Wohngruppe freiwillige Entscheidung oder die Entscheidung der Eltern?

    • (1) 10.04.12 - 17:16

      Ich habe hier ein bisschen gelesen und kam auf die oben genannte Frage.

      Wenn das Kind selbst in die Wohngruppe will, schön und gut. Aber was ist, wenn die Eltern keinen Ausweg mehr sehen und möchten, das ihr Kind in einer Wohngruppe untergebracht wird damit es dort vielleicht begreift das es zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Disziplin auch Pflichten zu erfüllen hat. Also kurz weg gesagt, das sie dort lernen, das Rumgammeln keine Pflicht ist.

      Kennen ja sicher viele hier, die nen faulen Teenager zu Hause haben, die sich an keine Regeln halten und man reden kann wie ein Buch. Konsequenzen hin oder her, was tun wenn dem Teenager alles egal ist? Kann man ihn dann in einer Wohngruppe anmelden oder muss man zum Jugendamt? Wie läuft sowas ab? Kennt sich hier jemand mit sowas aus?

      • Hallo,

        also wenn man mit seinem Kind nicht klar kommt und es zu Hause nicht läuft, dann kann man einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen.

        Das macht man beim zuständigen Jugendamt, welches ja auch der Kostenträger für diese Maßnahmen ist. Dann wird entschieden wie die Hilfe aussehen soll, was gemacht wird und das ganze wird in einem Hilfeplan festgelegt.

        Auch ein Jugendlicher kann nicht einfach mal eben so sagen das er in einer Wohngruppe will, dafür müssen schon die richtigen Voraussetzungen gegeben sein. Ebeso kann man als Elternteil nicht einfach so sein Kind loswerden, weil es einem zu bockig ist und man mit der Pubertät nicht klar kommt. Die Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung passiert nicht aus so "harmlosen" Gründen wie ich aus deinem Post entnehme. Bis zu einer stätionären Unterbringung muss noch einiges mehr an Defiziten und Problemen bei Eltern/Kindern vorhanden sein.

        In der Regel ist das nach mehrerern anderen Maßnahmen so ziemlich die letzte die ergriffen wird.

        Aber wenn du es dir leisten kannst, kannst du dein Kind sicher auch auf eigene kosten in einer Wohngruppe unterbringen. Die kosten für so einen Platz liegen so ungefähr bei 4800,-€ Pro Kind/Jugendlichen (in der Einrichtung in der mein Mann arbeitet), wobei das natürlich auch von Einrichtung zu Einrichtung anders ist und auch noch teurer werden kann.

        LG

        helikopta

        • Hallo

          jetzt muss ich mich mal einklinken... 4800€ - wie ist das gemeint mit "ein Platz kostet"... ist das ein Jahresabo oder Monatsmiete?

          lg bambolina

          • Das sind die monatlichen kosten die so ein Platz in einer Jugendhilfeienrichtung kostet, das ist schon ganz richtig.

            Den meisten Leuten ist anscheinend nicht bewusst was so eine Unterbringung kostet. Du musst mal überlegen was davon finanziert werden muss. Neben den reinen Lebenshaltungskosten, Kleidung, Taschengeld, Schule mit allem was dazu gehört usw. müssen auch die Gehälter für die Mitarbeiter die die 24h Betreuung leisten müssen, das Gebäude ( in der Regel ja so, das dort 6-10 Kinder/ Jugendliche leben), Fahrzeuge, Freizeiten der Einrichtung und mit Sicherheit vieles wwas ich jetzt vergessen habe finanziert werden.

            Die Einrichtungen haben neben der Leitung meist 5-6 Pädagogische und 1 Hauswirtschaftliche Kraft die dafür sorgen das das ganze Läuft. Die haben neben den 24h Dienst die ja abgedeckt werden müssen auch Termine und jede Menge fahrten außerhalb der zeiten die sie in der Gruppe Dienst haben.

            Je nachdem was die Einrichtung für Kinder bzw Jugendliche aufnimmt, welche Probleme und welchen Hintergrund sie mitbringen kann ein einzelner Platz je nach "schwere" auch noch höher sein.

            In diesen Einrichtungen leben Kinder die aus verschiedensten Gründen nicht bei ihren Eltern leben können.

            LG

            helikopta

            • Boh, das ist ja wahnsinn...

              Meine Pflegetochter war - als sie zu uns kam (1999) - auf einer Schule für "schwer erziehbare Kinder". Es war eine Ganztagesschule. Manche Kinder dort kamen nur übers Wochende heim (sofern sie ein Zuhause hatten), unsere Tochter wurde jeden Abend vom Zubringer heim gebracht.

              Der Platz hat seinerzeit 2500 DM (nur DM - keine €uro) gekostet. Das fand ich schon viel... ok sie hat dort nicht übernachtet, ich weiß auch, dass solche Einrichtungen teuer sind, aber 4800€ kam mir doch etwas viel vor.
              Wusste aber auch nicht, das Kleidung, Taschengeld etc. von der Einrichtung bezahlt wird. Sind die Eltern nicht unterhaltspflichtig (sofern Geld vorhanden ist) ? Oder müssen die sich anteilig an den Kosten beteiligen und die Verwaltung läuft über die Einrichtung?

              lg bambolina

                • Hallo

                  mich hat halt die Aussage von helikopta gewundert, dass die Wohngruppe auch für Taschengeld und Klamotten zuständig wäre...
                  Das hat so geklungen, wie wenn die Eltern völlig aussen vor wären.
                  KG - klar, das geht immer an die Betreuenden.

                  lg bambolina

                  • das mit dem Taschengeld stimmt schon.....die Jugendlichen bekommen regelmässig gewisse Beträge zugeteilt.
                    Bei Klamotten weiss ich es nicht.....so weit war ich damals nicht bei den Gesprächen mit dem JA.
                    Mein Junior sollte mal auf anraten des JA in eine betreute Einrichtung.......aber auf psychologischer Schiene weil er Verhaltensauffällig war.
                    Da hätten mein Ex und ich auch U-Halt zahlen müssen........aber wir hätten ihn regelmässig besuchen können und er wär auch regelmässig mal heimgekommen

                    • ok danke :-)
                      Darf ich fragen, warum er dann doch nicht gegangen ist? Wie habt ihr das geregelt bekommen?

                      • naja, ich suchte Hilfe beim JA.....Sohnemann war schon monatelang in psychatrischer Behandlung, auch stationär.....aber es wurd kaum besser......nachdem er fast nen jüngeres Kind schwer verletzt hat, und seine Schwestern auch, suchte ich Hilfe beim JA. Die sahen nach mehreren Gesprächen das eine Einrichtung das Beste wäre für mindestens 1 Jahr. aber mein toller Herr Ex hat Zustimmung verweigert als er hörte das er dann trotzdem weiter Unterhalt zahlen musste. Ich hätte vor Gericht gehen müssen etc. das hätte Wochen gedauert, Aber dazu hatte ich keine Kraft mehr. Also packte ich Juniors Sachen und drückte Alles seinem Vater in die Hand......er lebte dann erst bei Oma und dann bei Papa

                        • Die Zustimmung verweigern ist ja schon heftig - ich meine er lebte ja bei dir und konnte nicht wirklich abschätzen, wie der Junior drauf ist. Und erzählt bekommen oder es selber erleben ist ja schon ein Unterschied.

                          War ne mutige Entscheidung von dir... wie läuft es beim Papa??? Wie lange lebt er schon dort?

                          Meine Freundin ihr Sohn zog auch mit 15 zum Wochenend-Papa, weil der ja so toll war und die Mama ja so streng. Ging nicht lange gut.

                          Ist nicht immer einfach mit den Pupis...

                          • er ist jetzt etwas über 3 Jahre dort.......die ersten ca. 1,5 Jahre aber eher bei Oma.....der Vater arbeitete 3 Schichten und der Junge wär sonst oft alleine gewesen.
                            Bei Oma wars noch ganz ok, sie hatte zwar oft seltsame Ansichten aber ihm gings gut.
                            Seitdem er beim Vater lebt....nunja......er darf rauchen seitdem er 14 ist und auch Alkohol trinken. Sitzt den ganzen Tag vor dem PC oder der X-Box, was für sie Schule tun ist doof.....er hangelt sich auf der Hauptschule von einer Klasse zur nächsten mit Ach und Krach....ist jetzt in der 9.
                            Es gibt da halt keine Regeln und nix........

                            Seine Gewalt hat nachgelassen......er wurde damals so extrem weil er Aufmerksamkeit von seinem Vater wollte. Mein Ex kümmerte sich kaum, unternahm nie was mit seinen Kindern und nix.
                            Sohnemann merkte aber das Vater ihm aufmerksamkeit schenkt wenn er Mist baut.....auch wenns negative Aufmerksamkeit war......
                            Da wurden fremde Autos beschädigt, geklaut, Schwächere gemobbt, erpresst und geprügelt etc. Zuhause wars die Hölle....er trat mir die Möbel kaputt, verweigerte alles etc.

                            War zwar damals nicht leicht für mich ihn wegzugeben, aber ich musste ja auch meine anderen Kinder schützen, seine 3 Schwestern....der Großen hatte er sogar mal 2 Rippen angebrichen.....der Mittleren wollte er das Genick brechen und schlug mit einem Besen rein.....

                            Für uns als Familie wars das Beste was ich tun konnte

                            • oha, das ist ja wirklich heftig - ich hätte wohl auch so gehandelt.

                              Hatte mit meiner Pflegetochter (zog mit 16 aus, zuerst zu ihrem Vater, der sie aber wieder los werden wollte - Mutter ist tot) auch extreme Schwierigkeiten, allerdings keine Gewalt. Ich kann dir echt nachfühlen...

                              Wohl scheint es ihm beim Papa besser zu gehen, wenn es keine Regeln gibt. Ist zwar für deinen Ex ne unkomplizierte Lösung (weniger Schwierigkeiten) - aber nicht die richtige.

                              Mit 16 Jahren ach und krach die 9.Klasse Hauptschule sagt ja schon einiges. Ich hoffe für euch, dass er es irgendwann selber kapiert und etwas aus seinem Leben macht.

      Wohngruppen sind für Jugendliche, die keiner will und wirklich die letzte aller Lösungen. Vielleicht wäre ein Internat ein gute Lösung? Hier kann man übrigens auch Unterstützung durch das Jugendamt bekommen.

      Gruß

      Manavgat

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