Böse "Stiefmutter" - alles was ich tue ist falsch

    • (1) 16.10.15 - 18:48

      Hallo,

      ich bin neu hier. Nachdem ich ein paar Diskussionen im Forum gelesen habe und leider doch alles sehr individuell ist, habe ich entschieden meinen Fall zu schildern.

      Ich bin 25 Jahre alt, mein Freund 33, wir sind seit gut 6 Jahren ein Paar. Er hat eine 12-jährige Tochter.

      Als wir zusammen kamen hatte er keinen Kontakt zur Tochter. Das Kind war nur seitens der Mutter gewollt und er mit Anfang 20 relativ blind. Die zwei waren auch nur kurz zusammen, als die Kindesmutter mit der "freudigen" Nachricht um die Ecke kam. Nachdem das Kind dann da war aber die Beziehung dann trotzdem nicht lief, hat er sich getrennt. Wollte jedoch weiterhin für sein Kind da sein und aus dem Grund natürlich auch seine Ausbildung beenden. Damit kam die Mutter gar nicht klar. Sie hatte dafür kein Verständnis (sie ist auch heute erst bereit eine Ausbildung anzufangen) und verbat ihm dem Umgang. Zwischendurch herrschte immer wieder Kontakt, als er gerade dabei war eine Beziehung zum Kind aufzubauen dachte die Kindesmutter darüber nach, weitere Kinder mit ihm in die Welt zu setzen. Nachdem er ihr klar macht, dass er dies auf gar keinen Fall will, brach sie den Kontakt wieder ab. Zu Lasten des Kindes und des Vaters. So ging das ganze ein paar Mal!

      Irgendwann kamen wir also zusammen und verbrachten ein paar tolle Jahre. Es war Anfangs echt schwer, weil es ihm schwer viel Vertrauen zu fassen. Auch wollte er keine weiteren Kinder, was für mich damals echt schwer war.

      Trotzdem hielt unsere Beziehung an.

      Ende 2012 hat seine Tochter sich über eine gemeinsame Bekannte bei ihm gemeldet. Von dort an holte er sie regelmäßig jedes Wochenende ab und irgendwann verbrachten wir auch viel Zeit zu dritt. Wir hatten viel Spaß und die "Kleine" fühlte sich sichtlich wohl bei uns. Das Problem an der ganzen Sache: Zu Hause behauptete sie leider immer etwas anderes, bzw. die Mutter. Sie und mein Freund hatten Anfangs nur per SMS Kontakt, somit war dies für uns nicht immer nachvollziehbar, was die Mutter uns so vorgeworfen hat. Sie hatte und hat auch nach wie vor kein Interesse, zu erfahren wo ihr Kind sich jedes zweites Wochenende aufhält. Außer meinem Namen kennt sie mich nicht. Würden uns nicht mal erkennen, wenn wir uns begegnen würden.

      Ende 2013 sind wir dann zusammengezogen. Damit begannen langsam immer mehr Schwierigkeiten. Der Kontakt wurde wieder seitens der Mutter abgebrochen. Daraufhin sind wir zum Jugendamt gegangen, haben erfahren das das Kind in Therapie (wegen Selbstmordgedanken) und die Mutter depressiv ist. Leider vertrat das Jugendamt auch die Meinung, dass ich keinerlei Anrecht hätte mich in die Beziehung einzumischen (Meint: Ich solle "ausziehen", wenn das Kind kommt; hätte nichts zu sagen, auch nicht wenn es um mich oder die Whg. oder sonstiges geht, etc.). Regelte dann aber ein 14-tägigen Umgang etc. Wir trafen uns auch nochmal mit der Therapeutin, die meinem Freund mehr oder weniger Versagen vorgeworfen hat, schließlich hätte er ja damals die "Familie" verlassen. Sie teilte uns auch mit, dass sie die Therapie als abgeschlossen ansieht, dass das Kind zwar kam, dort aber nicht gesprochen hat.... Für uns nicht besonders zufriedenstellend.

      Also schlugen wir uns weiterhin allein durch. Suchten uns Rat in einer Beratungsstelle. Aber alle Versuche die uns vorgeschlagen wurden, scheiterten.
      Mein Freund versucht ihr sehr viel Recht zu machen. Hat auch Angst, sie wieder zu verlieren. Dennoch ist es eine ziemliche Belastung, wenn sie jedes zweite Wochenende kommt. Ich habe eine Freundin mit Kindern in ihrem Alter, also versuchte ich diese zusammenzubringen, weil sie auch nicht viele Freunde hat. Leider nutzt sie diese Gelegenheit nur, um schlecht über mich zu reden oder Lügen zu erfinden.
      Wir haben sehr viel versucht, damit sie sich wieder wohl fühlt. Sie schien es auch zu genießen hier zu sein, aber bei den Abstimmungen dann mit der Mutter, die sich mittlerweile eingespielt hatten, behauptete sie immer wieder etwas anderes. Auch redete sie wieder schlecht über mich. Sie wollte, dass ich mich raus ziehe und sie mit ihrem Vater etwas allein unternehmen kann, habe ich getan. Daraufhin hat sie sich darüber beschwert, dass ich ja nichts mit ihr zu tun haben will usw.
      Nun steht wieder ein Wochenende an und ich habe schon wieder den ganzen Tag Bauchschmerzen, weil ich nicht wissen will, welche Geschichten sie sich nun wieder ausdenkt.
      Alles was ich versucht habe, damit ich wieder einen Draht zu ihr aufbauen kann misslingt. Sie hat an nichts Interesse, findet alles doof was ich mache. Aber heimlich fängt sich an mich zu kopieren (habe Tattoos, die sie sich an den gleichen Stellen mit einem Stift nachmalt). Auch begib sie sich nun wieder in Therapie.

      Was soll mir das sagen? Was kann ich noch tun? Hat jemand eine Idee? Unsere Beziehung ist toll wenn sie nicht da ist. Aber ich möchte auch nicht jedes zweite Wochenende mit Bauchschmerzen verbringen. Mittlerweile fällt es mir auch echt schwer ihr überhaupt noch weiter entgegen zu kommen......

      Puh, ist nun doch ganz schön lang geworden, aber kürzer ging einfach nicht....

      Hat jemand einen Rat? Oder gar ähnliche Erfahrungen gemacht??

      Ich freue mich über eure Rückmeldungen :-)

      • Willkommen in der WElt der Patchworkmamas !:-(
        Wir haben es nicht geschafft...leider kann ich Dir keinen Rat geben ..außer....achte auf Dich und Deine Grenzen!
        Liebe Grüße Iris

        Hallo, hast du mit ihr mal Klartext gesprochen? Genau das alles erklärt? Sie ist immerhin schon 12, da müsste man das thematisieren können. LG

        • Hallo Katize,

          ich kann gut verstehen, wie du dich fühlst. Du gibst alles und bist hinterher doch wieder die "Dumme".

          Mir ging es ganz lange auch so. Die Zeit alleine mit meinem Mann war wunderschön und wenn die Kinder da waren, war ich hinterher wie leer gesaugt, obwohl die Zwei lange nicht solche Hammer bringen, wie deine Stieftochter.

          Mir hat das Buch "Glückliche Stiefmutter" sehr geholfen.
          Mir wurde klar, dass ich mich positionieren muss - und das ich bisher immer die Position eingenommen habe, von der ich dachte, dass man sie von mir erwartet.
          Treu sorgende Ehefrau, liebe- und verständnisvolle Stiefmutter...
          Immer bereit von einem Moment zum anderen in die geforderte Rolle zu springen.

          Wenn du dich um alle anderen sorgst, wer sorgt dann für dich???

          Du kannst nicht wieder gut machen, was ihre Eltern verbockt haben - und das ist auch gar nicht deine Aufgabe!!!!!!

          Werde dir klar was DU von den Wochenenden erwartest.
          Und sag das deinem Freund ganz klar. Es ist seine Aufgabe Regeln einzuführen und durchzusetzen.
          Dabei braucht er deine Hilfe, er kann keine Gedanken lesen.

          Sie hat gesagt, sie will alleine mit dem Papa sein und beschwert sich dann, dass du kein Interesse hat?

          Papa erklärt ihr:
          "Deine Wünsche werden hier bei uns respektiert. Deshalb wird uns Katize nicht mehr auf Ausflüge begleiten. ES SEI DENN du lädtst sie ausdrücklich dazu ein!"

          Dabei hast du dann aber auch das Recht zu sagen: Tut mir leid, heute habe ich schon was anderes vor, nächstes Mal gerne!

          Versuche dich auch in ihre Lage zu versetzen.
          Sie befindet sich total in einem Loyalitätskonflikt. Und versucht dabei irgendwie zurecht zu kommen.
          Kinder werden NIE ihre Eltern verraten, also bist du einfach die logische Wahl.

          Es hat NICHTS mit dir als Person zu tun!
          Du bist toll!!!

          Ich wünsch dir viel Kraft!!!

          • (5) 17.10.15 - 23:49

            Danke für deine Worte. Es ist echt schön, wenn man auch mal verstanden wird.
            Mein Freund versucht dies zwar, aber so wirklich nachvollziehen wie es mir jedesmal geht kann er natürlich nicht - wie auch?!

            Ich versuche mich schon immer auf mich zu konzentrieren, wenn sie hier ist. Mache einfach, was mir Spaß macht. Es ist nur schwer, wenn man dann nach Hause kommt und sie in der Zeit schon wieder irgendwas erfunden hat, was mir dann mehr oder weniger an den Kopf geworfen wird... Oder Bilder gemalt hat mit irgendwelchen Objekten mit Messer in der Hand und meinen Namen dazu schreibt. Alles schon (mehrfach) vorgekommen....
            Es stört sie auch sehr, dass ich so liebevoll mit unseren Haustieren umgehe. Vermutlich ist dies hier aber nur eine Art Neid, weil sie das nur schwer zu lassen kann und von zu Hause auch nicht all zuviel Zuwendung zu bekommen scheint.

            Es kostet sehr viel Kraft. Sogar so viel, das ich mittlerweile echt froh bin, dass mein Freund nicht das Bedürfnis nach weiteren Kindern hat. Ich wollte zwar immer welche, aber ich fürchte das würde uns nur weiter auseinander reißen. Als wir mal gemeinsam bei einer Freundin waren, die gerade ein Baby bekommen hat dachte ich, gleich rammt sie mir ein Messer in den Rücken, nur weil ich den Lütten auf dem Arm hatte.

            Ich hoffe die Therapie bringt diesmal etwas. Wir sollen dort auch nochmal hin. Ich hoffe nur, dass wir nicht wieder als die Blöden hingestellt werden, die alles falsch machen.

            Manchmal frage ich mich echt, wie anderes das machen. Es scheint oft so leicht. Patchwork-Familien sind ja keine Seltenheit mehr.... Kostet es immer jeden so viel Kraft? Werde ich irgendwann für meine Kraft belohnt?

        Hi, danke für deine Rückmeldung.
        Bislang soll ich mich mit allem zurück halten.
        Sie zieht sich immer sofort in die Opfer-Rolle. Niemand mag sie, alle sind gemein zu ihr, obwohl sie ja nichts dafür kann etc. Wenn man ein wenig nachbohrt erfährt man aber, dass sie der Auslöser des Ganzen ist, wie auch bei uns. Leider sieht sie das nicht. Für sie sind immer die anderen Schuld.
        Damit ich nicht noch mehr in ihr "Visier" gerate, spricht mein Freund immer nur alles an. Und dann halt auch nur wenn die Mutter dabei ist, damit sie dort nicht wieder etwas anderes behauptet. Weiß noch nicht so ganz, wie wir das richtig oder gut umsetzen können.
        Hoffe nur, dass die Therapie bald wirkt. Heute habe ich erfahren, dass die Therapeutin auch mit uns sprechen will.....

        • Hallo,

          ich glaube raushalten ist ganz gut. Bitte behalte das Ziel vor Augen, irgendwann wird es besser, spätestens wenn die Pubertät vorbei ist oder wenn sie eigene Kinder hat.

          Ich bin selber gescheiterte Stiefmutter und würde mir wünschen, Kontakt zu meinen erwachsenen Stiefsöhnen zu haben.

          LG

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