Pro und Contra

Sollen Geschwister in die gleiche Kita-Gruppe?

Eltern von Geschwisterkindern oder Zwillingspärchen stehen irgendwann vor der Wahl: Sollen wir die beiden in die gleiche Kita-Gruppe oder Schulklasse geben – oder nicht? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Wir haben für euch ein paar Tipps, die bei der Entscheidung helfen können.

Autor: Heike Byn
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Kita-Start: Sollen Geschwister in die gleiche Gruppe?

Kita-Zwilling-Teaser
Foto: © Colourbox

Viele Geschwister sind gut aufeinander eingespielt, weil sie nun einmal sehr viel Zeit miteinander verbringen. Dafür knallt's dann aber auch umso heftiger, wenn sie sich streiten. Da kann der Kita-Start eine gute Gelegenheit sein, um eingefahrene Abläufe und Allianzen aufzumischen. Das ist auch der Grund, warum manche Einrichtungen aus Prinzip Zwillings- oder Geschwisterkinder auf verschiedene Gruppen verteilen. Väter und Mütter, die dagegen die Wahl haben, sind oft verunsichert, was das Beste fürs Kind ist: Sollen Geschwister oder Zwillinge in die gleiche Kita-Gruppe gehen oder soll man sie lieber trennen? Zu welcher Lösung die Erwachsenen am Ende auch kommen, sie sollten ihre Kinder auf jeden Fall an der Entscheidung beteiligen – und sie keinesfalls gegen ihren Willen einfach voneinander trennen. Keine Sorge: Wenn sich nach einer Zeit herausstellt, dass die Entscheidung dauerhaft nicht gut fürs Kind ist, geben Kita-Erzieherinnen den Eltern schon rechtzeitig eine Rückmeldung, so dass alle Beteiligten eine neue Lösung finden können.

Geschwister trennen: Chance für eine unabhängige Entwicklung

Bei der Entscheidung kann helfen, dass Eltern zuerst einmal auf ihr Bauchgefühl hören, denn sie haben meist ein sehr feines Gespür dafür, was ihren Kindern guttut. Wenn z.B. ein Kind das andere dominiert, kann es für das zurückhaltende Geschwisterkind wie ein Befreiungsschlag sein, den eigenen Platz in einer anderen Gruppe zu finden, ohne ständig im Schatten des Bruders oder der Schwester zu stehen. Auch für sehr eng miteinander verbundene Geschwister – vor allem Zwillingspärchen, die oft in ihrer eigenen Welt leben und sich nach außen abschotten – bietet die Trennung eine Chance, sich unabhängig voneinander zu entwickeln und eigene Freunde zu finden. Manche Eltern sind dann überrascht, wie sehr ihre Kinder von der Einteilung in verschiedene Gruppen profitieren und dabei förmlich aufblühen.

Geschwister in gleicher Kita-Gruppe: Leichter Start, schnelle Eingewöhnung

Natürlich gibt es auch gute Gründe dafür, dass Geschwister die gleiche Gruppe besuchen: Manchmal wollen Zwillinge unbedingt beieinander bleiben und leiden sichtbar, wenn man sie trennt. Manchmal sind es auch die sensibleren jüngeren Kinder, die sich leichter in die Kita eingewöhnen, wenn das große Geschwister bei ihnen ist. Für sie ist es nicht nur schön, sondern auch beruhigend, den Bruder oder die Schwester in der Nähe zu wissen. Bei nicht ganz so selbstbewussten älteren Geschwistern profitiert deren Selbstwertgefühl davon, der jüngeren Schwester oder dem jüngeren Bruder alles zeigen zu können und vor dem Frischling den alten Hasen im Revier zu spielen. Gehen die Kinder in die gleiche Kita-Gruppe, hat das nebenbei auch eine Menge Vorteile für Mütter und Väter: Sie müssen nicht mehr an zwei verschiedenen Elternabenden, Bastelnachmittagen, Feiern oder Ausflügen teilnehmen.


Gleiche Kita-Gruppe: Was tun bei Problemen?

Problematisch kann eine gemeinsame Gruppenzugehörigkeit dann werden, wenn die Geschwister nur als Zweierteam auftreten. Wenn z.B. ein Kita-Freund seinen kleinen Kumpel nur einladen kann, wenn auch die Schwester oder der Bruder mitkommen darf. Auch das Gruppenklima kann darunter leiden, so dass Eltern und Erzieherinnen dann gemeinsam überlegen, warum sich die Geschwister so stark verbünden und wie man wieder mehr Bewegung in die feste Zweierkiste bringt. Vielleicht brauchen beide gerade die große Nähe zueinander, weil es im Familienleben eine große Veränderung wie Umzug, Scheidung oder Geburt eines Babys gab? Ansonsten achten die Erzieherinnen bei kleinen Kletten schon sehr darauf, dass sie in jeweils andere Aktivitäten und Spiele eingebunden werden, so dass sie sich nach und nach auch für andere Kinder öffnen.

Zwillinge in die gleiche Schulklasse?

Für Eltern von Zwillingen wiederholt sich die Frage ‚Trennung ja oder nein?' noch einmal zur Einschulung: Auch hier gilt: „Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Jedes Zwillingspaar, jede Familie bringt ihre eigene Geschichte mit, die bei einer Entscheidung eine Rolle spielen sollte", sagt Karolin Ziegler, Mutter von Zwillingen und Grundschulrektorin in Baden-Württemberg" im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Sie hat sich seinerzeit dafür entschieden, dass ihre Jungs Ben und Eli in die gleiche Klasse kamen. „Wir bereuen es nicht, die beiden brauchen sich einfach", sagt Ziegler und empfiehlt unsicheren Eltern, rechtzeitig vorher auch mit den Kita-Erzieherinnen oder anderen erwachsenen Bezugspersonen zu sprechen, die die Kinder seit Jahren kennen. Karolin Ziegler hat ihre Erfahrungsberichte mit dem Zwillingspaar in einer gemeinsamen Klasse in ihrem „Dachbuben"-Blog gesammelt und damit schon vielen unschlüssigen Zwillingseltern weitergeholfen. Der Schulpsychologe Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen hält einfache Lösungen für falsch, tendiert aber dennoch leicht zu „getrennten Klassen": „Zwillinge sollten die Möglichkeit haben, eine eigene Identität zu entwickeln", argumentiert er.

Zwillinge in der Schule: Kompromiss Offene Eingangsstufe

Für Bodo Reuser, Kinder- und Jugendpsychologe bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung hat dabei die individuelle Haltung der Kinder einen hohen Stellenwert: „Kinder haben schon ihre Gründe, wenn sie auf die eine oder andere Idee kommen", sagt er. Wenn Zwillinge im Kindergarten schlechte Erfahrungen mit ihrem Status als doppeltes Lottchen gemacht haben, könnten in der Schule getrennte Klassen eine gute Idee sein. Reuser empfiehlt auch, darauf zu achten ob die Schule überhaupt Erfahrung im Umgang mit Zwillingen hat: „Wenn der Lehrer bereits im Vorfeld sagt, dass er sich damit schwertut oder eineiige Zwillinge gerne verwechselt, so ist das ebenfalls ein Argument für getrennte Klassen."

Für Zwillinge, die unterschiedliche Lerntypen sind, beim Schulstart aber partout zusammenbleiben wollen, können die so genannten Offenen Eingangsstufen mancher Grundschulen ein guter Kompromiss sein: Dabei werden die Schüler der 1. und 2 Klasse gemeinsam unterrichtet. Lernstarke Kinder können schon nach einem Jahr in die dritte Klasse wechseln. Kinder, die mehr Zeit zum Lernen brauchen, bleiben drei Jahre in der Eingangsstufe. Zwillinge haben dann die Gelegenheit, auf jeden Fall ein Jahr lang gemeinsam anzukommen und sich dabei jeweils eigene Freunde zu suchen, bevor sich dann eventuell später die Wege trennen.


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