Wie entsteht eigentlich Schimmel??

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Beitrag von pssst77 06.01.07 - 13:51 Uhr

Hallo!

Ich hab mal eine Frage,die ich schon immer mal genau erklärt haben wollte...wie genau entsteht eigentlich Schimmel in der wohnung?
Wir haben jetzt in einigen Räumen in den Ecken und Kanten Schimmel,den man aber leicht wegwischen kann. Allerdings kommt er nach ein paar Tagen wieder. Habe mich bei der Vermieterin nochmal genau erkundigt und die meinte,morgens und abends jeweils 10 Minuten stoßlüften,also Fenster GANZ auf und durchziehen lassen,dass die Gardinen wehen.
Das ist wirklich nicht einfach,wenn man kleine Kinder da hat,zumal der Kleine am Krabbeln ist und der Boden ohnehin schon kalt ist.Aber ich mach es trotzdem,denn ich habe ehrlich Respekt vor den Schimmelbakterien,da ich nicht genau weiß,welche Krankheiten sie bei uns und gerade bei den Kindern auslösen können.
Nun ist es im Schlafzimmer aber so,dass mein Freund und ich gerne kühl schlafen,also kaum die Heizung anmachen und meist das Fenster gekippt haben. Genau das ist aber unser Problemzimmer,da schimmelt es immer wieder aufs Neue.
Mache ich etwas falsch? Mir ist auch aufgefallen,dass meist nach Schließen der Fenster die Fenster unten am Rand wieder nass werden und das solange,bis ich sie wieder öffne.
Ist doch auch nicht normal,oder?
Kann mir da mal jemand einen Tip geben,was ich noch machen könnte bzw ob ich was falsch mache? Unsere Vermieterin will nämlich uns die Schuld geben wegen dem Schimmel.

Liebe Grüße
Sylvia
pssst77

Beitrag von treknep 06.01.07 - 14:29 Uhr

Hallo pssst77,

also da du ja regelmäßig lüftest glaub ich eigentlich nicht das es eure Schuld ist das der Schimmel entstanden ist. Oftmals ist es so das irgendwo in den Wänden(meist in der Dämmung) Feuchtigkeit eindringen konnte. Das passiert vor allem wenn beim Bau geschlampt wurde oder auch wenn irgendwo etwas beschädigt ist (mit den Jahren durch Witterung o.ä.). Vor allem weil du auch sagst das die Fenster beschlagen sind, das spricht schon mehr als dafür das irgendwo im Gemäuer Feuchtigkeit sitzt. Erkundige dich doch mal bei der Stadt oder beim Gesundheitsamt, es gibt Leute die rauskommen und das prüfen. Dann bekommst du ein Gutachten und dann hast du es schwarz auf weiss und deine Vermieterin kann sich nicht rausreden. Wenn sich das aber weiterhin in die Länge zieht würde ich mir schnellstens eine neue Wohnung suchen, denn das Gesundheitsrisiko ist wahnsinnig gross grade für euer Kind. Du kannst sogar die Miete verweigern wenn die Vermieterin sich quer stellt. Google doch mal, da gibt es tausend Sachen und Möglichkeiten.

Greetz

Nadine

Beitrag von mariella70 06.01.07 - 15:11 Uhr

Hallo Sylvia,
Schimmel entsteht, wenn sich in und an den Wänden Kondeswasser niederschlägt. Wie bei einem Glas mit kalter Limo, wenn man es im Sommer mit raus nimmt. Die Luftfeuchtigkeit setzt sich dann am Glasäußeren ab. Das ist die kalte Wand. In der Regel bildet sich Schimmel in Ecken, wenn Wände aufeinanderstoßen und durch schlechte Isolierung Kältebrücken entstehen. In Ecken taucht Schimmel zuerst auf, weil dort die Luft weniger zirkuliert, quasi "steht" und sich so mehr Feuchtigkeit absetzen kann. Für Schimmelbildung sorgt ein unpassendes Zusammenspiel von: diffusionsdichter (feuchtigkeitsndurchlässiger) Außenisolierung und schlechter Wärmedämmung, falsches Lüftungsverhalten ist selten der wirkliche oder einzige Grund Oft werden in Altbauten mit miesen Wänden zu dichte Fenster eingesetzt, was bauphysiologischer Wahnsinn ist, denn die schließen zu viel Feuchtigkeit ein. Wenn bei euch die Fenster beschlagen, dann stimmt das Binnenklima nicht, da kannst du lüften bis sich die Spatzen Saunatücher unterlegen....
Mit einer speziellen Infraotkamera kann ein Fachgutachter problemlos und mit wenig Aufwand Kältebrücken und potentielle Schimmelstellen entdecken. Am besten sucht ihr euch eine neue Wohnung, ihr lebt ungesund.
Liebe Grüße
Mariella

Beitrag von pssst77 06.01.07 - 15:22 Uhr

Woow,das ist mal eine tolle Beschreibung,vielen,lieben Dank dafür! Wie Du sicher gelesen hast,war ich ja sehr unsicher,ob ich wirklich alles richtig mache. Lüften war bei mir ja immer das A und O,denn ich hasse es,morgens früh aufzustehen und es muffig zu haben,da brauch ich frische Luft und ich werde fit.
Das Problem ist halt auch,dass die Vermieterin sehr alt und krank ist und sie nebenan wohnt und wir natürlich bisher den Frieden wahren wollten. Außerdem sind wir im Raum München und so einfach eine Wohnung zu finden,die von der Miete human ist,ist auch nicht so einfach.Wir liegen da mit 700 Euro warm bei 100 qm noch echt im günstigen Bereich.
Andererseits denke ich mir,einen Sachverständigen zu holen,bringt uns nur soweit,dass die Vermieterin uns das dann mit ihrer Art spüren lassen wird und wir uns dann hier nicht mehr wohlfühlen,was wir bisher schon getan haben.Eigentlich ist es für uns hier perfekt,so wie wir uns es immer gewünscht haben.
Ich schätze,wir müßen uns wohl ernsthaft überlegen,was wir in der Zukunft machen werden.
Vielen Dank nochmal für Deinen Rat,mir hat das sehr geholfen.

Liebe Grüße
Sylvia

P.s.: Ach,das muß ich jetzt noch loswerden,als die Vermieterin da war,hat sie doch tatsächlich behauptet,der Schimmel im kinderzimmer von unserem Kleinen käme von seinen "Ausdünstungen"...denn Babys schwitzen ja anders wie wir Erwachsene und deswegen schimmelt es unter der Heizung. Ähm,also ich weiß ja nicht,wie ihr das seht,aber ich mußte danach erstmal herzlich lachen!Und so ungefähr waren auch ihre anderen Argumente...Nunja,wir werden weitersehen.

Beitrag von hexenkueche 06.01.07 - 15:20 Uhr

Hallo, vielleicht kann ich die etwas weiterhelfen.
Schimmel entsteht grundsätzlich dort, wo folgende Bedingungen aufeinander treffen:
Schimmelsporen sind vorhanden (eigentlich überall und jederzeit), der Pilz findet einen Nährboden (z.B. Tapete, besonders Raufaser), er findet Feuchtigkeit (Kondensfeuchte) und eine für ihn angenehme Temperatur (meist reicht die normale Raumtemperatur)
Wenn diese Zutaten stimmen, dauert es meist nicht lange, bis sich der Pilz ausbreitet.

Was du tun kannst:
Stoßlüften ist schon mal sehr richtig und wichtig, denn so reduzierst du die Luftfeuchtigkeit, allerdings solltest du es öfter als 1x täglich machen.
Wo aber Kältebrücken vorhanden sind, bildet sich immer wieder sehr schnell neue Feuchtigkeit.
Das bedeutet, daß sich Feuchtgkeit nicht nur an den kühleren Fenstern oder Außenwänden niederschlägt, sondern der Raum insgesamt immer wieder mit neuer FEuchtigkeit aufgeladen wird, wenn er deutlich kühler als der Rest der Wohnung ist. Kalte Luft nimmt mehr Feuchte auf als Warme, und in einem Schlafzimmer ist durch das Verdunsten von Körperschweiß und Atemluft immer ein recht hoher Gehalt.
Das Fenster immer auf Kipp zu halten verhindert, daß sich die kühlere Raumluft mit Feuchtigkeit aufladen kann, da ja keine warme feuchte Luft mehr nachgeschoben wird. Also den Austausch begünstigen, indem du öfter Stoß lüftest.
Außerdem kannst du den Raum tagsüber leicht heizen, damit sich auch die Wände und Fenster leicht erwärmen und der Temperaturunterschied, der zur Bildung von Kondensfeuchte führt, geringer wird. Es wird sich dann weniger Nässe bilden.
Vor dem Schlafengehen dann Heizung aus, gut lüften, Fenster zu und morgens wieder alles aufreißen.
Nur wenn du dieses Schema konsequent durchführst, kannst du auf Dauer was gegen Schimmel tun. Du mußt auf jeden Fall erreichen, daß der Raum insgesamt trocken ist.
Außerdem empfehle ich dir, ein gutes Mittel gegen Schimmel zu kaufen und die betrofenen Stellen damit zu behandeln (Vorsicht: giftig!).
Damit wird der Pilz getötet und beugt einem raschen Nachwachsen vor. Mehrmals die Behandlung wiederholen, wenn sich wieder neue Flecken bilden.

Im übrigen ist Schimmel in der Wohnung nicht ungefährlich, da er Atemwegserkrankungen auslösen oder verschlimmern kann.
Außerdem ist Schimmel in der Wohnung meist die Folge schlechter Außenisolierung und somit Sache des Vermieters. Man kann eine Mietkürzung vornehmen, wenn euch kein falsches Verhalten vorzuwerfen ist, das Schimmelbildung begünstigt.

Viel Erfolg und nicht entmutigen lassen. Schimmel ist sehr sehr hartnäckig!

liebe Grüße
Bine

Beitrag von pssst77 06.01.07 - 15:30 Uhr

Hallo Bine!

Zu deiner Darstellung muß ich mal nochwas sagen: Ersteinmal haben wir zu dem,dass es ein altes Haus ist,auch noch uralte Heizkörper,die irgendwie noch nie richtigg funktioniert haben..wenn ich bei manchen aufdrehe,dauert das min. 6 bis 8 Stunden,bis es wirklich richtig warm wird. Und dann sind wir von daher wieder unsicher,da wir im letzten Jahr 650 Euro Heizkostennachzahlung (Öl) hatten,aber schon gut 200 Euro Nebenkosten haben! In den winchtigsten Räumen stehen schon Heizlüfter bereit,die dann auch ab und an mal laufen,das kostet Strom ich weiß,aber irgendwo müßen wir dann eben doch Abstriche machen,entweder viel Öl oder viel Strom zu zahlen.
Und das mit dem Trocknen machen wir zum Beispiel immer nach dem Schimmelwischen....erst 2 Tage vor Weihnachten wieder im Schlafzimmer...abgewischt,Heizung auf 5 und Lüfter an und dann wars gut. Bis wir jetzt wieder auf normal kipp waren,seither gehts wieder los in den Ecken...
Bin echt gespannt,wie das noch weitergeht..
Liebe Grüße
Sylvia

Beitrag von hexenkueche 06.01.07 - 22:43 Uhr

Ojeh, das klingt aber gar nicht gut.
Wußte nicht, wie die Situation drum herum aussieht.
Wie lange wohnt ihr denn schon in der Wohnung? Ist das das erste Mal, daß das Problem bei euch auftaucht?
Wenn das Haus wirklich schon recht alt ist, dann ist unter Umständen sogar davon auszugehen, daß der Pilz nicht nur oben auf der Tapete sitzt, sondern sich schon im Mauerwerk breit gemacht hat. Das kriegt man dann auch nicht mehr mit einem Schimmelentferner in den Griff :-(
Vielleicht solltet ihr euch an einen Sachverständigen wenden der abwägen kann, was für euch das Sinnvollste ist:
Zusammen mit dem Eigentümer die Ursache bekämpfen oder ganz aus der Wohnung ausziehen.
Für eure Gesundheit ist das auf jeden Fall nicht zuträglich, und je länger der Pilz Zeit hat, sich auszubreiten, umso schlimmer wird es.

Ich drücke euch die Daumen
Bine

Beitrag von pssst77 06.01.07 - 23:28 Uhr

Hallo Bine!

Danke für deine Antwort,jetzt ist mir aber eben noch eine Frage aufgegangen: Wie ist das denn jetzt,wenn der Schimmel weggewischt ist? Sind die Bakterien dann immer noch da?
Ich vermute mal schon,oder?
Übrigens war vorhin noch einmal unsere Vermieterin da und hat uns einen Eimer Schimmelfarbe gebracht,den sollen wir drüber pinseln...weiß nicht so recht,was ich davon halten soll,sie meinte,da käme nichts mehr durch,aber kann ich das glauben?

Liebe Grüße
Sylvia

Beitrag von treknep 06.01.07 - 23:38 Uhr

Kurz und bündig.....absoluter schwachsinn. Wenns im Mauerwerk hängt kommt es durch jede Farbe. Ich würd euch dringend raten zu handeln.

Greetz

Nadine

Beitrag von hexenkueche 07.01.07 - 01:32 Uhr

Schimmel entsteht und wird übertragen durch Sporen. Es ist ein Pilz.
Den Pilz selbst kann man durch geeignete Mittel abtöten, die Sporen aber werden hiervon nicht betroffen. Die sind extrem wiederstandsfähig und eigentlich überall auf der Welt zu finden. Es ist schier unmöglich, ihnen zu entkommen.
Daher ist es auch Blödsinn, einfach nur Schimmelfarbe über die betroffenen Stellen zu streichen, denn damit erreichst du nur primär eine Wirkung, indem der Pilz, also der akute Zustand beseitigt wird. Die Sporen aber bleiben weiterhin in der Wand und warten nur auf ideale Bedingungen um einen neuen Pilz zu bilden. Daher ist es eben so wichtig, die Ursachen, die zur Ausbreitung dienen, zu beseitigen.
Eine trockene Wand schimmelt nicht, egal wieviele Sporen darin enthalten sind.
Lange Rede, kurzer Sinn: Sobald die Wand wieder feucht wird ist auch das Problem wieder da. Und zwar genauso lange, bis sich einer mal die Mühe macht, den Kern des Problems zu beheben. Das ist wahrscheinlich ein Fehler in der Isolation oder vielleicht ein Riß im Mauerwerk. Auf jeden Fall etwas, das die Bildung von Feuchtigkeit begünstigt.

Fest steht, daß es einen Mangel darstellt, der zudem noch sehr gesundheitsgefährdend ist.
Also die Vermieterin nett darauf ansprechen, daß sie sich darum kümmern soll. Kosmetische Maßnahmen kosten nämlich nur Geld und bringen gar nix.
Wie gesagt könnt ihr die Miete je nach Schwere des Befalls kürzen, aber da solltest du dich vielleicht mal im Internet oder bei einem Juristen schlau machen.
Hilft das alles nix, solltet ihr ernsthaft über einen Wohnungswechsel nachdenken, vor allem wegen dem kind.

Drücke weiterhin die Daumen
Bine

Beitrag von pradio 09.02.12 - 12:11 Uhr

Hier wird gut und einfach erklärt wie Schimmel in der Wohnung entsteht und warum.

http://schimmel-entfernen.de/schimmelpilz-infos/schimmel-an-der-wand/