Selbsttherapie in Sachen Alkohol möglich?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von fürst bismark 14.02.11 - 14:41 Uhr

keine Partnerschaftsfrage, muss aber so weils schwarz sein muss. Sorry

Das Problem Alkohol wird von der Person erkannt. Es muss dringend etwas passieren. Öffentlich machen will sie es aber nicht. Halböffentlich ist es fast weil ihre Kollegen schon etwas gemerkt haben. Bekannte von ihr wurden von denen darauf angesprochen. Sie will etwas unternehmen aber ohne Therapie. Die Familie soll nichts mehrken.

Hat das Sinn. Sie ist schon recht stark, aber ob sie stark genug ist? Sie trinkt schon morgens vor der Arbeit und auch während der Arbeit. Sie ist nie ausser kontrolle. Abends merkt man garnichts und sie trinkt Wasser oder Weinschorle und macht auch einen nüchternen Eindruck.

Kann man da überhaupt ohne Hilfe alleine rauskommen? Den Kummerkasten hat sie ja bei mir, aber reicht das? Wenn sie soviel Vertrauen zu mir hätte, hätte sie den Alk doch sowiso nicht gebraucht.

Soll sie das versuchen?

Beitrag von gemeinhardt 14.02.11 - 14:56 Uhr

Versuchen kann Sie es freilich, aber ob das von Erfolg gekrönt sein wird...
Glaub nicht.
Suchterkrankungen...
Da kommt man sehr schwer alleine raus. Außerdem helfen da Gruppen auch echt viel.

Hat jetzt nicht groß geholfen mein Betrag oder?

ich würde ihr dringend zu ner Therapie raten.

Lg, Cora

Beitrag von mansojo 14.02.11 - 15:01 Uhr

hallo,



geh mal auf die seite der anonymen alkoholiker ,die helfen schon sehr gut


die frage ist wie diese person durch den entzug kommt

manche kommen da ohne blessuren durch
andere rutschen ins delier,spätestens ab da ist medizinische hilfe unbedingt notwendig


ich rate zur hilfe

Beitrag von bet(s)roffen 14.02.11 - 15:09 Uhr

Nein, das sollte sie nicht versuchen. Und ohne Therapie wird es nicht funktionieren.

Ich kenne keinen Fall, wo das geklappt hätte. Nur sehr viele, die das jahrelang versucht haben und sich dabei selbst in die Tasche logen.

Aus Scham und auch - wenn die Betroffenen ehrlich wären - weil sie dann wirklich und öffentlich keinen Alkohol mehr anrühren dürften, wird die Öffentlichkeit so lange wie möglich gemieden und versucht kontrolliert zu trinken - damit man sich wieder einreden kann, dass es ja nicht so schlimm ist.

Dabei ist es meist längst öffentlich und auch die Familie wird etwas ahnen - der/die Betroffene will das nur nicht wahr haben.

Ich rate zum Gang zum Hausarzt, dann Therapie und Selbsthilfegruppe.

Mehr kannst Du nicht tun.

Beitrag von vielleicht doch!? 14.02.11 - 16:17 Uhr

Ich habe selbst 13 Jahre gesoffen.
Zwar auf keinen Fall schon morgens, bin aber immerhin 2-4 mal die Woche abends bis zu nächsten morgen durch die 24 Stunden Kneipen getingelt.

Ich habe aufgehört als ich schwanger war. Allein und ohne Probleme.
Vielleicht war ich "nur" ein Mißbräuchler, ich weiß es nicht.

Bei mir hat es funktioniert, ich trinke überhaupt keinen Alkohol mehr.

Beitrag von nele27 14.02.11 - 15:22 Uhr

***Sie will etwas unternehmen aber ohne Therapie. Die Familie soll nichts mehrken. ***

Ich übersetze das mal :-)

Die Person merkt, dass sie wohl ein Problem hat, aber hat nicht den Mut, es richtig und mit allen Konsequenzen anzupacken, sondern will sich Schlupflöcher erhalten, evtl. sogar ab und zu das berühmte eine Gläschen in Ehren trinken.
Mit der Selbsttherapie soll daher eine halbe Sache her um was zu ändern, aber bloß nicht zu viel.

So wird das aber nicht funktionieren. Sucht zu behandeln erfordert einen deutlicheren Schnitt und konsequentere Maßnahmen.

LG, Nele
Erfahrung als Angehörige

Beitrag von fürst bismark 14.02.11 - 15:48 Uhr

so ähnlich empfinde ich das auch. Sie hat sich absolut im Griff. Weder auf Veranstaltungen, privaten Feiern oder so schmiert sie ab, bremst ehr diejenigen,die zuviel hatten und komisch werden und meistens fährt sie sogar die anderen nach Hause. Irgentwie verstehe ich das dann auch nicht. Sie sagt, dass sie morgens damit anfängt um keinen Hunger zu haben, oder auf betriebstemperatur zu kommen #schock, oder den Stress abzukönnen. Es ist jedenfalls nicht soweit, dass wie ein Penner rumläuft und in der Wohnung sieht es auch meist ordentlich aus. Das soziale Gefüge um sie herum scheint mir recht stabil.

Es wäre ihr peinlich, wenn andere mitkriegen das sie ne Schnapsdrossel ist. sie glaubt das würde ihre Autorität untergraben.

Ich glaube sie ist überfordert.

Beitrag von nele27 14.02.11 - 15:54 Uhr

So wird sie aber auf Dauer nur verlieren...

Ein Kollege von mir war jahlelang Alkoholiker und trank in der Öffentlichkeit jedoch auch nur Wasser.
Er starb vor zwei Jahren an einem Magendurchbruch mit 50
Jahren.

LG

Beitrag von bes(tr)offene 14.02.11 - 18:40 Uhr

Es tut mir wirklich leid, aber Deine Freundin hat sich überhaupt nicht "im Griff". Wer den Tag mit Alkohol beginnt, ist alkoholkrank oder zumindest mehr als stark suchtgefährdet.

Und auf Veranstaltungen oder Feiern nicht zu trinken, fällt einem Alkoholiker nicht unbedingt schwer.

Ich habe das jahrelang so praktiziert und in der Öffentlichkeit sogar vehement gegen Alkohol gewettert....und wenn die Veranstaltung oder Feier vorüber und ich wieder zu Hause im stillen Kämmerlein war...#fest

Ich bin nie wegen Alkohol der Arbeit fern geblieben, mein soziales Umfeld war okay und die Wohnung sah auch immer gut aus - sollte ja schließlich keiner merken, dass ich mir heimlich regelmässig einen hinter die Kiemen gieße.

Ich hoffe, Deine Freundin nimmt Hilfe an. Eine anonyme Selbsthilfegruppe würde sie nicht gefährden aber sie würde mit Menschen zusammen kommen, die sie verstehen.

Auch ein Hausarzt oder Therapeut hat Schweigepflicht.

Die gesundheitlichen Risiken eines kalten Entzugs sind hier schon geschildert worden - aber mehr, als dies alles Deiner Freundin nahe zu legen, kannst Du nicht.

Ich wünsche Dir und vor allen Dingen Deiner Freundin alles Gute.

Beitrag von zeitblom 14.02.11 - 15:26 Uhr

es kommt wohl darauf an, ob sie zu viel trinkt oder alkoholkrank ist. Im letzten Fall braucht sie sicher professionelle Hilfe.

Beitrag von seelenspiegel 14.02.11 - 15:33 Uhr

<<<Soll sie das versuchen? >>>

Ja....wenn sie es alleine nicht schaffen sollte, kann sie immer noch Hilfe in Anspruch nehmen, aber die Selbsterkenntnis war das allerwichtigste, und der Schritt es anzugehen der zweitwichtigste !!

Beitrag von frieda05 14.02.11 - 15:55 Uhr

Besser sie versucht es erstmal selbst, als daß sie garnichts unternimmt. Wenn sie jetzt noch nicht bereit ist, sich einer Organisation, wie z. B. den AA`s anzuvertrauen oder ähnliche Schritte zu unternehmen, kannst Du sie da nicht hinprügeln.

Ich würde versuchen sie zu unterstützen. Wenn es dann nicht funktioniert, wird sie einsehen müssen, daß professionelle Hilfe Not tut.

Immerhin hat sie es scheinbar ja auch geschafft mit Dir Tacheles zu reden. Das geht manchmal mit Menschen, die weniger dicht an einem dran sind als die Familie besser.

Ich sehe es wie der Spiegel. Versuch macht klug.

GzG
Irmi

Beitrag von ug2712 14.02.11 - 16:02 Uhr

Soll sie das versuchen?

Ja, das wäre der nächste kleine Schritt.

Der Weg aus der Suchtfalle geht in kleinen Schritten mit vielen Rückschritten einher.
Sie ist nun schon recht weit. Sie hat mit dir gesprochen und sie will etwas tun.
Da ein Entzug je nach vorangegangenen Alkoholkonsum negative gesundheitliche Folgen haben kann (hier kann es bis zum Zusammenbruch mit Lebensgefahr kommen!), sollte in ihrem nahen persönlichen Umfeld jemand involviert sein.

Beitrag von witch71 14.02.11 - 16:20 Uhr

Ja, das geht. Mir hat ein ehemaliger Patient erzählt, dass er sich von einem Tag auf den anderen selbst "trocken gelegt" hat.

Grund war bei ihm, dass seine Frau gesagt hatte, entweder hört er auf zu saufen oder sie geht mit den Kindern. Seinen Alkoholkonsum weiss ich nicht, ich habe von ihm nur mitbekommen, dass er sich selbst überall als trockener Alkoholiker bezeichnet hat. Er weigerte sich auch, Medikamente in Tropfenform zu nehmen, die diese obligatorischen Alkoholika enthalten. Also wirklich komplett abstinent.

Man muss aber dazu sagen, dass der Anreiz (Familie verlieren) schon ein sehr starker war und er ein Mensch mit einem extrem starrsinnigen Willen war/ist. Der hatte auch keine Scheu davor, den Ärzten zu sagen, wie er bestimmte Dinge haben möchte und so lange zu diskutieren, bis der Arzt seufzend aufgab. ;-)

Beitrag von lanni 14.02.11 - 16:22 Uhr

Hallo,

ich seh es genauso wie Seelenspiegel und ein weiterer User (namen nicht gemerkt).

Versuch macht klug! Sollte sie scheitern kann sie immer noch Hilfe suchen.

Es gibt weiterhin die Möglichkeit die Entgiftung (also das sofortige Absetzen des Alkohols, hierbei besteht die Gefahr eines Delirium tremens und/oder eines Krampfanfalls) mit Tabletten ambulant durchzuführen. Dazu sollte sie sich an ihren Hausarzt wenden. Die Tabletten verhindern das Delir und den Krampfanfall, dürfen aber auf keinen Fall mit Alk kombiniert werden da das tödlich enden kann.

Sollte nicht die Möglichkeit bestehen das sie unter Aufsicht stehen kann während dieser Entgiftungsphase wäre es besser wenn sie zur Entgiftung in ein KKH geht. Am sinnvollsten wäre es eine qualifizierte Entgiftung in einer Suchtklinik zu machen. (dauert ca. 7-10 Tage) Kann man ja evtl. als Urlaub mit Dir tarnen???

Danach gehts dann einfach (einfach ist gut) nur noch darum ein Leben ohne Alk (wieder) zu "erlernen".

Ich wünsche Deiner Freundin viel Glück, Dir starke Nerven und viel Durchhaltevermögen. Ich weiss das es ein langer sehr harter Weg ist, mein Mann ist jetzt seit eineinhalb Jahren trocken, aber mit professioneller Hilfe.

Beste Grüße

Lanni

Beitrag von binnurich 14.02.11 - 16:24 Uhr

wenn man zu einem Siuchttherapeuten geht z. B. am Allgemeinkrankenhaus oder bei einem Verein oder bei den Anonymen Alkoholikern, macht man es doch auch nicht öffentlich

Beitrag von sneakypie 14.02.11 - 16:49 Uhr

Ich hab bisher allenfalls über Dritte von Leuten gehört, die sich selber trockengelegt und das erfolgreich durchgezogen haben.

Persönlich kenne ich nur solche Fälle, wo ohne Therapie überhaupt nichts ging bzw. wo sich der Alkohol wieder "eingeschlichen" hat, als die Leute meinten, sie wären ja wieder gesund. Also tendenziell eher - Nein, ohne therapeutische Unterstützung (und dazu zählen mE auch die Anonymen Alkoholiker) ist es verdammt schwierig.

Wenn jemand sowieso eher Pegeltrinker ist, wird das Ganze noch schwieriger, weil da die Kontrolle von außen wegfällt - merkt ja keiner, ob getrunken wurde.

Zudem kann man sich den Entzug medikamentös leichter machen.

Alles in allem klingt dein Bekannter eher halbherzig. Ich finde es zB unheimlich wichtig, die nächsten Umstehenden einzuweihen. Allein schon, um zu vermeiden, dass der Erkrankte aus Versehen mit Alkohol in Speisen und Getränken in Berührung kommt; oder dass er sozialem Druck ausgesetzt wird, Marke "Na komm schon, darauf müssen wir doch anstoßen"/"Ein Gläschen in Ehren kann keiner verwehren" etc.

Zudem ist ja auch wieder wichtig, dass die Alkoholsucht nicht durch eine andere Sucht (sehr beliebt: Tabletten) ersetzt wird! Dafür muss man sich aber erstmal mit den Hintergründen der Suchterkrankung auseinandersetzen. Dazu gehört mehr, als einfach nur die Flasche im Schrank zu lassen.

An deiner Stelle würd ich doch versuchen, dem Bekannten Hilfsangebote schmackhaft zu machen.

Gruß
Sneak

Beitrag von romance 14.02.11 - 21:48 Uhr

Nein!

Sie hat immer ein Pegel, daher kommt sie dir nicht betrunken ovr.

Es gibt 5 Säulen des Alkoholismus.

Sie wird Hilfe brauchen. Viele glauben,s ie würden es meistern können. Tja, warum sind sie erst alkohol krank geworden? Wenn sie die Stärke besitzt hätte, hätte sie sich dagegen gewehrt.

Beitrag von fürst bismark 15.02.11 - 09:27 Uhr

Ich habe gestern noch mal mit ihr gesprochen. Seit Freitag bis auf eine Weinschorle keinen Alkohol. Ich glaube ihr (warum sollte sie mich anlügen, schließlich ist sie damit ja zu mir gekommen). Es scheint noch nicht soweit zu sein, daß körperliche Ausfälle in Sachen "kalter Entzug" auftreten. Sie sagte, sie versucht zur Zeit einfach von Tag zu Tag ohne Alk.

Ich habe ihr vorgeschlagen einen Therapeuten zu Rate zu ziehen, da ich auch der Meinung bin, dass die Ursache dafür das sie überhaupt soweit kam herausgefunden werden sollte. Sonst sehe ich auch die Problematik, das andere Drogen den Alk ersetzen werden.

Auf die Idee ist sie natürlich selbst auch schon gekommen. Ganz doof ist sie ja auch nicht.

Über die AA`s denkt sie jetzt mal nach. Die Frau des besten Freundes meines Mannes ist bei denen. Sollte ich die mal fragen, ob sie sich mit meiner Freundin mal unterhält (die beiden kennen sich auch flüchtig)?

Beitrag von lanni 15.02.11 - 10:11 Uhr

Guten Morgen,

natürlich sind da noch keine Ausfallerscheinungen. Weil auch Weinschorle Alkohol ist.

Sie muss sich darüber absolut im Klaren sein das auch ein Weinschörlchen, ein Bierchen (auch kein Alkfreies), ein Sektchen etc. einfach absolut tabu sein müssen wenn sie wirklich abstinent leben will!

Sorry hab jetzt grad erst gelesen das sie nur eine Weinschorle getrunken hat.

Trotzdem gilt was ich gesagt habe.

Das Delir/der Krampfanfall können (nicht müssen, gibt auch Leute die von heute auf morgen im Vollrausch aufhören und nix passiert) bis zu 10 Tage nach dem letzten Alk auftreten.

Wohnt sie ganz allein? Ehemann? Kinder?

Sie sollte nach Möglichkeit nicht ganz allein sein, sondern jemand sollte regelmäßig nach ihr gucken.

Falls sie nämlich krampft, und doof fällt isses schonmal gut wenn man sie schnell findet. Damit sollte man nicht spaßen.

Selbsthilfegruppen sind IMMER gut. Auf Anhieb fallen mir die AA's, die Guttempler, Diakonie, Freundeskreis Alkabhängige ein. Einfach mal nach Selbsthilfegruppen in Eurer Nähe googeln.

Ansonsten weiterhin,

VIEL Glück!