Pubertät: Bin ich nicht streng genug?

    • (1) 08.06.19 - 15:53

      Hallo zusammen,

      ich habe zwei Kinder, Sohn 13, Tochter 10. Mein Sohn ist gerade scheinbar schön mitten in der Pubertät, auf jeden Fall ist er launisch hoch 10, von allem genervt und wird dann auch gern mal pampig zu uns Erwachsenen. Ansonsten ist er aber eigentlich ein vernünftiger lieber Junge, clever, bringt gute Noten nach Hause, schwänzt keine Schule, hilft im Haushalt (mal mehr, mal weniger motiviert, aber immerhin), ist oft zwar eher faul als fleißig, aber mit etwas gutem Zureden klappts, ist auch noch sehr anhänglich und verschmust, das einzige was nervt ist seine Launenhaftigkeit und damit verbundenen Ausraster, wenn er sich über etwas oder jemanden aufregt, und momentan ist scheinbar alles nervig.

      Jetzt ist es so, dass meine Kinder umständehalber (bin alleinerziehend) öfter bei meinen Eltern sind nach der Schule. Das wird nun immer mehr zu einem Problem, da meine Eltern mit meinem Sohn nicht mehr zurecht kommen. Meine Mutter ist noch "alte Schule" und erwartet von Kindern, dass sie widerspruchslos tun, was Erwachsene ihnen sagen. Mein Sohn reagiert auf sie zunehmend mit Genervtheit und Rebellion, was zu schlimmen Streitereien in der Familie führt, denn meine Mutter gibt mir die Schuld daran, dass er so ist. Ich habe ihn angeblich zu lasch erzogen, weshalb er jetzt keinen Respekt vor uns hat. Wenn er bei meinen Eltern ist, wird er immer bestraft für jedes Widerwort und jeden patzigen Ton, sodass er von dort erst richtig frustriert heimkommt und inzwischen auf meine Mutter reagiert wie der Stier auf ein rotes Tuch. Sie liebt ihre Enkel total, und ist darüber sehr enttäuscht, gibt aber mir wie gesagt die Schuld daran, da ich ihn angeblich nicht oder zu lasch erziehe und er deshalb sie als streng empfindet, obwohl das normale Erziehung sei. Immer wieder darf ich mir anhören, dass mein Erziehungsstil eine totale Katastrophe ist und ich schon sehen werde, was dabei herauskommt.

      Ich bin zunehmend verunsichert. Mein Erziehungsstil hat bisher gut funktioniert, beide Kinder sind und waren immer ehrliche sozialverträgliche Kinder, gute Schüler, ohne dass ich je sie zum Lernen "prügeln" musste, selbständig, fröhlich, mental, ausgeglichen, weder von Seiten der Lehrer noch von Seiten anderer Eltern gab es je Beschwerden über ihr Verhalten, ich bin daher eigentlich der Meinung, dass ich meinen Erziehungsauftrag bisher ganz gut erfüllt habe und die aktuellen Probleme eben mit der Pubertät zusammenhängen. Ich sehe Pubertät als Abnabelungsprozess an und es fühlt sich für mich kontraproduktiv an, in dem Alter den Kindern noch mal vehement zu zeigen, "wo der Hammer hängt". Ich leite ihn und sage ihm natürlich auch, wenn mir ein bestimmtes Verhalten oder ein Ton von ihm nicht passt, dann reden wir darüber, auch darüber, welche Laus ihm über die Leber gelaufen ist, und dann ist wieder gut. Ich halte einfach nichts davon, die Kinder dann auch noch zusätzlich zu frustrieren, indem ich noch draufknüppele verbal und ihn bestrafe.

      Ich weiß langsam nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Wie ist das denn bei Euch, wie reagiert Ihr, wenn Eure "Pubertiere" rotzig sind, schlecht gelaunt, meckern, mosern, pampen etc.! Macht es wirklich Sinn, da wegen jedem falschen Wort ein Fass aufzumachen und mit der ewigen "solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst"-Keule zuzuschlagen? Nehme ich es auf die zu leichte Schulter, wenn ich das nicht all zu ernst und persönlich nehme, sondern dann eben es unter "pubertäre schlechte Laune" verbuche und mich davon nicht groß tangieren lasse? Dann pampt er eben mal, ich sag ihm, dann "Wenn Du schlechte Laune hast und nicht normal mit mir reden kannst, dann geh bitte in Dein Zimmer, denn so rede ich GAR nicht mit Dir", aber wenn er sich dann wieder eingekriegt hat, gehe ich auch wieder normal um mit ihm, ich denk mir halt, er ist halt hormongebeutelt und kann da ja auch vielleicht gar nicht mal was dafür. Macht das denn echt Sinn, in dem Alter noch total die Autorität heraushängen zu lassen, wo ich doch mündige Erwachsene aus meinen Kindern will und keine Obrigkeitshörigkeit anerziehen will? Respektvolles Miteinander, ja, immer, aber dieses dominante "Du Kind, ich Erwachsener = ich Autorität und Du Klappe halten" ist einfach meiner Meinung nach jetzt doch kein Stilmittel der Erziehung mehr, oder bin ich echt zu lasch?

      LG
      Dreamy83

      • (2) 08.06.19 - 15:56

        P.S.: Ich sollte dazu erwähnen, dass zusätzlich zur Pubertät meine Kinder dieses Jahr die Trennung von meinem Mann und mir incl. Wohnort- und Schulwechsel hinnehmen mussten, auch das alles scheinbar problemlos weggesteckt, aber ich entschuldige natürlich auch deshalb einiges an Rebellion und Frust bei ihm.

        Ich kann Deine Situation gut nachvollziehen. Gibt es irgendeine Lösung (z.B: Ganztagsschule), um die Betreuung anders zu organisieren? Du darfst Dir nicht von Deinen Eltern - auch wenn sie Dir helfen - vorschreiben lassen, wie Du Deine Kinder zu erziehen hast und dann gegen Dein Bauchgefühl agieren, das tut Dir später mit Sicherheit leid.

        Müssen die Kinder denn noch betreut werden?
        Ev findet sich dein Sohn da auch als zu groß?

        • Denke ich auch , mit 13 sollte dein Sohn doch in der Lage sein sich mittags alleine ein " Ei in die Pfanne zu hauen ".
          Mein Sohn ist in einem ähnlchen Alter und ich habe die Erfahrungen gemacht, je mehr ich ab ihm rum nörgel desto schlimmer wird es . Die Kinder in diesem Alter wollen einfach ihre Ruhe .
          Es hört sich doch toll an was du über deine Kinder schreibst, gut in der Schule, sozial verträglich, machen nicht wirklich Probleme...,
          Dein Sohn ist alt genug um Mittags alleine zu sein .
          Mein Sohn würde die Krise kriegen wenn er nachmittags immer bei seinem Opa sein müsste.
          Ich glaube du machst alles richtig.

      Schließe mich an mit der Frage, ob er nach der Schule tatsächlich zu den Großeltern muss. Scheinbar tut es beiden Seiten zu zeit nicht gut so oft aufeinander zu hocken. Bevor das Verhältnis schlechter wird würde ich nach einer Alternative zur Betreuung suchen. Klingt so als könntest du dich auf dein Kind verlassen und kann mehr oder weniger schon selbständiger auf sich aufpassen.
      Wenn das keine Lösung für dich ist und dein Sohn bei den Großeltern bleiben soll, könnte es helfen eine Krisenintervention einzuleiten. Alle setzten sich an einem Tisch und besprechen sachlich welches Verhalten sie von einander erwarten. Das könnte etwas klarheit schaffen, solange sich beide Seiten auf so ein Gespräch einlassen

      • Unser Problem ist, dass die Kinder jedes für sich reinste Engel sind, aber zusammenkommen wie Feuer und Wasser, daher kann ich sie nicht unbetreut lassen. Sie gehen auf dieselbe weiterführende Schule, da ist um spätestens 12:45 Uhr Schulschluss, keine Nachmittagsbetreuung, beide zusammen allein Zuhause, Katastrophe. Ihm allein oder ihr allein trau ich es zu, aber nicht zusammen.

        Werde es wohl so lösen, dass in Zukunft nur noch sie zur Oma geht und er allein nach Hause, geht dann leider nicht mehr anders. Ihre Erziehungsmethode geht total gegen mein Bauchgefühl, ich denke, ich weiß, wie ich ihn am Besten zu nehmen hab, und das ist mit Lob, nicht mit Tadel. Kommen so gut klar, wenn sich keiner einmischt. Er ist im Grunde so ein lieber Kerl und ist ja nicht so, dass er unflätig wird, er erhebt nur mal die Stimme, mein Gott, das sind Teenager, gibt doch echt viel schlimmeres als dass einer mal lauter wird, wenn ihm was nicht passt (ich rede nicht von brüllen). 🙄 Ich weiß selbst noch, wie unmündig ich mich als Kind oft fühlte, weil mir sowas verboten wurde von meiner Mutter, ich hatte zu kuschen, da ich Kind war uns sie die Erwachsene, ich fand das soooo frustrierend, daher möchte ich meinen Kindern einfach nicht dasselbe vermitteln. 😣

    (10) 09.06.19 - 08:22

    Wäre es organisatorisch möglich, dass er nicht mehr zu deiner Mutter geht, sondern in der Zeit z.B. alleine zu Hause ist?

    Wenn es um Überbrückungszeiten nach der Schule geht z.B.?
    Bei Übernachtungen oder Geschäftsreisen würde ich es nicht machen.

    Der Grund meiner Frage: manchmal kann es auch den Stress rausnehmen.
    Deine Mutter liebt ist, erzieht ihn logischerweise mit (das bleibt durch die Betreuungssituation nicht aus).

    Verschiedene Erziehungsstile können super sein. Ich freue mich, wenn Verwandte mein Kind miterziehen (also bei denen ich vertraue). Das ist nur ab und zu ihm Jahr, aber mein Kind profitiert davon.
    Ebenso wenn mein Kind von Eltern von Freunden "miterzogen" wird. Diese sind nicht zuständig für die Erziehung, tut meinem Kind aber gut, verschiedene Stile mitzubekommen.


    Was bei euch schwierig ist, dass ihr Erwachsenen Schwierigkeiten mit den Stilen habt. Das stresst alle. Euch Erwachsenen und ihn vielleicht auch.

    Auch kann die Enkel-Oma Beziehung nicht mehr so einfach sein.
    Liebe ist super, nur welche Position hat deine Mutter wirklich. Oma (die ihren Stil hat), Oma, die Miterziehende ist, was auf Grund von Betreuung und Häufigkeit notwendig ist, doch nicht Erziehende, weil eigentlich Oma.

    Ist ihr das inzwischen zu viel? Eigentlich ist sie ja nicht in der Verantwortung. Durch die Häufigkeit wiederum doch.

    Bei Gastkindern, die ab und zu kommen, setze ich meine Hausregeln durch, bin aber lockerer. Deren Erziehung muss nur soweit funktionieren, dass sie akzeptieren, dass es hier (Haus)regeln gibt. Besondere Manieren oder mir wichtige Werte, stehen hinten an.

    Bei Kindern, die z.B. häufiger da wären, wo eine gewisse Mitverantwortung da ist/wäre, ist es schon etwas mehr, das ich mitgebe. Wenngleich nicht so wie eine Mutter.


    Dass es für deine Mutter schwierig geworden ist, kann ich schon nachvollziehen.
    Und für dich auch.
    So lange sie dir die Schuld an deiner Erziehung gibt, bekriegt ihr euch selbst. Dabei bräuchtet ihr die Kraft für den Pubertierenden ;-)


    Lösungsvorschläge für Pubertierende habe ich nicht. Meine ist gerade am Anfang, wir experimentieren noch.


    Einfallen würde mir bei euch, ob es die Möglichkeit gebe, die Verantwortungsgrenzen neu zu definieren.
    Bzw. ob es ihm zuzutrauen wäre, auch mal Überbrückungszeiten alleine zu verbringen.

    So dass sich die Oma-Enkel Beziehung wieder neu definieren kann. Dass er wieder mit Freude zur Oma gehen kann (da keine Erziehungsverantwortung, sondern einfach Besuch-Oma).
    Vielleicht kann sie es dann lockerer sehen - und er würde vielleicht lockerer und nicht mehr so patzig, weil Besuch eben nicht das Erziehungs-Rebellion-Feld ist.

    Euer Problem ist nicht eine Laune einer Pubertät, sondern die Familienumstände. Kinder haben auch ihren Stress und Sorgen wie Schule, dazu kommt die Bevormunderung von den Gr0ßeltern und eure Trennung. Erwachsenene entscheiden alles, Kinder müssen es eben so hinnehmen. Trennungen nagen an Kinder. Launen sind ein unterdrücktes Ventil, seine Unzufriedenheit Luft zu machen, anstatt "ihren Gefühlen " mal auf den Grund zu gehen, erhalten sie Gegenwind, was dann zum Streit führt, weil sie sich unverstanden fühlen. Schlechte Launen sind Unzufriedenheits- und Überforderungssignale.

    • Die Mutter scheint ja aber sehr gut auf ihr Kind einzugehen. Das löst ja das Problem nicht, die Oma wird das nicht so sehen und umsetzten. Und das Alter schwingt mit Sicherheit trotzdem mit, zusätzlich der Familiensituation. Und Zeit mir ein Jugendlichen der nicht auf natürlicher Weise mit sich und der Welt unzufrieden ist. Ich denke wir wissen alle wie man sich in dem Alter fühlen kann, ohne auch mal gewichtige Gründe dafür zu haben.

(13) 09.06.19 - 19:52

Ich hab das Problem aber eher mit meinem Partner. Er ist wie deine Mutter. Kinder auch in der Pubertät brauchen weiterhin viel Liebe und Verständnis. Pubertät ist wie eine Krankheit die man nicht steuern kann. Ich seh das genauso wie du und nein du musst nicht strenger sein. Das bringt nur noch mehr Streit ... das seh ich hier täglich und muss mich jedes mal einmischen.

  • (14) 09.06.19 - 23:52

    Ja, sehe ich hier auch, das Strafen und Bevormunden führt zu noch mehr Rebellion und Aggression, Frust und Streit. Sage ich meiner Mutter das, schnappt sie ein und kommt mit dem "Du wirst schon sehen, wo das hinführt", als würde etwas mehr Verständnis und Nachsicht statt verbissenes Abstrafen jeder "respektlosen" Aussage aus meinem Sohn einen rücksichtslosen Egomanen machen. Ich möchte ihn inzwischen auch gar nicht mehr zu ihr geben, er will auch nicht mehr hin und irgendwie kommt es mir auch vor, dass sie mit ihm überfordert ist und deshalb mir die Schuld zuweist, dass er so "schlimm" ist.

    Meine Antwort an deine Mutter wäre: "Dann weiß ich wenigstens, dass ich es selbst versaut habe."

(18) 11.06.19 - 16:07

Hi,

ich finde, du machst alles richtig bei deinem Sohn.

Mein Weg wäre - ich meine er ist 13 - dass er nach der Schule nach Hause geht und dort Hausaufgaben macht etc. Mit 13 sollte er keine Betreuung mehr in dem Sinne benötigen.

Meiner Mutter würde ich allerdings auch sagen, dass ihre Art und Weise den Respekt vermissen lässt, den sie von meinem Kind erwartet. Kinder sind keine "Sklaven" sondern junge Menschen mit eigener Meinung, eigenen Vorstellungen. Sie müssen nicht springen, wenn jemand "hopp" sagt sondern dürfen durchaus "nein" sagen oder nachfragen warum wieso weshalb. ABER: ich erwarte trotz Pubertät ein gewisses Maß an Anstand - würde mein Sohn eine der Omas anpampen und bekommt ein "so nicht" zu hören, dann haben die Omas da jedes Recht dazu.

Meinen Sohn habe ich dazu erzogen, zu sagen, wenn ihm was nicht gefällt. Das tut er - ganz besonders bei meiner Mutter, denn sie ist der Typ "Wo ich bin ist vorne und alles hört auf mein Kommando". Aber, er bleibt anständig dabei. Bestes Beispiel, was meine Mutter seit Jahren nicht akzeptieren kann: Mein Sohn mag (wie viele in seinem Alter und auch mein Mann) keine Margarine / Butter auf dem Brot. Also nötigt sie ihn immer, dass er was drauf machen soll. Anfangs hat er sich bei mir beschwert, ich habe mit ihr geredet (und bin vor die Wand gelaufen "so schlimm ist das nicht, die kann er ruhig essen"). Also hab ich mit meinem Sohn geredet und ihn gefragt, wie wir das lösen können. Er sagte "Mama, das lohnt sich nicht zu streiten - ich will ja eine schöne Zeit mit Oma haben. Ich kratze mir hauch dünn Margarine drauf, wenn die Oma darauf achtet und lasse sie sonst weg". Erstaunlicherweise besteht sie darauf nur, wenn ich nicht dabei bin...

Von daher:
Versuche Deinem Sohn klar zu machen, dass Oma manches eben anders sieht als du und er sich überlegen soll, wo es sich lohnt, ein Fass aufzumachen und wo er einfach drüber wegsehen kann.

Oder lass ihn Zuhause - alt genug ist er ja.

Gruß
Kim

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