Erstes Mal Kurs Geburtstrauma!

Archiv des urbia-Forums Frühchen.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von junisonne10 30.04.11 - 16:05 Uhr

ihr lieben,

gestern hatte ich das erste mal meinen kurs bezüglich geburtstrauma. da ich ja von einigen hier gebeten worden bin, darüber zu berichten, hier also die versprochene kurzmitteilung:

es half mir sehr, dass es nur frauen mit kaiserschnitt, bzw. notkaiserschnitt gab. alle hatten etwas schlimmes erlebt, waren aber bereits häufiger bei dem kurs und so auch viel weiter als ich!

für mich war es sehr emotional, ich konnte kaum erzählen, was mir passiert ist und auch jetzt noch kommen mir die tränen. viel habe ich auch nicht gesagt, ich glaub, verstehen konnte man mich eh nicht. der kurs war super und meine anfängliche scheu hat sich schnell abgebaut. auch wurde mir erklärt, dass ich nicht so viel druck auf mich ausüben soll, ich versuche zwanghaft wieder die "alte" zu werden, dass wird aber nie wieder passieren, jedoch muss ich lernen, mit dem erlebten zurecht zu kommen! man bekommt hilfestellungen und hört, was andere frauen gemacht haben, damit es ihnen besser geht. und es wurde mir erklärt, dass es völlig normal ist, für eine frau, die soetwas erlebt hat, dass sie ihr kind nicht aus der hand geben möchte bzw. selbst entscheiden möchte, wann die kleine wo auf welchem arm sitzt. bisher trau ich mich nicht, wenn jemand die hände nach der kleinen ausstreckt und sagt, "kom, gib sie mir" zu sagen: NEIN, jetzt nicht! ich soll lernen, dieses nein zu sagen, denn nur so kann ich anfangen, die sache zu verarbeiten und es war mir gar nicht so recht bewußt, dass ich, wenn mir jemand die kleine aus dem arm nimmt, sofort panisch werde, die gefühle von der zeit der schwangerschaft und der zeit danach, wo man mir ebenfalls die kleine immer aus der hand genommen hat, kommen einfach hoch und ich will sie sofort wieder haben, in meine arme schließen!

anders ist es jedoch, wenn ich sie freiwillig in die arme von anderen packe, was oft vorkommt, aber dann ist es meine entscheidung und ich habe das gefühl, ich entscheide. sonst ist es immer so, als ob man über mich hinwegbstimmt und ich war so lange fremdbestimmt.

jedenfalls taten mir die ersten zwei stunden schon enorm gut, aber der weg ist noch lang, dass weiß ich selber! aber ich habe auch das gefühl, dass ich was tue, um das alles zu verarbeiten.

euch liebe grüße

wer mehr wissen möchte, kann mich auch anschreiben!

Beitrag von css.wanne 30.04.11 - 20:42 Uhr

Hi,

schön, dass dir der Kurs gut tut. Ich denke damit bist du auf dem richtigen Weg.

Und mir hast du mit deinem Bericht auch total die Augen geöffnet. Ich könnte nämlich auch aus der Haut fahren, wenn mir jemand ungefragt einfach meine Kinder vom Arm nimmt. Warum konnte ich bisher nicht genau ergründen, fand es immer recht respektlos mir gegenüber.
Wenn ich jemanden einen der beiden auf den Arm gebe, macht mir das auch nichts aus. Und ich war da auch immer recht großzügig. Habe da nie so geklammert und das obwohl die beiden ja sehr klein und leicht waren.
Ich denke das hat auch bei mir damit zu tun, dass in den ersten Wochen immer andere bestimmt haben, wann und wie ich meine Kinder auf dem Arm halten darf. Auch wenn die Schwestern auf der Neo immer super nett waren. So ist es nicht. Die machen da einen super Job. Aber als Elternteil darf man trotz allem nur beschränkt handeln.
Da könnte tatsächlich mit ein Grund für meine Empfindungen sein.

LG
Susanne

Beitrag von maya2308 30.04.11 - 21:44 Uhr

Huhu!

Ja, dieses " Klammern" kenne ich auch! Früher, als Collin noch kleiner war, war mir das nie so bewusst! Bis meine Mutter mir irgendwann nach einem Jahr mal vorgeworfen hat, dass Collin so gut wie nie in diesem ersten Jahr bei denen war (damit mein Mann und ich mal was alleine machen können). Bei unserer Großen war das anders. Da war ich nicht so!

Auch war es bei Collin so, dass, wenn wir bei meinen Eltern zu Besuch waren, ICH ihn trotzdem immer auf dem Arm haben wollte, und ICH ihn immer füttern wollte (weil die anderen es nicht konnten, meiner Meinung nach), und ICH wickeln und anziehen wollte. Bei Maya war das nicht so! Da war ich froh, wenn ich sie mal aus der Hand geben konnte, zur Entlastung!

Auch meine Freundin meinte irgendwann: "Du willst überhaupt nix mehr unternehmen!"
NEEE, wollte ich wirklich nicht! Ich wollte bei meinem Kleinen sein! Ich war glücklich mit der Situation!

Wahrscheinlich ist das alles normal! Mir fehlen die ersten 17 Std. seines Lebens mit ihm (weil er auf Intensiv lag, und ich wegen KS nicht hoch kam). Nach 17 langen schmerzhaften Stunden konnte ich ihn das erste Mal sehen! Und das hat sich sooo in mein Herz gefressen! Man versucht, diese Zeit wieder auf zu holen, ja regelrecht wieder gut zu machen,...aber das kann man nicht! Deswegen klammert man sich an das, was man jetzt hat! Ob das gut ist, ich weiß es nicht! Aber ändern möchte ich es auch nicht! Noch nicht...

Ich habe schon oft über ein Gespräch mit jemanden, der mir wirklich helfen kann, gedacht! Aber naja, ...
Schön, dass du diesen Weg genommen hast, und das er dir gut tut! Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!!!!!

LG

Beitrag von meandco 02.05.11 - 08:42 Uhr

bin zwar keine frühchenmama ... aber:

ich denke es ist für jede mutter völlig normal ihr kind nicht einfach aus der hand gerissen zu bekommen. was sind das denn für sitten #aerger wenn die mutter das nicht will, dann muss der andere das akzeptieren und basta #cool

wobei ganz klar ist, dass bei euch einfach kommt dass ihr anfangs keine wahl hattet. das kind wurde quasi aus eurem körper gerissen (lange drauf einstellen können sich ja die wenigsten frühchenmamas ...) und auch noch weggebracht. und von da weg ne lange durststrecke, wo ihr als entscheidungsträger immer hintanstehen musstet. :-( kein wunder wenn es schwerfällt zu sagen, dass man das baby eben jetzt nicht hergibt. drück dir/euch die daumen, dass sich das bald bessert #pro

aber guter weg - wusste gar nicht dass es solche gruppen gibt #kratz

lg
me

Beitrag von blacky99 02.05.11 - 22:22 Uhr

Ich kann auch sehr gut das alles nachempfinden.
Ich suche auch so einen Kurs. Wo findet man denn Kontaktpersonen bzw. Adressen?
Ich habe ein Extremfrühchen bei 27 +4 per Kaiserschnitt entbunden. Hatte zwar Schwierigkeiten in der SS, aber es passierte doch unerwartet usw. Kaiserschnitt, Wehen 21 Std. lang, es gab kein Zurück. Dann das Baby weggenommen bekommen, nicht mal kurz gesehen usw.
Ich kann das alles noch nicht verarbeiten, weine auch viel, kann nichts erzählen richtig...Es nimmt mich noch immer mit. Er wird nächste Woche schon 8 Monate alt....

Würde mir auch gerne mal helfen lassen oder mich mit anderen Müttern austauschen....

Danke für Antworten !

LG Conny#winke

Beitrag von junisonne10 03.05.11 - 18:08 Uhr

hi, ich habe nach selbsthilfegruppen in meiner region gegoogelt, nach frühchengruppen und so.

die meisten großen krankenhäuser bieten gesprächsgruppen für frühcheneltern an. meins leider nicht. so hab ich weiter weg geschaut und bin auf diese gruppe aufmerksam geworden.

ich kann es nur empfehlen. ich habe mich schon so früh dafür entschieden, meine kleine ist ja gerade erst drei monate alt, aber ich merke einfach, dass ich es nicht verarbeitet bekomme!

alles was in der schwangerschaft war ist einfach die hölle gewesen. auch das thema zweites kind tut mir sehr weh, bzw. dass es kein zweites kind mehr geben wird! ich fühle mich einfach vom leben betrogen!!!

liebe grüße