Verweigert nun komplett die Brust.Was tun?

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. 

Beitrag von sarah05 22.04.11 - 11:13 Uhr

Guten Morgen #winke
Ich habe gestern schon geschrieben,dass meine Maus (nun 9 Monate alt) immer mehr die Brust verweigert.
Sie bekommt nun Mittags Brei und seid ein paar Tagen Abends Milchbrei.
Nun verweigert sie ganz die Brust :-(
Was soll ich denn nun machen?
Sie braucht doch noch Milch und ich glaube aus der Flasche trinkt sie nicht.
Soll ich nun komplett auf Beikost umstellen?
Aber was soll ich ihr dann Morgens anbieten?
Momentan verweigert sie morgens und Nachmittags die Brust,ich stille also dann nur noch Abends und Nachts,wenn das nicht auch verweigert wird #zitter .
Eben hat sie die Brust verweigert,also habe ich ihr Obst gegeben und da hat sie gleich das ganze Glas verputzt...
Nur wie gebe ich ihr dann die Milch?
Eigentlich würde ich noch so gerne weiter stillen :-(
Oder soll ich ihr Vormittags und Nachmittags einfach nur die Brust anbieten,aber sie will ja nicht :-(
Ich bin ratlos :-(
Liebe Grüsse Sarah

Beitrag von schnuffel0101 22.04.11 - 11:49 Uhr

Ich versuche es jetzt nochmal. Mir scheint es wirklich so zu sein, dass Deine Tochter so langsam beginnt, sich selber abzustillen. Ist ja auch voll ok in dem Alter.
Du glaubst, dass sie nicht aus der Flasche trinkt. Hast Du es schon mal probiert? Vielleicht würde sie aus einem Trink-Lern-Becher besser trinken! Probier das doch mal.
Wenn sie das Obst so gut verputzt hat, ist es doch meiner Meinung nach das beste Zeichen, dass sie so langsam beikost-reif ist.
Du kannst auch mal versuchen, ob sie die Milch vielleicht in ganz kleinen Schlucken aus einem z.B. Platikbecher trinkt. Das fand unser Sohn schon ziemlich früh total klasse.

LG und einen schönen Tag. Mach Dir nicht so viele Sorgen.

Beitrag von marysa1705 22.04.11 - 12:44 Uhr

Hallo Sarah,

habe Deinen Beitrag gestern schon gelesen, hatte aber keine Zeit für eine Antwort.

Ehrlich gesagt, hast Du es mit der Beikost einfach ganz falsch angefangen. Im ersten Lebensjahr sollte das Stillen nicht ersetzt werden, sondern BEIkost sollte wörtlich genommen werden.

Wenn Du aber schreibst "Mittags isst sie nun so viel,dass sie satt ist und nicht mehr gestillt werden möchte", dann hast Du genau das getan: ersetzt.

Du hast nämlich vollkommen Recht: Deine Tochter braucht ihre Milch noch. Sie sollte im ersten Lebensjahr das Hauptnahrungsmittel sein.
Deshalb stillt sich auch kein Kind mit 9 Monaten "von selbst" ab. Es WIRD höchstens durch falsche Beikosteinführung abgestillt - so wie es jetzt bei euch der Fall ist.

Etwas Grundsätzliches zum Stillen:
Wer das Stillen als "Mahlzeit" sieht und sein Kind deshalb je einmal morgens, vormittags, mittags, nachmittags, abends und vielleicht noch ein oder zwei Mal in der Nacht stillt, der hat da schon einen Denkfehler und eigentlich viel zu lange Stillabstände drin.

Unsere Kinder haben vielleicht rund 20 Mal am Tag gestillt, weil sie einfach immer wieder mal "zwischendurch" getrunken haben. Weder die mütterliche Brust noch der Magen des Babys ist eigentlich auf lange Stillabstände ausgerichtet.
Manche schaffen solche langen Stillabstände, viele aber auch nicht.

Zur Beikost:
Wie bereits geschrieben, sollte mit der Beikost das Stillen im gesamten ersten Lebensjahr nicht ersetzt, sondern lediglich ergänzt werden.
Empfohlen wird deshalb VOR der Beikostmahlzeit zu stillen.
Das ist einerseits besser für die Verdauung des Kindes und andererseits trinkt es so jeweils auch genügend Muttermilch und ist nicht - wie in eurem Fall - nach der Beikostmahlzeit zu satt fürs Stillen.

Da Du ja schreibst, dass Du selbst noch gerne weiterstillen und NICHT abstillen möchtest, würde ich Dir empfehlen, das einfach auch zu tun.
Ab jetzt aber RICHTIG. ;-)

D.h. einfach immer wieder die Brust anbieten, weder nach festen Stundenabständen noch ausschliesslich zu den Mahlzeiten, sondern viel öfter.
VOR den Mahlzeiten die Brust anbieten und zwar immer.

Gegebenenfalls eine Stillberaterin (AFS oder LLL) kontaktieren und sie um praktische Hilfe bitten.

LG Sabrina

Beitrag von schnuffel0101 22.04.11 - 13:43 Uhr

Ich sehe das nicht ganz so. Du schreibst, die Milch sollte im ersten Lebensjahr der Hauptbestandteil der Nahrung sein. Ok, gut und schön. Was machst Du aber, wenn Du ein Kind hast, dass schon recht früh beikostreif ist und einfach nur noch von Milch nicht mehr satt wird? Ich spreche da zwar jetzt mehr von den Flaschenmamas, ich weiss.

Beitrag von pfirsichbacke 22.04.11 - 13:58 Uhr

hi, ich finde auch nicht, dass das komplette erste jahr mumi die HAUPTmahlzeit ist. beikost ist wichtig, weil bestimmte stoffe wie eisen usw. für den kleinen körper in der mumi nicht mehr ausreichen. volles getreide und immer mal wieder fleisch im mittagsbrei gibt dem baby die zusätzlichen nährstoffe. nach dem 6. monat schwinden nämlich die körpereigenen reserven.
man sollte es auch nicht erzwingen, wenn ein kind partout nicht mehr an die brust will. dann würde ich nach längerem versuchen abpumpen und versuchen es mit dem becher zu geben. meine nimmt auch keine flasche. mal sehen wie das wird wenn sie beikostreif ist.

meine tochter kommt mit einem jahr in die krippe und da wäre es überhaupt nicht möglich VOR jedem menü noch zu stillen. das find ich quatsch, in dem alter können sie ganz normal am familientisch mitessen. und wenn sie ca. 200ml kuhmilch oder entsprechend noch mumi (nachts oder morgens) trinken ist doch alles easy.:-)

Beitrag von marysa1705 22.04.11 - 16:04 Uhr

>>ich finde auch nicht, dass das komplette erste jahr mumi die HAUPTmahlzeit ist.<<

Eine rein kulturell bedingte Ansicht, die aber nichts mit unserer natürlichen Entwicklung zu tun hat.
DU magst das so empfinden, richtiger wird es aber deshalb nicht.


>>weil bestimmte stoffe wie eisen usw. für den kleinen körper in der mumi nicht mehr ausreichen.<<

Ein altes, aber anscheinend sehr hartnäckiges Ammenmärchen...

RICHTIG ist dagegen:

"Ein vollgestilltes Kind, das als reifes Neugeborenes auf die Welt kam, erleidet normalerweise keinen Eisenmangel. Das in der Muttermilch enthaltene Eisen wird zu 50% verwertet (Vergleich: Kuhmilch: 10%, mit Eisen angereicherte Säuglingsnahrung: 4%). Vollgestillte Kinder, die erst nach dem 7. Monat Beikost erhielten oder gar noch später, litten als Kleinkinder nicht an Blutarmut, im Gegenteil, ihre Hämoglobin Werte waren sogar besser als die von gestillten Kindern, die bereits vor dem 7. Monat Beikost erhielten. (siehe: Das Handbuch für die stillende Mutter der LLL)."
http://www.stillberatung-mamabrust.de/page18.php


>>in dem alter können sie ganz normal am familientisch mitessen.<<

Das tun auch gestillte Kinder.


Beitrag von marysa1705 22.04.11 - 15:54 Uhr

>>Was machst Du aber, wenn Du ein Kind hast, dass schon recht früh beikostreif ist und einfach nur noch von Milch nicht mehr satt wird?<<

Das ist ein so genanntes Ammenmärchen.
Die Milch wird immer nach Bedarf gebildet. Wenn ein Kind also erhöhten Bedarf hat, dann trinkt es einfach mehr.
Auch PRE-Milch für Flaschenkinder wird einfach nach Bedarf gegeben.

Wenn ein Kind "nicht mehr satt" werden würde, wäre es übrigens das allerverkehrteste in so einem Fall Beikost zu geben. Hast Du schon mal die Nährwerte von Mutter- bzw. Säuglingsmilch im Vergleich zu Beikost angeschaut? ;-)
Wenn Dein Baby also laut dem Arzt z.B. zu wenig zugenommen hat, dann wäre es Quatsch deshalb mit Beikost zu beginnen. Um die Kalorien von ca. 200ml Muttermilch aufzunehmen, müsste es fast 1 kg Karotten essen.

Wird ein Kind über das erste Lebensjahr hinaus gestillt, deckt es weiterhin einen grossen Teil seines Energiebedarfs aus der Muttermilch:

"Auch nach der Einführung von Beikost sind gestillte Kinder besser mit Nährstoffen und Kalorien versorgt:
Studien aus vielen Ländern machen deutlich, dass die Menge der täglich produzierten Muttermilch zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat des Kindes zwar abnimmt, aber dennoch durchschnittlich rund 500 ml beträgt und nach Bedarf erhöht werden kann. Kinder im 2. Lebensjahr decken ihren Energiebedarf zu 31% durch Muttermilch. Stillkinder im Alter von 13-18 Monaten erhalten bei gleicher Nahrungsmenge 25% mehr Energie als nicht gestillte. Ältere gestillte Kinder erhalten dadurch 17% mehr Energie.
Weiter decken Kinder im 2. Lebensjahr aus der Muttermilch ihren Eiweißbedarf zu 38%, außerdem ihren Vitamin- und Mineralienbedarf anteilig folgendermaßen:
Vitamin A zu 100%, Vitamin C zu 95%, Niacin zu 41%, Riboflavin zu 21%, Folsäure zu 26%, Kalium zu 44%, Eisen zu 50%.
Die Vitamin C-Konzentration der Muttermilch für ein Kind gegen Ende des 1.Lebensjahres ist 3,3 mal höher als im Blutplasma seiner Mutter. Selbst wenn die Mutter erniedrigte Vitamin-C-Werte hat, wird es in der Milch 6-12-fach angereichert. Stillkinder erhalten so höhere Konzentrationen an Vitamin C als Kinder, die mit Vitamin-C-angereicherter künstlicher Babynahrung, Gemüse und Früchten ernährt werden."

http://www.stillkinder.de/fragen_langzeitstillen.html


Was oft für "nicht mehr satt werden" des Kindes gehalten wird, hat in Wahrheit meist ganz andere Gründe bzw. fehlt oft einfach das Wissen darüber, dass häufiges Stillen eigentlich das normale ist.

Beitrag von mamemaki 23.04.11 - 21:43 Uhr

also ich verstehe auch nicht ganz, warum man VOR dem beikostessen stillen soll?

meine kleine (fast 8 monate) trinkt total gern an der brust und wenn ich ihr zuerst die brust anbieten würde, würde sie überhaupt keine beikost essen. so biete ich ihr mittags und nachmittags etwas gemüse-fleisch brei bzw obst-getreide brei an wenn sie hungrig ist. sie isst soviel sie lust hat und danach trinkt sie sich an der brust satt. manchmal will sie danach die brust nicht mehr, meistens jedoch schon.

dadurch bekommen wir etwas mehr spielraum. mein mann kann so auch längere ausflüge mit ihr ohne mich machen (sie nimmt die flasche nicht). er gibt ihr etwas brei aus dem gläschen und wasser unterwegs und so haltet sie ein wenig länger durch bis sie wieder an die brust will.

Beitrag von marysa1705 24.04.11 - 10:49 Uhr

Wenn es gut klappt, kann man natürlich auch NACH dem Essen die Brust geben.

Die wichtigere Ernährung ist und bleibt einfach im ersten Lebensjahr die Milch, d.h. lieber kommt die Beikost etwas kürzer als dass die Milch zu kurz kommt. Der Haupternährungsbestandteil ist deshalb die Milch und NICHT der Brei/die Beikost.

Alles andere wäre bereits aktives Abstillen.

LG Sabrina

Beitrag von sarah05 22.04.11 - 18:12 Uhr

Puh,also die Antworten haben mich ja nun doch etwas verunsichert,nun weiss ich ja gar nicht mehr was richtig und was falsch ist #gruebel .
Also ich fange mal ganz von vorne an...
Meine Maus wurde 8,5 Monate voll gestillt und das immer nach Bedarf,nie nach der Uhr.
Es war aber so im Schnitt alle 2 Stunden,zwischendurch natürlich auch.
Mir wurde nun von mehreren Seiten gesagt,dass ich sie NICHT mehr nach dem Brei stillen soll,weil sie lernen soll,dass sie von dem Essen satt wird...
ja kalsse,das war ja dann natürlich genau das flasche :-[ .
Ich habe sie nach dem Brei immer angelegt und fast immer hat sie auch getrunken,also werde ich das auch wieder machen.
Nach dem Milchbrei wird sie immer noch gestillt.
So,heute Morgen habe ich ihr ja das Obst gegeben,dafür hat sie Mittags dann nichts bekommen und ich habe sie Tagsüber gestillt.
Es ging dann doch.
Ebene wollte ich ihr Milchbrei geben,möchte sie nicht #gruebel .
Ich glaube sie hat irgendwie ein Problem mit beidem,also mit dem stillen und der Beikost.
Beides ist anscheinend zu viel für sie,ich weiss es nicht.
Eins von beiden wird verweigert #gruebel
Aber stillen vor dem Brei habe ich noch nie gehört #gruebel
Wann sollen die Mahlzeiten denn ersetzt werden?
Sie isst ja Mittags eine ganze Portion,soll ich ihr jetzt nur die hälfte geben und sie dann stillen #kratz
Jetzt bin ich ja noch mehr verunsichert :-(
Ich hoffe mir kann irgendwer weiter helfen.
Liebe Grüsse

Beitrag von marysa1705 22.04.11 - 19:17 Uhr

Hallo nochmal...

hier findest Du die Beikostempfehlung von WHO und Unicef:

http://www.babyfreundlich.org/uploads/media/BeikostempfehlungEltern2010-05-19_01.pdf

Zitat:

"Wann und wie wird mit der Zufütterung begonnen?
Mit dem Beginn des 7. Lebensmonats sind die meisten Kinder für die Einführung von Beikost bereit. Der Beginn des Zufütterns bedeutet jedoch nicht das Ende der Stillzeit, sondern es sollte parallel weiter gestillt werden. Manche Kinder interessieren sich erst nach 9 bis 12 Monaten für größere Mengen anderer Nahrung als Muttermilch. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung, denn Muttermilch soll im ganzen ersten Lebensjahr Hauptnahrungsmittel sein.

(...)

Stillen Sie immer zuerst. Denn es ist leichter, Essen zu üben und neue
Nahrungsmittel und Geschmacksrichtungen auszuprobieren, wenn Ihr Kind nicht zu hungrig ist. Auch kann es die neue Nahrung mit Hilfe der Muttermilch besser verdauen.

(...)

Solange Sie stillen, braucht Ihr Kind keinen aus Kuhmilch hergestellten Milchbrei."


Ersetzen musst Du wie gesagt überhaupt keine Mahlzeiten. Du kannst einfach Deinem Kind die Führung überlassen. Das Stillen hat auch im 2. Lebensjahr noch eine grosse Bedeutung und wird deshalb von WHO und Unicef auch so empfohlen.

Vielleicht mag Dein Kind auch lieber Fingerfood als Brei. Du kannst ihm z.B. gedünstetes Gemüse, Brot, Nudeln, etc. anbieten und es selbst essen lassen. Das schult die motorischen Fähigkeiten und es lernt die verschiedene Beschaffenheit der Nahrung kennen anstatt dass es alles als "Einheitsbrei" bekommt.

Diese Art der Beikosteinführung ist auch bekannt als "Baby Led Weaning" oder kurz BLW. Dazu gibt es hier bei urbia auch einen Club, wo Du viele Infos findest:
http://www.urbia.de/club/Baby+Led+Weaning


LG Sabrina