - 12:25

    Hallo,

    es ist schon auf den angeblich so einfachen Gymnasien in NRW bei G8 so, dass es viele Schüler gibt, die kaum noch Freizeit haben.

    Das Grund dafür sind teilweise überzogene Erwartungen der Eltern. Manche machen schon einen Aufstand, wenn das Kind Dreien nach Hause bringt. #augen
    Die hatte ich früher auch, und ich habe trotzdem ein 2,4er Abi ohne mich überarbeiten zu müssen.

    Oder die Kinder sind eigentlich am Gymnasium falsch.
    Das wollen deren Eltern aber nicht einsehen.

    Das Gymnasium ist nunmal die Schule für die Kinder, die schnell und selbstständig lernen können und nichts für Kinder, die eigentlich an die Realschule gehören und sich massiv anstrengen müssen, um mitzukommen.

    Ich finde G9 auch besser, weil es damit etwas entspannter wird und weil mehr Zeit für das ist, was man in der Pubertät so machen möchte. Aber die Kinder, die sich mit G8 extrem schwer tun, haben mit G9 auch kein lockeres Leben.

    Ich verstehe nicht, warum Eltern von solchen Kindern das häufig so verbissen sehen.
    Das Abitur ist doch nicht der automatische und einzige Weg zum beruflichen Erfolg.
    Es gibt genug Akademiker, die sich sehr schwer tun, Geld zu verdienen, gerade Geisteswissenschafter.
    Dafür verdienen sich z.B. viele Handwerksmeister gerade eine goldene Nase.

    Außerdem gibt es Kinder, die erst später durchstarten und nach der Realschule noch Abitur machen. Davon kenne ich eine ganze Reihe.
    Die Gesamtschule ist, hier in NRW, auch noch eine Alternative.

    Bei uns ist es so, dass wir eine Tochter haben, die hauptsächlich Vokabeln lernt und trotz G8 genug Freizeit hat.
    Aber wir haben auch einen Sohn (4. Klasse), der kein so einfacher Fall ist. Da müssen wir sehen, wie es läuft.

    "Ganz generell bin ich der Meinung, dass im Schulsystem viel zu viel rumgedoktort wird. "

    Das finde ich auch.

    LG

    Heike

    • (14) 03.07.19 - 15:26

      Meinem reinen Empfinden nach ist oft der Ansatz nicht richtig. Einige Eltern möchten zwar den Flair eines Gymnasiums, vergessen jedoch gerne, dass zumindest in manchen Bundesländern auch entsprechendes gefordert und verlangt wird und eben manche sehr schnell an ihre zeitlichen sowie intellektuellen Grenzen geraten. Das ist aber nicht die Schuld des Systems. Ja m Zweifel geht’s ab nach Berlin und dort ist dann für Lai mindestens ein 1,xx möglich.

      • (15) 03.07.19 - 17:47

        Manche Kinder sind falsch auf dem Gymnasium, das ist richtig. Bei meiner ehemaligen Französischlehrerin haben kürzlich Kinder vor Überforderung geweint, weil sie nicht vorgegeben hat, ob die Überschrift von links nach rechts oder von rechts nach links unterstrichen werden soll.#klatsch

        Wenn aber gesagt wird: Keine/kaum noch Zeit für Hobbys, liegt das aber nicht immer daran.
        In der Oberstufe war es bei uns an der Schule normal, 4x 9h zu haben. Die wenigsten hatten da mal 1 oder 2 Freistunden dabei. Addiert mit dem Schulweg kamen die Pechvögel (ländlicher Bereich) erst um halb 6 zu Hause an. Je nach Lehrern und Hausaufgabenumfang wird es dann einfach schwierig, auch wenn man pfiffig und fleißig ist. Musikunterricht konnte man bei uns z. B. nur bis spätestens 6 Uhr haben. Einige Lehrer bei uns haben erwartet, dass man für ihr Fach 1h täglich investiert.
        Meine Schwester hat zu ihrer ehemaligen Lateinlehrerin immer noch engen Kontakt und sie hat gesagt, dass sie ihrerzeit ab 3 Uhr nachmittags auf dem Sportplatz für Leistungssport war, mehrere Stunden. Beim heutigen Unterrichtspensum für die Schüler würde sie das nicht mehr schaffen.

        Ich habe den Fußballverein wegen der Schule aufgegeben, obwohl ich nicht viel lernen musste. Einfach weil ich dann an drei Tagen unter der Woche von der Schule zum Fußballplatz und ins Bett gemusst hätte, dazwischen nur noch Zeit für ein schnelles Abendessen. Zum Training von der Verbandsauswahl hätte ich es nur geschafft, wenn ich mit dem Schlussklingeln ins wartende Auto gesprungen wäre und meine Eltern mich hingefahren hätten, wofür sie aber auch nicht die Zeit hatten. Die Spiele haben fast ausnahmslos den halben Samstag in Anspruch genommen, weil wir so weit fahren mussten. Dazu dann die zusätzlichen Tourniere und Trainingssonntage von der Verbandsauswahl. Abgesehen davon, dass ich dafür gerade im Winter nicht die Energie hatte, hätte ich auch nicht gewollt, dass jedes Familienleben sich so nach mir richten muss - meine Geschwister wollten ja auch noch ihre Hobbys ausüben.

        (16) 03.07.19 - 22:01

        Was für ein unglaublich unqualifizierter Beitrag. Ich bin sowohl in Bayern sowie auch in Berlin auf das Gymnasium gegangen. In der Zeit in Bayern war mein Schnitt eine komplette Note besser als in Berlin und den Unterricht empfand ich als Ringelpieps mit anfassen im Vergleich zu dem was mich danach in Berlin erwartet hat. Hauptsache die Gusche aufmachen, auch wenn man keine Ahnung hat.

        • (17) 04.07.19 - 05:46

          Muss dann wohl vor dem Krieg gewesen sein!

          • (18) 04.07.19 - 10:32

            Also zumindest in 2014 hatte Bayern mehr 1er-Durchschnitte als Berlin und weniger 3er-Schnitte und weniger Durchgefallene.

            Welches Abi wie schwer ist, lässt sich nur schwer sagen, weil sich vieles nicht vergleichen lässt. Auch das "läppische NRW-Abi" kommt noch aus Zeiten, wo es dort kein Zentral-Abi gab. Seit das geändert wurde, ist es in NRW auch schwerer geworden.
            Manche Länder haben mehr Prüfungen als andere, aber bei insg. 4 Prüfungen ist es dann auch dramatischer, wenn man eine in den Sand setzt.
            In manchen Ländern ist es egal, welche Vornote man hatte und welche Abinote, in manchen muss man in eine Nachprüfung, wenn man nach unten abweicht, in anderen sogar, wenn man nach oben abweicht.

            Bayerns Abi hat übrigens unter G8 gelitten.
            Das anspruchsvollste Abi gibt es derzeit meines Wissens in Sachsen.

(19) 05.07.19 - 07:55

Das G8 wurde in Bayern doch abgeschafft. Die jetzigen 7. Klassen sind die letzten im G8.

(21) 06.07.19 - 21:36

Horror würde ich nicht sagen. Mein Großer hat letztes Jahr Abi gemacht, zwei vor der Komma, ohne Klasse zu wiederholen. Der Kleine ist in der 9. Klasse. Zeit fuer jeweils großer Freundeskreis, Hobbys (keine zeitaufwendige, liegt nicht an G8), War genug vorhanden. Keine hochbegabte Kinder, guter Durchschnitt. G8 ist machbar, Aber... Von 115 Kindern, die mit meinem Großen die 5.klasse angefangen haben, hatten 30 nach 8 Jahren Abi in der Tasche, noch 35 von seinem Abi-jahrgang haben 1oder zweimal wiederholt. Es wird gnadenlos ausgesiebt. Und kommt bitte nicht mit der Einwand, die Kinder wären aug der falschen Schule. Die Uebertritt-system inBayern ist fair, transparent und leistungsorientiert. Elternwille zählt da nix. Und jetzt das Schlimmste. ES HERRSCHT EKLATANTER UNTERRICHTSAUSFALL!!!. Wenn man da noch die Lehrpläne dazu zählt, die einfach von 9 auf 8 Jahre zusammengepresst sind, von welcher Qualität der Unterricht kann man da noch reden? Mehrmals war es so., dass die Klasse weg. Ausfall mit dem Stoff zum Jahresende nicht fertig war. Oder wichtige Themen wurden kurz angesprochen uns nicht richtig durchgearbeitet. Mit G9 und lückenlosem Unterricht hatten Kinder bessere Kenntnisse. G8 ist zwar machbar, aber keinem Kind genützt, nicht mal den leistungsstaerkeren

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