Schlafstörungen bei Kindern

Nachtschreck: Wenn das Kind nachts plötzlich vor Angst schreit

Ach du (Nacht-)schreck: Plötzlich erwacht das Kind aus dem Schlaf, schreit, schweißnass vor Angst, die Augen weit aufgerissen. Wenn es außerdem nicht ansprechbar ist, spricht man von einem Nachtschreck.

Autor: Petra Fleckenstein
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Ist der Nachtschreck eine Krankheit?

Nachtschreck Teaser
Foto: © iStock, AGrigorjeva

Der Nachtschreck kann Eltern im wahrsten Sinn des Wortes einen gewaltigen Schrecken einjagen. Plötzlich, mitten in der Nacht, erwacht das Kind schreiend aus dem Schlaf. Es weint, ist schweißgebadet. Die Augen sind vor Angst geweitet. Noch besorgniserregender als die nächtliche Angst: Auf beruhigende Worte oder Berührungen seiner Eltern reagiert das Kind nicht, sondern weint und schreit weiter. Fast wirkt es, als sei es in einer anderen Welt gefangen. Zum Glück ist der Nachtschreck eine ziemlich harmlose Schlafstörung und kein Zeichen dafür, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt oder es besonders seelisch belastet ist. Nach 15 bis 30 Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Friedlich, als sei nichts gewesen, schläft das Kind wieder in seinem Bett ein. Am nächsten Tag kann es sich – ganz im Gegenteil zu seinen Eltern – an nichts mehr erinnern.

Wie entsteht der Nachtschreck?

Die genauen Ursachen des Nachtschrecks (auch Pavor Nocturnus genannt) sind nicht bekannt. Eine gängige Erklärung ist jedoch, dass das zentrale Nervensystem von kleinen Kindern noch nicht vollständig ausgereicht ist. Ihnen fällt unter anderem der Übergang zwischen tiefem Schlaf (Non-REM Schlafphase) und Traumschlaf (REM Schlaf) oft schwer. Deshalb tritt der Nachtschreck vor allem in der ersten Nachhälfte auf, etwa ein bis drei Stunden nach dem Einschlafen, also genau im Wechsel zwischen den Schlaf-Phasen. Wird dieser Übergang empfindlich gestört, überreizt das Nervensystem und es kann zu einem Pavor Nocturnus kommen.

Die Kinder werden dabei nur körperlich wach. Ihr Bewusstsein schläft weiter. Deshalb sind sie auch nicht ansprechbar und völlig orientierungslos. Neben der fehlenden Reife des zentralen Nervensystems vermuten Forscher außerdem verstärkende Faktoren, durch die ein Nachtschreck auftreten kann. Eine solche Ursache ist zum Beispiel seelischer oder körperlich Stress. So kann der Pavor Nocturnus besonders häufig auftreten, wenn die Kinder durch einen Infekt oder große Veränderungen im Alltag sehr erschöpft oder besonders aufregt eingeschlafen sind. Schlafmediziner raten deshalb zu festen und ruhigen Abendritualen wie einem gemeinsamen Abendessen, einer Gute-Nacht-Geschichte oder gemeinsamem Kuscheln im Bett. So beruhigen Eltern ihr Kind und erleichtern ihm das Einschlafen. Auch geregelte Einschlafzeiten und  genügend Stunden Schlaf sind wichtig. Das gilt natürlich auch für den Schlaf von Babys, auch wenn sie noch keinen Nachtschreck bekommen können. Außerdem wird eine erbliche Neigung zum Pavor Nocturnus als Ursache vermutet.

Insgesamt kann man sagen, dass der Nachtschreck kein ungewöhnliches Phänomen ist. Je nach Schätzung geht Mediziner davon aus, dass fünf bis 15 Prozent aller Kinder irgendwann einen Nachtschreck erleben – manche bekommen den Pavor Nocturnus nur einmal, manche gleich mehrfach in einem Monat. Dabei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Meistens tritt die Schlafstörung zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf. (Babys sind dagegen genauso selten betroffen wie ältere Kinder./ Danach sind das kindliche Gehirn und das Nervensystem so weitentwickelt, dass ein Nachtschreck unwahrscheinlicher wird. Häufig vom Pavor Nocturnus betroffene Kinder neigen im Schulalter manchmal zum Schlafwandeln.

Wie können sich Eltern bei einem Nachtschreck am besten verhalten?

Auch wenn es schwerfällt – immerhin weint und schreit das Kind mit aufgerissenen Augen – ist es wichtig, dass Eltern vor allem die Ruhe bewahren. Wachrütteln, beruhigen oder aus dem Bett nehmen ist sogar kontraproduktiv. Je weniger das Kind gestört wird, desto schneller endet der Nachtschreck. Oft schlafen die Kinder nach den Beruhigungsversuchen sogar schlechter wieder ein. Am besten behalten die Eltern ihr Kind im Blick und sorgen dafür, dass es sich nicht stößt oder aus dem Bett fällt. Auch leise und beruhigend mit ihm zu sprechen, kann helfen. Der Nachtschreck vergeht nach kurzer Zeit von alleine und die Kinder finden selbst wieder in den Schlaf. Anders sieht es übrigens bei echten Albträumen aus. Hier brauchen Kinder unbedingt Zuspruch und Nähe, entweder auf dem Arm oder in der Mitte des elterlichen Bettes. Immerhin wirkt auf die Kinder der Albtraum auch nachts erschreckend real. Erst im Vorschulalter lernen sie, zwischen Realität und Traumwelt zu unterscheiden. Neben Nähe kann deshalb eine Monsterjagd unter dem Bett oder hinter dem Vorhang hilfreich sein.


Was unterscheidet den Nachtschreck von einem Albtraum?

Auch wenn es schwerfällt – immerhin weint und schreit das Kind mit aufgerissenen Augen – ist es wichtig, dass Eltern vor allem die Ruhe bewahren. Wachrütteln, beruhigen oder aus dem Bett nehmen ist sogar kontraproduktiv. Je weniger das Kind gestört wird, desto schneller endet der Nachtschreck. Oft schlafen die Kinder nach den Beruhigungsversuchen sogar schlechter wieder ein. Am besten behalten die Eltern ihr Kind im Blick und sorgen dafür, dass es sich nicht stößt oder aus dem Bett fällt. Auch leise und beruhigend mit ihm zu sprechen, kann helfen. Der Nachtschreck vergeht nach kurzer Zeit von alleine. Anders sieht es übrigens bei echten Albträumen aus. Hier brauchen Kinder unbedingt Zuspruch und Nähe, entweder auf dem Arm oder in der Mitte des elterlichen Bettes. Immerhin wirkt auf die Kinder der Albtraum auch nachts erschreckend real. Erst im Vorschulalter lernen sie, zwischen Realität und Traumwelt zu unterscheiden. Neben Nähe kann deshalb eine Monsterjagd unter dem Bett oder hinter dem Vorhang hilfreich sein.

Sollten Eltern nach einem Nachtschreck mit ihrem Kind zum Kinderarzt gehen?

"Albträume und Nachtschreck sind meist Teil einer ganz normalen kindlichen Entwicklung", bestätigt auch die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Barbara Schwarzwälder. Sind sie aber über einen langen Zeitraum sehr hartnäckig und das Kind auch tagsüber bedrückt, sollten mit dem Kinderarzt eventuelle familiäre Belastungssituationen besprochen werden. "Ich hatte einmal einen jungen Patienten, der über ein Jahr an Nachtschreck litt. Wie sich herausstellte, war die Mutter an Multipler Sklerose erkrankt, hatte aber mit dem Kind nicht darüber gesprochen", so die Fachärztin. Kleinkinder haben ein sehr feines Gespür für verdeckte familiäre Probleme. Je offener die Krankheit fortan in der Familie thematisiert wurde, desto besser konnte der Nachwuchs nachts schlafen. Auch der Pavor Nocturnus trat nur noch selten auf. Neben der Abklärung eventueller psychischer Belastungen gehört auch eine neurologische Untersuchung zusammen mit einem EEG (Elektroenzephalogramm) zu den Untersuchungen, die bei häufigem Nachtschreck angezeigt sein können. Denn es gibt eine Form nächtlicher epileptischer Anfälle, die in seltenen Fällen mit dem Nachtschreck verwechselt wird.


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