Dürfen Eltern sich einmischen?

Erstmal ein paar Infos:
Wir sind seit 9 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder (Tochter 4 Jahre, Sohn 6 Monate).
Mein Mann ist spielsüchtig (Glücksspiel, Automaten) und hat inzwischen vielleicht auch zusätzlich ein Alkoholproblem.
Es gibt immer wieder Phasen da hat er sich im Griff, also ist spielfrei usw.
Dann eben wieder nicht. Das Hauptproblem dabei ist, dass ich mich leider gar nicht auf ihn verlassen kann und sehr sehr oft mit den Kindern alleine bin.
Als Beispiel: ein Wochenende sieht leider oft so aus, dass er am Freitag Abend raus geht und dann die ganze Nacht weg ist und erst am nächsten Morgen zwischen 05:00 Uhr und 10:00 Uhr nach Hause kommt und dann geht er ins Bett und schläft den ganzen Tag oder hängt den ganzen Tag auf dem Sofa rum... am Samstagabend ist er entweder so fertig vom Vortag, dass er abends um ca. 20:00 Uhr einschläft ODER er haut wieder abends ab und ist wieder bis spät in die Nacht weg.
Meine Eltern wissen von seiner Spielsucht und haben schon oft genug miterlebt wie traurig mich sein Verhalten macht.
So nun war es halt mal wieder extrem gewesen, sprich mein Mann war quasi nur noch weg anstatt zu Hause.
Und da man mit meinem Mann leider nicht gut reden kann und meine Eltern mich wieder so unglücklich gesehen haben, da haben sie folgendes getan: seine Schwester angerufen und mit ihr gesprochen. Ihr gesagt, dass er viel weg ist und ich alleine zu Hause bin usw.
Meine Eltern hatten die Hoffnung, dass sie einen Einfluss auf ihn haben könnte (sie ist die ältere Schwester und Familie ist ihm heilig).
Das hat meinem Mann natürlich überhaupt nicht gefallen.
Und seitdem redet er nicht mehr mit meinen Eltern, geht nicht mehr mit wenn ich sie besuche.
Mich interessiert einfach eure Meinung dazu: Ist es okay, dass meine Eltern helfen wollten oder hätten sie sich nicht einmischen sollen?
Danke für‘s Lesen und eure Meinung!!

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Wie stehst du zu der Situation?

Bei Spielsucht, Alkoholproblem etc. hätte ich längst meine Freunde/Verwandte (Eltern sind schon tot), gebeten, dass sie mich zu Beratungsstellen begleiten, hinfahren etc.

Spielsucht
Alkoholproblem
Schuldenberatung
Bank
pro Familia / Jugendamt

Da ich aber weiß, wie massiv sich Co-Abhängigkeit auswirkt , würde ich als selbst Mutter:
mein Kind fragen, ob
- sie so glücklich ist
- weiter die Beziehung führen will
Wenn ja, dann akzeptiere ich es schweren Herzens, ziehe aber klare Grenzen. Kein Geld von mir, kein Ausheulen wenn er mal wieder.....
- meine Tür steht offen, wenn sie Grenzen ziehen will
- ich werde aber deren Wohnung nicht mehr betreten
- und würde ihn nicht mehr sehen wollen. Treffen mit meiner Tochter nur außerhalb

So mache ich es bereits , wenn eine Freundin einer toxischen Beziehung steckt.
Den Punkt so auf die *** zu fallen, dass sie selbst bereit ist , etwas zu tun, muss sie selbst finden.

Ich unterstütze ihre Co-Abhängigkeit jedoch in keinster Weise.

Alkoholkranken helfen kann man sowieso nicht.
Weder Alkohol-Abhänigen noch Co-Abhängigen vom Alkoholiker
Weder Süchtigen noch Co-Süchtigen vom Süchtigen.

Sowohl der Süchtige muss selbst auf die *** um etwas tun zu wollen.
Bei Co-Abhängigen genauso. Manche sind es aus Angst, vorgelebten Mustern, bei manchen ist se auch eine Sucht nach Abhängigkeit.


Wenn du wirklich etwas tun willst:
- Beratung für ANGEHÖRIGE von Alkolokranken
- Beratung für ANGEHÖRIGE von Süchtigen
und o.g. Stellen.

Wenn du nichts tun willst, nur den Kopf in den Sand stecken
oder dich eigentlich wohl fühlst so wie es jetzt ist

dann sei ehrlich zu deinen Eltern. Du willst nichts ändern, du wirst nichts ändern, du willst aufrechterhalten, egal wie es dir dabei geht.

Als Eltern werden sie so lange etwas tun und sich einmischen, wie sie Hoffnung haben, dass es sich für dich verbessert.
Wenn du da aber gar nicht raus willst, ist es ihr zu Grunde richten mit.
Dann sei wenigstens ehrlich. Zu ihnen, zu dir selbst.

Wenn du wirklich etwas ändern möchtest, dann sag ihnen das auch.
Dann besprecht in Ruhe was sinnvoll sind.
So lange sie sich Sorgen machen und zwischen Hoffnung und Angst schwanken, werden sie zwischen abstumpfendem hinnehemen müssen und Hauruckaktionen schwanken.

Sollen sie sich raushalten: dann sag ihnen das. Jammer ihnen dann aber auch nicht vor, wie sehr du darunter leidest. Es bricht ihnen das Herz gleich doppelt. Dich leiden sehen UND nichts tun könen/dürfen, dass du festgefahren bleiben willst.
Themen gibt es dann eben andere.

Möchtest du, dass sie dich unterstützen. Dann sag ihnen das.
Rede mit ihnen, welche Aktionen du gut fandest und welche nicht.
Überlegt gemeinsam, welche Schritte sinnvoll sein können, welche Unterstützenden Stellen es gibt, in welcher Reihenfolge was zu tun ist.

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Hi,
Gegenfrage, was hält Dich bei diesem Mann?

Wenn ihm, angeblich die Familie heilig ist, hätte er spätestens auf seine Schwester gehört, und sich in Therapie begeben........und dann im nachhinein, ihr und deinen Eltern gedankt.

Ich befürchte, das deine Eltern nicht mehr schlafen, bei dem was Du ihnen erzählst. Sie wollen keine unglückliche Tochter, und sehen ihre Enkelkinder leiden.

Wenn Du sie raushalten willst, darfst Du auch nichts mehr erzählen. Manchmal tut ein Gespräch von außen gut, und er sieht ein, das es Mist ist, was er so treibt, und begibt sich in Therapie.

Ja, ich finde es gut, das sie es versucht haben, so können sie sich keine Vorwürfe machen, sie hätten ja nur zugesehen, und nichts gemacht............

Alles Gute

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Gegenfrage..
Würdest du nicht das Beste für deine Tochter wollen und auf jeden Fall etwas unternehmen, wenn du siehst, dass sie freiwillig in ihrem Unglück bleibt?

4

"Ist es okay, dass meine Eltern helfen wollten"

Ja ... oder würdest Du einfach zugucken, wie Dein Kind permanent sehenden Auges mit Anlauf in die Kreissäge rennt?

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Dass das deinem Mann nicht geschmeckt hat, kann ich verstehen. Ich kann auch dich und deine Eltern verstehen. Und so wie du mir/uns deine Geschichte erzählt hast, würde ich schon sagen, dass deine Eltern sagen dürfen, dass das so nicht geht und nicht akzeptabel ist. Das ist grundsätzlich erst mal ihre Meinung, denn sie wollen vermutlich, dass du glücklich bist und das bist du offensichtlich nicht. Dein Mann hat so erst mal gemerkt, dass sein Verhalten anderen schon aufgefallen ist und nicht gut ankommt. Seine Reaktion? Entweder muss er das erst mal sacken lassen oder er straft deine Eltern mit Nicht-Beachtung. Letzeres ist nicht gerade ein höfliches oder erwachsenes Verhalten, aber bei jemanden, der Probleme hat, nicht überraschend. Wie lange läuft denn seine Reaktion?

Dir ist aber schon klar, dass nur du Konsequenz ziehen kannst, wenn sein Verhalten keine Besserung zeigt?

6

Wärst du meine Tochter, würde ich auch alle erreichbaren Hebel in Bewegung setzen, um dich vor dem Unglück zu bewahren. Das ist natürlich schwierig, denn dein Mann scheint nicht einzusehen, dass er ein Problem (oder mehrere hat). Du bist Co-Abhängig und eventuell gar nicht in der Lage, aus seinem Verhalten die nötigen Konsequenzen zu ziehen (zumindest schreibst du dazu nichts). Deine Kinder (die Enkel deiner Eltern) können nun überhaupt nichts für die Situation, müssen diese aber mit (er-)tragen.

Und spätestens für sie würde ich als Großeltern auch reagieren.

Du musst leider für dich selbst entscheiden, wie du mit der Situation umgehst, danach hast du auch nicht gefragt. Aber ja, ich kann die Einmischung deiner Eltern nachvollziehen und finde sie - aus der Sicht des außenstehenden absolut nachvollziehbar und angemessen.

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Hey!

Ja, ich kenne die Verzweiflung, wenn man so etwas mitbekommt. Wüsste ich, dass mein Sohn so lebt, würde ich auch Himmel und Hölle in Bewegung setzen, dass er sich aus diesem Umfeld löst.

Meine Mutter ist schon über 30 Jahre suchtkrank. Ich habe mir das lange angeschaut. Irgendwann habe ich dann auch ihr Geschwister kontaktiert und um Hilfe gebeten. Wir wollten mit ihr sprechen. Als sie hörte, worum es ging, lief sie weg.

Ich konnte nun für mich abhaken, dass ich alles getan habe und für mich abschließen.

Ich denke, du als Partnerin schlitterst da so langsam rein und siehst, wie der Problemberg langsam größer wird. Jetzt kommt noch Alkoholismus dazu. Noch ein Happen mehr.
Du merkst nicht wirklich, wie ihr da mit reingezogen werdet. Als Angehörige hat man einen ganz anderen Blick darauf und wird wahnsinnig vor Sorge.
Ich denke: Ja, sie dürfen das.

Und du solltest nun Konsequenzen aus der Situation ziehen. Aber statt deinen Mann auf den Pott zu setzen, grübelst du an der falschen Stelle. Die Reaktion deines Mannes sollte dir nun zeigen, dass er kein bisschen einsichtig ist. Statt dass er nun zur Besinnung kommt, ist er sauer auf deine Eltern und geht ihnen aus dem Weg. Der wird sich nicht ändern! Sondern euch mit in den finanziellen angebe Abgrund reißen.

Liebe Grüße
Schoko

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Als Tochter eines Spielers kann ich dir nur soviel sagen....
Am Ende der Spielsachen meines Vaters (nach 15 Jahren) wussten es irgendwie alle. Seine komplette Familie, Freunde und Verwandte, Bekannte... sowas bleibt einfach nicht aus.
Keiner der Verwandten oder Freunde, ja nicht mal wir Kinder oder seine Frau haben ihn davon abhalten können. So verspielte er dann in der ganzen Zeit den Wert eines Einfamilienhauses.
Doch irgendwann machte es klick und er ließ sich einweisen. Machte 6 Monate Therapie und ist seit vielen Jahren spielfrei.

Ich als Kind habe immer gehofft, das meine Mutter sich scheiden lässt. Es war einfach die Hölle.
Der Alkohol nahm meist zu wenn er keine Gelegenheit hatte zu spielen. Das nennt man suchtverlagerung.
Mich hat das ganze so geprägt, dass ich viele Jahre in der suchthilfe gearbeitet habe.
Solang er es nicht von allein einsieht,dass er ein Problem hat, solang können andere reden wie sie wollen. Es bringt rein gar nichts.

Dir muss bewusst sein. Dass diese Sucht dein Leben und das deiner Kinder zerstören kann.
Wenn dann die schuldscheine immer mehr werden und die geldeintreiber vor deiner Tür stehen und dich und deine Kinder bedrohen, dann wachst vielleicht du und er auf... bei meinem vater war da aber immer noch nicht das ende der Fahnenstange erreicht.

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Was dich bei dem hält ist mir wirklich ein Rätsel #kratz Deine Eltern handeln zurecht in Verzweiflung. Dein Göttergatte schnallt offenbar nicht was er für Mist baut. Von dem hätte ich mich schon längst getrennt, sorry.