Wann beginnt Ausländerfeindlichkeit???

    • (1) 26.03.12 - 17:59

      Hi,

      habt ihr bestimmt auch schon tausend mal gehört :

      ''Ich hab ja nix gegen Ausländer, aber....''

      Und dann gehts los, all die ach so Cosmopolitischen Leute, diese aufgeschlossene Horde pseudo Liberaler Dummschwätzer fängt an zu erzählen :

      Bei uns nebenan wird gebaut, schon wieder Russen, die bekommen andauern Besuch und haben 18 Kinder, das ist ja kaum noch auszuhalten.

      Ach und bei uns erst, da wohnen Italiener, die sind viel schlimmer, die sind immer so laut...

      Aber bei uns, da wohnen Türken, die schmeißen den Müll einfach vor die Tür.

      Und so geht es immer weiter, es wird über die Russen geredet, die sich immer betrinken, die Häuser vom Staat subventioniert bekommen und wenn das nicht reicht noch 10 Kinder in die Welt setzten um die Kredite bezahlen zu können, über die Italiener, die jeden Abend rauschende Feste feiern, und dabei laut singen und klatschen, die Türken die die ganze Nachbarschaft unter einer stinkenden Wolke nach Kümmel und Knoblauch verhüllen, aber immer schön mit dem Zusatz ''Ich habe ja eigentlich nichts gegen Ausländer''
      Es wird über Wertminderungen ganzer Siedlungen geredet, ausgelöst durch den Einzug einer Ausländischen Familie.

      ''Die sind halt anders''

      Ach ja???

      Ich ekel mich vor dem Geruch wenn die Deutsche Nachbarin Kohl kocht, meine Deutsche Oma hat 12 Kinder, und die Kinder der Deutschen Nachbarn schräg gegenüber werden von März bis Oktober Mittags in den Garten geschickt zum Geige üben....

      Wo beginnt für euch Ausländerfeindlichkeit??? Sehe ich das zu eng weil es eigentlich nur vorurteilsbeladene Phrasen sind die man an jeder Ecke hört??? Ich könnt jedes mal an die Decke gehen wenn jemand schon den Satz mit ''eigentlich hab ich nichts gegen Ausländer'' beginnt, weil ich genau weiß was dann kommt.

      Ich rede mir den Mund fusselig in endlosen ermüdenden Diskussionen über Vorurteile und Ausländerfeindlichkeit.

      Wenn ich dann damit um die Ecke komme das mein Mann aus einer Kroatischen Familie kommt und meine Tochter auch Kroatische Wurzeln hat höre ich jedes mal ''Das ist was anderes''#heul

      Leute ich sag es euch... diese Sätze höre ich keineswegs von Ungebildeten Teenagern, nein, diese Sachen fallen im Gespräch mit der Bankangestellten, der Geschäftsinhaberin einer Örtlichen Boutique oder einer promovierten Juristin, Germanistik Studentin etc.

      Es macht mir Angst diese fast schon nicht mehr als unterschwellig Rechte Denkweise im näheren Bekanntenkreis zu entdecken.

      Vielleicht bin ich aber auch einfach zu sensibel was dieses Thema angeht....

      LG

      • (2) 26.03.12 - 18:54

        Früher dachte ich ähnlich wie du. Heute, nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit in Großstädten mit hohem Ausländeranteil und nach sechs Jahren wohnen in einem Landkreis mit einem ebenso hohen Ausländeranteil sehe ich einiges anders und die vermeintlichen Vorurteile (die ich so nie hatte), sind zu Urteilen geworden. Bestimmte Kulturkreise fallen eben stärker als andere durch Verhaltensweisen auf, die nicht zu uns "passen", drücken wir's mal so aus.

        Wobei, klar, immer impliziert ist "Es gibt deutsche Asis und es gibt Asis mit Migrationshintergrund."

        (3) 26.03.12 - 18:56

        Nachtrag: Ich habe einen "ausländischen" (Ostblock) Nachnamen - ich durfte mir also, zum Beispiel auf Wohnungssuche auch schon einiges anhören.

      Hallo,

      Ausländerfeindlichkeit beginnt für mich dann, wenn jemand für alles Ausländer verantwortlich macht.

      Wenn sich aber jemand beschwert, weil nebenan die "Russen" ständig Besuch bekommen und es laut ist, dann ist das für mich noch keine Ausländerfeindlichkeit. Es ist einfach Tatsache, dass es Russen sind und das der ständige Besuch als störend empfunden wird.
      Es wurde ja nicht gesagt, dass ALLE Russen so sind.

      Neben meinen Eltern wohnen Deutsche. Wenn die Besuch bekommen, dann ist es auch IMMER laut. Deswegen sind aber nicht alle so.
      Und du kannst sicher sein: Auch im Ausland wird über uns Deutsche gesprochen udn das nicht immer nur positiv. Nur das die nicht dazu sagen müssen: "Ich habe nichts gegen Ausländer".

      vg, m.

      • Finde deine Meinung klasse, teile sie!

        *Aber dieses Thema könnte, muss nicht, also KÖNNTE, eine Diskussion auslösen, die hitzig werden könnte*

        Hi,

        ich rede nicht davon, dass man sich über nichts mehr Ärgern darf ;-) Klar ist es lästig wenn im Nachbarsgarten immer Krach ist, kenne es ja selber durch die Geige spielenden Kinder #augen Aber wieso muss denn immer auf die Ethnische Herkunft verwiesen werden??? Und dann jegliches Vorurteil rausgekramt und durchgekaut werden, und dann schon im Vorfeld dieses ''Oh nein, da ziehen Türken/Russen/was auch immer ein? Ohne sich ein Bild der Familie zu machen?

        Dieses ''wir Deutschen dürfen uns nicht über Ausländer ärgern'' Gehabe ist doch auch echt albern... reg dich auf über was du willst aber lass dabei die Nationalität aus dem Spiel... Klar Bedienen wir Deutschen im Ausland auch jegliche Klischees, und ich habe vor kurzem erst in einem VERÖFFENTLICHEMN und mehrsprachig übersetzten Buch gelesen, dass man die Juden in Amerika alle mit Gewehren ausstatten soll damit sie auf die Jagt nach all den ''Klaus'' und Dieters'' und ''Hans'' gehen können
        Und?? Solche Aussagen sind Dumm und egal aus welcher Bildungsschicht sie kommen, die Menschen die sowas äussern, egal gegen welche Nationalität sind arm, denn durch ihren Hass und ihre Engstirnigkeit entgeht ihnen so vieles schönes was andere Länder /Sitten und Gebräuche zu bieten haben, so viel Freude und so viel Güte die man einander geben könnte, soviel das man teilen könnte entgeht ihnen...

        • Wenn es aber nun mal Russen sind? Oder Türken? Oder Italiener? Wo liegt dein Problem? Das sind Nationalitäten und keine Schimpfwörter. Und wenn bei 100 Nachbarn nun mal alle deutsch und einer russisch/türkisch/italienisch ist, über den ich mich aufrege, dann gehört das nun mal zur Bezeichnung dazu. Regst du dich auch so auf, wenn sich jemand über "Opas mit Hut" aufregt? Oder über die Alleinerziehende, die nebenan wohnt? Oder den Schwulen, die Lesbe den was weiß ich auch immer?

          Vllt hast eher du ein Problem, wenn du bei jeder Aussage, inder irgendwie eine Nationalität ins spiel kommt immer gleich drauf anspringst, weil es für dich Ausländerfeindlichkeit bedeutet, diese Nationalität auch nur zu erwähnen. Die 4 Seiten einer Nachricht, sag ich dazu, Nicht jeder, der eine Nationalität als genauere Bezeichnung verwendet ist ausländerfeindlich.

          • Ich rege mich nur darüber auf wenn jemand versucht durch das Erwähnen der Nationalität eine dumme und meist auch eine falsche Aussage zu untermauern.
            Nicht das bloße erwähnen der Nationalität macht mich wütend, sondern der Zusammenhang in dem es fällt.
            Und es ist für mich durchaus Ausländerfeindlich wenn jemand sagt, dass Häuser an Wert verlieren weil nebenan Türken wohnen.
            Es ist ein unterschied ob die Nationalität in einer Aussage verwende um eine Person zu beschreiben oder zu diekreditieren.

            • Du machst dir aber auch nicht die Mühe, die Aussagen zu überprüfen. Die Beispiele im Ausgangsthreads: Ist die italienische Familie wirklich laut? Schmeißt die türkische Familie tatsächlich ihren Müll vor die Tür? Bekommt die russische Familie wirklich immer soviel Besuch, dass es inzwischen störend ist?

              Und wenn es tatsächlich so ist und im Umkreis sonst nur Deutsche wohnen: Warum um alles in der Welt, darf man dann die Nationalität im Hinblick auf diese bestimmte Familie ins Spiel bringen? Hat irgendjemand gesagt, dass alle Ausländer so sind, wie die beschriebenen?

    Hi,

    ich finde, Ausländerfeindlichkeit kommt selten allein. Meistens mischen sich da auch noch Vorurteile gegen andere "Andere" rein - Juden, Muslime, Homosexuelle, Frauen, Behinderte, ALG2-Empfänger, Sinti und Roma.. ist austauschbar.

    Immerhin ist diese Art der Ausländerfeindlichkeit zumindest "gesamtgesellschaftlich" geächtet. Andere dagegen geht total klar und trifft auf breite Zustimmung... eine Freundin von mir ist US-Amerikanerin. Anti-Amerikanismus ist aber voll im Trend. Die kann nicht auf Zuspruch hoffen, wenn sie sich über blöde Sprüche beschwert - da kommt höchstens "Selber Schuld, wenn du zu so nem Scheiß-Volk gehörst" oder "Tja, was soll ich sagen, der hat halt Recht damit, dass euch 9/11 ganz Recht geschehen ist...".

    Klar bist du sensibilisiert, was das Thema angeht, wie sollte es auch anders sein? Ist ja auch ok.
    Und Rechtsextremismus ist ein Problem, das sich durch alle Schichten und Bildungsgänge, und durch beide Geschlechter zieht. Dieses Klischee vom dummen, ungebildeten, männlichen Nazi wird, denke ich, deswegen so gerne bedient, weil die Mittel- und Oberschicht damit das Problem aus ihrer Lebenswelt einfach löschen und auf Andere schieben kann - super Abgrenzung, eigene Aufwertung inklusive, und Selbstreflexion ist nicht mehr notwendig.

    Übrigens: Wo genau Ausländerfeindlichkeit beginnt, kann ich so gar nicht sagen. Prinzipiell wohl schon im Denken.

    VG

    Tja, das ist eine gute Frage, beginnt Ausländerfeindlichkeit mit Vorurteilen, gegen einen ihm fremdes? Ich denke nicht, Vorurteile hat jeder, gegen alles und jeden.

    Gegen Homosexuelle, gegen Alleinerziehende, gegen Familien mit vielen Kindern, gegen Juden ... man könnte ewig so weiter machen.

    Ausländerfeindlichkeit fängt für mich da an, wenn man statt ein paar lapidaren Vorurteilen, böswillige Meinungen von sich gibt. Personen direkt beleidigt, Handgreiflich wird etc.

    Ich kann dir soviel erzählen. Ich lebe im Ausland, bin Deutsche. Vor 2 Jahren bin ich zu meinen Eltern in den Urlaub. Unterwegs hat sich mein Sohn den Fuss verstaucht. Wir also in Deutschland zur Notaufnahme. Als der Arzt fragte wo wir her kommen, und ich es ihm sagte, fragte er mich ernsthaft ob wir nur wegen der Untersuchung nach Deutschland gekommen wären. Er muss wohl denken wir leben in Blechhütten und der Medizinmann kommt vorbei. Dazu fragte er mich was mein Mann denn arbeite und warum man mit dem Job ins Ausland ging. Als ich ihm dann sagte in der IT Branche fragte er mich ernsthaft, ob es sowas hier geben würde.
    Was ich damit sagen will? Grade ein gebildeter Mensch, ein Mensch der studiert hat und viel mit Menschen aller schichten etc zutun hat, sollte doch in der Lage sein, sich von solchen vorurteilen zu lösen und über den Tellerrand zu schauen.

    Oft muss ich aber sagen das grade diese Menschen, die engstirnigeren sind. Aha, da haben wir es schon wieder, ein Vorurteil.

    Es ist immer lustig, wenn Leute, die einen nicht nah kennen irgendwelche Sprüche über eine gewisse Volksgruppe ablassen. Wenn ich ihnen dann sage, bzw mein Mann selbst, das er auch dort her kommt, wollen sie das nie glauben. Denn a. schaut er nicht typisch aus und b. hat er keinen Dialekt, er spricht reineres Deutsch als ich. Auch unser Sohn sieht wie ein typisch "Deutscher Junge" aus. Niemand würde darauf kommen, das er südländische Wurzeln hat. Das hier aber viele Menschen eben nicht so typisch aussehen, wissen auch die wenigsten.

    Ein weiteres vorurteil bzw ich lebe es auch aus. Ich hasse es deutsche im Urlaub zu treffen. Die meisten benehmen sich einfach so daneben. Ich meide deutsche Kontakte im Urlaub. Auch ein Vorurteil.

    Es ist leider so, das die negativen Sachen mehr ins Auge fallen, das kann man an dem Beispiel ganz gut erklären. Eine normale deutsche Familie, fällt dir in der Masse nicht auf. Wenn sie sich aber ätzend benehmen oder alleine schon Socken in Birkenstocks tragen, fällt einem das auf, das bleibt im Sinn.. So funktioniert unser Verstand einfach. Negatives bleibt im Sinn, besonders positives auch aber "normales" verflüchtigt sich recht schnell.

    Ich habe schon so viel erlebt, zu unserer Familie direkt mein ich jetzt, ich gehe so gut wie auf nichts mehr ein. Ich habe es aufgegeben zu erklären zu machen und zutun. Wenn die Menschen nicht von sich aus über ihren Tellerrand schauen, mir direkt diese Vorurteile um die Ohren hauen, sage ich auch nichts mehr dazu. Es gibt aber auch genügend andere, die neugierig Fragen stellen - mit solchen Menschen unterhält man sich dann auch gerne!

    • Hallo Fionala,

      ich bin selbst als Arzt viele Jahre in Notaufnahmen in und um Frankfurt tätig gewesen und muss leider sagen, dass es kaum einen anderen Ort gibt an dem vermeintliche Vorurteile gegenüber Ausländern zu Urteilen und Erfahrungen werden.

      Und der Tourismus in unser Gesundheitssystem, wahrsheinlich das beste der Welt (oft genug mit fremder Krankenkassenkarte) ist kein Vorurteil, sonder tägliche Realität.

      Lg Pheromon

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