Was tun, wenn es juckt und brennt?

Hilfe bei Scheidenpilz

Scheidenpilz ist unangenehm, lästig – und sehr häufig. Die gute Nachricht: Die Pilzinfektion verläuft meist unproblematisch und lässt sich schnell und einfach behandeln. Was Sie bei einer Infektion beachten müssen und wie Sie vorbeugen können, erfahren Sie hier.

Autor: Sabine Ostmann
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Scheidenpilz erkennen

Frau Arzt Vaginalpilz
Foto: © colourbox

Heftiges Brennen und quälendes Jucken im Vaginalbereich? Weißlicher bröseliger Ausfluss? Klarer Fall von Scheidenpilz. Weitere Symptome können Hautausschläge im Genitalbereich, sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlassen sein. Wer sich die Mühe macht, mittels eines Spiegels genauer hinzuschauen, wird möglicherweise auch einen weiß-gräulichen Belag sowie Rötungen der Vulva und der Vaginalschleimhaut entdecken.

Scheidenpilz, auch als Vaginalmykose, Soorvaginitis oder Soorkolpitis bezeichnet, ist eine der häufigsten genitalen Infektionen bei Frauen. Fast 80 Prozent sind mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen. Hervorgerufen werden Vaginalpilze meist durch Hefepilze mit dem schönen Namen Candida albicans. Grundsätzlich ist der Befall mit Hefepilzen erst einmal kein Problem. Denn normalerweise verhindert die natürliche Scheidenflora eine Pilzinfektion.

Gestörte Immunabwehr – gestörte Vaginalflora

„In einem gesunden sauren Vaginalmilieu lebt eine Vielzahl an Bakterien und Pilzen – das können auch Hefepilze von Typ Candida albicans sein“, erklärt die Gynäkologin Dr. Doris Scharrel. „Häufig verläuft ein Befall mit den Pilzen auch ohne Symptome. Zu einem Infekt mit unangenehmen Begleiterscheinungen kommt es erst, wenn das Scheidenmilieu gestört ist, beispielsweise durch eine geschwächte Immunabwehr oder infolge hormoneller Schwankungen.“

Der wichtigste auslösende Faktor dafür ist Stress. Aber auch längere Antibiotika-Behandlungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Unter- beziehungsweise Überfunktionen der Schilddrüse können das Immunsystem beeinträchtigen. Gleiches gilt für medikamentöse Therapien mit Immunsuppresiva – dazu zählen beispielsweise Kortison oder Zytostatika gegen Krebs. Frauen, die übermäßig  zuckerhaltige Lebensmittel essen, sind ebenfalls gefährdet. Bei sehr empfindlichen Frauen können sogar Tampons eine Pilzinfektion begünstigen. Sie sollten daher eine möglichst kleine Tampongröße wählen, Tampons mit Olivenöl bestreichen oder auf luftdurchlässige Binden umsteigen. Da Blut ein guter Nährboden für Hefepilze ist, kann es vor allem nach einer Regelblutung zu einer Pilzinfektion kommen. Auch nach dem Geschlechtsverkehr steigt das Infektionsrisiko, da das alkalische Sperma, das saure Milieu in der Scheide, welches die Ausbreitung von Hefepilzen hemmt, neutralisiert.  

Muss ich mit einer Pilzinfektion zum Arzt?

„Nein“, sagt Dr. Scharrel. „Denn Scheidenpilz ist im Grunde keine Erkrankung – und vor allem auch keine Geschlechtskrankheit, wie oft behauptet wird. Die Krankenkassen bezahlen heutzutage auch keine Medikamente gegen Vaginalmykose mehr.“ Daher ist zunächst einmal Selbsthilfe angeraten. Von Hausmitteln wie Kamille, Teebaumöl oder in Joghurt getränkten Tampons rät die Gynäkologin allerdings ab: „Damit riskieren Frauen eher noch eine Ausbreitung der Hefepilze oder eine Infektion mit Schimmelpilzen.“ Besser wirken Majorangel oder Pyoktanin, ein mit dem pflanzlichen Gerbstoff Tannin versehener Blaufarbstoff, der eine pilzabtötende Wirkung hat. Beides gibt es in der Apotheke, ebenso wie rezeptfreie Antimykotika. In der Regel handelt es sich bei diesen Anti-Pilz-Medikamenten um eine Kombination aus einer Salbe und Zäpfchen zum Einführen, die die Infektion meist innerhalb weniger Tage wirkungsvoll bekämpfen. Erst wenn die Selbstbehandlung nicht zum Erfolg führt oder wenn wiederholt Hefepilzinfektionen auftreten, sollten Frauen einen Arzt aufsuchen, der dann einen Abstrich macht und eine Laboruntersuchung veranlassen wird.

„Wenn die gängigen Antimykotika nicht wirken, wurde die Pilzinfektion möglicherweise nicht durch Candida albicans hervorgerufen, sondern durch neue Pilzformen, die in letzter Zeit häufiger auftreten“, so die Vorsitzende der Berufsverbands der Frauenärzte  Schleswig Holstein. „Eine Infektion mit Candida glabrata oder Candida tropicalis zeigt zum Teil auch andere Symptome als eine Infektion mit Candida albicans. Häufig kommt es ‚nur‘ zu einer trockenen Scheide, Rötungen, Brennen und Schwellungen, aber nicht zu Ausfluss. In hartnäckigen Fällen müssen betroffene Frauen dann über mehrere Wochen ein orales Antimykotikum einnehmen. Das sollte aber in jedem Fall individuell abgeklärt werden“. 

Scheidenpilze in der Schwangerschaft

Aufgrund der hormonellen Umstellung wird das Scheidengewebe bei Schwangeren stärker durchblutet. Dadurch wird die natürliche Schutzfunktion der Scheidenflora herabgesetzt und das Risiko einer Hefepilz-Infektion steigt. Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf ist eine Pilzinfektion zwar lästig, sie führt aber nicht zur Gefährdung des Kindes. Dennoch sollte die Pilzinfektion schnell und umfassend behandelt werden. Bei der Geburt kann der Scheidenpilz nämlich von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden. Daraus kann sich beim Säugling Mundsoor entwickeln, ein Pilzbefall der Mundhöhle, der das Stillen erschwert.

Hygiene ist wichtig, aber zu viel schadet nur

Um den Heilungsprozess bei einer Pilzinfektion zu unterstützen und Neuinfektionen vorzubeugen, sollten Frauen auf eine gesunde Lebensführung und Ernährung achten und Stress vermeiden. Täglicher Wäschewechsel und Intimwäsche sowie Abwischen von vorne nach hinten beim Toilettengang, sollten ohnehin selbstverständlich sein. Denn durch falsche Toilettenhygiene können Krankheitserreger aus dem Anal- in den Vaginalbereich übertragen werden. Bei einer Pilzerkrankung ist es überdies ratsam, auch die Handtücher täglich zu wechseln und ebenso wie Slips bei 60 Grad zu waschen. Wer ganz sicher gehen will, kann dazu spezielle Waschmittel oder Hygienespüler nutzen, die Pilzsporen abtöten – allerdings auch häufig allergische Reizungen auf der Haut verursachen. So lange der Pilz nicht vollständig abgeheilt ist, muss beim Geschlechtsverkehr ein Kondom verwendet werden, da eine Hefepilzinfektion ansteckend sein kann.

„Schlimmer als Nachlässigkeit wirkt sich jedoch übertriebene Hygiene aus“, warnt Dr. Scharrel. Vor allem Intimspray und -lotionen oder parfümiertes Toilettenpapier können die Balance des Scheidenmilieus empfindlich stören. In diesem Fall können Milchsäurezäpfchen helfen, das saure Milieu wieder herzustellen. Überdies fühlen sich Hefepilze bei 37 Grad und Feuchtigkeit am wohlsten. „An der Körpertemperatur können wir nichts ändern, aber wir können übermäßiges Schwitzen im Intimbereich vermeiden: durch möglichst luftdurchlässige, nicht zu enge Kleidung und den Verzicht auf Synthetik-Unterwäsche und Slipeinlagen. So hat Scheidenpilz keine Chance.“

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