Hausüberschreibung - Pflege der Eltern

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Beitrag von kleiner.stern 12.01.12 - 14:12 Uhr

Hallo!
Ich weiß gar nicht so genau, wie ich anfangen soll und ob mir da überhaupt jemand helfen kann ...

Meine Eltern (60 u. 71 Jahre) haben ein Haus Bj. 1978. Eine Wohnung (75 qm) in dem Haus bewohnen sie und die andere (98 qm) bewohne ich mit meiner Familie (4 Personen). Nun sind meine Eltern zu der Überzeugung gekommen, dass sie das Haus selbst nicht mehr unterhalten können und auch nicht wollen. Sie wollen noch was von ihrem Leben haben.

Nun kam mein Vater auf die Idee, dass ich, da wir ja sowieso in dem Haus wohnen, das Haus überschrieben bekommen soll. Meine beiden Schwestern haben jede ein eigenes Haus mit ihrer Familie. Wir sollen nun jeweils 25.000 Euro an beide Schwestern auszahlen.

Meine Eltern erhalten ein eingetragenes mietfreies Wohnrecht auf Lebenszeit.

Nun kommen meine beiden Schwestern aber auf die Idee, dass ich die Pflege meiner Eltern dann auch übernehmen müsste, wenn ich schon so günstig an ein eigenes Haus kommen würde.

Nun meine Frage: Ist das denn rechtens? Können die das verlangen? Immerhin trage ich doch auch 10 Jahre das Risiko, dass meine Eltern so pflegebedürftig werden, dass das zu hause nicht mehr geleistet werden kann und sie oder ein Teil davon ins Pflegeheim muss und ich dann das Haus wieder verliere. Ich könnte meine Arbeit nicht aufgeben, um meine Eltern zu hause zu pflegen, da wir ansonstenn das Haus nicht halten könnten. Mein Mann ist Arbeiter und verdient nicht gerade viel. Ich muss ja in das Haus auch noch Geld investieren, da meine Eltern außer der Heizung nichts erneuert haben.

Hat hier jemand auch schon in dieser Sache Erfahrungen gesammelt und kann mir weiterhelfen?

Vielen Dank schon mal
Euer kleiner.stern

Beitrag von seikon 12.01.12 - 15:19 Uhr

Das Haus gehört deinen Eltern und sie können zu Lebzeiten damit machen, was sie wollen. Sie können es euch theoretisch auch so schenken und die beiden anderen Schwestern können dann mit dem Ofenrohr in die Berge schauen. Das mit den 25.000 Euro für jede der Schwestern ist ja jetzt quasi ein vorweg genommenes Erbe (bzw. die Auszahlung dessen) und ist überhaupt nicht nötig, da der Erblasser ja noch lebt und es aktuell kein Erbe gibt.

Beitrag von scullyagent01 12.01.12 - 15:20 Uhr

Deine Schwestern haben einen anspruch auf 2/3 des Verkehrswert des hauses. Das dürfte kaum mit den jeweils 25 000 € abgegolten sein.

Ich würde mich auf den deal nur einlassen, wenn die schwestern korrekt ausbezahlt werden.

Und zwar Stand heute.

Wenn du investierst und deine Eltern sterben erst in 10 oder mehr Jahren, wirst du auch die Wertsteigerung als Pflichtteil an deine Schwestern auszahlen.

Den Gedankengang bezügl. der Pflegekosten deiner Schwestern kann ich gut nachvollziehen, werden beide doch über den Tisch gezogen. Nur vertraglich ist das wohl nicht durchsetzbar. Moralisch richtig wäre das schon, wenn ihr sie wirklich mit Peanuts abfinden würdet.

Schafft lieber klare ( und faire ) Verhältnisse. Denn die Idee deiner Eltern ist sehr schlecht und wird bestimmt die Initialzündung für einen langwierigen Familienzwist.

Scully

Beitrag von gh1954 12.01.12 - 15:29 Uhr

Die Schwestern überhaupt kein Anrecht auf das Haus ihrer lebenden Eltern.

Die Eltern können das Haus morgen dem Tierheim schenken, wenn sie wollen.

Beitrag von scullyagent01 12.01.12 - 15:34 Uhr

Leider, dem ist nicht so:

http://dejure.org/gesetze/BGB/2325.html

Scully

Beitrag von gh1954 12.01.12 - 15:37 Uhr

>>>Hat der Erblasser einem Dritten eine Schenkung gemacht,<<<

Noch gibt es keinen Erblasser...

Beitrag von scullyagent01 12.01.12 - 15:41 Uhr

Ja. Aber irgendwann sich und dann kann es sehr sehr teuer für die TE werden.

Scully

Beitrag von myimmortal1977 12.01.12 - 15:56 Uhr

Nur 10 Jahre nach Schenkung. Alles was davor kam, ist weg und der Beschenkte kann sich freuen.

Beitrag von seikon 12.01.12 - 16:24 Uhr

Das ist Erbrecht. Erben setzt aber (leider) zwingend voraus, dass der Erblasser auch verstorben ist. Das ist hier noch nicht der Fall.

Solange die Eltern leben ist es einfach IHR Eigentum. Sie können es komplett der einen Tochter überschreiben, ohne irgendwelche Auflagen. Einfach so schenken.

Vergehen dann bis zum Tod der Eltern mehr als 10 Jahre, dann kann auch diese Schenkung/Überschreibung nicht mehr angetastet werden.

Beitrag von seikon 12.01.12 - 15:32 Uhr

Die Schwestern haben Anspruch auf überhaupt nichts. Sie haben im Falle des ERBENS ggf. einen Anspruch. Aber erben kann man nur, wenn der Erblasser tot ist.

Die Eltern könnten das Haus auch frei verkaufen und den Erlös mit Weltreisen auf den Kopf hauen. Da können die Schwestern noch so einen Aufstand um "ihr" Erbe machen, ohne dass die Eltern das kümmern braucht.

Beitrag von scullyagent01 12.01.12 - 15:40 Uhr

Stimmt, hab ich auch so geschrieben:

Im Todesfall der Eltern haben beide Schwestern Anspruch an dem Pflichteil des verschenkten Hauses incl. der Wertsteigerung die es inzwischen erfahren hat.

http://dejure.org/gesetze/BGB/2325.html

Deswegen ist das alles ein ganz schlechter Deal fur die TE

Da sollte unbedingt ein versierter Anwalt mit den entsprechenden Verträgen betraut werden.

Scully

Beitrag von myimmortal1977 12.01.12 - 15:54 Uhr

Sollte, was ich auch empfehlen würde, die Überschreibung zu Lebzeiten und dessen verbundene Pflichten (Pflege und Wohnrecht der Eltern auf Lebenszeit) vertraglich nebst Verzichtserklärung der Geschwister mit beleghafter vorzeitiger Auszahlung des Erbteils des Hauses erfolgen, ist keinerlei Forderung der Geschwister nach Ableben der Eltern zu erwarten.

Das muss aber natürlich schriftlich erklärt werden, dass nach Auszahlung Summe X auf das Erbe nach dem Tode verzichtet wird.

LG Janette

Beitrag von myimmortal1977 12.01.12 - 16:07 Uhr

Hallo!

Ja, das geht!

Folgendes ist dabei zu beachten, von rechtlicher Seite: Die auszuzahlenden Geschwister müssen nach Gelderhalt einen Schrieb unterschreiben, der aussagt, dass damit quasi etliche Ansprüche aus dem zu erwartenden späteren Erbe abgegolten sind. Das würde ich auch notariell unter Dach und Fach bringen. Dann hast Du nichts weiter im späteren Verlauf zu erwarten, zumindest nicht von der Seite.

Was Deine Eltern und dessen Pflege angeht. Den Punkt musst Du genau überlegen. Die Familie meines Onkels hat es so gemacht. Dort wurde auch das Haus auf eine einzige Schwester (von 4 Geschwistern) überschrieben. Sie hat an das Elternhaus angebaut. Die anderen Geschwister mussten ausgezahlt werden. Der Betrag war mehr als lächerlich. Die anderen Geschwister waren aber froh, dass sich jemand für den Job bereit erklärt hat.

Die Schwester, die angebaut hat und nun in der Verpflichtung der Pflege steht, hatte sich die Sache, wie sie sich heute darstellt, auch anders vorgestellt. Die Mutter ist schwer pflegebedürftig, der ambulante Pflegedienst kommt nur einige Stunden am Tag, den Rest sitzt sie mit dran und das ist momentan echt mehr schlecht als recht und schlaucht sie tagtäglich. Sie ist ganz schön am wimmern und meckern... Aber, dass sagen die anderen Geschwister natürlich auch, dafür hat sie günstig eine Immobilie geschossen und muss dafür halt dann auch ihren Verpflichtungen nachkommen.

Die Mutter ist mittlerweile auch noch schwer dement, weiß nicht mehr was sie redet, wird teils verbal sehr aggressiv und verwirrt, kann sich körperlich nur sehr schwer bewegen, muss täglich gereinigt werden, angezogen werden usw usw.....

So was geht auf Dauer echt an die Substanz.

Ins Heim will sie nicht, das war auch damals der Deal, dass sie auf alle Fälle zu hause gepflegt wird.

Für so eine Aufgabe muss man auch gebaut sein.

Das alles, auch die Pflege und Betreuungserklärung muss schriftlich festgehalten werden.

Überleg es Dir gut! Ob das was für Dich wäre.... Denn man weiß nie, was da so später mal kommt oder nicht kommt.....

Dir alles Gute, Janette

Beitrag von sonne990 12.01.12 - 16:34 Uhr

Hi kleiner.stern,

ich rate davon ab.

Meine Gedanken dazu:

- Wenn deine Geschwister das Elternhaus JETZT NICHT selbst gerne übernehmen würden, dürfen Sie dankbar sein, wenn das mit je 25 000 abgegolten wird (wer weiß, ob sie das überhaupt jemals geerbt hätten,die Eltern es im Alter nicht doch verloren hätten weil nicht mehr solvent etc. ?)

- Trägst du ab Überschreibung sämtliche Risiken UND hast ein Wohnrecht auf Lebzeiten drin, dass einen Verkauf (in einem Notfall) quasi unmöglich macht

- Habt ihr recht wenige qm, zahlt aber ja fürs ganze Haus und wer weiß wie alt deine Eltern werden???

- die Pflege und Fürsorge für Eltern tragen immer ALLE Kinder - kein Geld der Welt entbindet von sowas

Meine Eltern und auch meine Schwiegis haben das jeweilige Elternhaus übernommen und wahnwitziger Weise die Geschwister zum martküblichen Preis ausbezahlt (das funktionierte so, dass man von einem herrschenden örtlichen qm-Preis ausging und das durch die Geschwister teilte - meiner Meinung nahc hätten beide Häuser aber NIE diesen Durchschnittswert tatsächlich eingebracht).

Lustiger Weise wollte nie eins der anderen Kinder das "alte Haus", gleichzeitig verlangten aber ALLE, dass die neuen Hauseingentümer jetzt alles an Kosten übernahmen (auch Strom-Wasser für alle auf Lebzeiten), das Wohnrecht auf immer eintrugen und dass die Eltern für immer durch die Angehörigen im Haus versorgt würden - schließlich hätten die ja den Vorteil weniger Kredit aufgenommen zu haben #klatsch )

Lass es oder mahc deinen Geschistern klar, dass diese Sache auch für euch Risiken trägt, ihr das Haus ja erhalten/umbauen müsst usw. ... wahlweise kann ja eine der Grazien einziehen und DICH in voller Höhe auszahlen ;-)

Beitrag von kerstini 12.01.12 - 18:10 Uhr

Hallo,

also bei uns war es so das wir wirklich alles bis ins kleinste Detail beim Notar festgelegt haben. Wieviel meine Schwester bekommt, wer welchen Kellerraum benutzt etc. etc. Wirklich alles! Das war mir ganz wichtig!

Aber sollten meine Eltern mal ins Heim müssen, müssen meine Schwestern und ich gleichermaßen dafür aufkommen wenn meine Eltern es finanziell nicht mehr schaffen.

Ich würde mich mal mit allen zusammen setzen und gründlich darüber reden!

Kerstin mit Ida #verliebt an der Hand und MADITA, LEO & #stern #stern im #herzlich

Beitrag von manavgat 13.01.12 - 10:49 Uhr

Nun kommen meine beiden Schwestern aber auf die Idee, dass ich die Pflege meiner Eltern dann auch übernehmen müsste, wenn ich schon so günstig an ein eigenes Haus kommen würde.

Am einfachsten ist, wenn Deine Eltern Euch das Haus oder einen Teil davon (Teilungserklärung!) verkaufen.

Dann haben die Schwestern gar nix mitzureden und auch kein Recht auf irgendwelches Geld...

Gruß

Manavgat