Mein Sohn ist resistent gegen unseren Dialekt

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von tweety74 27.04.11 - 18:06 Uhr

Was soll ich sagen??

Wir kommen aus dem schönen Saarland und reden untereinander alle Dialekt oder zumindest die Light-Version davon.
Mit meinem Sohn (9) hab ich immer brav Hochdeutsch gesprochen, dachte, daß er "platt" eh noch lernt wenn er uns so sprechen hört oder die anderen in der Schule.
Aber Pustekuchen! Er redet astreines Hochdeutsch und findet Dialekt doof.

Sind eure auch so??

Beitrag von dominiksmami 27.04.11 - 18:22 Uhr

Huhu,

nein im Deutschen nimmt mein Sohn sehr stark meinen "Dialekt" an ( sicher kein reiner Dialekt eben auch eher die Lightversion), da er kaum Alternativen hat. Er geht ja hier in NL zur Schule.

In der Schule dürfen die Kinder ausschliesslich reines, echtes Niederländisch reden, aber zu Hause bei Freunden hört er natürlich auch das Platt das hier gesprochen wird.

Er findets nicht doof, macht aber auch kaum Anstalten es zu reden.

lg

Andrea

Beitrag von christina-gro 27.04.11 - 18:40 Uhr

huhu,

wir kommen aus´m Schwabeländle und schwätzen au bissle Dialekt...

Meine Tochter allerdings redet astreines Hochdeutsch#rofl

Hier ist es jedesmal der Brüller wenn sie anfängt#verliebt

Lg

Beitrag von dominiksmami 27.04.11 - 19:01 Uhr

oh und das höre ich so gern #verliebt also euer Dialekt!

Beitrag von bettibox 28.04.11 - 11:29 Uhr

Ehrlich? Wenn man untereinander redet, macht es mir nichts aus, aber wenn ich z.B. im Fernsehen schwäbisch höre, rollen sich mir die Fussnägel, ist aber bei sächsisch und hessisch genauso. Persönlich kein Problem aber im TV fürchterlich.

Beitrag von bettibox 28.04.11 - 11:27 Uhr

Lach bei uns auch, mir schwätzad au schwäbisch ondanander und unsere Tochter spricht hochdeutsch, manchmal aber sehr selten kommen ein paar schwäbische Worte rein, vor allem wenn es ans aufräumen geht, dann kommt ein "jetz edda".

LG

Beitrag von diebina 27.04.11 - 19:18 Uhr

das ist doch wunderbar!

ich als Wahl-Hannoveranerin hier im HessenLändle habe es echt schwer, meinen Kindern das "net", "gelle" und alles andere auszutreiben. ;-)

ich finde es wunderbar wenn Kinder hochdeutsch sprechen - insbesondere im Hinblick auf den späteren Berufsstandort, der vielleicht NICHT im tiefsten Hessen, Sachsen oder Schwabenländle liegt.

Beitrag von mariju 27.04.11 - 20:09 Uhr

Das mit dem Berufsstandort ist Quatsch. Ich arbeite (z.Z. Elternzeit) auf einem Amt mit 220 Mitarbeitern, da sind alle "Sorten" dabei ob aus Bayern, Sachsen etc. Man versteht sich, trotz Dialekt und das bestens.

Beitrag von diebina 27.04.11 - 20:15 Uhr

dabei geht es mir auch überhaupt nicht ums verstehen.

Ich habe im Berufsleben - nicht nur national, sondern auch international - die Erfahrung gemacht, dass hochdeutschsprechende Menschen in gewissen Situationen eher für voll genommen - bzw. als kompetent angesehen werden.

Ob das korrekt ist oder nicht sei mal dahingestellt - es ist aber so. Und ich möchte eigentlich nicht dass mein sächselnder Sohn im Zweifelsfalle den Job eben nicht bekommt, da der andere Bewertber ein astreines Deutsch spricht.

Beitrag von mariju 27.04.11 - 20:06 Uhr

Ich find Dialekt toll. Wir kommen aus der Eifel (Bitburg-Prüm), hier spricht noch jeder Dialekt, ob 6, 16 oder 86, ich finde das gut und spreche seit Geburt an mit unserem Sohn (7Monate) nur Dialekt. Auch meine Eltern, Schwiegereltern, Freunde ... habe ich dazu verdonnert mit ihm "platt" zu sprechen. Klappt prima, nur mein Mann kann es nicht (war damals vor 35 Jahren nicht angesagt und die Kinder durften plötzlich nur noch hochdeutsch reden), daher bin ich mal gespannt wie unser Sohn später spricht.

LG

Beitrag von parzifal 28.04.11 - 08:01 Uhr

Wenn er später dann einen Dolmetscher braucht damit ihn auch andere verstehen, dann hast Du vollen Erfolg gehabt.

Dialekt ist nichts, was man absichtlich fördern sollte indem man andere "verdonnert" nur in diesem mit jemand zu sprechen. So etwas "fanatisches" habe ich noch nie gehört.

Ist Dir klar, dass Dialekte Nachteile aber nie Vorteile haben können?

Beitrag von luka22 30.04.11 - 12:44 Uhr

"Ist Dir klar, dass Dialekte Nachteile aber nie Vorteile haben können?"

Da muss ich dir recht geben. Ein Vorstellungsgespräch im Dialekt kommt nur im handwerklichen Kleinbetrieb gut an ;-). Auch ein wissenschaftler Vortrag im Dialekt hat zwar einen Unterhaltungswert, so richtig ernst nehmen kann man das Ganze aber nicht.
Also Zweisprachigkeit finde ich persönlich sehr wichtig!


Grüße
Luka

Beitrag von cahahi 28.04.11 - 09:07 Uhr

Eifler Platt darf nicht "aussterben". #pro

Beitrag von schnuffinchen 27.04.11 - 20:13 Uhr

Ich finde das toll.

Allerdings war ich selber auch dialektresistent. Ich habe es als Kind gehasst, und hasse es auch heute noch - die Berliner Schnauze. Ich habe immer hochdeutsch gesprochen und man hat mir nie angehört, aus welcher Ecke ich komme.

Grundsätzlich stehe ich auch nicht so auf Dialekt, egal welcher. Hier in Westfalen geht es ja noch, aber selbst hier treiben mir so einige sprachliche Abgründe den Schweiss auf die Stirn.

Beitrag von king.with.deckchair 27.04.11 - 20:23 Uhr

Gutes Kind.

Beitrag von valeska1979 27.04.11 - 22:34 Uhr

Hallo,

sei doch froh.
Also ich gebe zu: Ich mag Dialekte jeglicher Art nicht und bin froh, dass ich Hochdeutsch von meinen Eltern beigebracht bekommen habe und das bei meinem Sohn auch so handhabe.

Jedem das seine, aber aus Erfahrung weiß ich, dass Dialekte im späteren Leben nicht immer von Vorteil sind und manche diese auch nicht in Hochdeutsch umwandeln können.

Viele Grüße

Beitrag von jacinto 28.04.11 - 08:15 Uhr

Hallöchen ins Saarland #winke

wir kommen auch aus dem schönen Saarland.
Ich selbst kann kaum Dialekt weil meine Eltern es mir auch nicht richtig beigebracht haben. Im Nachhinein bin ich froh darüber. Habe jetzt schon von einigen Fällen gehört dass die Kinder die "richtiges" Platt sprechen Probleme in der Schule haben weil sie alles so schreiben wie sie es sprechen.
Meine Schwiegereltern sprechen richtig Platt mit ihren Söhnen. Mein Schwager kann es gar nicht, mein Mann spricht je nachdem mit wem er spricht platt oder hochdeutsch.
Ich denke es ist auch ein Unterschied WO man im Saarland wohnt. Mir persönlich gefällt das Saarbrigger Dialekt á la Heinz Becker gar nicht #zitter und wenn das kleine Kinder sprechen (so richtig meine ich) #schock
Hier bei uns (5 km nach Frankreich) gefällt es mir noch ganz gut, aber trotzdem sprechen wir mit unserer Tochter hochdeutsch.

Liebe Grüße aus dem Saarland
jacinto #blume

Beitrag von nebelung 28.04.11 - 08:55 Uhr

Hallo,

Mein Sohn ist resistent gegen die deutsche Sprache!
Im Ernst, er will nicht deutsch reden, sagt er selbst, obwohl ich schon seit über 5 Jahren deutsch mit ihm rede, da war er noch in meinem Bauch.
Er versteht ja alles, und ich denke, irgendwann findet er wohl auch den Dreh, aber die Grosseltern nerven immer, dass er deutsch reden muss #bla da kann ich verstehen, dass er auf stur schaltet.

Beitrag von nele27 28.04.11 - 09:00 Uhr

Hi,

naja, sorum ists zumindest besser als wenn er sich weigert, Hochdeutsch zu sprechen :-)

Grundsätzlich verstehe ich aber nicht, was viele gegen Dialekte haben. Ich selbst spreche zwar nur Hochdeutsch (leider).
Aber ein Dialekt hindert mitnichten dran, Hochdeutsch zu lernen und eins vom anderen zu unterscheiden. Kinder sind ja nicht blöd. Ich denke, es kann keinen Nachteil haben, zwei deutsche Varianten zu können.

#aha Übrigens sind Dialekte wesentlich älter als das Hochdeutsch. Hochdeutsch ist eine - ich glaube im 14. Jh. - künstlich eingeführte Sprache, um Verständigungsschwierigkeiten zu lösen.
Da dann vor allem die Leute, die gut betucht waren und mehr herumreisten Hochdeutsch lernen mussten um sich zu verstehen, wurde Hochdeutsch mehr und mehr zur "besseren" Sprache hochstilisiert und Dialekte verkamen zur Bauernsprache.
Aber die eigentlichen deutschen Sprachen sind die Dialekte.

LG, Nele

Beitrag von dominiksmami 28.04.11 - 09:27 Uhr

danke für diesen Beitrag.

Du sprichst mir damit aus der Seele.


Das "Hochdeutsche" ( so es das überhaupt gibt, denn gerade die, die von sich meinen sie würden klares Hochdeutsch sprechen, hören sich in den Ohren Andersgebürtiger oft grausam an *g*) ist eine eher moderne Erfindung.

Ich verstehe auch nicht wie man seine eigene Sprache so verleugnen kann *g*

Wichtig wäre das man von Kind auf an beides lernt, aber wie uns die vielen, vielen mehrsprachigen Kinder auf der Welt beweisen ist das überhaupt kein Problem.

lg

Andrea

Beitrag von nele27 28.04.11 - 10:32 Uhr

Ich finds ja immer witzig, wenn Leute sich was drauf einbilden, Hochdeutsch zu sprechen. Die denken wohl, HOCHdeutsch kommt von HOCHgebildet oder so :-)

In Wahrheit ists einfach das Gegenstück zu Niederdeutsch, das sich damals (14 Jh? 15.Jh?? So in dem Dreh) nicht zur allgemeinen Sprache durchsetzen konnte.

Hochdeutsch als eigene Sprache gibts historisch eigentlich gar nicht... es entwickelte sich aus Dialekten des Mittel- und Oberdeutschen. Vorbild soll das Meißnische sein. Es wurde dann von der Obrigkeit flächendeckend eingeführt.

Im Gegensatz zum Mittelalter und früher brauchte man nämlich irgendwann eine einheitliche deutsche Sprache, vor allem auch schriftlich, denn Bücher konnten seit Erfindung des Drucks weit verbreitet werden.

Es waren also ganz praktische Gründe, die zur Einheitssprache führten.

Und wenn man die Geschichte mal nachvollzieht, gibts also rein gaaaar nichts aufs Hochdeutsch einzbilden :-)

So und jetzt hör ich auch auf klugzuscheißen, aber mich nervt dieses unqualifizierte Geläster über Dialekte einfach. Und das obwohl ich - geb. in Niedersachsen - NUR Hochdeutsch kann.

Meine Lieblingsdialekte sind übrigens die aus Meck-Pomm #verliebt Zu schön. Überhaupt nicht kann ich Bayrisch und Wienerisch haben *schüttel* Geschmackssache.

Beitrag von glueck2005 28.04.11 - 09:35 Uhr

Hallo,

Sei froh!

Ich bin die ersten 6 Jahre in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen.
Danach sind wir nach Sachsen gezogen. Ich habe mir den sächsischen Dialekt nie angewöhnt, im Gegensatz zum Rest der Familie.
Ich hatte es in Deutsch einfacher als meine Geschwister.

Seit 12 Jahren wohne ich in NRW. Keiner hört, das ich eigentlich aus Sachsen komme. Ich bin froh drum, denn ich mag sächsisch nicht besonders, außer bei meinen Geschwistern. Ich finde, man bekommt schnell einen Stempel aufgedrückt.

Ich mag aber auch kein schwäbisch #zitter und hessisch #zitter.
Ich mag den norddeutschen Dialekt und ansonsten ist hochdeutsch doch sie beste Wahl.

Gruss



Beitrag von singa07 28.04.11 - 10:41 Uhr

Sei froh!

Ich komme ursprünglich aus Rheinhessen, zu Hause wurde nur tiefster Dialekt gesprochen. Ich hatte ein regelrechtes Schockerlebnis, als ich in die Grundschule kam - ich verstand nämlich meine Lehrer nicht und sie mich auch nicht!
Wahrscheinlich war's gar nicht sooo dramatisch, aber für mich war es damals ganz, ganz schlimm. Ich habe mir innerhalb kürzester Zeit Hochdeutsch angewöhnt und spreche das auch heute noch.

Je nach Lage (also wo wir gerade sind - wir leben in der Kurpfalz, haben Familie in Rheinhessen, ich arbeite in der Nähe von Stuttgart) ist meine Sprache zwar gefärbt (ich kann Dialekte sehr schnell annehmen), aber doch immer noch hochdeutsch.

Und was man nicht verwechseln darf: Hochdeutsch ist nicht Schriftdeutsch!

LG
Singa

Beitrag von nele27 28.04.11 - 10:51 Uhr

***
Hochdeutsch ist nicht Schriftdeutsch!
***

Stimmt nicht!!!

Das Hochdeutsche wurde vor allem entwickelt, weil es einen Bedarf an einer einheitlichen Schriftsprache gab.
Nach Erfindung des Buchdrucks und einer folgenden massenhaften Verbreitung der Bücher war es immens wichtig, dass Leute aus verschiedenen Regionen eine einheitliche Schreibweise hatten.

Ein anderer Grund war auch die Verständigung mündlicher Art durch steigende Mobilität.

Beides zeigte den Bedarf nach einer einheitlichen Sprache.

Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist die Schriftsprache sowieso der mündlichen Sprache nachgeordnet.

LG, Nele

Beitrag von paula74 28.04.11 - 10:42 Uhr

Hallo
Wir sind Deutsche in der Schweiz und hier spricht ja wirklich JEDER Dialekt. Unsere Tochter (4,5) geht seit sie knapp 5 Monate als ist in die Krippe und spricht ÜBERHAUPT kein Schweizerdeutsch. Wir finden es schade! Ihr hochdeutsch ist super.
Mal schauen, ob es sich noch ändert? Bisher sagt sie, dass jeder sie versteht...
LG Paula

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