Vaterschaftstest: Welche Rechte habe ich und wie funktioniert er?

Ein Vaterschaftstest bringt Klarheit

Bin ich wirklich der Vater? Ist mein Partner der Vater meines Kindes? Wer ist der Vater meines Kindes? Solche Zweifel und Fragen können eine große Belastung sein. Die Molekularbiologie macht es möglich, Verwandtschaftsverhältnisse per DNA-Analyse wissenschaftlich zu klären. Das Ergebnis ist das Abstammungsgutachten, das auch als Vaterschaftstest bekannt ist. Wie der Test funktioniert und welche rechtlichen Grundlagen gelten, erfährst du hier.

vater-sohn-umarmung-teaser
Foto: © iStock, Georgijevic

Bereits rein rechtlich betrachtet, ist eine Vaterschaft etwas komplizierter als eine Mutterschaft. Mutterschaft entsteht durch Geburt oder Adoption. Ein rechtlicher Vater hingegen ist, wer die Vaterschaft anerkennt, diese durch ein Gericht zugesprochen bekommt oder wer bei der Geburt eines Kindes mit der Mutter verheiratet ist. Das biologische Verwandtschaftsverhältnis des Mannes zum Kind ist durch eine bestehende oder nicht bestehende Vaterschaft nicht immer so eindeutig geklärt wie die genetische Verbindung der Mutter, die durch die Geburt in den allermeisten Fällen sicher feststeht. Zweifel an der Vaterschaft sind deshalb keine Seltenheit und oft eine große Belastung für die Mutter und den vermeintlichen Vater. Manchmal stellen auch die betroffenen Kinder selbst fest, dass sie keinerlei Ähnlichkeit zu ihrem Vater aufweisen und fangen an, Fragen zu stellen. Ein solcher Verdacht kann eine Familie schnell zermürben. Der Vaterschaftstest bringt Klarheit.

Rechtliche Grundlagen des Vaterschaftstests

Abstammungsgutachten werden oft gerichtlich im Zusammenhang mit Umgangs-, Unterhalts- oder Erbschaftsfragen beauftragt. Die Klärung der Vaterschaft ist in diesen Fällen notwendig, da sich aus dem Verwandtschaftsverhältnis gegebenenfalls Ansprüche ergeben. Ein Abstammungsgutachten wird entweder eingeholt, um eine Vaterschaft festzustellen oder um eine bestehende Vaterschaft anzufechten.

Grundsätzlich darf ein Vaterschaftstest auch privat beauftragt werden. Ein privat durchgeführter Vaterschaftstest ist legal, sofern alle beteiligten Parteien – also Mutter, Vater und Kind – dem Test schriftlich zustimmen. Bei minderjährigen Kindern ist die Einwilligung der Sorgeberechtigten oder gegebenenfalls anderer gesetzlicher Vertreter notwendig. Willigt eine der Parteien, beispielsweise die Mutter, nicht in die Durchführung des Vaterschaftstests ein, kann die Duldung einer Probenentnahme mit Hilfe des Familiengerichts erwirkt werden. Ohne das Wissen und die Zustimmung aller Beteiligten darf jedoch kein Vaterschaftstest durchgeführt werden. Ein heimlicher Vaterschaftstest ist nach dem Gendiagnostikgesetz nicht zulässig, er wird daher von einem Gericht nicht als Beweismittel anerkannt und kann sogar hohe Geldbußen nach sich ziehen.

Auch wenn ein Vaterschaftstest privat durchgeführt wird, kann er – zum Beispiel in einem späteren Verfahren – gerichtlich verwertbar sein. Damit er anerkannt wird, müssen jedoch mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Die Probenentnahme und Begutachtung müssen unter anderem genau dokumentiert werden und die Anforderungen des Gendiagnostikgesetzes sowie die amtlichen Richtlinien erfüllen. Damit das gewährleistet ist, muss ein gerichtlich verwertbarer Vaterschaftstest von einem Labor durchgeführt werden, das von der Deutschen Akkreditierungsstelle geprüft und anerkannt wurde. Die Probenentnahme findet in der Regel vor Ort im Labor statt, kann aber beispielsweise auch von einem externen Arzt oder qualifizierten Mitarbeitern der Jugend- und Gesundheitsämter durchgeführt werden. Selbst zu Hause eine Probe zu entnehmen, ist nicht zulässig.

Zu Beginn der Untersuchung müssen sich die Personen, an denen der Test durchgeführt wird, ausweisen. Außerdem sollen zur Identitätssicherung möglichst immer Lichtbilder und Fingerabdrücke angefertigt werden. Darüber hinaus ist vor allem die Einhaltung einer lückenlosen Beweiskette von großer Bedeutung. Das heißt, dass unter anderem der Weg der Proben jederzeit nachvollziehbar sein muss. Wenn die Probe nicht im Labor selbst, sondern extern genommen wird, muss sie unverzüglich an das Labor gesendet werden.

Was wird getestet und wie sicher ist das Ergebnis?

Für ein DNA-Abstammungsgutachten können theoretisch alle möglichen menschlichen Zellen genutzt werden. Häufig wird jedoch der Mundschleimhautabstrich bevorzugt, bei dem mit einem Wattestäbchen schmerzfrei Schleimhautzellen aus dem Mund entnommen werden. Gewöhnlich erfolgt die Entnahme bei der Mutter, dem wahrscheinlichen Vater und dem Kind. Aus den gewonnenen Zellen wird das genetische Material, die DNA, extrahiert, vervielfältigt und schließlich analysiert. Die Merkmale des Kindes werden dabei mit denen seiner Eltern verglichen. Ein vereinfachtes Beispiel: Das Kind besitzt die Merkmale A und B. Die biologische Mutter besitzt das Merkmal B, aber nicht das Merkmal A. Merkmal A muss also vom biologischen Vater stammen. Besitzt der untersuchte Mann das Merkmal A, kommt er als Vater infrage.

Für ein Abstammungsgutachten werden nach diesem Prinzip unterschiedliche Merkmalsysteme untersucht – mindestens 15. Besitzt der Mann in mehreren Merkmalsystemen nicht das jeweils vom Vater vererbte Merkmal, kann die Vaterschaft sicher ausgeschlossen werden. Weist er in jedem untersuchten System ein gemeinsames Merkmal mit dem Kind auf, wird anhand statistischer Berechnungen eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit ermittelt. Bei einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 99,9 Prozent und höher gilt die Vaterschaft als praktisch erwiesen.

Wie viel kostet ein Vaterschaftstest?

Die Kosten für einen Vaterschaftstest können je nach Anbieter und Verwendungszweck stark variieren. Oft kann zwischen einem einfachen Test für den Privatgebrauch und einem Testverfahren, das umfangreichere Richtlinien erfüllt und dessen Ergebnis vor Gericht verwendet werden kann, gewählt werden. Einfache Tests werden bereits unter 200 Euro angeboten. Hinzu kommen jedoch oft noch separate Kosten für die Probenentnahme und den Transport. Gutachten, die vor Gericht verwendet werden können, sind teurer.

Welche Konsequenzen hat ein Vaterschaftstest?

Ein privat eingeholter Vaterschaftstest hat zunächst keine unmittelbaren rechtlichen Auswirkungen – auch dann nicht, wenn die Probenentnahme aufgrund der fehlenden Einwilligung einer Partei mit Unterstützung des Familiengerichts erwirkt wurde. Das heißt zum Beispiel, dass ein Gutachten, das die Vaterschaft ausschließt, den rechtlichen Vater nicht unmittelbar von seinen Rechten und Pflichten entbindet. Wenn der rechtliche Status geändert werden soll, muss das in einem gerichtlichen Verfahren geschehen.


Seitenanfang