Terror und Krieg

Wie viel darf mein Kind wissen?

Besonders seit den Terror-Anschlägen auf das World-Trade-Center und angesichts der täglichen schlimmen Nachrichten aus Krisenregionen fragen sich Eltern immer wieder: Wie viel dürfen Kinder bereits von der Grausamkeit der Welt wissen?

von Petra Fleckenstein
Junge fragend
Foto: © panthermedia.net/ Ralf Winter

Kinder informieren: Ja oder nein?

Die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in den USA haben die Menschen im Westen jäh aus dem Gefühl der Sicherheit gerissen, in dem sie sich in den Jahren zuvor wiegen durften. Besonders schmerzlich bekamen das viele Eltern zu spüren, die vielleicht erstmals vor der Frage standen, wie sie ihren Kindern derart grausame Seiten unserer Welt vermitteln können. In zahlreichen Stellungnahmen rieten Experten Eltern, mit ihren Kindern über die Geschehnisse zu sprechen. Andere Stimmen jedoch warnten auch davor, Vorschul- und Grundschulkinder mit den Informationen und Bildern aus Amerika zu überfordern. urbia hat nachgehakt und mit Jürgen Detering, Kinder- und Jugendpsychotherapeut und Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, gesprochen.

Sie haben auf der Website der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung wie einige andere Experten dafür plädiert, mit Kindern über die schlimmen Geschehnisse zu sprechen. Könnten Sie hier noch einmal begründen, warum?

Detering: Bis zum neunten oder zehnten Lebensjahr orientieren sich Kinder über die Geschehnisse in der Welt und um sie herum anhand der Gefühlsbefindlichkeit der Eltern. Das heißt, sie ordnen Ereignisse nicht nach den objektiven Fakten ein, sondern danach, wie die Eltern damit umgehen. Wenn Erwachsene also über etwas bestürzt sind, bekommen sie für die Kinder eine andere Bedeutung. Daher sollten Eltern mit den Kindern über die Geschehnisse sprechen, wenn sie selbst davon stark berührt sind.

In den Stellungnahmen von Psychologen etc. ist häufig allgemein von "Kindern" die Rede, ohne Differenzierungen bezüglich des Alters. Es waren aber auch Stimmen von Fachleuten zu hören, die sich dafür aussprachen, Kinder im Vorschul- und frühen Grundschulalter vor derart schrecklichen Informationen zu schützen, da sie eine Überforderung darstellten. Wie stehen Sie dazu?

Detering: Fachlich haben diese Kollegen vollkommen Recht, aber leider sieht die Lebenswirklichkeit meist anders aus, da in den Wohnzimmern der Fernseher ununterbrochen flimmert.

Es wird immer wieder geraten, präsent zu sein, wenn Kinder fernsehen, bzw. die Nachrichten sehen: Kann es überhaupt sinnvoll sein, dass beispielsweise ein sechsjähriges Kind die Original-Bilder des Attentats auf das World-Trade-Center in den TV-Nachrichten sieht?

Detering: Es ist sehr schwer, hier eine Grenze zu ziehen. Ich würde jedoch sagen, dass dies für Vorschulkinder und Kinder im Grundschulalter bis zum Ende der zweiten Klasse nicht sinnvoll ist.