Amniozentese: Erfahrungen einer Mutter

Wie verläuft eine Fruchtwasseruntersuchung?

Was sollte eine Schwangere bedenken, bevor sie sich für eine Fruchtwasseruntersuchung entscheidet? Und wie läuft dieser Eingriff ab? Wir befragten eine Mutter, die sich kürzlich einer Amniozentese, so der Fachbegriff für Fruchtwasseruntersuchung, unterzogen hat.

Autor: Petra Fleckenstein
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Amniozentese? Keine leichte Entscheidung

Schwangere Wartezimmer

Wenn Schwangere bereits das 35. Lebensjahr überschritten haben oder unter 18 Jahre alt sind, werden sie im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen häufig mit der Frage konfrontiert, ob sie eine Fruchtwasseruntersuchung in Erwägung ziehen. In diesem Alter werden die Kosten einer Amniozentese, so der Fachbegriff, ohne Probleme von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In manchen Praxen werden Frauen geradezu gedrängt, sich durch diese Untersuchung Gewissheit zu verschaffen, dass das Baby in ihrem Bauch keine Chromosomenstörung hat. Die Entscheidung für oder gegen die Fruchtwasseruntersuchung fällt Schwangeren oftmals nicht leicht. Denn die Amniozentese zählt zu den so genannten invasiven Untersuchungsmethoden. Mit diesem Begriff werden Maßnahmen bezeichnet, die einen körperlichen Eingriff darstellen. So kommt es, ausgelöst durch die Fruchtwasserpunktion, hinterher in 0,5 bis 1,0 Prozent der Fälle zu einer Fehlgeburt. Außerdem gilt es, sich darüber klar zu werden, was geschehen soll, wenn eine Chromosomenanomalie festgestellt wird. Immerhin ist die Schwangere zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits mindestens in der 15. Woche und dann vergehen nochmals bis zu zwei Wochen, bis das endgültige Ergebnis vorliegt. Und schließlich fürchten sich viele Frauen auch vor dem Eingriff selbst. Wie läuft das genau ab, ist es mit Schmerzen verbunden? Und wie erlebt man die Zeit, bis das Ergebnis kommt? urbia fragte dazu Simone Hansen*, die mit 39 Jahren ihr drittes Kind erwartet und sich einer Fruchtwasseruntersuchung unterzogen hat.

*Name von der Redakton geändert

'Wir als Familie brauchten die Sicherheit'

Warum hast du dich für eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden?

Simone Hansen: Unsere Kinder (Mädchen und Junge) sind elf und sechs Jahre alt, mein Mann und ich sind beide 39. Zu der Fruchtwasseruntersuchung haben wir uns aus Altersgründen entschlossen, da ab 35 die Risikokurve der genetischen Defekte rasant steigt. Bei den beiden anderen Kindern haben wir damals nur die Ultraschalluntersuchungen und den großen Ultraschall in Anspruch genommen.
Wir als Familie brauchten einfach die Sicherheit, dass die Grundvoraussetzungen für ein gesundes Leben gegeben sind. Ein drittes Kind ist ja auch noch einmal ein Aufbruch in ein großes Abenteuer. Daher habe ich, gerade weil ich eine gute Mutter sein möchte, im Blick auf meine anderen beiden Kinder entschieden, dass ich kein Kind mit Down-Syndrom oder vielleicht noch problematischeren Chromosomenstörungen haben möchte. Wir haben das bei einer anderen befreundeten Familie gesehen und festgestellt, wir würden das einfach nicht schaffen.

War es eine Entscheidung von euch beiden, von dir und deinem Partner?

Zunächst habe ich das für mich alleine entschieden, aber mein Mann war ganz damit einverstanden. Als ich zwischendurch mal Zweifel bekam, hat er mich dabei unterstützt, den Eingriff nun nicht wieder in Frage zu stellen.

Wie wurdest du von deiner Gynäkologin beraten?

Sie hat zurückhaltend reagiert, mich nicht gedrängt. Sie sagte, im Ultraschall sehe alles gut aus, es sei also eher unwahrscheinlich, dass eine Störung vorliege und ich bräuchte die Amniozentese daher nicht unbedingt machen. Da ich es aber wollte, hat sie mich ausführlich über den Eingriff informiert. Sie selbst hatte bei ihrer Schwangerschaft auch eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen.

Wie lief die Fruchtwasseruntersuchung ab?

Die nervliche Anspannung vor der Untersuchung war bei mir enorm, ich wäre am liebsten weggelaufen, weil ich Angst hatte vor dem Pieksen, dass dies eine falsche Entscheidung sein könnte (es kann ja auch zu einem Abgang der Frucht kommen nach ein bis zwei Tagen) oder vor einem schlechten Ergebnis und den möglichen Konsequenzen. Der Arzt im Klinikum und seine Assistentin waren jedoch sehr routiniert und herzlich, verständnisvoll und ganz konzentriert. Zunächst wurde der Bauch kurz desinfiziert, das Pieksen dauerte nur maximal 40 Sekunden und tat fast gar nicht weh. Getröstet hat mich der Gedanke, dass ja ich gepiekst werde und nicht das Kind, auch wenn die Nadel im Fruchtwasser Zellen sammelt. Unsere Kleine hat währenddessen friedlich geschlummert, die Nadel war weit weg von ihr platziert. Das konnte ich auf dem Monitor sehen. Hinterher musste ich mich noch eine Stunde ausruhen, der Bauch fühlte sich leicht hart an, ein wenig so, als hätte ich eins in den Magen geboxt bekommen. Das ist jedoch sinnvoll, so der Arzt, weil die Gebärmutter ja ein Muskel ist und sich das durch die dünne Nadel kurzfristig minimal geöffnete Netz wieder schließen muss. Zwei bis drei Tage Ruhe und Unterstützung im Haushalt im Anschluss an die Untersuchung fand ich durch meinen Mann und meine Mutter.

Wie hast du die Zeit bis zum Ergebnis erlebt?

Es war so, wie ich Schwangerschaft überhaupt erlebe, eine Zeit des Wartens und Hoffens. Eine innere Stimme sagte mir von Anfang an, als ich erfuhr, dass ich wieder schwanger bin, "komm, Vorsicht, wir wollen uns freuen, aber auch nicht zu doll."

Ich konnte einen Tag nach der Untersuchung um 17 Uhr in Hamburg anrufen und das vorläufige Ergebnis abfragen. Kostenpunkt für diesen "Schnelltest" knapp 100 Euro und der Anruf für mich auch sehr aufregend, aber die Erleichterung für uns alle durch das unauffällige Ergebnis war enorm! Etwa zehn Tage später ging das schriftliche Ergebnis der nochmals verifizierten Untersuchung bei meiner Ärztin ein. Ich dachte allerdings, der Brief landet bei uns. Das hatte mir keiner gesagt, dass der zur Ärztin kommt. Und aus der Praxis hat mich auch niemand angerufen, um mir mitzuteilen, dass das endgültige Ergebnis da ist. Da hätte ich mich besser informieren sollen, weil ich jeden Tag im Briefkasten nachgeschaut habe. Als ich dann zu einer Schwangerschaftsvorsorge bei meiner Ärztin war, fragte ich nach, ob denn das endgültige Ergebnis inzwischen da sei. Das war es und es war zum Glück unauffällig.

Was würdest du anderen Müttern, die sich fragen, ob sie eine FWU machen lassen wollen, raten?

Den Eingriff selbst fand ich überhaupt nicht schlimm, aber es ist wichtig, sich vorher damit zu beschäftigen und der Frage ins Auge zu sehen, welche Konsequenzen es für einen hätte, wenn tatsächlich ein Chromosomenfehler festgestellt würde. Mir hat ein Arzt zum Beispiel gesagt, dass man sich überlegen sollte zu welcher "Gruppe" von werdenden Eltern man gehört. Zu denen, die "nehmen was kommt", oder zu denen, die mehr Sicherheit brauchen. Ein übrigens völlig wertfreier Rat. Mir wurde dadurch klar, ich gehöre bei dieser Schwangerschaft zur zweiten Kategorie. 

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