Wird der Schmerz erträglicher???

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von m-e86 09.05.11 - 11:07 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich musste am 29.04. unseren kleinen Jonathan in der 21. SSW viel zu früh zur Welt bringen und gleich weiter zu den Sternen ziehen lassen.

Hatte schon 2 Tage Wehen, die aber von den Ärzten in der Klinik als "normal" und Mutterbandziehen abgetan wurden. So wurde ich mit Paracetamol und Buscopan nach Hause geschickt. Als ich dann in der Nacht wieder in die KLinik kam, da die Wehen nicht mehr auszuhalten waren war der Muttermund schon offen und alles zu spät.

Nun plagen mich Gedanken ob man das alles hätte verhindern können wenn nur ein Arzt die Wehen erkannt hätte oder mich wenigsten an ein CTG angeschlossen hätte. Ich weiß es bringt eh nichts mehr aber man fühlt sich so hilflos als hätte man sein Baby nicht richtig beschützt.

Stimmt der Satz: die Zeit heilt alle Wunden? Wird es irgendwann erträglicher oder bleibt dieser tiefe Schmerz und die Trauer bis man sein 2. Kind in der Händen halten darf?

Wie habt ihr ins Leben zurückgefunden?

Danke für Eure Antworten

Beitrag von annabella1970 09.05.11 - 12:09 Uhr

Hallo,

lass dich erst mal#liebdrueck...

Der Schmerz wird erträglicher...wirklich es ist so!!!

Ich habe das gleiche mitgemacht in der 17.SSW und es war brutal schlimm...

Aber langsam heilt die Zeit die Wunden....

Wir müssen unser Stern noch begraben und das wird noch mal schlimm aber die Zeit nimmt es mit...

Drücke dir fest die DAumen für die Zukunft..

Lg Anna

Bei mir lag es an der Zottenreifungslstörungen der Plazenta..

Beitrag von m-e86 09.05.11 - 12:19 Uhr

Danke für die lieben Worte, noch wissen wir nicht an was es lag, habe heute Abend einen Termin bei meinem Gyn der letzte Woche Urlaub hatte.
Ich vermute allerdings, dass es eine Infektion war, da ich 13 Tage vorher eine Blutung hatte nach der angeblich alles ok war.

Ich wünsche Dir ganz ganz viel Kraft für die Beerdigung und die Zeit der Verarbeitung.

Ganz liebe Grüße

Beitrag von jill1979 09.05.11 - 12:25 Uhr

Zeit heilt alle Wunden...
ach,es bleiben immer Narben..
Ich weiß nicht recht was ich von dem Satz halten soll.
Meine Luna ging am 20.8.09 und kam am 21.8.09 auf die Welt.Nur 12 Wochen danach am 22.11.09 hatte ich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand.Erst da hatte ich wieder das Gefühl Luft zu bekommen.Ich habe innerlich der Natur den Kampf angesagt und wollte einfach nur dieses baby gesund auf die Welt bekommen.Ich hatte Angst,die ganze Schwangerschaft durch und trotzdem war es eine der schönsten Zeiten in meinem Leben..Aber auch heute,nun ist baby Louis 8 Monate alt,holt es mich immer wieder ein.Manchmal lese ich von anderen Müttern,erkenne mich darin wieder und heule wie ein Schlosshund.Aber ich glaube das ist auch gut so.
Diese ewigen Fragen nach dem warum..spar sie dir..die Fragen nach dem"hätte man etwas ändern können"vergiss es..man macht sich verrückt damit.Es geht immer nur der Blick geradeaus.Das war mein Weg für mich und meine Seele.Ich habe bewusst wieder versucht schwanger zu werden.Immer wieder mit dem Kopf durch die Wand.Ich habe innerlich so eine Kraft entwickelt,gegen alle in der Familie,nur für mich.Meine Mutter meinte,dass wir doch warten sollten(Ich hatte davor schon eine FG im dritten Monat)..ich wollte davon nichts wissen.ich habe mit meinem Arzt darüber gesprochen und er fand unsere Einstellung toll und beneidenswert.Er sagte,dass so viele Frauen sich in eine Angst und Depression stürzen,die das schwangerwerden wieder so erschweren etc.Er sagte mir,dass wenn ein Körper schwanger wird,er in der Regel auch dazu in der Lage ist die Schwangerschaft auszutragen...ich finde den Satz toll!
ja,wie geht es mir jetzt.Louis ist da und alles ist fast gut..manchmal..
Als er ganz klein war hatte ich wahnsinnige Angst ihn zu verlieren.Ich hatte Angst vor dem Kindstot..bin ständig in sein Zimmer.ich stand da oft weinend im Zimmer,eigendlich glücklich,aber so voller Angst und Wut auf mich selbst,dass ich es nicht richtig genießen kann und so.Erst seit er den 6 lebensmonat erreicht hat bin ich ruhiger.Denn ab dem 6 Monat sinkt die Whrscheinlichkeit des plötzlichen Kindstot um ein Vielfaches.Jetzt geht es mir eigendlich soweit gut.Aber nun kommt bald wieder der August..In dem Monat wird mein baby ein Jahr alt,wir feiern unseren Hochzeitstag und auch den Todestag..ja,vielleicht feiern wir wirklich,denn es ist auch ein Geburtstag.Ich habe vier Kinder!Nur zwei in meinem Leben,aber vier in meinem Herzen!
Du wirst es schaffen.Finde deinen Weg,spreche viel mit deinem Mann darüber,überlegt,was ihr tun wollt,ob euch eine weitere Schwangerschaft gut tut,überlege ob du Hilfe von außen brauchst,weine und lache dann wieder...das ist unser Leben,es geht nie geradeaus..#liebdrueck

Beitrag von jill1979 09.05.11 - 12:27 Uhr

Schau dir mal mein Motto auf meiner Seite an..danach lebe ich..und es klappt!

Beitrag von m-e86 09.05.11 - 12:36 Uhr

Danke, danke, danke für Deine super Worte.

Für mich habe ich schon entschieden so schnell wie möglich wieder schwanger zu werden, ich habe es satt mein Leben von "anderen" planen zu lassen.

Ich bin mir mit meinem Kinderwunsch sicherer als je zu vor.

Und ja, auch ich finden den Satz toll:
Dass wenn ein Körper schwanger wird,er in der Regel auch dazu in der Lage ist die Schwangerschaft auszutragen.

Ich versuche nun auch nach vorne zu sehen, denn alles andere ändert ja auch nichts.

Finde es beneidenswert wie ehrlich Du mir geantwortet hast, und finde es auch gut, dass Du immernoch um Dein Sternchen weinst. Schließlich ist es DEIN Baby und soll ja auch nicht vergessen werden.
Will ja auch nicht Vergessen sondern versuchen zu Akzeptieren.

Danke nochmal. Ich wünsch Dir und Deinem Kleinen alles, alles Gute

Beitrag von jill1979 09.05.11 - 13:20 Uhr

Akzeptieren ist der richtige Weg..Einfach so hinnehmen wäre zuviel verlangt.Aber wir können es nicht ändern.Nicht jetzt und nicht später.Nicht mit toben und schreien,nicht mit auf dem Bodem stampfen.Nicht mit Depressionen und auch nicht mit Nichtstun.Weiterleben,nur damit gehts.Und sich lebenswertes zu nutzen machen.Sich freuen:an der Sonne,an Freizeit mit dem Partner,an der Hoffnung auf eine neue Schwangerschaft.Pick dir die Rosinchen aus deinem Leben..und du wirst sehen wie schnell du wieder schwanger wirst..So,mein Kleiner ist nun wach und meine Große hat Morgen einen großen VERA Mathetest..Alltag eben.Aber Alltag tut soo gut!!!

Beitrag von malou81 09.05.11 - 15:56 Uhr

Jill,

bei deinen Worten kullern mir auch wieder Tränen übers Gesicht. Ich will das auch schaffen und beneide dich um deine Zuversicht. Ich habe mir das auch schon gesagt und werde sehen, ob ich es schaffe so wie du. Du hast ja so Recht, mit dem, was du schreibst.

Ich ziehe den Hut vor deinem Lebensmut. Und wünsche dir alles Liebe. Hoffe sehr, dass ich eines Tages auch zurückblicke und soviel Mut beweisen kann.

LG, Malou und Schmetterling

Beitrag von jill1979 09.05.11 - 16:07 Uhr

ja,ich habe die Zuversicht.an manchen Tagen fällt sie einem schwer.Wenn ich bedenke,dass es nun im August schon 2 Jahre sind..wahnsinn wie die Zeit vergeht und was alles so passiert ist in der Zeit.2009 war ein einziger Kampf für mich..das hinterlässt immer Spuren.das ist klar.Aber unterkriegen lasse ich mich davon nicht.
Ich habe sogar Lunas Kinderwagen aus dem Keller geholt und benutze ihn nun für Louis.Ich glaube nicht,dass seine Schwester etwas dagegen gehabt hätte.Ich hatte auch immer eine Kiste mit babysachen auf dem Kleiderschrank.Mir tat das nicht weh.Im Gegenteil.ich habe sie ab und an runtergeholt,mir die sachen angesehen,geweint,aber da unendlich viel Kraft rausgeholt..jeder findet seinen Weg.meiner war der der Kofrontation mit allem.Ich habe mich mit mir und meinem Körper auseinandergesetzt.habe danach sofort wieder angefangen meinen Zyklus aufzuschreiben,Temperatur zu messen und meinen Es mit Hilfe von Ovus bestimmt.So war ich Herr der Sache und nicht Tatenlos..nur nach vorn..mit aller Kraft.Und es hat sich gelohnt.Wenn ich meinen kleinen Mann ansehe weiß ich wofür ich jeden Tag aufs Neue kämpfe.

Beitrag von almararore 09.05.11 - 13:39 Uhr

Meine Liebe!

Der Satz stimmt, nur ist es bei jedem verschieden, wie lange es dauert.
Das mit dem Beschützen kenne ich so auch, ich weiß aber, dass es Dinge gibt, vor denen man Kinder nicht beschützen kann, also wenn der Körper mal zu arbeiten beginnt, dann hat das meist einen Grund. Ich musste das jetzt vor 5 Wochen wieder schmerzhaft erfahren.

Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit. Ich habe bei mir das Gefühl, dass ich je näher das Ende dieses Fehlgeburtszyklus kommt, es mir besser geht und ich besser abschließen kann. Das Kind wird immer ein Teil von mir sein, es wird mir immer fehlen. Ein US Bild hängt an der Familienfotowand, aber es kommt nicht wieder... da helfen Wut und Tränen über diese Ungerechtigkeit leider nur kurz... Ich erinnere mich gerne an die schönen Wochen und versuche mal nach vorn zu sehen, auch wenn das nicht immer leicht ist und ich meine schlimmen Stunden bekomme, aber dann bin ich froh, dass es die Mädls in diesem Forum gibt.

LG
Alex

Beitrag von m-e86 09.05.11 - 14:03 Uhr

Danke für die aufbauenden Worte, auch ich bin froh über die Mädels im Forum, sowie über Dich, wenn man mal wieder tief unten ist und Aufmunterung braucht ist genau das hier das Richtige.

DANKE

Beitrag von francie_und_marc 09.05.11 - 15:04 Uhr

Hallo!

Mein Marten ist vor fast 8 Monaten am 19.09.2010 zu den Engeln gereist. Ich war auch in der 21.SSW und wir mussten ihn gehen lassen.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden aber sie kann sie ganz gut abdecken, die Wunde kann aber immer wieder mal aufbrechen und schmerzen. Ein unterschwelliger Schmerz ist dennoch jeden Tag da. Es ist ein langer Prozess wieder in sein Leben zurückzufinden und das kostet enorm Kraft.

Ich wollte auch direkt nach Martens Tod wieder schwanger werden. Ich war wütend und wollte jetzt erst recht. Ich gehe da gern mal mit dem Kopf durch die Wand. Mein Mann wollte gern noch etwas länger warten und wir hatten uns darauf geeinigt. Wie es der Zufall so wollte hielt ich überraschend am 24.12.2010 einen positiven SST in der Hand. Damit hatten wir garnicht gerechnet da wir uns ja noch Zeit lassen wollten. Aber wir haben uns riesig gefreut.

Mittlerweile kann ich sagen das mir die SS gut tut. Anfangs überwog die Angst aber jetzt überwiegt die Freude über meine kleine Maus und ich genieße jeden Tag ein Stück mehr. Trotzdem trauere ich um Marten weiterhin denn er fehlt einfach. Aber der Schmerz ist um vieles erträglicher geworden. Vergessen werden wir Sternenkindereltern nie. #liebdrueck

Alles Gute für dich. Franca

#kerze für Jonathan und #kerze für Marten

Beitrag von m-e86 10.05.11 - 10:06 Uhr

Danke für die lieben Worte, ich wünsche Dir und der kleinen Maus alles nur erdenklich Gute und hoffe, dass es bei mir auch so schnell wieder klappt.

Alles, alles Liebe!!!

Beitrag von emni77 10.05.11 - 16:58 Uhr

tut mir sehr leid was du durchmachen musstest...
Bei uns war es ähnlich-vor bereits 3 Jahren und es vergeht kein Tag wo ich nicht an meinen Kleinen denken muss u mich Frage Warum...
Auch nicht, als ich wieder Schwanger wurde und nun einen gesunden Jungen habe(zu meiner grossen Tochter)

Somit habe ich gelernt, das das Sprichwort lügt, wenn es sagt die Zeit heilt alle Wunden...sie lindert nur den Schmerz und trübt die Erinnerungen...

Du wirst lernen damit umzugehen....

Viel Kraft und Kopf hoch...

Beitrag von m-e86 11.05.11 - 08:40 Uhr

Danke für die ehrliche Antwort!!!

Die Zeit muss die Wunden nicht komplett heilen ich wünsche mir nur, dass sie den Schmerz erträglicher macht.

Es ist so schwer zu sehen, dass sich die ganze Welt weiter dreht als wäre nichts gewesen während meine kleine Welt stehen geblieben ist und ich immer und überall an Jonathan denken muss.

Ich hoffe das wird besser/erträglicher.

Danke nochmal