Weinen, Schreien, Toben?

Erziehungstipps für die Trotzphase

Sie schreien und weinen, treten und toben – und das anscheinend besonders gern in den falschen Momenten. Kinder im Trotzalter sind für Eltern eine echte Herausforderung. Wir geben euch Tipps, wie ihr am besten reagiert und dabei euch und eurem Kind helft.

Autor: Heike Byn
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Trost für Eltern kleiner Trotzköpfe

Wenn Manager schon Mantras aufsagen, um Herren der Lage zu bleiben und Krisen zu überstehen, warum nicht auch Eltern? Hier ein paar kleine verbale Trostpflaster-Mantras für wunde Elternseelen:
  • Du bist nicht allein, anderen Eltern mit Trotzkindern geht es ähnlich
  • Die Wutanfälle der Kleinen haben wirklich nichts mit schlechter Erziehung zu tun
  • Kinder kriegen ihre Anfälle nur bei Menschen, zu denen sie volles Vertrauen haben und bei denen sie sich sicher fühlen
  • Je mehr Trotzanfälle im Kleinkindalter, desto gemäßigter fällt die Pubertät aus – sagen Experten

Kind hat Wutausbruch? Nimm's nicht persönlich!

Dein Kind schreit und wirft sich auf den Boden, wenn es seinen Willen nicht bekommt? Mach dir klar, dass es sich bei der Trotzphase um eine Entwicklungsphase handelt, die spätestens mit vier Jahren vorbei ist. Nimm das Verhalten deines Kindes nicht persönlich. Es trotzt nicht, um dich zu ärgern! Dein Kind kann seine Wut nicht steuern und versetzt sich selbst oft mit seinem Schreien in Angst und Schrecken. Lässt du dich von seiner Wut mitreißen, machst du alles nur noch schlimmer. Deine wichtigste Aufgabe: Selbstkontrolle – die Kraft dazu liegt in der Ruhe, die du bewahren musst.

Wutanfälle aushalten, Blick von außen versuchen

Wutanfälle in der Öffentlichkeit sind die schlimmsten, keine Frage. Und garantiert steht jemand daneben, wenn sich der Sohn oder die Tochter auf der Erde wälzt und gibt einen klugen Tipp zum Besten. Da hilft nur eins: Augen zu und durch! Nicht ausflippen, nicht schreien – aber auch nicht nachgeben. Ein überlegenes Lächeln aufsetzen und schnell den Schauplatz des Dramas verlassen. Manchmal hilft auch eine Perspektive von außen: Schau dir die Szene mit innerem Abstand an. Vielleicht musst du dann sogar lächeln, weil das alles irgendwie auch lustig ist. Okay: Vielleicht ...

Regeln und Rituale für Trotzköpfe finden

Wenn das Innenleben deines Kindes rotiert, braucht es erst recht stabile und verlässliche Rahmenbedingungen im Alltag. Überleg dir, welche grundsätzlichen Regeln und Verbote jetzt wichtig und nützlich sind – und welche inzwischen überholt. Feste Rituale helfen deinem Kind auch, sich besser selbst zu regulieren. Beispiel Abendritual: Wenn die Abläufe immer gleich sind und du dich auf keine Ausnahmen und Diskussionen einlässt, lernt es schnell: Es bringt nichts, mit meinem abendlichen Wutanfall gegen das Zubettgehen anzukämpfen.

Trotzphase: Strategien für drohende Wutanfälle entwickeln

Typische Wutausbrüche passieren oft in Situationen, in denen dein Kind müde, hungrig oder einfach nur überfordert ist. Wenn du weißt, wie es tickt, kannst du zumindest teilweise für mehr Entspannung sorgen. Also z.B. nicht mit einem hungrigen Kind in den Supermarkt gehen, seine Klamotten schon am Abend zusammen rauslegen und ihm bei Entscheidungen nur zwei Alternativen anbieten. Also lieber „Magst du ein Eis oder ein Stück Kuchen?" fragen – als „Worauf hast du denn Lust?".

Konsequent bleiben – auch wenn's schwerfällt

Mal geht's zuhause um das entscheidende Stück Schokolade vor dem Essen, mal um den Lolly im Quengelregal vor der Supermarktkasse: Wenn du einmal Nein dazu gesagt hast, dann bleib auch dabei. Dein Kind muss lernen, dass es in solchen Situationen nichts erreicht. Um trotz aller Anspannung dennoch (zumindest äußerlich) ruhig zu bleiben, kannst du die altbekannte Technik der ständigen Wiederholung anwenden: Das heißt du wiederholst dein Nein ohne oder mit kurzer Begründung und mit ruhiger Stimme so oft, wie dein Kind dir sein „Ich will aber haben!" entgegenschmettert.

Wutanfall droht: Die Kunst des Nein-Sagens

Manche Kinder-Wünsche sind einfach nur gefährlich oder schlicht unmöglich: Im Schwimmbad ins tiefe Becken zu springen – ohne schwimmen zu können oder mitten in der Nacht aufzuwachen und backen zu wollen. Da hilft nur dein entschiedenes Nein und je nach Situation ein Kompromissangebot: Auf Papas Rücken durchs Nichtschwimmerbecken zu gleiten hat auch für kleine Trotzköpfe was und selbst gebackene Muffins am nächsten Mittag essen – das schmeckt mit wachem Geist nochmal so gut.

Notbremse namens Ablenkung ziehen

Keine Frage: Alle noch so tollen und sinnvollen Verhaltenstipps für Eltern funktionieren in manchen Situationen auf einmal nicht mehr: Du musst DIESEN Bus nehmen, um nicht zu spät zu kommen, dein Kind protestiert dagegen lautstark und wehrt sich mit Händen und Füßen? Dann zieh die Notbremse namens „Ablenkung". Sätze wie „Guck mal, wenn wir uns gleich hinter den Fahrer setzen, kannst du ihm beim Lenken zugucken" oder „Im Bus lese ich dir was vor" können im Notfall.

Erste-Hilfe bei Trotzanfällen: Festhalten, nicht zutexten, nicht dramatisieren

Manchen Kindern tut es gut, wenn man sie sanft festhält. Der Körperkontakt und die Botschaft „Ich bin bei dir, ich hab dich lieb" lassen sie schneller wieder zur Ruhe kommen. Wenn dein Kind das nicht mag, dann zwing es auch nicht dazu. Du bist versucht, während eines Wutanfalls auf dein Kind einzureden, um ihm die Sinnlosigkeit seines Tuns klarzumachen? Lass es, denn das ist völlig nutzlos. Warte, bis es sich beruhigt hat. Dramatisiere den Wutanfall nicht. Wenn du dem Wüten und Toben nicht zu viel Aufmerksamkeit schenkst, geht ein Anfall manchmal schneller vorbei.

Leere Drohungen bringen nichts

„Wer in die Steckdose packt, den holt die Stromhexe", „Unartige Kinder kommen ins Internat", „Warte nur, bis Papa heute Abend da ist!" – in früheren Zeiten war der Erziehungston deutlich rauer und die Drohungen handfest. Doch sie waren früher genauso unsinnig wie heute. Ein Kind bekommt nur Angst, wenn es von Horrorszenarien hört, die es ereilen wenn es nicht „brav" ist. Zudem schwächen leere Drohungen auch sein Selbstvertrauen.

Achtung Trotzanfall: Gewalt ist keine Lösung!

Dein Kind tritt dich oder strampelt in deinen Armen derart, dass du am nächsten Tag einen dicken blauen Fleck hast? Und jetzt überkommt dich vor lauter Verzweiflung die Fantasie, dem Wutanfall mit einem Klaps auf den Po ein Ende zu bereiten? Eltern sind keine Heilige und solche Gedankenspiele sind legitim – so lange sie sich nur in deinem Kopf abspielen. Schläge, Einsperren oder andere Formen von Gewalt sind definitiv kein Erziehungsmittel. Sie schaden nur dem Selbstbewusstsein deines Kindes und seiner Entwicklung. Besser: Kurz den Raum verlassen, bis zehn zählen und sich dann wieder dem Kind widmen.

Grundregeln mit der Familie absprechen

Bei euch zu Hause gibt es wenig Süßes, der Fernseher bleibt nachmittags aus und ihr habt eine Mittagsruhe eingeführt. Dann erklärt auch Großeltern, Tanten und Freunde der Familie eure Grundregeln und bittet sie, sich daran zu halten, wenn ihr nicht da seid und sie auf das Kind aufpassen. Je mehr Ausnahmen sie erlauben, umso heftiger wird euer Kind bei euch versuchen, das neu eroberte Terrain zu behaupten.

Die Wut muss raus! So geht's:

Jedes Kind hat sein eigenes Temperament. Hilf ihm, herauszufinden, wie es mit seiner Wut klarkommen kann: Manchmal hilft es ihm, auf ein dickes Kissen einzuschlagen oder auf der Tobe-Matratze im Kinderzimmer herumzuhüpfen. Mach ihm aber klar, was erlaubt ist und was nicht. Schlagen und Treten geht gar nicht. Dafür aber vielleicht mit einem weichen Ball gegen die Tür zu werfen. Lob es, wenn es sich an die Regeln hält.
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