Selektiver Mutismus - hat jemand Erfahrung damit ?

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von janina1974 20.04.11 - 03:00 Uhr

meine Söhne Jonas und Patrick haben selektiven Mutismus .Jonas geht in die 1. klasse. Ín der schule wo er hin geht hatten sie "so ein kind" noch nicht. Zu hause spricht er wie ein Wasserfall .In der schule schweigt er meist. Wir haben es erst so richtig gemerkt als er in die Schule kam. Er komuniziert nur mit wenig kindern aus der klasse die er vom kindergarten kennt oder bei uns aus dem Dorf. Es wird zwar alles schon besser aber die Schule ist damit überfordert. Laut deren Aussage hat mein Sohn hier nichts zu suchen. Obwohl er langsam vertrauen aufbaut. Jetzt wurde mein kleiner Sohn getestet in der Schule und als nicht schulreif eingestuft. Mit der begründung. Er ist zu schüchtern. Er hatte nichts mitgemacht obwohl er die Sachen kánn. Die Schule stellt mich so hin als wäre das nicht so und bezweifelt sein Können. Sie wollen sich auch gar nicht damit befassen. Meine Frage. Wer hat auch Kinder die das haben und in welche Schule gehen eure Kinder ? Ich würde gerne eine andere Schule für meine Kinder suchen. weiß aber nicht genau in welche Richtung.
Danke erstmal für eure Ántworten.

Beitrag von flummie 20.04.11 - 12:00 Uhr

Hallo,

Ich bin angehende Förderschullehrerin und kann dir nur raten, bleib hartnäckig! Sollten deine Kinder normal intelligent sein, wovon ich ausgehe, haben sie auf einer Förderschule nichts verloren!

Hab jetzt nicht geschaut aus welchem Bundesland du kommst, aber eventuell gibt es bei euch noch reine Sprachheilschulen. Das wär das höhste der Gefühle, wo ich die beiden hingeben würde!

Nach dem Prinzip der Inklusion hat jedes Kind ein Recht auf einen Regelschulplatz!

Geh bitte dringend zu deinem Kinderarzt, der hoffentlich von dem Geschehen weiß. Lass dir Bescheinigungen geben wegen dem Selektiven Mutismus und versucht notfalls beim Schulamt vorzusprechen. Selektiver Mutismus wird auch nächstes Jahr nicht besser sein, wollen sie ihn dann wieder als schulunreif abstempeln?

Ansonsten setz dich mit einer anderen Regelgrundschule in Verbindung und sprich da einmal vor.

Kannst mich bei Fragen auch gern per VK kontaktieren!

LG Flummie

Beitrag von bellpepper 21.04.11 - 07:08 Uhr

Hallo,

sollte die Diagnose selektiver Mutismus wirklich zutreffen (was ich zumindest bei deinem älteren Sohn nicht so ganz glaube, denn in der Regel schaffen diese Kinder das nicht von alleine "Vertrauen aufzubauen"- aber das kann und will ich von hier nicht beurteilen), wird dir nicht viel anderes übrig bleiben, als dich in kompetente Hände zu begeben. Schau mal auf der Seite www.mutismus-selbsthilfe.de, dort gibt es eine Therapeutenliste.
Ein/e Therapeut/in wird dir helfen können, indem er/sie vermittelnd mit der Schule und den Lehrern spricht. Denn diese Kinder gehören auf gar keinen Fall auf die Förderschule. Das Problem ist nur, dass niemand sich mit Mutismus wirklich auskennt, weder Pädagogen noch Kinderärzte, und man deshalb unbedingt jemand "Offiziellen" braucht, der einen unterstützt, ansonsten rennt man als Eltern ständig gegen eine Wand.
Außerdem ist eine Therapie in so jungen Jahren meistens sehr erfolgreich und kann deinen Kindern helfen, den Mutismus komplett zu überwinden.
Ich würde an deiner Stelle einfach mal einen Therapeuten, der sich mit Mutismus auskennt, kontaktieren. Nur er/sie kann einschätzen, ob die Diagnose wirklich auf deine Kinder passt.
Schreib mir gerne über VK, falls du noch Fragen hast.
Alles Gute,
bellpepper

Beitrag von delfinchen 21.04.11 - 13:24 Uhr

Hallo,

kann leider nur kurz antworten, weil ich nach meinen mäusen sehen muss, aber es ist mir wichtig.
wenn selektiver mutismus vorliegt, geht zu einem kinderpsychologen, lasst euch aber aus der normalen grundschule nicht "vertreiben". dein kind kann kontakt aufnehmen, er hat freunde. er spricht scheinbar nur in unbekannten situationen nicht, die ihn noch überfordern.
ich hatte mal ne schülerin, die auch so gut wie nicht gesprochen hat, in der klasse. in der pause, mit freundinnen, ja, im unterricht fehlanzeige. ich hab sie dann auch nur drangenommen, wenn es nicht anders ging, ansonsten konnte ich sehen, dass sie dem unterricht folgt und mitdenkt. ich wollte sie dann nicht zum reden zwingen.
die schule hat keinen grund, damit überfordert zu sein, die lehrer können erkennen, ob er mitdenkt und bei der sache ist. ansonsten sollten sie sich freuen, dass sie einen ruhigen jungen in der klasse haben - da regt sich imemr jeder auf, alle wären zu laut, dann hat man ein kind, das ruhig ist und das passt auch wieder nicht.
ich kenn das krankheitsbild nur vom lesen, weil mich das thema sehr interessiert, daher bin ich weiß gott kein experte, aber bitte, lass dein kind auf einer regelschule und setz alles dran, dass der kleine auch in die schule kann, wenn er ein muss-kind ist und gerne gehen möchte.

förderschule würde sie auf keinen fall schicken, da gehen sie unter, denn wenn sie wollen, können sie richtig sprechen.

du kannst dich ja mal auf dem sektor der privatschulen umsehen, montessori oder so. geh zum tag der offenen tür und frag wie die dort mit derartigen schülern umgehen.

lg,
delfinchen

Beitrag von janina1974 21.04.11 - 15:14 Uhr

Hallo !!

Danke euch für eure Antworten. Wir sind schon beim Psychologen. Der hatte diesen selektiven Mutismus auch bestätigt. Jetzt werden allerdings noch viele andere tests gemacht und das Endprotokoll bekomme ich dann erst ende Juli .Ob noch andere "Sache" vorliegen. Als mein großer Sohn in die Schule kam ahnten wir ja noch nichts davon. Und ich schrieb ja das es sich jetzt etwas gebessert hat, aber eben nicht so sehr. er spricht in den Pausen nur mit seinen Freunden, die er schon sehr lange kennt. Mit anderen komuniziert er kaum und wenn dann nur mit hm also nicht richtig mit sprechen. Ich weiß das ich mich aus dieser Regelschule nicht vertreiben lassen sollte, aber wie soll ich das machen wenn man ihnen nicht komunizieren kann und sie mir ständig eins reinwürgen wollen. Dazu muß ich sagen das ich 6 Kinder habe. Ich habe noch Drillingsmädels eineiig 11 Jahre und einen großen Soh mit 16 Jahre. Wir haben ein eigenes Haus mein Mann hat eine sehr gute Stelle und ich bin Hausfrau und Mutter. Unser rektor und auch einige Lehrer können sich nicht vorstellen das man da noch jedem Kind gerecht werden kann. deshalb habe ich dort auch keinen guten Stand. Wir wohnen in einer Gegend wo man nicht so viele Kinder hat und wenn doch .. Na ja ihr wisst schon. Dabei habe ich schon oft gesagt sie können gerne mal bei uns vorbeikommen. Wir leben einfach nur für unsere Kinder und das gerne :-)
Jetzt bin ich etwas abgeschweift oder #schein ? Aber jetzt kenn ihr wenigstens auch noch miene Familie .
Es ist sehr schwer für mich grade. Bei uns in der Nähe gibt es eine Integrationsschule und ich werde mich da mal vorstellen. Auch unsere Amts Schulärztin hat mich heute nochmal angerufen und gesagt das sie voll hinter mir steht. Für mich sind meine Kinder normal, denn zu Hause sind sie eben gar nicht so. Habe mich auch schon sehr damit beschäftigt. viele Bücher gelesen und im Internet . Auch eine selbsthilfegruppe werde ich noch besuchen. Aber vielleicht können wir uns ja cáuch hier austauschen.

LG Nina

Beitrag von meringue 21.04.11 - 16:49 Uhr

Hallo,
wir haben ein solches Kind im Bekanntenkreis.

Das Problem müsste dir doch jeden Tag begegnen, wenn ihr unterwegs seid und jemand deinen Sohn anspricht, oder?! Kann er denn in einen Laden gehen und sich ein Eis kaufen? Das schafft ein Kind mit Mutismus nicht, wenn es den Eisverkäufer nicht gut kennt.

Wenn dir das Problem bisher überhaupt noch nie aufgefallen war, kann es nicht sein, dass er schlicht schüchtern ist? Ich habe im Unterricht auch kaum was gesagt und mit meinen schriftlichen Noten alles erreicht. Das ist nicht ieal, aber noch lange kein Mutismus. Auch kein selektiver.

Zum Thema Mutismus gibt es anscheinend sehr unterschiedliche Meinungen. Ich kann dir nur raten, keine Therapie zu machen, in der ein Kind zum Reden g e z w u n g e n werden soll - ja, so was gibt´s auch in normalen SPZs! Davon wird alles nur schlimmer!

Unsere Bekannten geben nun auf eigene Verantwortung ein vom SPZ verschriebenes (und in D nicht zugelassenes) Medikament, das hilft etwas, ist aber natürlich nicht das Gelbe vom Ei. So hat das Kind aber die Regelschule - gut!- geschafft.

Alles Gute!

Beitrag von janina1974 21.04.11 - 18:03 Uhr

Hallo !!!

Du kannst mir glauben das ich nicht stolz darauf bin echt. Und das mit dem Eis kaufen oder ganz normal mal im Laden nach was zu fragen kenne ich. Mein Sohn spricht nur mit Leuten die er sehr gut kennt. das habe ich aber auch oben schon geschrieben. Ich dachte früher immer er ist halt schüchtern. Wie mein Mann.
Allerdings ist schüchtern und selektiver Mutismus ganz verschieden. Glaub mir ich habe mich schon genug darüber informiert.Wir haben dieses erst richtig erkannt als er jetzt in die Schule ging. Und gerade weil ich mein Kind nicht zum reden zwingen lassen will suche ich mir selbst einen weg auch mit der Schule.
Vom SPZ halte ich ohnehin nichts.
LG

Beitrag von janina1974 21.04.11 - 18:06 Uhr

Ich werde jetzt im übrigen auch nur noch im VK antworten. Denn ich habe das Gefühl das ich hier von dem letzten Eintrag so hingestellt werde als ob ich hier "überreagier" . Denn sie hat ja im Bekanntenkreis jemanden und anscheinend sich auch schon wie ich zur genüge darüber erkundigt hat. Für mich und meine Söhne ist das kein Spaß und deshalb möchte ich gerne nicht mehr öffentlich darüber schreiben sondern nur mit ernstgemeinten Nachrichten zum ERFAHRUNGSAUSTAUSCH . danke

LG

Beitrag von meringue 21.04.11 - 18:15 Uhr

Sag´mal, geht`s noch?

Gute Nerven für die Zukunft wünscht

m

Beitrag von meringue 21.04.11 - 18:13 Uhr

Ich habe nie angenommen, dass du stolz auf diese Diagnose bist#kratzEs hat mich halt gewundert, dass es dir bisher nicht weiter aufgefallen war.

Wenn du nichts vom SPZ hältst, wo gehst du dann hin? Macht ein niedergelassener Psychologe auch die Therapie?

Ach, es ist sehr schwierig, ich weiß. Diese Kinder ernten auch oft Unverständnis und werden tlw. gar für arrogant gehalten....Und als Mutter ist man immer in der Pflicht, für das Kind zu sprechen, zu erklären. Je älter es wird, desto auffallender ist es.

Alles Gute!

Beitrag von scrollan01 21.04.11 - 19:46 Uhr

Meine große Tochter hat den selektiven Mutismus!
Sie wird in 3 Tagen 10 und ich sage dir: jetzt wird es laaangsaaam besser!

Im Kiga 3 Jahre nicht gesprochen außer mit 3 Kindern die sie von klein auf kannte.
Innerhalb der Familie mit allen gesprochen bis auf eine Schwägerin und meinem SV - das kam erst mit knapp 5 Jahren.

In der Schule bis Anfang der 4. Klasse nicht gesprochen außer mit 2 Freunden aus dem Kiga!
Sie kommt im Sommer auf das Gymnasium!

Ihre Lehrerin hat sie intuitiv so behandelt wie es sein sollte!
Nämlich ganz normal ohne sie lächerlich zu machen, auf Antworten zu warten oder sie unter Druck zu setzen!

Ich weiß, dass sie auf dem Gymnasium wieder zu Beginn Probleme hat - aber ich hoffe, dass sie keine 3 Jahre mehr braucht um zu reden!

Sie redet heute noch nicht draußen mit Fremden oder auch ansatzweise Bekannten. Sie erstarrt dann und "beamt" sich quasi weg!

Therapien haben wir KEINE bekommen obwohl wir die Diagnose haben!

Tja, ... also ich kann nur sagen: kämpft für euer Kind und setzt euch ein!
Euer Kind DARF NIEMALS runter von dieser Schule - das wäre fatal!

Zur Not wechselt die Schule!!!

Macht euer Kind stark, zeigt ihm seine positiven Seiten und versucht, daraus Kraft für ihn zu finden!

Im SPZ kann man ein Soziales Kompetenztraining machen - hatte mine auch und leider nach 5x abgebrochen mit der Aussage: wenn jemand ein Problem mit mir hat soll der selber Therapie machen!

Hm, einerseits richtig andererseits ...

Ich übe jeden Tag mit ihr und gehe auf den Spielplatz in der Siedlung ihrer Klassenkameraden!
Bis vor kurzem hat sie die alle dort ignoriert, jetzt spielt sie ab und zu mit denen und redet dann auch - wenig aber immerhin!

Schönerweise ist sie dennoch voll akzeptiert in der Klasse und sie wird gerne gemocht!

Beitrag von hustinetten 21.04.11 - 20:59 Uhr

Ich kann die Schule einerseits verstehen, weder die Schulgebäude noch die Lehrer sind auf inklusiven Schulbesuch ausgelegt. ABER er hat das Recht, eine allgemeine Schule zu besuchen.
Ich finde, eine Integrationshilfe wäre ein guter Kompromiss für beide Seiten, dann würde jemand deinen Sohn zur Schule begleiten und - bis er es selbst schafft, oder die Lehrer besser mit ihm klarkommen als "Sprachrrohr" vermitteln.

lg

Beitrag von bellpepper 22.04.11 - 12:33 Uhr

Also....wahrscheinlich wirst du das hier ja jetzt gar nicht mehr lesen...aber...
es kam ehrlich gesagt nicht so rüber, als hättest du schon eine feststehende Diagnose und einen Psychologen an der Hand. Wenn das SO ist, dann müsste es doch eigentlich funktionieren, den Psychologen zwischen euch und den Lehrern vermittelnd einzusetzen. Er sollte doch in jedem Fall auch Tipps weitergeben, wie sich die Lehrer gegenüber einem mutistischen Kind am besten verhalten können bzw. wie sie ihm helfen können, vor allem wenn der Psychologe nach SYMUT arbeitet (was ich natürlich nicht weiß). Außerdem wird er doch sicher auch eindeutig bestätigen können, dass deine Söhne fit für die Regelschule sind, und dies zur Not auch mit seinem Namen unterschreiben können. Ich denke, ihr solltet in dieser Richtung zusammen weiter arbeiten, damit die Schule nicht den Eindruck hat, ihr würdet euer Ding alleine durchziehen wollen, sondern damit sie sehen, dass ihr durchaus kooperationsbereit seid. Nur wenn alle am gleichen Strang ziehen, kann einem mutistischen Kind gehofen werden!!!
Vielleicht möchtest du dem Club beitreten? Dort gibt es noch andere Betroffene, und es ist etwas "privater"?
Alles Gute,
bp

Beitrag von binchen123 25.04.11 - 16:15 Uhr

Hallo

meine Tochter hat auch selektiven Mutismus. Sie ist im März 7 Jahre alt geworden und wird im September eingeschult, in die Regelschule. Aus Erfahrung kann ich also wirklich nicht sprechen. Nur soviel, dass es auf jeden Fall gut ist, einen Therapeuten/Therapeutin zu haben, der sich mit Mutismus auskennt und der dann eng mit der Schule zusammenarbeitet. So ist es zumindest bei uns angedacht. Wie es dann in der Praxis funktioniert werden wir dann sehen. Melissa hat auf jeden Fall durch die Therapie Fortschritte gemacht, wenn es auch immer mal wieder Rückschritte gibt, es ist halt ein auf und ab.

Melissa hätte letztes Jahr schon eingeschult werden müssen, wurde aber für ein Jahr zurückgestellt. Sie geht jetzt im Moment in einen heilpädagogischen Kiga und mit der Förderung die sie dort bekommt und der Therapie bei der Psychologin hat sie große Fortschritte gemacht.

Übrigens gibts bei Urbia einen Club zum Thema Mutismus, vielleicht magst du mal reinschauen?

http://www.urbia.de/club/Mutismus+-+Mein+Kind+schweigt

LG Sabine