nach 15 Jahren Beziehung noch heiraten?

Hallo liebe Community,

ich habe ein kleines Problem, oder auch nicht, aber das weiß ich selbst auch nicht so recht. Das Thema auf den Punkt gebracht: Er will nicht heiraten. Ich bin 32 Jahre alt und bin seit mittlerweile 15 Jahren mit meinem Freund in einer Beziehung. Wir kamen zusammen als wir beide knapp 18 Jahre alt waren, haben anschließend studiert und sind seit ein paar Jahren im Berufsleben angekommen und stehen somit finanziell auf sicheren Beinen. Mein Problem ist, dass er auf keinen Fall heiraten möchte.

Früher, also vor mehr als 10 Jahren, meinte er, dass er sich schon irgendwann eine Hochzeit vorstellen könnte und mich im weißen Kleid sehen möchte. Zu dem Zeitpunkt war uns beiden aber völlig klar, dass wir aktuell ohnehin nicht heiraten werden und dass das alles noch in ferner Zukunft liegt. Ab Mitte 20 hätte ich jedoch nicht unbedingt etwas dagegen gehabt und mit Sicherheit ja gesagt, da es für mich keine riesige Hochzeitsfeier mit zig Leuten gebraucht hätte. Aber da wir ja noch im Studium waren, hat es mir nichts ausgemacht einfach noch ein paar Jahre zu warten. Zu der Zeit habe ich das Thema schon immer wieder anklingen lassen, aber er meinte, in den nächsten Jahren will er definitiv nicht heiraten und dass er von seiner Seite aus eher der Ansicht ist, dass er überhaupt nicht heiraten möchte. Dazu muss ich sagen, dass unsere Beziehung damals auch sehr gut lief und er mir keinen Zweifel daran gelassen hat, dass er selbst generell nicht heiraten wollte, egal wer seine Partnerin ist. Mir war also klar, dass es so eine Grundeinstellung von ihm ist und das nehme ich ihm auch heute noch ab. Da die Beziehung gut lief und man sich mit Mitte bis Ende 20 noch mit der Ehe Zeit lassen kann, haben wir eben normal weitergelebt.

Jetzt ist es aber dann doch so, dass in der eigenen Familie und im eigenen Freundeskreis mittlerweile jeder geheiratet hat, was ich allen auch von Herzen gönne. Für mich selbst ist es halt nur doof anzusehen, dass Freundinnen vielleicht 5 Jahre, teilweise noch kürzer, in einer Beziehung sind, und dann heiraten. Klar ist das völlig normal, aber aus meiner Situation heraus dann doch komisch. Auch seine Freunde sind mittlerweile fast alle verheiratet, wenn sie in einer langjährigen (>5 Jahre) Beziehung sind. Also Leute, mit denen er freiwillig Zeit verbringt und sich super versteht und abseits von diesem Thema auch sehr änliche Ansichten hat. Ich dachte ich habe mich eigentlich damit abgefunden, dass ich wahrscheinlich nie heiraten werde, aber ich habe dann doch ein komisches Gefühl, wenn wir auf Hochzeiten sind. Das ist dann mehr im Unterbewusstsein, da ich dort natürlich auch Spaß habe und den Tag genieße und mich mitfreue. Wenn mich dann aber jemand fragt, ob ich auch irgendwann plane zu heiraten oder allgemein mit Kollegen/Bekannten/Freunden über Beziehungsdinge rede, weiß ich dann auch nie, was ich sagen soll. Bin jetzt niemand, der da eine großartige Lügengeschichte auftischt, aber es ist mir trotzdem unangenehm, weil ich selbst eben nicht die Meinung vertrete, dass Heiraten völlig sinnlos ist.

Jetzt habe ich genug gequatscht und vielleicht liest hier ja jemand mit, der in der gleichen oder einer ähnlichen Situation ist oder war.

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Hallo Fleur91,

ich war in einer ähnlichen Situation. Wir waren schon knapp 20 Jahre zusammen, bevor wir geheiratet haben. Ich war dabei der Teil, der es nicht für notwendig betrachtet hat, weil es ja auch so gut lief.

Wir haben früher dann auch darüber gesprochen und sind dann immer zum Schluss gekommen, dass wir ja auch so zusammenleben könnten und Heirat altmodisch ist.

Dann kamen Ereignisse in Familie-/Verwandtschaft und Freundeskreis, die für uns ein Umdenken gebracht haben. Das waren dann Dinge, wie schwere Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Tod und die dazugehörige Witwenrente, Finanzielles, wie Steuerklassenwechsel, teure gesetzliche Krankenversicherung, die man freiwillig zahlen muss usw., wenn man nicht versicherungspflichtig arbeitet.... Aus diesen ganzen umliegenden Ereignissen heraus, haben wir uns gesagt, dass wir von den Jahren ja sowieso schon wie "verheiratet sind und ja demnach bald Silberhochzeit hätten" und wir hatten auch schon Situationen, wo wir gemerkt haben, dass man doch als Verheiratete besser gestellt ist. Wie die o.g. Dinge.

Wir haben dann nochmal drüber gesprochen und es kam dann zu Tage, dass wir früher nur die Hochzeit nicht wollten, weil a) keiner von uns beiden gerne im Mittelpunkt steht und b) wir uns nicht getraut haben unsere Hochzeit nur zu zweit durchzuziehen. Tja, mit dem Alter kommt die Reife und so haben wir mit 42 erst geheiratet, so wie wir es uns gewünscht haben, nämlich zu Zweit. Jetzt im Nachhinein betrachtet, finde ich es dumm, dass wir es nicht eher gemacht haben.

Wichtig für dich zu wissen, den Grund auszuloten. Manchmal kann es auch sein, dass der Partner sich ein Hintertürchen offen halten möchte, weil Heirat ist ja schon was Offizielles/Rechtliches, weil "es könnte ja noch was Besseres kommen". Verstehst du? Ich würde direkt ansprechen, warum für ihn keine Heirat in Frage kommt.

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Danke für deinen Bericht aus "erster Hand"😁. Ich denke mal, je älter man wird, desto mehr Schicksalsschläge erfährt man selbst oder im eigenen Umfeld. Das ist ja leider normal. Versicherungstechnisch sind wir beide ganz gut abgesichert, ich sogar deutlich besser als er. Aber du hast recht, verheiratet ist es in der Hinsicht nochmal um einiges entspannter.

Abgesehen davon ist es ja auch finanziell ein eindeutiger Vorteil. Ich hatte mir auch schon mit einem weinenden Auge ausgerechnet, wieviel Geld wir da haben liegen lassen und auch noch immer tun.
Auf jeden Fall freut es mich, dass ihr immer noch glücklich zusammen seid, auch wenn es bis zur Hochzeit ein paar Jährchen gedauert hat!😃

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Hast du mit ihm schonmal klar darüber geredet?
Also nicht nur so ein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern wirklich über eure Bedürfnisse und Wünsche gesprochen?

Abseits der Märchenhochzeit in Weiß ("er sagte, er will mich schon einmal in weiß sehen ") gibt es ja vieles.

Warum möchte er denn nicht heiraten?

Habt ihr Kinder? Gerade verheiratet ist ja doch einiges einfacher? Auch ganz unromantisch finanziell.

Vielleicht gibt es ja eine Lösung, die für beide gut ist? Zb. Nur eine kleine standesamtliche Trauung? Oder das andere Extrem: eine (nicht rechtlich bindende) freie Trauung, in der ihr halt feierlich eure Liebe erklärt?


Ich würde an eurer Stelle wirklich mal miteinander sprechen, ausloten, wen wo der Schuh drückt und was einem wirklich wie wichtig ist.

Bearbeitet von edge-of-reason
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Erstmal danke für deine Antwort😊. Also wir haben schon oft ernsthaft über das Thema geredet und er weiß, dass ich liebend gerne heiraten würde. Seine Gründe sind, dass er eben generell nicht heiraten möchte, weil er keinen Sinn darin erkennt, egal ob große oder kleine Feier.

Kinder haben wir keine, da sind wir uns aber beide einig, falls welche da wären, dass in dem Fall eine Ehe eindeutig Sinn machen würde. Das sagt er auch von sich aus. Insofern kann ich ja nicht einmal sagen, dass seine Argumente falsch sind, da sich für uns dadurch nicht wirklich etwas ändern würde.

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Ich würde auch noch mal in Ruhe mit ihm reden und den genauen Gründen nachgehen, warum er denn nicht heiraten möchte. Ich dann weißt du zumindest woran du bist. Du musst ja deshalb eine intakte Beziehung nicht in den Sand setzen, aber du weißt wenigstens was Sache und kannst dich damit arrangieren (zb wenn Freunde fragen, kannst du dann zumindest mit Sicherheit sagen dass dein Partner aus xy Gründen nicht heiraten möchte).

Solange noch keine Kinder da sind und beide noch normal arbeiten gehen können mag das okay sein. Aber sobald ein Kind da ist und einer erstmal weniger arbeiten wird, wäre für mich eine Heirat zur eigenen absicherung schon extrem wichtig (ganz wichtig wegen den rentenpunkten !!!)

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Auch danke für deine Antwort😊. Also bei Kindern wären wir uns auch einig und da würde ich auch von meiner Seite aus keine Diskussion zulassen.
Seine Gründe sind, dass er generell nicht heiraten möchte, weil er keinen Sinn darin sieht. Meine Gründe sind eben, dass ich nach langer Beziehung irgendwann auch mal heiraten möchte und eine Hochzeit symbolisiert ja auch nach außen hin, dass man zusammengehört und zusammengehören möchte.
Rein materiell gesehen haben unsere Standpunkte zwar keinen Vorteil, aber emotional betrachtet, finde ich, sind meine Argumente dann doch gewichtiger.

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„Keinen Sinn“….

Naja auf den ersten Blick nicht, aber er sollte mal genauer informieren. Da muss man nur googeln und es kommen etliche Ergebnisse, die alle dasselbe erläutern… zb schon alleine der Schenkungsfreibetrag. Verheiratete dürfen ihrem Ehepartner bis zu 500.000€ steuerfrei schenken (also auch in Form von einem Haus o.ä). Bei nicht Verheirateten liegt der schenkungsfreibetrag gerade mal 20.000€.

Versicherungstechnisch kommt man auch billiger davon als verheiratete… Erbe ist auch so ein Thema… wie schon gesagt Rente… Witwenrente, die einfach mal satte 55% der Rente des Verstorbenen Partners beträgt. Rentenpunkte, von denen vorallem der Partner profitiert, der wegen den Kindern nicht mehr Vollzeit arbeiten konnte…Da gibts noch etliche Beispiele. Er soll sich informieren.

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Hallo,

Wir waren 11 Jahre zusammen als wir geheiratet aben. Wir sind zusammen gekommen als ich 18 und mein 20 Jahre waren. Für uns war klar das wir mit Ende 20 / Anfang 30 heiraten würden.
Wir haben samstags Abens bei einen Glas Wein gesessen und beschlossen am kommenden Montag das Aufgebot zu bestellen. Alles ohne Kitsch, Antrag und Ring. Das Gefühl war einfach da, dass jetzt der rechte Zeitpunkt ist. Wir haben beide Jobs, wollten zu den Zeitpunkt auch Kinder. Und Kinder ohne Ehe kam für uns nicht in Frage. Wir haben bei Freunden gesehen was das alles für Papierkram ist wenn Eltern nicht verheiratet sind
Auch wie wenig Rechte nicht eheliche Partner haben wenn einer krank ist bzw. Nicht fähig ist, selbst zu entscheiden.

Und ja es war die richtige Entscheidung. Denn wir haben uns10 Jahre lang auf Herz und Nieren geprüft und waren uns sicher auch harte Zeiten ( und die kamen) zusammen zu überstehen
Wir hatten eine kleine Feier mit Geschwistern, Eltern,Großeltern und Trauzeugen.Mittlerweile sind 12 Jahre verheiratet und um 2 Kinder reicher. Wir sind durch schlimme Zeiten gegangen und haben es gemeinsam Sam geschafft. Also kein Bereuen.

LG

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Hey,
ich finde es super, dass ihr heute glücklich verheiratet seid und auch so geheiratet habt, wie ihr es für euch am besten empfunden habt. Das zeigt mir zumindest, dass man auch nach langer Beziehung noch heiraten kann und eine schöne Zukunft möglich ist. 😃