Unkameradschaftlicher 13jähriger

Hallo

Mein Sohn hat ne Charaktereigenschaft, die ich absolut daneben finde, aber die mich auch ratlos macht. Darum bitte ich mal um input.

Sohnemann hackt gern auf schwächeren herum.
Spricht sein 7jähriger bruder was falsch aus, oder begreift was nicht so schnell, geht er ihn direkt an und sagt ihm, dass er blöd ist.
In der Klasse hat er 2 Schulkameraden, die nicht so beliebt sind, und auch hier benachteiligt er diese deutlich. Einer ist sogar bei ihm im Verein und trotzdem macht er ihn schlecht. Dabei sind sie dort Kameraden, die sich im Ernstfall aufeinander verlassen müssen.
Mein Sohn hat auch absolut kein Einsehen, wenn ich ihn frage, was wäre, wenn so mit ihm umgegangen würde. IHM passiert sowas ja nicht.
Dabei ist das Quatsch. Ihm ist das durchaus passiert. Er hat 3 Grundschulen durch und hat sogar systematisches Mobbing durch Lehrer erlebt (die Klassenlehrerin der ersteb Schule forderte die Kinder ausdrücklich auf, ihn zu schlagen, wenn er ihnen auf die nerven geht) in der ersten Klasse meinter er mal weinend: ich weiß, watum ich so scheiße bin! Weil wir hergezogen sind!
Mein Sohn hat ADS. Vor der Behandlung war jeder Tag ein Graus.

Aber das sieht er dann trotzdem nicht.
Also mit Einsicht und Vernunft komme ich nicht weiter.

Aber wie dann? Er zieht sein Selbstbewusstsein aus seiner Beliebtheit. Mag ja sein. Er ist noch jung, er muss noch lernen, dass man auch was wert ist, wenn man es nicht allen recht macht. Aber wie kommt er da hin???

Danke für eure Tipps!

Dein Sohn wurde vom Opfer zum Täter.
Er hat sich so quasi eine Schutzmauer um sich gezogen. Nur, dass das der falsche Weg ist, ist ihm offenbar noch nicht bewusst.
Wenn du selbst mit reden bei ihm nicht weiter kommst, dann würde ich zu psychologischer Hilfe raten bevor es noch größere Ausmaße um sich zieht.

Hi,
ich kann mich daran erinnern, dass unsere E-Förderlehrerkollegin mir mal erklärt hat, dass man wohl festgestellt hat, dass bei unbehandelten AD(H)S-Patienten Areale im Gehirn „lahmgelegt“ sind, die u.a. für die Empathiefähigkeit zuständig sind, diese aber durch Medikamentengabe wieder aktiviert werden (oder so ähnlich, bin keine Medizinerin, absolutes Laiengedächtnis). Will sagen, vielleicht hat er in diesem Bereich so große Defizite, dass ihr da ohne Verhaltenstherapien nicht weiter kommt. Wäre es „nur“ die momentane Arschigkeit, könnte man das vielleicht noch als pubertäres Gehabe abtun, aber es zieht sich offensichtlich durch sein Leben, dass er da sehr auffällig ist. Ihr habt doch bestimmt schon einiges unternommen, was sagen denn die Therapeuten?

vlg tina

Empathie hat er. Wenn es drauf ankommt, ist er der erste, der Unfairness erkennt und er passt auch auf seinen Bruder gut auf.
Psychotherapie findet nicht mehr statt, muss ich aber wohl demnächst noch mal angehen.
Ich hab nur Angst, dass er zu so nem übertherapiertem Kind wird, wie ich oft bei meiner Arbeit (berufseinstiegsbegleiter) habe. Wenn der Therapie hört, stellt er recht schnell die Stacheln auf.

WIR müssen doch auch was tun können. Wir sind doch die Erziehenden...

Meiner Meinung nach war es die falsche Therapie,bei guter Therapie reagiert kein Kind so.
Es gibt Zentren die schauen was die richtige Therapie ist.
Du hast Angst aber nicht vor dem was im Moment passiert?
Verstehe ich nicht

Auch wenn es fies klingt, ich würde ihm einen Spiegel vorhalten. Macht er nie fehler? Spricht er nie Fremdwörter falsch aus? Bekleckert sich? Lässt etwas fallen? Versteht etwas nicht gleich? Ich würde ihn auch erst einmal so behandeln wie er andere behandelt und ihm dann klarmachen, wie gefällt dir das? Ist es schön für dich? Ansonsten sehe ich da keine Möglichkeit, als wenn er es am eigenen Leib erfährt.

Das bringt bei ADS-lern meist gar nichts. Gut, man kann ihnen ruhig erklären, dass das andere Kind sich da verletzt fühlt. Aber nicht mit ihm selbst vergleichen.

Es ist nämlich ein Teil von ADS, dass man seine eigenen Fehler nicht sieht. Gerade der Teil des Gehirns, der für diese Einsicht zuständig ist, funktioniert da nämlich nicht so gut. Wenn du einen Teenager mit ADS fragst, ob er nicht auch Fehler macht, wird er entweder behaupten nein, oder er wird eine Krise kriegen und finden, dass er ALLES falsch macht.

Ich würde die SItuation erklären, und zwar von Anfang. Ein ADS-ler wird sagen, dass der Andere angefangen hat, und das glaubt er auch. Dann muss man erklären, dass die Situation schon früher angefangen hat als er denkt, vielleicht war da eine Provokation oder ein Missverständnis. Er muss die Seite des Anderen erklärt bekommen, denn wahrscheinlich hat er nicht alles mitbekommen. Er denkt, der Andere hat ihn ohne Grund angegriffen, z.B.

War sein Verhalten vor dem Mobbing auch schon so?
Wenn nein, wann fing er an sich so zu verhalten?

Hat er Therapie bekommen oder wurde "nur" die Schule gewechselt?

Mag sein, dass ADS bei der möglichen Therapie mitreinspielt, aber dieses Verhalten würde ich nicht (nur) darauf zurückführen.
Das klingt eher nach einer Schutzmaßnahme, Verdrängen oder Dampf ablassen, weil es ihm doch noch sehr in den Knochen steckt.

Das Verhalten kenne ich von Erwachsenen - ohne ADHS! Freunde haben sie nicht, Therapie sehen sie nicht als notwendig, soziale Kontakte sind rar. Je mehr sie anecken, desto mehr sehen sie sich im Recht, weil andere nicht so sind, wie sie es gerne hätten.

Bei ADS im Hintergrund würde ich bei der Therapie darauf achten, im Sinne von, dass andere Strategien eher greifen, als andere.

Hierzu würde ich mir
1. eine therapeutische Begleitung für ihn suchen. ADS und das Verhalten gleich mit. Medikamente sind zwar hilfreich, aber keine allein-Lösung

2. therapeutische Begleitung für euch. Die beste Therapie bringt nichts, wenn die Eltern (aus Unwissenheit) es grade verkehrt machen.
Wenn ich nicht weiter weiß, suche ich mir Hilfe, um nicht mehr verkehrt zu machen, als ich zum Guten führen möchte. Besonders in Bereichen, die meine Intuition übersteigen oder ich als Laie keine Ahnung habe.

Bei seiner Vorgeschichte und seinem Verhalten jetzt, würde ich von außen drüber schauen lassen und um Hilfe bitten. Für euch, für ihn.

Das Kind braucht ganz dringend therapeutische Hilfe!
Der hat viel erlebt und spielt jetzt den Egomanen um sich zu schützen.
Schonen beim Lesen tut er einem sehr leid!
Hilf Ihm gesund erwachsen zu werden.

Ich denke, dass er sein Selbstvertrauen aus seiner Beliebtheit zieht, weil er eben schon diese Erfahrungen machen musste. Das war bestimmt schrecklich. Jetzt hat er nicht daraus gelernt, dass man andere nicht schlecht machen sollte, sondern er hat gelernt, dass er sich nach aller Möglichkeit auf die Seite schlägt, die nicht schlecht gemacht wird. Eigentlich ist das ja keine dumme Strategie, um sein Ziel zu erreichen, nicht wahr? Das Ziel ist hier, die eigene Ausgrenzung zu vermeiden. Sein Selbstbewusstsein wurde in diesen Situationen natürlich auch massiv gestört. Jetzt benötigt er umso mehr externe Validierung.
Nun ist das natürlich langfristig trotzdem nicht die schlauste Strategie. Das hilft jetzt natürlich erst einmal nur, um zu verstehen, warum er so handelt. Wenn er bei der Idee an Therapie direkt wuschig wird, würde ich diesen Weg erst einmal nicht gehen, es sei denn es beeinträchtigt euer Leben wirklich stark.
Ich würde vor allem bei dem Verhalten gegenüber dem Bruder ansetzen, da du das mitbekommst, es sei denn, du vermutest, dass das in der Schule schlimm ist. Eventuell könntet ihr ein Verhaltensziel ausmachen, möglichst spezifisch. "Wenn dein Bruder etwas nicht begreift, dann erklärst du es ihm in einfachen Worten." Ein paar Wochen lang konzentriert ihr euch nur auf dieses Ziel, kein anderes.

In die Richtung bin ich schon gegangen. Dabei wird er aber noch gestresster und noch fieser.
Das mit seinem Bruder macht er nur, wenn wir eltern da sind. Sind wir nicht da, oder greifbar, ist er nett.
Das mit den Klassenkameraden macht er ständig.
Wenns um den Verein geht, versuche ich sein Verhalten klar zu unterbinden und werde auch mal dem Vereinsleiter was stecken, wenn er so weiter macht. Im Verein haben persönliche befindlichkeiten nix zu suchen.
Ich hab da schon klare Worte gefunden.
Er ist auf dem punkt absolut nicht greifbar. Vernunft setzt bei ihm dort nicht ein, weil ja sein empfinden und das, was ich sage, nicht zusammen passen.
Er weiß sehr genau, dass er Fehler hat und macht. Das Bewusstsein darüber verstärkt aber sein unfaires Verhalten.
Er hat eine ganz große Angst vor Situationen, die seine Leistung spiegeln. Da verweigert er sich schnell. Und da komme ich auch nicht ran.

Habt ihr die Möglichkeit für Elterntraining bei ADS?

Der Kinderarzt sagte mal zu Freunden: das beste Medikament bringt nichts, wenn die Eltern nicht auch gecoacht werden.

"Das mit seinem Bruder macht er nur, wenn wir eltern da sind. Sind wir nicht da, oder greifbar, ist er nett."

Das könnte vieles sein
- Hilferuf!
- Aufmerksamkeit
- eingeschliffenes Muster (bei ADS andere Bedeutung, als ohne)
- Fragezeichen: wie reagieren Mama und Papa, wenn ICH es mache?

Also auch eine Art zu prüfen, um das Geschehene zu verarbeiten.

Reagieren meine Eltern bei DIESEM Verhalten so, wie ich es gebraucht hätte: dann ist das VERHALTEN (auch das der anderen früher) falsch.

Lassen sie es MIR durchgehen? Dann war das Verhalten der anderen früher vielleicht doch nicht so schlimm, aber mit mir muss was falsch sein.


Auch wenn ich es selbst nicht mehr hören kann, aber es stimmt (leider) ADHS bedeutet FÜHLEN.
Das, was andere mit dem Kopf, Wissen, kognitiv erlernem, sozial erlertem umsetzen können.....

wenn ich FÜHLE .... dann agiert das FÜHLEN, nicht das gelernte, NICHT das was ich weiß. Sondern das, was mir weh tut, was mich verunsichert, was es bei mir auslöst.


Wenn jemand von mir erwartet, dass ich mich so verhalten soll, wie ich können könnte (ich weiß ja wie es geht und habe es auch schon bewiesen), dann treibt mich das noch weiter in das Fühlen und noch mehr geht schief.

Was ICH brauche sind klare Anleitungen, WIE ich mich verhalten kann.
Dass ich ernst genommen werde.
Dass sich bei mir ein Verhalten nur (noch) zeigt, wenn ich verunsichert bin, Angst habe, nicht weiß, wie ich mit meinen Gefühlen umgehen kann, wenn mich etwas belastet.

Werde ich ernst genommen, bekomme Strategien an die Hand, die mir helfen,
dann werde ich ruhiger und das Verhalten zeigt sich sehr viel weniger.

Dazu muss ich für mich selbst aber hin und wieder die "Mutterrolle" übernehmen, die mich selbst coacht, in dem ich mich selbst ernst nehme.


Experimentieren kann bei ADS nach hinten los gehen.
Verunsicherung und andere Probleme sind ja oft schon da. Experimentieren kann noch mehr verunsichern.


Habt ihr als Eltern Unterstützung von außen?
Wenn er selbst keine Therapie zulässt (verständlich), dann könnten euch Eltern ADS-spezifisches Coaching helfen und dann noch mal gesondert für diese Situation dazukommend, unter Berücksichtigung dass ADS anders tickt als ohne.

Was bei anderen super wirkt, kann bei ADS alles verschlimmern.
Was bei anderen unsinnig wirkt, kann bei ADS DIE Lösung sein.
(ich schreibe aus Erfahrung)

Hallo,
ich denke zwar auch, dass das bei deinem Sohn ungewöhnliche Ausmaße angenommen hat. Evtl durch eigene Mobbing-Erfahrung. Evtl durch ADS.

Aber auch in ganz normalen Zusammenhängen erlebe ich Kinder, die andere "runter machen" oder "mit dem Finger drauf zeigen" um selbst in besserem Licht da zu stehen.
Einfach ist es, wenn man sagen kann "mach's erst mal selbst besser". Oft sind die Kinder, die sich über andere lustig machen, aber wirklich besser. Was dann?
Einfach ist auch die Erklärung, dass jeder Mensch unterschiedliche Talente hat, in unterschiedlichen Bereichen. Oft sind aber manche Kinder in vielen Bereichen sehr gut und andere eher leistungsschwach. Was dann?

Man kann dann erklären, dass es fies ist, auf jüngeren Kindern herumzuhacken. Aufzeigen, dass das Verhalten der jüngeren absolut altersgerecht ist. Am besten tut man das, wenn die jüngeren Kinder gerade nicht dabei sind - damit signalisiert man auch noch mal, dass die Jüngeren sich in einem geschützten Raum entwickeln dürfen. Man kann loben, was die Großen schon können, aber deutlich machen, dass man mit diesen Fähigkeiten nicht angeben darf, wenn jüngere Kinder dabei sind.

Manchmal reicht auch der Satz "nur weil du es besser kannst, ist das kein Grund, dich über andere lustig zu machen".
Man kann ihm in einer ruhigen Stunde erklären, dass schwächere Kinder ja nichts dafür können, dass sie manches nicht können. Und das man gerade, wenn man selbst besser ist, anderen helfen sollte, indem man sie ermutigt und nicht runter macht.

Man kann Verhaltensweisen benennen: Angeberisch. Fies. Rücksichtslos. Das muss noch nicht mal eine besonders emotionale Kritik werden - evtl bringt es sogar mehr, ihn relativ neutral auf sein Verhalten hinzuweisen. Das macht ihm dann deutlich, dass du dich nicht auf irgendeine Seite stellst, sondern ihm nur zeigen willst, wie sein Verhalten wirkt und ankommt. Schließlich möchte er gern der tolle Kerl sein - dazu gehören aber nicht nur Fähigkeiten sondern auch entsprechend soziales Verhalten.


Viel Erfolg!

ich denke, das bewegt sich noch in einem normalen rahmen, hatten wir damals in der schule auch.

wenn er es übertreibt, wird er schon eine gewischt bekommen und dann ist auch ruhe. war bei uns auch immer so.

Das ist doch ganz typisch für Opfer von Mobbing. Belies dich dazu und lass dich beraten