Todestag meines Vaters und mein Mann tut so als wäre nichts

Hallo zusammen,

Heute ist der erste Todestag meines Vaters. Er starb innerhalb von6 Wochen. Es war schon lange klar dass es über kurz oder lange passieren wird aber die letzen sechs Wochen waren sehr schlimm für ihn, für mich und meine Familie.
In dieser Zeit hatte mein Mann und ich auch eine sehr heftige Ehekrise. Von da für mich zu sein war in dieser Zeit absolut keine Rede. Jetzt ein Jahr später, unsere Ehe ist wieder schön, wir sind uns sehr nahe auch wenn ich den ganzen oft skeptisch gegenüber stehe:

Ich habe diese Woche frei. Mein Mann nicht. Heute ist der Todestag und ich war den ganzen Tag sehr traurig, mit meinen Gedanke die ganze Zeit bei meinem Vater. Habe trotzdem den ganzen Tag viel mit unseren Kindern unternommen.
Mein Mann kam nach Hause, wir aßen zusammen er erzählte von deiner Arbeit, von deinem Hobby von seinem Sport.
Irgendwann fragte er was mit mir los sei und warum ich so Anwesen sei. Ich sagte dass ich traurig bin da heute der Todestag ist. Er sagt nur „ich weiß“. Das war’s.
Später als wir mit den Kindern auf der Couch saßen, umarmte er mich und setzte sich wieder weg.

Nach dem wir die Kinder ins Bett gebracht haben, saßen wir auf der Couch. Ich räumte ein wenig auf, er saß die ganze Zeit nur an seinem Handy, schaute sich irgendwelche Videos an und ging irgendwann ins Bett.

Im Endeffekt klar, ist nicht sein Vater. Nicht deine Trauer. Viele Menschen können mit dem Thema Tod und alles was drum herum ist nicht richtig mit umgehe. Aber so garnichts sagen?!
Ich weiß auch nicht wirklich warum ich schriebe, was ich erwarte oder hoffe. Aber irgendwie nicht das.

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Kamn es sein, dass du Erwartungen an deinen Mann hast, die du ihm nicht sagst und dann enttäuscht bist, weil er nicht riechen konnte was du brauchst?
Oder hast du ihm gesagt was du brauchen würdest und er ignoriert es?

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So funktioniert Liebe nicht ,finde ich. Das liest sich, wie Freundschaft 🤷🏻‍♀️

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Also ,keine Freundschaft, die ich pflegen würde , aber mögen manche vielleicht.
Ich mag immernoch dieses wortlose zwischenmenschliche .
LG

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Ich verstehe, dass die schmerzliche Erinnerung besonders heute sehr präsent für dich ist und du dir mehr Zuspruch von deinem Mann erhofft hattest.
Aber im Endeffekt ist es nur ein Datum.
Zumindest gehöre ich zu der Fraktion.
Meine verstorbenen, nahen Verwandten, habe ich in den ersten Monaten fast täglich schmerzlich vermisst. Das Todesdatum hat für mich absolut keine Bedeutung und ich weiß diese noch nicht mal auswendig.
Vielleicht tickt dein Mann da ähnlich?
Sag ihm in Zukunft was genau du brauchst - wie: "Stefan, morgen ist der Todestag meines Vaters. Mich nimmt das total mit und ich glaube, ich brauche morgen deinen intensiven Beistand um diesen Tag zu überstehen."

Ich hoffe, dass du auf diese Weise die benötigte Nähe bekommst und die Gefahr für Missverständnisse und das Gefühl von mangelnder Aufmerksamkeit deutlich gesenkt wird.

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Klar , das könnte sie natürlich so sachlich kommunizieren, das Problem, an der romantischen, innigen Liebe ist nur ,dass ,vielleicht , besonders Frauen, von ihrem Seelenverwandten gerne hätten, dass dieser ihr , ihre Bedürfnisse und Wünsche von den Augen abliest ,um diese gewisse Zuneigung zu behalten. Gerade Mütter neigen ja dazu , sich ,,komplett" aufzugeben und ihre Liebe durch fast bedingungslose Zuwendungen, zu zeigen. Männer, gerade in Partnerschaften gehen oft ,vieles sehr pragmatisch an .
Er müsste seine Frau eigentlich gut genug kennen, damit er ihr wenigstens eine halbe Stunde die Hand hält und ihr zuhört . Denn ich würde den Arsch von irgendwem dafür verwetten , dass wenn es seine Misslichelage wäre , sie den ganzen Tag für Ablenkung gesorgt hätte und auch stundenlang zuhören würde.
Und das sind diese kleinen ,fehlenden Wertschätzungen, die fast jede Liebe zwischen Mann und Frau , ganz langsam zu Staub zerbröseln lassen. Leider.
LG aus 26 Jahren Beziehung und Ehe 😉

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Nicht reden zu müssen und der andere versteht einen - klar das wünscht man sich denn reden ist manchmal verdammt anstrengend.

Ich halte das aber für unrealistisch, weil keiner kann dem anderen in den Kopf schauen und mit schwierigen Situationen geht nicht jeder gleich um.

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Ich schließe mich den anderen an....jeder geht mit so einem Datum (generell mit Traier) anders um. Das hat auch überhaupt nichts mit gut kennen oder ignorieren zu tun.

Nur die trauernde Person selber sollte da das ins Rollen bringen, was ihr gut tut, bzw was sie sich an dem Tag vorstellt.

Wenn du mit deinem Mann nicht darüber redest, dann hängt er in der Luft und ja, im Zweifel wird er vielleicht lieber nicht bewußt Wunden aufreissen....das betitelst du wiederum als Ignoranz.

Wenn du selber nicht mal weißt, was du erwartet oder erhofft hast.....wie soll er das dann wissen?

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Der Fels in der Brandung!



.... könnte sein Selbstverständnis gewesen. Ihm war wohl bewusst dir nicht gegeben zu haben was du _wolltest_ sondern was er glaubte, dass du _brauchtest_ und auch die Kinder. Die stoische Kraft der Ruhe im Auge des Sturms. Eine Möglichkeit, dich auf etwas anderes als deine Trauer zu konzentrieren.



Nur mal als eine andere mögliche Sichtweise auf die Dinge. Männen würde so ein stoischer Freund zum anlehnen, orientieren und den eigenen Fokus wiederfinden mehr bringen als jemand, der sich aus reiner Solidarität die Augen mit ausweint.


Mein Bedauern zu Deinem Verlust. So ein Todestag geht einem auch Jahre später noch nahe.

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Die Menschen gehen unterschiedlich mit Trauer um. Das Problem ist, Menschen gehen auch von sich aus und denken, andere brauchen dasselbe wie sie selbst. Vielleicht ist der Mann so ein Typ, der sich zurückzieht und in Ruhe gelassen will und lässt dich daher auch in Ruhe? Weiß er denn, was du brauchst, hast du es mal kommuniziert? Falls er es weiß, ist das eher ein schlechtes Zeichen. Entweder kann er dann gar nicht anders (dann passt er auch nicht richtig), oder er will nicht (dann liebt er dich evtl. nicht wirklich). Du kennst ihn am besten und kannst es eher einschätzen.

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Hallo,

dein Verlust tut mir sehr leid.

Auch, wenn du jetzt vermutlich eine andere Antwort erwartest, möchte ich deinen Mann in Schutz nehmen.

So gefühlslos wie du ihn darstellst, hat er sich gar nicht verhalten. Klar, es war nicht sein Vater aber jeder ist auf seine Weise "emotional". Er hat dich in den Arm genommen, er hat gesagt "ich weiß" als du erwähnt hast, dass du aufgrund der Gedanken an deinen Vater traurig bist. Er hat dir gezeigt, dass er deine Trauer versteht, ich finde es gut wie er reagiert hat.

Sei nicht so streng zu ihm, er ist eben nicht so traurig darüber wie du. Du hast deinen Vater viele Jahre erlebt, er bestimmt nicht. Er fühlt nicht das, was du fühlst.

Alles Gute.

Smooth

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Ich finde die Reaktion persönlich auch sehr schön. Eine Umarmung ist oft mehr wert als 1000 Worte, die nichts sagen.

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Sehe ich genauso!

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Ja, manche Menschen können damit gar nicht um. Vielleicht hättest du da besser klar formulieren sollen, was du willst.

Der Vater meines Mannes verstarb letztes Jahr völlig plötzlich. Dieses Jahr am 1. Todestag ging mein Mann arbeiten. Ich fragte ihn, was er möchte für diesen Tag - zum Friedhof, zu Hause was machen, oder so. Mein Mann wollte nichts tun. Also eigentlich echt, dass man „so tut“, als sei es ein normaler Tag.

Ich war (bin in EZ) mit den Kindern mittags am Grab, für die Kinder war’s ganz schön. Motte sammelt immer Steine und Stöcke für den Opa und neben an ist ein toller Spielplatz 😂

Also es ist einfach absolut unterschiedlich. Noch dazu sind manche Menschen da sehr unbeholfen, da helfen vielleicht klare Anweisungen.

Mein Beileid zu deinem Verlust!

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Jeder Mensch trauert anders.
Am Anfang unserer Beziehung ist die Mutter von meinem Mann verstorben.
Ich habe Ihn an dem Tag der Beerdigung begleitet, aber nichts in Frage gestellt. So waren wir auf der Beerdigung und sind dann zu Ihm nach Hause gefahren, während alle anderen zu Kaffee und Kuchen gefahren sind. Mein Mann konnte und wollte das einfach nicht. Ich weiß, dass es ein schwerer Tag für Ihn war, aber er wollte den Tag so normal wie möglich halten. Auch die Todestage danach wurde so normal wie möglich gehalten.
Er denkt häufig an seine Mama (ist mittlerweile 12 Jahre tot), hat seine Trauer aber mit sich ausgemacht.

Seine Schwester ist das genaue Gegenteil. Die hat das bis heute nicht wirklich verkraftet. Postet zu jeden Todestag Bilder auf Facebook, heult sich jedes Jahr die Augen aus und lässt sich von Ihrer Trauer mitziehen.

Jeder Mensch braucht an so Tagen eben etwas anderes und wenn du die Zuneigung brauchst, dann kommuniziere das. Man kann Erwartungen an den Partner nicht vorhersehen, wenn diese nicht ausgesprochen werden.

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Erst einmal: Es tut mir leid, dass Du Deinen Papa verloren hast! Ich fühle sehr mir Dir... Der 1. Todestag ist nochmal besonders schmerzhaft, weil da alles wieder hochkommt.

Zu Deinem Mann: Hm. Schwierig. Er wusste, welcher Tag es ist (hatte es also nicht vergessen), er hat dich in den Arm genommen, weil Du traurig bist.
Aber er ist ja kein Hellseher. Ich glaube, alles was Du darüber hinaus noch brauchtest, hättest Du ihm einfach sagen müssen.

Am ersten Todestag meines Opas habe ich zu meinem Mann gesagt: Lass uns heute Abend zusammen einen Likör trinken, ich habe noch selbstgemachten von Opa da. Oder: Ich würde gerne nachher mal auf den Friedhof gehen und fände es schön, wenn ihr mitkommt (bzw.: ...wenn Du die Kinder nimmst, damit ich dort alleine sein kann)

Mit Trauer geht jeder anders um. Was DIR in diesem Moment gut tut, was Du möchtest und was nicht, das weißt nur Du ganz allein. Woher soll er es dann wissen? Manche trauern, indem sie an dem Tag von der Person reden oder sich gemeinsam erinnern wollen. Andere möchten genau das nicht tun, weil es schmerzhaft ist und Wunden aufreißt. Vielleicht war Dein Mann einfach unsicher, ob er dich darauf ansprechen soll oder nicht.

Ich würde das jetzt nicht als Desinteresse seinerseits deuten.

Alles Liebe Dir!