Die Angst, nicht geliebt zu werden

Hallo Ihr Lieben,

ich brauch dringend Euren Rat.

Ich bin eine alleinerziehende Mama und habe eine Tochter im Alter von 9 Jahren, Bald 10.
Von Ihrem Vater sind wir seit 7 Jahren getrennt. Es war eine toxische , narzisstische Beziehung, in der verbale und psychische Gewalt an der Tagesordnung war. Meine Tochter bekam alles mit und mit der Zeit wollte sie nur noch ihre Mama beschützen. Sie hatte Angst um mich. Wir haben eine sehr starke Verbindung zueinander, die sich aber dahingehend entwickelt hat, dass sie zu sehr an mir hängt. Sie kann mich nicht mal alleine irgendwohin lassen, ohne Angst zu haben, dass mir etwas passiert etc. Sie hat sehr oft Ängste, auch vor Dingen, die gar nicht existieren. Nur in ihrem Kopf.
Die Angst,nicht geliebt zu werden ist am schlimmsten. Oder dass ich sie ausschließe.

Ich habe nun seit einem halben Jahr einen neuen Partner. Sie haben sich auch schon kennengelernt und verstehen sich sehr gut. Nun ist es so, dass ihre Angst, nicht geliebt zu werden, natürlich stärker wird. Wenn wir uns zb umarrmen oder einen Kuss geben, ist sie sofort da und möchte auch umarmt werden. Wenn wir reden oder etwas besprechen, lauscht sie und fragt sofort, was wir gesprochen haben. Aus Angst, es wäre gegen sie. Ich habe ihr das schon 1000x erklärt, wir reden auch viel zu dritt und versuchen, ihr die Ängste zu nehmen. Auch mein Partner ist da sehr einfühlsam. Aber es zehrt und raubt Kraft.
Wir schlafen auch im Familienbett. Nach der Trennung ging es ihr so schlecht, dass wir immer gemeinsam geschlafen haben.
Wir haben jetzt ein rießige Bettlandschaft geschaffen und schlafen, wenn mein Partner da ist, auf ca. 3,70m, damit jeder Platz hat.
Es ist aber so, dass sie nachts fast keinen Millimeter von mir weicht. Sie such immer meine Nähe. Mein Partner bemängelt jetzt, dass er auch mal mit mir nachts kuscheln möchte oder Arm in Arm einschlafen möchte. wenn sie mich aber nicht spürt, dann weint sie.
ich weiss nicht, was ich tun soll und wie ich ihr da helfen kann. Mein Partner wird dahingehend auch immer frustrierter. Er meinte, so langsam sollte sie vllt mal in ihrem Bett schlafen üben. Er hat nichts dagegen, wenn wir auch mal zu dritt schlafen, aber manchmal bräuchte er halt auch Zeit mit mir. Das verstehe ich auch.
Aber da greift dann wieder die Verlustangst ihrerseits.
Ich möchte keinen seelischen Schaden bei ihr anrichten.
Ich habe auch schon überlegt, die Beziehung zu beenden und erstmal alleine zu bleiben mit ihr.
Aber die Beziehung läuft an sich sehr gut, bis auf dieses Problem.

Vielleicht könnt ihr mir einen Rat geben?

Danke und viele Grüße

Eve

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Liebe Eve,

deine Tochter steckt in einer Rolle fest, aus der sie - in meinen Augen - nach so langer Zeit kaum mehr ohne Hilfe herauskommen kann. Du selbst konntest ihr die letzten Jahre über die nötige Sicherheit geben, kommst aber nun selber an deine Grenzen. An eurer Stelle würde ich es unbedingt in Erwägung ziehen, professionelle therapeutische Hilfe hinzuzuziehen und bei einem Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeuten vorstellig werden. Entweder bei einem niedergelassenen oder auch in einer Familie-und Erziehungsberatungsstelle. Die können deine Tochter und eure Situation auch nochmal viel besser einschätzen als wir hier im Internet und können dir Tipps an die Seite geben oder eben auch, wenn denn tatsächlich Bedarf besteht, den Rat geben, sich längerfristig begleiten zu lassen.
Alles Gute!

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Angesichts dessen, was du und deine Tochter durchgemacht habt mit deinem Ex, würde ich deine Tochter tatsächlich einem Kindertherapeuten vorstellen.

Du klingst, als würdest du bereits alles in deiner Macht stehende tun, um ihr das Gefühl zu geben, geliebt und sicher zu sein. Wäre die Trennung vom Kindsvater relativ frisch (also vielleicht erst einige Monate oder 1-2 Jahre her), hätte ich wohl auch geraten, mit einem neuen Partner noch zu warten und dich voll und ganz auf deine Tochter zu konzentrieren. Aber ihre Ängste haben ja seit 7 Jahren nicht nachgelassen und ich finde, dass du nach so langer Zeit auch wieder zur „Normalität“ zurückkehren und einen neuen Partner haben darfst.
Ich finde seinen Wunsch nach Zweisamkeit auch legitim. Er klingt ja nun wirklich nicht nach einem Typ Mann, der deine Tochter per se ablehnt und sagt, sie solle sich nicht so anstellen. Ich glaube auch nicht, dass irgendein anderer neuer Partner mehr Verständnis hätte für eure Situation und durchweg völlig selbstlos und gerne zurücksteckt. Und du kannst deine Bedürfnisse nach Partnerschaft und Zweisamkeit ja auch nicht ewig zurückstellen.

Klar wird es hier nun auch bestimmt Mütter geben, die finden, du könntest ruhig noch mehr Verständnis und Geduld zeigen, deinen Partner am besten in den Wind schiessen usw.
Aber wie gesagt, du versuchst seit 7 Jahren, deinem Kind wieder ein Gefühl von Sicherheit und Liebe zu vermitteln und trotzdem ist sie weiterhin extrem verängstigt. Dass eine solche Erfahrung mit deinem Ex traumatisiert, ist völlig verständlich und ich glaube nicht, dass du alleine ihr bei diesem Trauma noch helfen kannst.

Es ist total ok, dass du deinen Partner nicht verlieren möchtest und du machst auch den Eindruck, als käme deine Tochter trotz neuem Partner immer zuerst. Also hab kein schlechtes Gewissen, wenn du nicht mehr weiter weißt und professionelle Hilfe für deine Tochter (und ggf dich) in Anspruch nimmst.

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Lieben Dank für Eure Antworten.

Ja, meine Tochter kommt immer zuerst und ich versuche ihr immer, das Gefühl von Sicherheit und bedingungsloser Liebe zu vermitteln.
Mein partner versteht auch ihre Ängste und bietet sich ihr als Gesprächspartner an.
Manchmal sind wir beide aber so kraftlos, weil wir ständig erklären müssen. Und sie eben immer dazwischenkommt, wenn sie merkt, wir sind uns gerade sehr nahe. Wir haben eigentlich so gut wie gar keine Paarzeit.
Wenn wir mal kraftlos sind und wir mit ihr darüber reden, dann denkt sie , es ist alles ihre Schuld und weint. Das tut mir im Herzen weh.

Ich habe noch 2 wichtige Details vergessen.
Ich hatte noch 2 kurze Beziehungen nach ihrem Papa. Ich weiss auch, dass das nicht gerade berauschend ist und bin nicht stolz drauf.
Diese Zeiten hat sie auch sehr mitgenommen.
Der eine war total eifersüchtig auf sie, wollte sie andauernd abschieben und sich für mich alleine haben.
Der andere hat sich überhaupt nicht mit uns beschäftigt und nichts mit uns unternommen oder mit ihr. Hat nur TV geschaut und auch gesagt, ich mache in der Erziehung alles falsch, soll sie mal weinen lassen, nicht trösten, darf dies und das nicht. Ohne die Hintergründe zu kennen.Oder diese mit uns aufzuarbeiten.

Ich denke, das hat das Ganze natürlich nicht einfacher gemacht.

Ja, vllt sollte ich mit ihr mal zu einer professionellen Hilfe gehen.

Liebe Grüße,
Eve

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Du brauchst dich wegen dieser 2 gescheiterten Beziehungen nach deinem Ex nicht schuldig fühlen. Das mag sicherlich nicht zur Besserung ihrer Gefühlslage beigetragen haben, aber der Grundstein für die Probleme deiner Tochter wurde von ihrem Vater gelegt.
Außerdem bist du nicht nur Mutter, du hast auch Bedürfnisse und das ist doch normal und i.O. Außerdem musst auch du die Trennung verarbeiten, bist Alleinerziehende. Du hast auch dein Päckchen zu tragen.

Schau dich nach professioneller Hilfe um. Alles Gute 🍀

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deine Tochter braucht dringend professionelle HIlfe und du wahrscheinlich auch.
und wenn dein Partner sich vor deinem Kind sieht, dann sorry ist er der falsche.
Ihr werdet wohl abends noch Zeit haben oder musst du mit ihr um 8 ins Bett

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Ja ich denke, wir suchen uns professionelle Hilfe.
Mein Partner stellt sich nicht vor das Kind, er sieht uns alle bzw die Bedürfnisse von ALLEN. Er ist absolut der Typ bedürfnisorientierte Erziehung,, in der jedes Familienmitglied mit seinen Bedürfnissen geachtet wird. Da wir eigentlich nur zu zweit waren, also meine Tochter und ich, auch während der anderen Beziehungen, müssen wir uns dahingehend erstmal einstellen.
Wir gehen aktuell alle gemeinsam ins Bett. Meine Tochter schläft noch nicht alleine ein bzw sowieso nicht alleine.