Wann Wehen fördern?

Sanft die Geburt anstoßen

Wenn der Entbindungstermin immer näher rückt oder sogar schon verstrichen ist, stehen Schwangere vor einer echten Geduldsprobe. Sie sehnen sich danach, ihr Baby endlich im Arm halten zu können. Einige natürliche Methoden können helfen, um die Geburt auf sanfte Weise anzuregen.

Autor: Ulrike Hahnlein
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Wehen fördern: Mutter und Kind müssen bereit sein

Frau schwanger im Bett liegend
Foto: © iStockphoto.com/ jaqy

Vielen Frauen in freudiger Erwartung geht es ähnlich wie „themetaljessy“, die im urbia-Forum ungeduldig schreibt: „ET+6 und so langsam möchte ich mein Baby lieber auf dem Bauch haben, statt drin. Wer hat Erfahrung, was hilft?“ Immer wieder suchen Schwangere dort nach Tipps, wie sie der Geburt auf die Sprünge helfen können. Oft fürchten sie eine künstliche Einleitung im Krankenhaus und hoffen, dass sich ihr Sprössling schon vorher selbst auf den Weg macht. Die Antworten sind vielfältig. Manche Frauen raten: „Das nützt sowieso alles nichts, dein Baby kommt dann, wann es will!“ oder „Du solltest lieber entspannen und deine Kräfte für die Geburt sparen“. Doch ebenso gibt es positive Berichte, wo einzelne Mittelchen den entscheidenden Anstoß gegeben haben sollen. Warum scheinen die Methoden bei manchen Frauen zu wirken, bei anderen wiederum scheitern alle Versuche, den Geburtsbeginn herbeizuführen? Birgit Laue, Hebamme und Autorin des Ratgebers „1000 Fragen an die Hebamme“, erklärt im Interview: „Natürliche Maßnahmen, um die Wehen sanft anzustoßen, wirken nur, wenn Mama und Baby geburtsbereit sind. Sonst haben die Wehenhelfer keinen Erfolg, denn letztendlich gibt das Ungeborene das Startsignal.“

Schwangerschaft: Einleiten der Geburt durch die Hebamme 

In Einzelfällen kann das natürliche Anregen der Wehen schon vor dem errechneten Geburtstermin sinnvoll sein. Beispielsweise, wenn eine Einleitung im Krankenhaus droht, die Mutter große Beschwerden hat, bei Schwangerschaftsdiabetes oder einer Mangelversorgung des Kindes. Deine Hebamme und dein Frauenarzt können dich darüber beraten, ob und wann eine Geburtseinleitung empfehlenswert ist und welche Methode für dich in Frage kommt.

Was lockt die Wehen?

Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf ohne Komplikationen sollten sich werdende Mütter bis zum Entbindungstermin gedulden. Erst ab diesem Stichtag kann versucht werden, die Wehen auf sanfte Weise anzuregen. Zusammen mit Hebamme oder Frauenarzt können verschiedene Wege zum Erfolg führen:

  • Eipol-Ablösung
    Bei Terminüberschreitung oder gar einer richtigen Übertragung (zwei Wochen nach dem errechneten Geburtstermin) führt vielleicht eine Ablösung des Eipols zum gewünschten Erfolg. Diese meist unangenehme oder sogar schmerzhafte Methode kann nur durch eine Hebamme oder einen Gynäkologen durchgeführt werden. Dabei wird der Muttermund stimuliert und die äußere Membran der Fruchtblase von der Gebärmutterwand gelöst. Dadurch können unkoordinierte Kontraktionen aber auch echte Wehen ausgelöst werden.
  • Akupunktur
    Eine weitere Möglichkeit ist Akupunktur. Das Setzen der feinen Nadeln dient nicht nur der Geburtsvorbereitung während der Schwangerschaft, sondern kann unter geburtsbereiten Umständen Wehen auslösen. Akupunktur wird gerne eingesetzt, wenn sich nach dem Entbindungstermin noch gar nichts tut. Auch sogenannte „Wilde Wehen“ können durch die kleinen Piekse regelmäßiger werden.
  • Homöopathie
    Homöopathisch erfahrene Geburtshelferinnen können auch eine individuell abgestimmte Globuli-Therapie zusammenstellen, um die Wehen anzuregen. Birgit Laue empfiehlt zur sanften Geburtseinleitung: „Mischen Sie 10 Tropfen Caulophyllum thalictroides D4, 10 Tropfen Pulsatilla D30 und 10 Tropfen Cimicifuga D2 mit einem Glas Wasser. Nehmen Sie im Laufe einer Stunde immer wieder einen kleinen Schluck davon.“
  • Fußreflexzonen-Massage
    Werden bestimmte Punkte und Bereiche an den Füßen der Schwangeren durch eine Hebamme oder einen Masseur stimuliert und gedrückt, kann dadurch die Wehentätigkeit auf natürliche Weise gesteigert werden.
  • Nelkenöl-Tampon
    Dabei wird ein in Nelkenöl getränkter Tampon eingeführt, um den Muttermund weicher und geburtsbereiter werden. Diese Methode sollte nur auf Empfehlung von Hebamme oder Frauenarzt erfolgen.

Die Geburt in Gang bringen – auf eigene Faust

Schwangere sollten nicht nur ihren Stichtag abwarten, sondern auch nichts unternehmen, ohne ihre Hebamme oder ihren Gynäkologen vorher um Rat zu fragen. Denn manche Methoden bergen die Gefahr für Komplikationen oder unerwartet heftigen Reaktionen. So zum Beispiel Mixturen mit Rizinusöl, sogenannte Wehencocktails. Rizinusöl hat eine abführende Wirkung, was zum Teil heftige Wehen auslösen kann. Weil man nicht vorhersehen kann, wie das Ungeborene auf den plötzlichen Stress der Wehen reagiert, rät auch Hebamme Birgit Laue von einer Einnahme ohne kompetente Geburtsbegleitung ab. Außerdem gibt sie einen weiteren Grund an, der gegen einen selbstgemachten Wehencocktail spricht: „Fast alle Rezepte enthalten Hochprozentiges wie Wodka, Schnaps, Gin oder Whisky. Abgesehen davon, dass der Abbau des Alkohols sowohl die mütterliche als auch die kindliche Leber belastet, erweitert er auch die Blutgefäße, was negative Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung haben kann.“

Es gibt aber auch sanfte Babylockmittel, gegen die ab dem Entbindungstermin nichts spricht (eine komplikationslose Schwangerschaft vorausgesetzt):

  • Warm baden
    Ein warmes (nicht zu heißes) Bad hilft nicht nur dabei, echte Geburtswehen zu erkennen (unechte Wehen werden weniger oder verschwinden durch die Wärme ganz). Manchmal regt es auch den Körper zum Startschuss für die Entbindung an. Das warme Wasser kann sich aber auch negativ auf den Kreislauf auswirken, deshalb solltest du nur in die Wanne steigen, wenn du nicht alleine zu Hause bist und die Badezimmertür nicht zuschließt.
  • Bewegung und körperliche Aktivität
    Um die Dinge in Bewegung zu bringen, hilft es, den Kugelbauch in Bewegung zu bringen. Gymnastik-Übungen wie Beckenkreisen und Bauchtanz können deinem Baby in eine bessere Position verhelfen. Versuche es außerdem zum Beispiel mit Spazierengehen oder Treppensteigen. Die Bewegung kann Wehen in Gang bringen oder noch zu schwache Kontraktionen verstärken. Einen Spaziergang solltest du aber lieber nicht alleine wagen, falls es unterwegs plötzlich losgeht. Außerdem gilt für jede Art von Aktivität: lieber nur in Maßen. Es nützt nichts, wenn du zu Beginn der Geburt schon völlig erschöpft vom stundenlangen Power-Walken bist. Spare dir lieber die Energie, du wirst noch mehr als genug davon brauchen!
  • Sex
    Die wohl angenehmste Art der natürlichen Geburtseinleitung: Geschlechtsverkehr. Damit kannst du die Schwangerschaft genauso beenden, wie sie begonnen hat. Denn auch wenn der Matratzensport zum Ende der Schwangerschaft gar nicht mehr so einfach zu praktizieren ist, kann er auf unterschiedliche Weise einen Geburtsbeginn verursachen. Durch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin und die Kontraktionen bei einem Orgasmus können Wehen angeregt werden. Außerdem enthält die Samenflüssigkeit des Mannes Prostaglandine. Wegen der wehenanregenden Wirkung kommt dieses Hormon auch bei der künstlichen Einleitung im Krankenhaus zum Einsatz.
  • Brustwarzenstimulation
    Noch eine Art, die der werdende Papa übernehmen kann (oder aber du selbst): die Brustwarzenmassage. Wie beim Geschlechtsverkehr schüttet der Körper der Schwangeren dabei das Hormon Oxytocin aus, was dein Baby „rauslocken“ kann, falls es bereits in den Startlöchern zur Geburt steht. Eine Minute lang werden dabei die Brustwarzen massiert, dann folgt eine Pause von zwei bis drei Minuten, dann wird wieder eine Minute massiert und so weiter. Wenn du es schaffst, diese Methode für eine halbe Stunde durchzuhalten (auf Dauer sehr anstrengend) und innerhalb dieser Zeit Wehen ausgelöst werden, dann ist die Gebärmutter bereit für die Geburt.
  • Bauchmassage
    Während der Bauchmassage kannst du eine ruhige Kugel schieben, dich entspannt zurücklehnen und deinen Partner arbeiten lassen. Erst wird der Bauch mit warmen Wasser befeuchtet, bevor er mit einer Mischung aus Mandelöl und verschiedenen ätherischen Zusätzen (zum Beispiel Nelke, Eisenkraut, Zimt, Ingwer) sanft eingerieben wird. Innerhalb von zwei Tagen kann dieses schöne Babylockmittel zum Erfolg führen, und wenn nicht, sind die Streicheleinheiten wenigstens ein schöner Zeitvertreib während du auf den Geburtsbeginn wartest.
  • Gewürze/ Wehentee
    Verschiedene Gewürze und Düfte, wie zum Beispiel Zimt und Kampfer, können sich positiv auf die Wehentätigkeit auswirken. Um sich dies zu Nutze zu machen, kann man sich aus einem Liter Wasser, einer Zimtstange, zehn Gewürznelken, einer kleinen Ingwerwurzel und einem Esslöffel Eisenkraut (Verbenenkraut, erhältlich in der Apotheke) einen Sud kochen. Trinkt man den warmen Wehentee über den ganzen Tag verteilt, setzen bei geburtsbereitem Befund meist nach zwei Tagen Wehen ein. Auch der Genuss einer frischen Ananas kann helfen, den darin enthaltenen Enzymen wird eine wehenanregende Wirkung nachgesagt.

Sei nicht enttäuscht, wenn sich trotz aller Versuche nichts tut. Nicht bei jeder Schwangeren führen die Babylockmittel zum gewünschten Erfolg. Die Wehenmittel können nur dann effektiv helfen, wenn das Baby auch geboren werden möchte und ohnehin schon „bereit zum Absprung“ ist. Ohne geburtsbereiten Befund können die natürlichen Methoden der Geburtseinleitung nicht helfen, denn dein Baby gibt das Startsignal. Grundsätzlich gilt, mache dir und deinem Baby nicht zu viel Druck. Bist du zu angespannt durch ständige Versuche, die Wehen auszulösen, führt das eher zum gegenteiligen Erfolg. Entspanne dich lieber und genieße die wenige Zeit, die dir noch bleibt, in der du dich nur um dich selbst kümmern darfst.

Zum Weiterlesen:

  • Birgit Laue "1000 Fragen an die Hebamme"
    (560 Seiten, Graefe und Unzer Verlag, 19,90 Euro)
  • Ingeborg Stadelmann "Die Hebammensprechstunde
    (479 Seiten, Stadelmann Verlag, 22,50 Euro)
  • Professor Lesley Regan "Meine Schwangerschaft Woche für Woche"
    (300 Seiten, Dorling Kindersley Verlag, 24,95 Euro)

Was tun, wenn die Geburt nicht voran geht?

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