Spracherhebungstest

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von textzauber 27.05.11 - 11:41 Uhr

Heute hatten wir unseren Spracherhebungstest an der örtlichen Grundschule!

Das Fazit der Rektorin: "Ihr Sohn kann den Einstieg in die Grundschule nicht schaffen und wir müssen nach einer Förderschule schauen."

Merke: "Kinder mit Behinderungen haben gleichberechtigt und mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem inklusiven, Unterricht." (Art. 24 Abs. 2 Buchst. B) .... Ich bin entsetzt, wie sehr Menschen, die sich um die Ausbildung unserer Kinder kümmern sollen, solche grundlegenden Gesetz einfach so und ohne eine Erwähnung ignorieren können.

Wie kann man nur so arrogant und diskriminierent in Gegenwart eines Kindes so offen und in dieser Art und Weise über dessen Zukunft sprechen....

Simone


Beitrag von msfilan78 27.05.11 - 13:36 Uhr

Hallo

Ich habe ebenfalls ein Sohn der Sprachdefizite hat, ist aber in Behandlung. Er kommt dieses Jahr in die Schule. Bei ihm stand auch Integration und Förderschule im Raum. Mit letzterem waren ich und mein Partner nicht wirklich zufrieden.
Seit 2009 gibt es die UN-Behinderten Konvention, wo kein Mensch mit Handicap ausgeschlossen werden darf bzw. recht auf einen regelschulbesuch hat. Lustigerweise wissen das Scheinbar nicht viele Lehrer/Erzieher/ Therapeuten oder wollen es nicht wissen. Es ist leider so, das man alles selber rausfinden muß. Warum sollte man denn den Eltern sagen, das ein Kind mit Defiziten ( und damit meine ich keine Schweren Behinderungen) durchaus die Regelschule besuchen kann.
Du glaubst garnicht was ich mir anhören mußte, als ich auf das Gesetz hingewiesen habe. Wie gesagt, es gibt Pädagogen, die denken wir als ELtern sein unwissend.

Gibt es in der Schule keine Integration? Wäre ja auch ne Alternative.

Lg und nicht unterkriegen lassen

Dani

Beitrag von textzauber 27.05.11 - 14:04 Uhr

Integration gibt es, ja. Aber immer mit dem Hinweis darauf, dass es kein Geld gibt.

Dann bekommt man eine Schulassistenz für ein paar Stunden pro Woche, die aber niemals reichen werden, um den Bedürfnissen meines Sohnes gerecht zu werden.

Lieben Gruß,

Simone

Beitrag von anja1968bonn 27.05.11 - 14:45 Uhr

Mal beiseite gelassen, dass die Rektorin da wenig feinfühlig war, wenn sie mit Dir vor Deinem Kind über es gesprochen hat ... wenn Du selbst der Überzeugung bist, dass eine Schulassistenz ein paar Stunden die Woche für Deinen Sohn nicht ausreicht: Wie stellst Du Dir dann die Beschulung in einer Regelschule vor?

Dass die Schulen wenig Geld haben, liegt nicht in der Verantwortung der Rektorin, die würde sich wahrscheinlich auch mehr Geld wünschen für Schulassistenz, für Lehrmittel, für Lehrkräfte etc.

Was ist denn bei der Schuluntersuchung herausgekommen - sieht man dort die Möglichkeit, dass Dein Sohn in die Regelschule kommt?

LG

Anja

Beitrag von lena10 27.05.11 - 15:06 Uhr

Eben, so ist es!

Und wer denkt an die (im ungünstigsten Fall) 25 anderen Kinder, die mit den 5 inklusiv beschulten, aber nicht ausreichend unterstützten (weil dafür ja kein Geld bewilligt wird!) Kindern im gleichen Raum sitzen und evtl. am Lernen gehindert werden?

Sorry, das geht nicht gegen das Kind der TE, musste ich aber mal loswerden. Inklusion und Integration in allen Ehren, ist aber unter den gegebenen Umständen oft einfach keine gute Lösung - für beide Seiten nicht!

Beitrag von textzauber 27.05.11 - 20:45 Uhr

Warum denn das? Weil man sich das nicht vorstellen kann? In anderen Ländern funktioniert das doch aus. Es ist immer leicht zu sagen, dass es für kein Kind gut ist. ich bin eher dafür, darum zu kämpfen, dass sich endlich mal etwas ändert.

Lg, Simone

Beitrag von lena10 27.05.11 - 21:11 Uhr

Nein, nicht, weil man sich das nicht vorstellen kann, sondern weil es unter den gegebenen Umständen nicht funktioniert. Wären die Bedingungen besser, würde mehr Geld zur Verfügung gestellt, mehr Personal, mehr Material - dann könnte es klappen.
Aber unterrichte mal eine Klasse mit 28 Kindern, von denen drei lernbehindert sind, zwei verhaltensgestört und die anderen die ganz normale Bandbreite darstellen. Ich habe diese Klasse zwei Jahre lang unterrichtet und als Unterstützung zwei Stunden pro Woche eine Sonderschullehrerin gehabt und eine Stunde am Tag eine sogenannte pädagogische Fachkraft (was keine Lehrer sind). Den Rest der Zeit war ich alleine. Glaubst du wirklich, da wären die "normalen" Kinder tatsächlich noch zu ihrem Recht gekommen???

LG Lena

Beitrag von kati543 27.05.11 - 19:00 Uhr

Was soll ich sagen. Bei uns ist es das selbe. Nur ist es weder arrogant, noch diskrimminierend, sondern einfach realistisch. Dein und mein Kind - so wie du es geschildert hast - werden eben einfach nicht mit ein paar zusätzlichen Stunden um die Runden kommen. Zwar haben unsere Kinder laut der UN-Konvention durchaus das Recht auf GU aber weder gibt es das Personal dazu noch die Gelder. Mein Sohn wird jetzt auf eine Sprachheilschule gehen. Das ist wahrscheinlich das Beste für ihn. Gefördert wird er seit 2 Jahren. Er kommt nächstes Jahr als Muß-Kind in die Schule.
Und ehrlich...in diesem Satz KANN ich nichts diskriminierendes finden. Spätestens wenn er vom Fahrdienst abgeholt wird und seine Freunde nicht im selben Klassenzimmer sitzen, wird er doch feststellen, dass da was faul ist, oder?

Beitrag von arite78 27.05.11 - 19:44 Uhr

Was hast Du gegen eine Sprachheilschule ??

Bei uns (MV) wird der ganz "normale" Schulstoff durchgenommen und die Kinder können jederzeit in eine Regelschule wechseln oder die ganzen 4 Jahre dort machen.

Ich finds klasse, bei Marius sind dann 10 Kinder in der Klasse und er bekommt was er braucht. In der Regelschule sind es mindestens 30 Kinder bei uns und da geht JEDES Kind was nicht mitkommt unter.


LG Arite

Beitrag von kati543 27.05.11 - 20:35 Uhr

Das ist auch die Definition der Sprachheilschule (oder -klasse). Die Kinder haben einen durchschnittlichen IQ und eben Probleme mit der Sprache und keine anderen gravierenden Probleme. Was unter letzterem zu verstehen ist, entscheiden aber immer die Schulleiter selbst. Also eine leichte Form von Autismusspektrumserkrankungen, leichte motorische Behinderungen,... sind durchaus möglich. Aber Pflicht ist eben ein durchschnittlicher IQ.
Bei uns sind 9 Kinder in der aktuellen 1. Klasse (wahrscheinlich würde JEDE Mutter ihr Kind lieber in so eine Klasse geben oder sonstwieviel Geld dafür ausgeben für eine private Schule, die dieses bietet). Je nach Sprachstörung wird das Kind dann in der Schule außerhalb des Unterrichts in Einzellogopädiestunden und natürlich innerhalb des Unterrichts gefördert. Unterrichtet wird nach dem Regellehrplan der Grundschule. Nach der Grundschulzeit endet die Sprachheilschule. Die Kinder kommen dann entweder in die Regelschule oder müssen eben auf eine Förderschule gehen.l

Beitrag von textzauber 27.05.11 - 20:42 Uhr

Ich habe nichts gegen die Sprachheilschule! Ganz im Gegenteil. aber unser Sohn wird nicht auf eine Sprachheilschule gehen können, da seine Defizite auch in anderen Bereichen liegen.

deswegen gibt es für ihn die Möglichkeit der PB-Schule oder durch Inklusion in die Regelschule. Wenn er in der PB-Schule geht, kann er eben nicht mehr so einfach in die Regelschule wechseln. Da ist leider der Schritt groesser.

LG

Beitrag von arite78 27.05.11 - 20:56 Uhr

Sorry aber ich hatte nur rausgelesen das es um Sprachstörungen geht.


LG Arite

Beitrag von lexika 27.05.11 - 22:05 Uhr

Was ich dagegen habe,

Unter anderem dass dass es hier zwar mehr als 100000 Einwohner gibt aber eben kein Sprachheilschule. Und ein 6 jähriges Kind ins Internat zu stecken ist weder für das Kind noch für die Eltern ein Pappenstiel.

Gegen die Inklusion spricht dagegen ganz klar dass das politisch anscheinend nicht gewollt ist wenn man sich die Umsetzung in den meisten Bundesländern anschaut und die Kinder zu "Beisitzkindern" degradiert werden.

Ich wünsche Euch dass Ihr die für Euch passende Lösung finden könnt.

Lg, Christine

Beitrag von schokobusserl 28.05.11 - 20:37 Uhr

hallo,

also ich finde es nicht schlimm, wenn dein Kind in eine Förderschule gehen würde....
Es gibt dort die Diagnose-Förderklassen - da wird der Unterrichtsstoff der ersten 2 Jahre auf 3 Jahre aufgeteilt... Sie haben mehr Zeit - kleinere Klassen.... spezielle LEhrer, die sich mit Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten auskennen ---- nach den drei Jahren wird erneut getestet, und ggf. bleibt das Kind an der Förderschule (vorerst) oder es wechselt in die 3. Klasse einer Grundschule.
Vom Prinzip der Inklusion halte ich nichts, da die Lehrer es bei 33 Grundschulekindern ja heute kaum schaffen, allen gerecht zu werden. Hat ein Kind dann noch irgendwelche "Defizite", MUSS es da ja untergehen!!!!!

Wie ich weiß, bieten so ziemlich alle Förderschulen Schwerpunkt Lernen / Sprache diese DiaFö Klassen an!

kannst da ja mal nachfragen