Bin ganz frisch getrennt und nun viele Fragen

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von maus911 23.02.11 - 12:40 Uhr

Hallo, hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.

Habe mich nun endlich, nach 5 1/2 Jahren Ehe von meinem Mann getrennt, ich habe wirklich lange um unsere Ehe gekämpft, aber leider wurde es nicht besser sondern immer schlimmer. Er hat ein großes Alkoholproblem, was er nicht in den Griff bekommen hat oder gar nicht ändern wollte. Er hat zwar immer gesagt er ändert sich, trinkt weniger u.s.w. aber dann hat er es heimlich gemacht. Das Vertrauen ist schon lange weg.

Gestern ist er dann endlich ausgezogen (er meinte immer ER geht nicht).

Nun steh ich da mit unserer Tochter (14 Monate) und weiß gar nciht so richtig wo anfangen. Trotz vielen Streites u.s.w. tut es trotzdem weh, es sind immerhin 8 Jahre gewesen. Am meisten bin ich entäuscht von ihm und mir selber, ich wollte doch "nur" eine glückliche Familie mit viel Liebe und Vertrauen.

Wo muss und kann ich den jetzt überall hin um Geld zubekommen? Unterhalt will er zahlen, sonst aber nichts mehr. Unsere Wohnung haben wir 2009 komplett um- und ausgebaut, mein Bausparer steckt darin den ich auch noch paar Jahre zurück zahlen muss. Die Wohnung ist im Mietshaus meiner Eltern, kann und will also nicht ausziehen. Sie ist ca. 80qm groß. Bekomm ich da überhaupt Mietzuschuss oder dergleichen?
Bin noch in Elternzeit, da ich das Elterngeld auf 2 Jahre ausgeteilt lassen habe, hab ich nun nicht viel Geld.

LG maus911

Beitrag von maus911 23.02.11 - 12:41 Uhr

Gleich noch eine Frage, glauben die mir auf den Ämtern das ich nun allein erziehend bin? Hab ja nichts in der Hand.

Beitrag von melka1972 23.02.11 - 12:52 Uhr

Erstmal: tut mir leid für Dich #liebdrueck
Du musst Dich nun als 1. an die Arge wenden, um ALGII zu beantragen. Dein Ex-Mann muss sich dafür nun schnellstmöglich aus Deiner Wohnung abmelden. Denn solange er auf dem Papier noch bei Dir wohnt, könnte es sein, dass Du dann kein Geld bekommst. Das ist von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter anders.
Für den Antrag musst Du dann sämtliche Finanzen (Sparbücher, Fonds etc.) offenlegen. Ebenso musst Du Deinen Mietvertrag vorlegen. Dir steht eine gewisse Wohnungsgröße mit dem Kind zu. Hier bei uns sind das 65qm. Ebenso wird eine gewisse Warmmiete bewilligt, hier bei uns 480 Euro warm. Meine Wohnung ist aber auch größer, dafür aber im Preis ok. Dann sagt auch keiner was. Zumal Du ja irgendwann auch wieder arbeiten wirst und die Zeit somit absehbar ist.
Die Arge hat mir dann gesagt, was weiter zu tun. Hat mich zur Wohngeldstelle geschickt, da mein Sohn wohngeldberechtigt ist.
Das der Kindsvater Unterhalt bezahlen will, musst Du schriftlich vorlegen. Da reicht ein kleiner Zweizeiler. Den Betrag kannst Du ja selbst der Düsseldorfer Tabelle entnehmen.
Hm.... was noch?? Mehr fällt mir gerade nicht ein.
Du kannst mich auch gerne per PN anschreiben. Habe das selbst gerade alles durch.
LG, Melanie

Beitrag von goldie99999 23.02.11 - 13:21 Uhr

Die Situation bei Dir ist durch die Eigentumswohnung komplizierter, auch ist es egal, ob Dein Mann Unterhalt zahlt "aber mehr nicht"; er ist auch DIR gegenüber zu Unterhalt verpflichtet und es ist zu prüfen, ob er dazu herangezogen werden kann.

Es genügt also in Deinem Fall NICHT, "nur" zur Arge zu gehen, Du solltest Dich unbedingt anwaltlich beraten lassen, um den Unterhalt festlegen zu lassen. Die Scheidung kannst Du dann auch direkt einreichen. Ggf. ist Dein Mann ja einverstanden, das Trennungsjahr zurückzudatieren, so käme er ggf. auch um die Zahlung von Trennungsunterhalt (nicht Betreuungsunterhalt!) herum.

Der erste Gang zum Anwalt, der zweite zur Arge- wenn überhaupt.
Dem Einwohnermeldeamt/ dem Finanzamt mußt Du die Trennung auch mitteilen, da sich dadurch ja die Steuerklasse ändert.

LG, Goldie

Beitrag von maus911 23.02.11 - 13:34 Uhr

Danke für deine Antwort, es ist keine Eigentumswohnung (hab mich verkehrt ausgedrückt) es ist eine normale Mietswohnung,nur im Mietshaus meiner Eltern, bezahlen also normal Miete,nur um einiges günstiger.

Ich dachte die Steuerklasse ändert sich erst mit der Scheidung?

Beitrag von goldie99999 23.02.11 - 13:48 Uhr

Nein, die Steuerklasse ändert sich ab der dauernden Trennung.

Im Hinblick auf die Wohnung ist es fraglich, ob Du dort auf Dauer wohnen bleiben kannst, wenn Du länger auf Sozialleistungen angewiesen sein solltest. Dies ist von Stadt zu Stadt verschieden, auch ein günstiger Mietpreis muß kein Argument sein, in manchen Städten muß auch die Wohnungsgröße stimmen. Darüber hinaus solltest Du die Mietzahlungen an Deine Eltern (bargeldlos) nachweisen können, ebenso wie einen Mietvertrag (nur, falls ihr das unter euch bisher formlos geregelt habt.)

Beitrag von nadineka79 23.02.11 - 16:20 Uhr

Hallo,

als erstes solltest du zu einem Anwalt gehen, denn du brauchst auch ein offizielles Schreiben für die Ämter von ihm. Dort kannst du dann dich auch gleich wegen dem Unterhalt beraten lassen.

Falls er Unterhalt zahlen kann, kann dir der Anwalt sagen, wieviel er zahlen muß, eventuell auch für dich. Er wird dann sicher deinen Mann deswegen kontaktrieren. Wird er eh machen und gewisse Dinge zu regeln. Bei uns ging das ohne großes Theater, wir hatten alles geklärt. Ansonsten mußt du zum Jugendamt. Dort kannst du dann Unterhaltsvorschuss beantragen, das wären 133 Euro. Auch das Jugendamt wird deinen Mann anschreiben, weil er sein Einkommen darlegen muß. Ich würd dir so oder so raten zum Jugendamt zu gehen zwecks Unterhaltstitel und so, aber da kenne ich mich nicht so aus, weil als ich das überlegt hatte, mit meinen Mann wieder zusammen gekommen bin.

Gleichzeitig würd ich zur Arge gehen. Dort kannst du dann Hartz IV beantragen. Wird aber erst berechnet, nachdem du Vorweisen kannst, wieviel Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss du bekommst.

Eventuell kannst du noch Wohngeld für dein Kind beantragen, wird dir aber so viel ich weiß, beim Hartz IV mit angerechnet. Ich hab es nicht gemacht, weil ist eh gehoppt wie gesprungen, allerdings hat die ARGE auch nicht drauf gedränkt, bei anderen sind sie da wohl auch sehr hinterher, wirst du sehen.

Wie dein Elterngeld jetzt bei der ARGE mit angerechnet wird, kann ich dir nicht sagen, weil ich mich nicht mit der neuen Regelung beschäftigt habe, da ich kein Elterngeld mehr bekomme.

Auch zu deine Wohnung kann ich dir nichts sagen, da ich im eigenen Haus wohne.

Aber so war zumindest die Reihenfolge der Erledigungen bei mir und das hat ganz gut geklappt.

Falls du noch Fragen hast, raus damit, gerne auch über VK.

LG Nadine

Beitrag von manavgat 23.02.11 - 13:35 Uhr

Bei 80 qm bei einer Eigentumswohnung kannst Du drin bleiben und ALG2 beantragen, wenn der Unterhalt + Einkommen + Kindergeld zu niedrig ist. Nebenkosten und Zinsen werden anerkannt, Tilgung nicht. Das dürfte aber kein Problem sein, vielleicht können Deine Eltern mit einem Darlehen einspringen.

Was er zahlen will ist übrigens nicht relevant. Lass Dich von einer guten Anwältin beraten und vertreten. Vorallem müssen die Besitzverhältnisse der Wohnung geklärt werden.

Gruß

Manavgat

Beitrag von ellenhirth 23.02.11 - 19:23 Uhr

Hallo Maus!

Befinde mich in der selben Lage.
Bin von meinem Mann verlassen worden, habe zwei kleine Kinder.
Ich bin direkt zum Anwalt der hat meinen Mann wegen Trennungs- und Kindesunterhalt in Verzug gesetzt. Und hat ihn bezüglich der Hausrattrennung angeschrieben.
Ich habe von Ihm eine Bescheinigung erhalten das ich mich über Unterhaltsforderungen bemüht habe.
Damit bin ich zur Unterhaltsvorschusskasse des Jugendamtes und habe einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss gestellt. Dort bekam ich die Bescheinigung über die Beantragung zur Vorlage bei der ArGe. Dort habe ich danach Termin gehabt (Gemacht habe ich den wegen evtl. rückwirkender ansprüche schon ab trennungstag) und es wurde eine Überschlagsrechnung gemacht ob Hartz4 oder vorrangige Sozialleistungen beantragt werden müssen. Ich muss Hartz4 beantragen. Das Elterngeld, Kindergeld und der Unterhaltsvorschuss werden voll angerechnet seit 1.1.11 und ls alleinerziehende mama stehen dir 359€ grundbedarf und 129€ mehrbedarf als alleinerziehende zu und für jedes Kind unter 6 Jahren 215€ plus die Miete inkl. angemessener Heizkosten.
Bei Arge-Anspruch zahlen sie maximal 6 Monate die Miete sollte diese zu teuer sein, du wärst dann gezwungen dir eine arge-fähige wohnung zu suchen. Hier bei uns heißt es eine Person alleine hat Anspruch auf 47qm jede weitere person 15qm und die kaötmiete und nebenkostengrenze ist auch fest gesetzt. Dazu kann dir die Arge aber beim ersten Termin sofort was zu sagen.
Wenn du Umziehen musst bekommst du dann für die neue wohnung 4€ je qm renovierungszuschuss und eine umzugspauschale von 92€ für einen Umzugswagen. Erstausstattung steht einem bei trennung eher nicht zu da man ja davon ausgeht das der Hausrat zu gleichen Teilen aufgeteilt wird.

Aber alles in allem kann der Anwalt als erste anlaufstelle dir dazu alles erklären. Suche dir einen Fachwanwalt für Familienrecht.

ich drücke dir die Daumen. Hab viel Kraft und Geduld. Es wird eine harte Zeit werden.

Bei weiteren fragen schreib mich gerne an.

Lg Ellen

Beitrag von maus911 23.02.11 - 19:40 Uhr

Danke für deine tolle ausführliche Antwort, werde morgen erstmal zum Jugendamt gehen und einfach dort mal Fragen was ich machen kann/soll. Ich denke das geht schneller als wie über einen Anwalt, denn da ich den momentan nicht bezahlen kann müsste ich mir ja erst beim Gericht einen Beratungsschein holen, hab ich jedenfalls so gehört.

Habt alle vielen lieben Dank, es ist schön hier so nett aufgenommen zu werden!
Hatte heute Nachmittag einen kleinen Nervenzusammenbruch, wird wohl nicht der letzte gewesen sein :-(