Geburt

Was erwartet mich bei der Geburt?

„Wo kriegten wir die Kinder her, wenn Meister Klapperstorch nicht wär?” – Wenn es doch so einfach wäre wie Wilhelm Busch hier im Scherz behauptet. Doch die Geburt kann Mutter und Kind niemand abnehmen. Was für beide Seiten eine enorme körperliche Anstrengung bedeutet, ist aber gleichzeitig auch ein Moment größten Glücks.

Alleingeburt Mutter Neugeborenes
Foto: © fotolia.com/ freepeoplea
Ist bei der werdenden Mama die erste große Euphorie über die Nachricht ihrer Schwangerschaft verklungen, beginnt eine Zeit des Staunens, der Freude und der körperlichen Veränderungen. Vor allem beginnt aber auch eine Zeit der Planung und Vorbereitung auf die Geburt. Die Geburt ist ein vielschichtiges Thema, mit dem sich die werdenden Eltern frühzeitig auseinandersetzen sollten. Gerade Erstgebärende haben häufig viele Fragen zur Geburt: Was geschieht bei der Geburt eines Kindes genau? Wie fühlt sie sich an und welche Entbindungsmethoden gibt es? Auch Ängste sind ganz natürlich, ihnen begegnet man am besten mit Aufklärung. Dann wird bald klar, dass das Bild der schmerzerfüllten, komplizierten Entbindung, das man oft im Fernsehen, in Büchern oder in den Horrorgeschichten aus dem Bekanntenkreis vermittelt bekommt, selten der Wahrheit entspricht und die meisten Geburten völlig normal verlaufen.

Die Phasen einer Spontangeburt

Als Spontangeburt bezeichnet man den normalen, natürlichen Geburtsverlauf, ohne größeres Eingreifen von außen. Wenn das Baby sich auf den Weg in die Welt machen will, signalisiert es das, indem es ein bestimmtes Protein (Surfactant-Protein-A) produziert, das die Geburt einleitet und die  Wehen auslöst. Die Geburt findet in drei beziehungsweise vier Phasen statt: der Eröffnungsphase, gefolgt von der Übergangsphase (diese wird nicht immer als eigenständige Phase angesehen), der Austreibungsphase und der Nachgeburtsphase. Die Dauer einer Geburt liegt im Durchschnitt zwischen acht und 15 Stunden, bei einigen Frauen geht es schneller, bei anderen dauert es wiederum sehr lange, bis sie ihr Baby in den Armen halten können.

  • Eröffnungsphase: Die ersten Wehen treten auf. Im Abstand von anfangs zwei bis drei Wehen in der halben Stunde steigern sich Frequenz und Intensität stetig. Die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur sorgen dafür, dass sich der Gebärmutterhals verkürzt und weitet. Außerdem wird das Kind mit jeder Wehe ein Stückchen weiter in Richtung Beckenausgang geschoben, dabei öffnet sich auch der Muttermund. Im Verlauf der Eröffnungsphase kommt es häufig bereits zum Blasensprung: Die Fruchtblase, die das Baby neun Monate lang sicher beherbergt hat, platzt und gibt den Weg frei. Bei steigender Intensität der Wehen helfen Atemtechniken und Entspannungsübungen.
  • Die Übergangsphase: Sie bezeichnet den Übergang zwischen der Eröffnungsphase und der tatsächlichen Geburts- oder Austreibungsphase, oft wird sie als Teil der Eröffnungsphase angesehen. Der Muttermund ist bereits rund acht Zentimeter weit geöffnet. Die Übergangsphase kann sich ganz unterschiedlich gestalten. Bei einigen Frauen nimmt die Intensität der Wehen weiter zu. Bei anderen vergrößern sich die Abstände zwischen den Wehen wieder und sie werden schwächer, die Geburt scheint zum Stillstand zu kommen. Und wieder andere merken nichts und gleiten direkt von der Eröffnungs- in die Austreibungsphase hinüber. Auch wenn dies häufig die schwierigste Phase der Geburt ist, heißt es jetzt durchhalten, denn es ist bald geschafft.
  • Austreibungsphase: Der Muttermund ist mit rund zehn Zentimetern vollständig geöffnet. Nun wandert das Baby durch den Geburtskanal, unterstützt durch eine hohe Wehenfrequenz. Da das Baby beim Weg nach unten immer stärker auf den Darm drückt, verspürt die Frau meist einen starken Drang zu pressen. Ist das Köpfchen zu sehen, sollte allerdings nicht mehr gepresst werden, denn um den Damm zu schonen, sollte er sich nur langsam dehnen. Ist der Kopf geboren, dreht sich das Baby noch einmal um 90 Grad, dann kommen die Schultern und der Rest des kleinen Körpers ganz schnell hinterher.
  • Nachgeburtsphase: Die Geburt ist noch nicht beendet, auch wenn das Baby schon da ist. Auch die Plazenta mit den Eihäuten muss noch geboren werden. Damit dies geschieht, kontrahiert die Gebärmutter wieder. Die Wehen sind allerdings schwächer als in den vorangegangenen Phasen und werden durch die erhöhte Endorphinausschüttung manchmal kaum noch wahrgenommen. Die Nachgeburt wird kurz nach der Geburt des Babys bis etwa eine Stunde später abgestoßen. Man kann diesen Prozess auch medikamentös einleiten, das ist in vielen Krankenhäusern sogar Standard. Dann sollte die Nachgeburtsphase nicht länger als 30 Minuten dauern.

Verschiedene Geburtsmethoden

Es gibt verschiedene Arten, ein Baby zu gebären. Die gängigste Art ist die Spontangeburt im Krankenhaus. Hier ist medizinisches Personal in unmittelbarer Umgebung und kann eingreifen, sobald sich Komplikationen andeuten oder der Geburtsverlauf nicht normgerecht vonstatten geht. Auch der Zugang zu  schmerzlindernden Methoden wie der  Periduralanästhesie (PDA) ist hier gewährleistet. Wenn bereits im Vorhinein mit Problemen unter der Geburt zu rechnen ist oder das Kind zu früh oder zu spät kommt, bleibt der Mutter ohnehin keine Wahl, als im Krankenhaus zu entbinden. Hier können  Frühgeburten sofort medizinisch versorgt und bei einer zu langen Übertragung die Geburt eingeleitet werden. Liegt das Baby nicht in der richtigen Position, wird manchmal per  Kaiserschnitt entbunden. Die Zuhilfenahme einer Geburtszange oder Saugglocke sowie der Dammschnitt sollten nur erfolgen, wenn sich der Zustand des Kindes unter der Geburt verschlechtert. Bei einer normal verlaufenden Geburt bekommt die werdende Mutter aber auch im Krankenhaus keinen Arzt zu Gesicht. Die Hebammen sorgen dafür, dass es Mutter und Kind gut geht und begleiten die Entbindung eigenständig.

Wer kümmert sich bei der Geburt um die Schwangere?

Was für die einen Sicherheit bedeutet, ist für die anderen ein Eingriff in die natürlichen Abläufe der Geburt. Nicht immer sind die geburtsunterstützenden Maßnahmen in Krankenhäusern gerechtfertigt oder werden zu früh ausgeführt. Verfechterinnen der natürlichen Geburt wählen daher gern die Entbindung im Geburtshaus oder die Hausgeburt.

Geburtshäuser sind meist wohnlicher gestaltet als der Kreißsaal im Krankenhaus. Außerdem können sich die Gebärenden freier bewegen und  verschiedene Geburtspositionen nutzen. Auch Geburtswannen sind dort oft vorhanden. Meist entbindet die Hebamme, die die Schwangere über ihre Schwangerschaft hinweg betreut hat, was Vertrauen und Sicherheit schafft. Hier wird eher die ganzheitliche Erfahrung der Geburt propagiert, anstatt sie als medizinischen Vorgang zu betrachten. Dennoch, sollten unter der Geburt Komplikationen auftreten, wird diese sofort ins Krankenhaus verlegt, um unnötige Risiken für Mutter und Kind auszuschließen. Meist arbeiten die Geburtshäuser eng mit der nächstgelegenen Geburtsklinik zusammen.

Auch bei der Hausgeburt ist die schwangerschaftsbegleitende Hebamme in der Regel die Geburtshelferin. In der vertrauten Atmosphäre des eigenen Heims sind viele Frauen wesentlich entspannter und gelassener als in einer fremden Umgebung. Das kommt auch dem Geburtsverlauf zugute. Denn je entspannter und ruhiger die Frau, umso einfacher und schmerzärmer geht die Geburt vonstatten. Es gibt sogar mobile Geburtswannen, die die Hebamme für eine Wassergeburt mitbringen kann. Auch hier wird die Geburt beim ersten Anzeichen für eine Komplikation direkt ins Krankenhaus verlegt.

Im Geburtshaus und mittlerweile auch in den meisten Krankenhäusern findet die Geburt ambulant statt. Das heißt, dass die junge Mutter nur wenige Stunden nach der Entbindung direkt nach Hause entlassen wird, sofern die Geburt gut verlaufen ist und alle Beteiligten wohlauf sind.

Sanfte Geburt und HypnoBirthing

Die sogenannte Readsche Methode propagiert den ganzheitlichen Ansatz und geht davon aus, dass eine Geburt nicht schmerzhaft sein muss, sondern ein natürlicher Prozess ist, den Frau und Kind selbst steuern. Kann sich die Mutter unter der Geburt bestmöglich entspannen, wird sie keine Schmerzen spüren. Der Auslöser für den Schmerz, unter dem die Frauen leiden, sei ihre Angst vor der Geburt. Sie löse Verspannungen aus und bewirke, dass sich die Gebärmutter verkrampfe und nicht so arbeite wie sie es natürlicherweise tun würde. Vater der namensgebenden Geburtstechnik ist der amerikanische Gynäkologe Dick Reed. Er entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Geburtskonzept, das die werdende Mutter seelisch und körperlich auf die Geburt vorbereiten sollte. Dazu zählen neben genauer Aufklärung über den Geburtsverlauf auch gymnastische Übungen sowie Entspannungs- und Atemtechniken.

Basierend auf der Readschen Methode entwickelte die Amerikanerin Marie Mongan ein ähnliches Geburtskonzept, das im Wesentlichen auf Konditionierung durch Selbsthypnose besteht. Auch hier wird auf Aufklärung durch Information gesetzt und die schmerzfreie Geburt in Aussicht gestellt. Zentrales Element der  „HypnoBirthing“ genannten Methode sind Meditations- und Entspannungsübungen, mit denen sich die Gebärende selbst in eine Art Trancezustand versetzen soll. Ein wichtiger Faktor bei Mongans Methode ist auch die Partnerarbeit. Der Geburtspartner wird aktiv in die Geburt mit einbezogen, indem er bestimmte Anker aktiviert, die in der Vorbereitungsphase gesetzt wurden. Diese Anker lösen bei der Gebärenden eine tiefe Entspannung aus.

Welche Methode und welchen Geburtsort die werdende Mama auch wählt, das Glück, das sie empfindet, wenn sie  ihr Baby zum ersten Mal im Arm halten darf, ist unvergleichlich. Eine Geburt ist immer ein einschneidendes Erlebnis, denn, wie Gertrud von le Fort sagte: „Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.“


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