Über Erziehung lässt sich nicht streiten...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von felix.mama 20.03.11 - 11:01 Uhr

...aber wundern kann man sich doch schonmal?


Habe gestern eine diskusion unfreiwillig mitbekommen wo es um die Erziehung eines 5 Jährigen ging!
Er ist momentan recht weinerlich und die Mutter sowie ich sind der meinung das man ein Kind auffangen muss - körperlich wie auch geistig. Das trost und zuspruch dem Kind mehr helfen wie druck!
Der dazugehörige Partner (nicht der leibliche Vater) denkt aber das diese verhalten falsch ist und den jungen zu einer Memme machen würde, der es später schwer im Leben haben wird! Wir sollen aufhören unsere Kinder immer an unsere "Imaginäre Titte" zu hängen! Die Welt wäre nicht schön!

Da konnte ich mich echt nur noch wundern! Sollten Jungen und Mädchen immer noch grundsätzlich anders erzogen werden?

Beitrag von schullek 20.03.11 - 11:15 Uhr

sicherlich nicht.

die frage ist aber: ist es so falsch jungen udn mädchen anders zu erziehen? und wenn, wann genau ist es falsch?

ich bin der meinung, alle kinder/menschen sollten die gleichen möglichkeiten udn chancen haben. dass das nicht gegeben ist, wissen wir alle. alle kinder , junge wie mädchen sollte nun aber auch die möglichkeit haben sich genau so zu entwickeln, wie es das selber anstrebt.
wäre ne idealvorstellung.
natürlich gehen frauen udn männer an mädchen udn jungen von anfang an anders heran. das fängt mit der farbe der kleidung an udn hört auf mit der behandlung bzw. erziehung. ich will mich da auch nicht von ausnehmen. obwohl ich bisher 'nur' einen jungen habe und nicht weiß, wie ich genau anders wäre bei einem mädchen.
wir versuchen generell ihn SEINEM wesen entsprechend zu erziehen. und nicht nach kategorien junge oder mädchen.
Ich denke das gelingt uns zumkeist gut. aber dem umfeld kann man nat. auch nicht entgehen. und im kiga, bei verwandten etc. werden jungs und mädchen nun mal anders behandelt. die opas meines jungen sprechen mit ihm anders, als sie es mit einem mädchen würden. sie reden auch davon, wenn er mal ein mann ist... kennen wir ja alle. diese art zu reden. da kann ich mich als eltern also zurücknehmen, wie ich mag, wir leben ja nicht in einer abgeschotteten atmosphäre.

die frage ist nun: ist das wirklich so schlimm? wäre völlig kategorienfrei erziehen gänzlich besser? ich weiß es nicht. ich denke eine mischung ist gut. ein sich bewusst machen, dass man sein kind nicht bewusst in eine richtung schiebt und es darin unterstützt, was es selber möchte.

zu meinem kind: ein sehr typischer junge. obwohl er es definitiv von zu hause NICHT so kennt, besteht er darauf ein mann zu sein, will mit typisch mädchendingen, wie barbies, rosa, lillifee etc. nicht in einem satz genannt werden, da bekommt er einen anfall. wo hat er das her? fragen wir uns oft. keine ahnung. sein bester freund liebt rosa und glitzer, also hat er die geburtstagseinladung für diesen in eben diesen farben gehalten. zeigt mir, dass er diese bestimmungen also nur für sich selber als wichtig erachtet. generell findet er rosa etc. nicht schlimm. nur für ihn selber verpönt er es. ein lichtblick. von anfang an war er von motorisierten gerätschaften fasziniert, eines seiner ersten worte: porter (transporter. wir haben stunden von baustellen verbracht und nun geht er völlig im teamsport fußball auf.
und dasbei einer mama, die ihm wenn möglich alles ermöglicht. wir tanzen, hab ihn schnuppern lassen in nedm tanzkurs. ich spiele zwei instrumente, er dürfte auch, wenn er wollen würde. keinerlei interesse, wobei er musik mag.

trotzdem kocht er gerne mit mir und kuschelt für sein leben gern. macht mir liebesschwüre und ist sehr sozial.

zu deinem fall: die eltern sollten sich mal grundlegend darüber verständigen, was sie möchten und wie sie es angehen wollen.
ich kenne die genaue situation nicht. emotional auffangen klingt generell gut. aber ich habe bei meinem die erfahrung gemacht, dass manchmal weniger auch mehr ist. durch mein mitklagen wird er nur angestachelt. einfach dinge auch mal reduzieren auf das, was sie sind hilft oft mehr. wenn er hinfällt un sich weh tut kann ich ja abschätzen, wie schlimm es ist. ist es nur minimal, dann werd ich ihn nicht stundenlang trösten, sondern sagen: oh je, komm her, ich geb nen kuss drauf, dann gehts weiter. punkt. wenn ich dagegen meine freundin mit ihrer tochjter beibachte: da wird alles feierlich zepebriert. hat das kind irgendetwas, wird umarmt, gekuschelt, getröstet, auch wenn es gar nicht zum geschehenen passt. dementsprechend ist nat. alles was passiert ne mittlere katastrophe.

lg

lg

Beitrag von kaffetante 20.03.11 - 12:10 Uhr

Ich weiß nicht ob es darn liegt, dass ich zwei Jungs habe, aber ich erlebe, dass Jungs in dem Alter emotional sehr viel instabiler sind als Mädchen. Das heisst nicht, dass sie deswegen keine Jungs sind. Meiner hat auch immer wieder solche Phasen, denen ich auch nachgebe, ich versuche natürlich zu unterscheiden. Mault er grundsätzlich, weil er nicht raus möchte oder dies oder das oder jenes ihm zu unbequem ist oder ist er tatsächlich innerlich total aus der Bahn geworfen.

Deine Freundin tut sich gut daran den Jungen aufzufangen, dann wird das auch ganz schnell wieder vorbei gehen.

Egal, ob Junge oder Mädchen, man muss immer abwägen, wie man die Phasen angeht und schauen, dass sie auch irgendwann zu Ende gehen, sonst verpasst man den Zug. Eine Freundin von mir hat ihrem Sohn eine zeitlang alles nachgegeben weil er sehr kränklich war. Jetzt. zwei Jahre später hat er die Hilflosigkeit gepachtet.

LG

Beitrag von simone_2403 20.03.11 - 12:27 Uhr

Hallo

Jaja...Männer weinen nicht,Indianer kennen keinen Schmerz...wer kennt die ollen Sprüche nicht #augen

Die Welt ist nicht schön...jo,sie wird aber auch nicht schöner wenn ich meinem Kind die "imaginäre Titte" verweigere :-p

Ich erziehe meine Kinder gleich,sprich jedes Kind bekommt die Zuwendung die es eben gerade braucht und wenn meinem Sohn nach heulen ist,dann ist ihm eben danach und er wird genauso getröstet wie meine Mädels auch.

Der Mann deiner Freundin scheint eine waschechte Memme zu sein,denn Männer die keine Gefühle kennen haben mehr Schein als Sein.

Gruß

Beitrag von fraukef 20.03.11 - 12:51 Uhr

Ich bin auch dagegen, Mädchen und Jungen unterschiedlich zu erziehen - aber geht es hier darum überhaupt?

Der Partner sagt "wir sollen aufhören, unsere Kinder immer an unsere imaginäre Titte zu hängen" - betrifft das nicht Jungen und Mädchen?

Mal abgesehen davon, dass die hier gewählte Ausdrucksweise ganz sicher nicht meine ist - so ganz falsch ist das nicht.

Ich habe zB ein sehr weinerliches Mädel - wenn Judith nicht weiter weiß, heult sie, Mama (oder sonst ein Erwachsener) wirds schon richten. Klar tröste ich sie - wenn wirklich was ist. Aber wenn sie heult, weil sie grad ihre Schuh nicht alleine anziehen möchte (was sie mit fast 4 Jahren selbstverständlich kann), dann trötste ich sie nicht. Da hab ich ihr auch schon sehr deutlich gesagt, dass sie die Wahl hat - wenn sie mitkommen möchte, soll sie ihre Schuh jetzt gefälligst ohne Geheule anziehen, sonst bleibt sie zu Hause. Wenn ich sie da tröste und einen auf HEITEITEI mache, helfe ich ihr nicht. Da hat der Partner durchaus recht - wir leben in keiner Heiteitei-Welt...

LG
Frauke

Beitrag von jazzbassist 20.03.11 - 13:17 Uhr

Also mein rein subjektiver Eindruck (wohlgemerkt als Mann!): Ich finde schon, dass manche Mütter da etwas übertreiben und oftmals aufs intensivste (wenn auch unbewusst und ungewollt) daran arbeiten, das Selbstvertrauen, die Selbstständigkeit und die Persönlichkeit eines Kindes abzubauen.

Schon die grammatikalische Auslegung von Selbstvertrauen sagt ja, dass es darum geht, sich selbst zu vertrauen; das funktioniert aber nur, wenn man hier genügend Erfahrungen gesammelt hat und weiß, was man sich selbst zutrauen kann. Und, bei einigen Müttern habe ich da das Gefühl, dass die ihren Kindern einfach viel zu wenige Möglichkeiten geben, diese m.E. ganz wichtigen Erfahrungen des Lebens sammeln zu können. Da sie das ganze spätere Leben prägen und es so unvorstellbar schwer ist, diese Dinge später wieder zu ändern. Und ich denke schon, dass Menschen, die nur ein schwaches Selbstvertrauen oder nur ein schwaches Auftreten haben, es im Leben später definitiv bei vielen Dingen schwerer haben werden. Und, dass dieses schwache Selbstvertrauen fast ausschließlich auf Erfahrungen der Kindheit beruht.

Kinder sollten ihren Eltern immer blind vertrauen können, und, solange wir das durch Erziehung nicht kaputt machen, wird das auch immer so bleiben. Ob ein Kind nun Hilfe braucht, Angst hat, Trost sucht oder auch einfach nur etwas aufgefressen hat. Es sollte sich immer seinen Eltern anvertrauen können und wissen, dass diese dann richtig handeln. Das ist ein ganz wichtiges und magisches Band zwischen Eltern und Kind. Und für uns Eltern manchmal einfach ein schwieriger Balanceakt. Das Kind, dass im Kinderzimmer kokelt, sollte ein ganz ganz kräftiges Donnerwetter hören, damit das nie nie nimmer mehr vorkommt. Trotzdem bleibt eine andere Aufgabe von Erziehung, dafür zu sorgen, dass ein Kind beim nächsten mal trotzdem noch sagen kann: »Tut mir leid Papa, ich hab den Stein geworfen.« Ich denke, man kann ein Kind hier dazu erziehen, dann doch noch irgendwann das Haus abzubrennen, seine Eltern nur noch anzulügen, wenn es etwas aufgefressen hat und auch, dass Haus nicht mehr abzubrennen, aber, auch seinen Eltern noch diese unangenehmen Sachen beichten zu können.

Diese zwei Seiten, die manchmal ganz stark gegeneinander Kämpfen, gibt es auch in diesen weinerlichen Situationen. Wir wollen unserem Kind immer Schutz, Hilfe, und die Schulter zum ausweinen bieten (das brauchen unsere Kinder), aber sollten auch immer berücksichtigen, dass wir einem Kind manchmal auch helfen müssen, seine eigene Angst zu überwinden, oder, über den eigenen Schatten zu springen, oder, es doch zumindest mal alleine zu probieren. Denn im Sandkasten ist die Mama noch da, wenn der gemeine Junge wieder die Rutsche besiedelt. Darum ist hier oftmals noch ganz leicht, einem Kind den passenden Mut zu geben, doch einfach trotzdem auf die Rutsche zu gehen. Die Mama ist ja da und wird sofort helfen. Für Kinder sind das ganz ganz wichtige Lebenserfahrungen, da ein 5-Jähriger im nächsten Jahr vielleicht schon - plötzlich ohne Mama - auf den Schulhof steht und da auch irgendwie alleine klarkommen muss. Und hier finde ich schon, dass es durchaus Mütter gibt, die einem Kind zu schnell die Möglichkeit nehmen, solche Erfahrungen zu sammeln. Ist aber - wohlgemerkt - nur meine rein subjektive Meinung und nur ein rein subjektiver Eindruck.

Und, ich würde ein Kind so unabhängig des Geschlechts erziehen. Vielleicht würde ich sogar gerade bei einem Mädchen noch etwas mehr darauf achten, dass es oft genug die Möglichkeit hat, auch mal über den eigenen Schatten zu springen und sich durchzusetzen. Für mich ist das für das ganze spätere Leben nämlich etwas wichtiges, und, eigentlich auch selbstverständliches. Ich denke, beides ist hier falsch; sowohl ein ständiges: »Ach, du armes Ding, natürlich musst du nicht, wenn du nicht kannst oder angst hast oder dich nicht traust« als auch ein ständiges: »Ach, stell dich doch nicht so an, Indianer kennen keinen Schmerz etc.«. Es macht m.E. das gewogene Mittelmaß - ich denke - viele Mütter und Väter haben damit Probleme, da beide Geschlechter m.E. eher zu einer Rolle hin dominieren. Aber - das ist doch ganz toll, denn, diese Seiten können sich ganz wunderbar ergänzen, wenn ein Kind von beiden Geschlechtern erzogen wird.

Beitrag von jacky1983 20.03.11 - 15:13 Uhr

Hallo.

Meine Schwägerin hat auch so eine Komische Einstellung.

Kurze Geschichte: Mein Sohn schläft im Auto immer ein und wenn er wach wird, ist er quakig... Ich finds völlig normal.

Anders ist es für ihn ja dann auch, wenn wir bei meiner Schwägerin sitzen und er wird da wach.
Er muss sich ja erstmal sammeln und so.

Naja, Paul jault rum, ist weinerloch, will nicht reden/angesprochen werden usw.

Was sagt meine Schwägerin: ''Paul, bist du ein Junge oder ein Mädchen??''
''Paula, Paula'', ''aber Jungs weinen doch nicht''. usw #bla

Ja, sie findet also auch, das man Jungen wie Männer erziehen muss!!
Und das schon vom Tage der Geburts an. *kotz*

Gruß

Noch was: Ich lese gerade UNTERSCHIEDLICH....
Ne, Unterschiedlich würde sie die Kinder nicht Erziehen.
Ich glaube, sie hätte mit nem Mädel dasselbe gemacht, wie mit nem Jungen. :-(

Aber trotzdem dürfen Jungs nicht weinen.

Beitrag von cybille 20.03.11 - 15:31 Uhr

Also ich glaube nicht das grundsätzlich Mädchen und Jungen unterschiedlich erzogen werden sollen. Aber ich muss zugeben, dass ich denke das für Jungen ein männlicher Part in der Erziehung ´sehr wichtig ist. Ich selbst haben meinen Jungen 12 Jahre ( von Geburt an) selbst und allein erzogen, da war nicht mal ein Onkel oder Opa da. Und ich denke das hat sich dann später schon gezeigt. Ich wollte ihn sehr oft betutteln und vor Schlimmen bewahren. Die Gelassenheit, die Männer manchmal haben, die hatte ich einfach nicht. Und in meinem Umfeld gibt es viele alleinerziehende Mütter ohne Vaterkontakt. Und ich habe einfach das Gefühl das die Mütter an den Jungen das gutmachen wollen was sie bei ihren Männern nicht geschafft haben. Klar bin ich dagegen das sich Jungs prügeln oder so, aber ich denke schon das eine Erziehung nur durch eine geschlechtliche Seite auch diese Seite im Kind mehr zum Ausdruck bringt. Wahrscheinlich nicht nur bei Müttern und Söhnen, sondern auch bei Vätern und Töchter. Diese sind oft burschikoser als andere Mädchen. Mein Mann hat mir auch Gelassenheit beigebracht, nicht immer auf der Hut zu sein und überall potienielle Gefahren zu sehen. Ein aufgeschlagenes Knie muss man nicht immer im Vorfeld verhindern, man kann auch ein Pflaster draufkleben, aber das Kind lernt Situationen zu meistern oder aus dem Weg zu gehen.
LG

Beitrag von marion2 21.03.11 - 10:34 Uhr

Hallo,

die Frage ist: Warum ist das Kind so weinerlich?

Viele Kinder weinen viel, wenn sie damit die Aufmerksamkeit der Mütter auf sich ziehen können. Das erkennt man wunderbar in Abwesenheit der Mütter ;-) da können sie dann ganz anders.

Ne Mischung aus der Meinung und eurer wäre gut - ist aber schwer hinzubekommen.

Gruß Marion

Beitrag von engelchen28 21.03.11 - 16:16 Uhr

na, hoffentlich werden die jungs davon nicht auch noch schwul #;-) #;-)!

spaß beiseite - ich denke, deine intuition ist richtig #:-)!

Beitrag von lexa8102 26.03.11 - 21:35 Uhr

Hallo,

tja, ich denke, es kommt auf die Situation an. Die Reaktion eines Kindes hängt ja meist vom Verhalten der Umgebung ab. Wenn man z. B. gleich hinrennt und "oh gott" ruft, wenn das Kind hingefallen ist, ist es klar, dass das Kind losheult auch wenn nichts weh tut (so nach dem Motto: So wie die Erwachsenen reagieren muss das jetzt schlimm gewesen sein).

Grundsätzlich bin ich auch für Trösten und in den Arm nehmen. Aber ein bißchen Selbstbewußtsein und Widerstandsfähigkeit sollte man ab einem gewissen Alter schon beigebracht bekommen.

Viele Grüße,
Lexa