Häufige Infekte bekämpfen

Krankes Kind: Helfen Vitaminpillen?

Vitamin C ist wichtig für die Abwehrkräfte. Deswegen versuchen es viele Eltern mit einem Vitaminpräparat, wenn die Kleinen in Krippe oder Kindergarten von ständigen Infekten geplagt werden. Leider meist mit wenig Effekt, denn die Gleichung „mehr Vitamine = weniger krank“ geht nicht auf.

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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Kinder-Immunsystem als „Azubi“

Mädchen Tablette
Foto: © fotolia.com/ Ermolaev Alexandr

Kleinen Kindern fehlt anfangs das so genannte „immunologische Gedächtnis“ – sie kennen viele Krankheitserreger ganz einfach noch nicht. Bei Erstkontakt mit einem neuen Erreger erkranken sie daher meist. Im Rahmen der Krankheitsabwehr bildet das Immunsystem Gedächtniszellen. Bei erneutem Kontakt mit demselben Erreger „erinnert“ sich das Immunsystem (so funktionieren auch  Impfungen) und es werden schnell speziell gegen diesen Keim gerichtete Antikörper gebildet, die den Erreger unschädlich machen und eine erneute Erkrankung verhindern. Dieses „Training“ der Abwehrkräfte kann auch eine Riesenportion Vitamine nicht ersetzen!

Vitamin C bei Infektanfälligkeit: Effekt wird überschätzt

Bei einem Mangel an Vitaminen wie etwa Vitamin C tritt eine erhöhte Infektanfälligkeit auf, da Vitamin C unerlässlich für die Immunreaktion ist. Es unterstützt die Abtötung von Erregern, fördert die Bildung von Antikörpern sowie Infekt bekämpfenden Botenstoffen (z.B. Interferonen). Bei einer nachgewiesenen Mangelsituation ist ein gezieltes Vitaminpräparat nach Verordnung des Kinderarztes also sinnvoll.

Bei ansonsten gesunden Kindern, die zur Vorbeugung ein Vitaminpräparat bekommen, ist der abwehrstärkende Effekt allerdings eher mau. Eine große Metaanalyse, die Daten aus über 50 Einzelstudien zum Schutzeffekt von Vitamin C gegen  Erkältungen beinhaltet, kommt zu folgendem Ergebnis: Unter Vitamin-C-Einnahme verringert sich die Häufigkeit von Erkältungen nicht. Bei Kindern war allerdings die Erkältungsdauer um 14 Prozent verkürzt, das heißt, die Erkältung war etwas schneller abgeklungen (durchschnittlich einen halben bis ganzen Tag). Der erkältungsverkürzende Effekt konnte jedoch nur bei vorbeugender Gabe beobachtet werden. Erhielten die Kinder Vitamin C erst bei Auftreten der ersten Erkältungssymptome, schnieften sie genauso lange wie Kinder ohne Vitamingabe.

Sind Multivitaminpräparate möglicherweise wirksamer?

Leider nein, auch hierzu gibt es keinen eindeutigen Wirksamkeitsnachweis. Es gibt zwar einige wenige Studien, die zu einem positiven Ergebnis kommen, aber in den meisten Untersuchungen lässt sich kein vorbeugender oder krankheitsverkürzender Effekt nachweisen. Zudem gibt es kaum Studien an Kindern, denn alle großen Vitamin-Studien wurden an Erwachsenen (häufig an Senioren) durchgeführt.

Sind Kinder überhaupt von Vitaminmangel bedroht?

Klein- und Kindergartenkinder sind manchmal recht heikle Esser, besonders, was Obst und Gemüse angeht. Da sorgt man sich als Mutter oder Vater schnell, ob das Kleine auch wirklich genügend Vitamine zu sich nimmt. Meist ist diese Sorge unbegründet. Untersuchungen des Forschungsinstitutes für Kinderernährung sowie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge ist die Vitaminversorgung für die meisten Vitamine gut und Kinder erreichen oder übertreffen sogar die geforderten Tagesmengen. Jedoch gibt es auch einige Ausnahmen.

Dazu gehört Vitamin D in allen Altersgruppen, weswegen speziell für Babys und Kleinkinder, aber auch ältere Kinder, die wenig im Freien spielen, Vitamin D in Tablettenform empfohlen wird. Babys im Beikostalter nehmen nur knapp die geforderte Tagesmenge an Vitamin C auf. Daher sollten Breie mit Orangensaft oder anderem Obstsaft, der viel Vitamin C enthält, angereichert werden.

Auch die Versorgung mit Vitamin E ist bei Kindern zwischen einem und zwölf Jahren oft nicht optimal. Gute Vitamin-E-Lieferanten sind pflanzliche Öle und Fette, Nüsse, Erdnüsse, Mandeln, Weizenkeime sowie Vollkornflocken und -brot. Außerdem nehmen Kinder aller Altersgruppen zu wenig Vitamin B6 auf. Dieses steckt z.B. in Gemüse (etwa Spinat, Kohlarten, Bohnen, Tomaten), Salaten, Kartoffeln, Weizenkeimen, Milch, Trauben, Orangen, Orangensaft, Mandarinen und Hefe.

Die Zufuhr von Vitamin A ist bei Mädchen im Schulalter oft etwas zu gering, während ansonsten bis zu einem Drittel der Kinder durch die normale Nahrung plus angereicherte (Kinder-)Lebensmittel so viel Vitamin A und Folsäure (ein B-Vitamin, an dem es Erwachsenen häufig mangelt) aufnehmen, dass die pro Tag empfohlenen Höchstmengen überschritten werden. 

Vorsicht, Überdosierung!

Sie sehen, es besteht keine Gefahr, dass ansonsten gesunde Kinder von einem schweren Vitaminmangel bedroht sind. Und selbst wenn ein Kind die empfohlene Tagesmenge für ein bestimmtes Vitamin nicht erreicht, bedeutet das noch lange nicht, dass es einen Schaden davonträgt. Die empfohlenen Vitamin-Tagesmengen liegen durch einen „Sicherheitszuschlag“ weit über den Werten, bei denen Mangelerscheinungen auftreten.

Es besteht eher die Gefahr, dass ein Zuviel an Vitaminen langfristig schaden könnte. Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A oder D können sich im Körper anreichern. Eine langfristig überhöhte Aufnahme von Vitamin D (mehr als 2.000 I.E. täglich) kann sich in Übelkeit, Gewichtsabnahme und Reizbarkeit äußern. Bei stark erhöhten Mengen können zudem eine Verzögerung der geistigen und körperlichen Entwicklung sowie eine Entkalkung der Knochen auftreten. Eine Überdosierung von Vitamin A kann zu Übelkeit, Reizbarkeit und unscharfem Sehen führen. In schweren Fällen können gar Wachstumsverzögerungen, Leber- und Milzschäden, Haarausfall und rheumatische Beschwerden auftreten. Beta-Carotin ist eine Vorstufe von Vitamin A und kann im Körper zu diesem umgewandelt werden. Früher dachte man, es sei in jedem Fall unbedenklich. Jedoch zeigte sich in einer Studie, dass es bei erhöhter Aufnahme (ab 2 Milligramm pro Tag) bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko steigert. Aus Sicherheitsgründen sollten auch Kinder täglich nicht mehr als 2 Milligramm davon aufnehmen. Durch künstliche Zusätze in Multivitamin- oder so genannten ACE-Säften sind diese allerdings schnell erreicht oder sogar überschritten (teils schon mit 100 Millilitern Saft!).

Warum Vitaminpräparate möglicherweise mehr schaden als nützen

Dass eine Überdosierung von Vitaminen nicht gesund ist, leuchtet ein. Bedenklicher erscheint jedoch, dass selbst „normal“ dosierte Vitaminpräparate negative Auswirkungen haben können. Und diese sollte man angesichts der Tatsache, dass kein wirklicher Nutzen nachweisbar ist, doch ernst nehmen!

Eine 2004 in der Zeitschrift „Pediatrics“ veröffentliche Studie lässt vermuten, dass die Einnahme von Multivitaminpräparaten möglicherweise das Allergierisiko von Kindern erhöht. In den USA bekommen über 50 Prozent aller Kleinkinder regelmäßig Vitamintabletten (zusätzlich zu angereicherten Lebensmitteln, Getränken und Flaschennahrung). Kinder, die im Alter von drei Jahren ein Multivitaminpräparat erhielten, hatten ein um 40 bis 60 Prozent höheres Risiko für Nahrungsmittelallergien. Bekamen sie bereits in den ersten sechs Lebensmonaten Vitamintabletten, war das Asthmarisiko um bis zu 27 Prozent und das Risiko einer Nahrungsmittelallergie um bis zu 63 Prozent erhöht.

Sind Nahrungsergänzungen mit natürlichen Vitaminen besser?

Vergleichen wir einmal synthetisches Vitamin C (Ascorbinsäure-Pulver aus der Apotheke) mit Vitamin C aus einer Orange oder Kiwi. Das künstlich hergestellte Vitamin C ist zwar genauso wirksam wie das natürliche aus Obst oder Gemüse, jedoch fehlen ihm all die sekundären Pflanzenstoffe, die ebenfalls eine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten. Deshalb ist es immer besser, Vitamine im „natürlichen Verband“, also in Form von vitaminreichen Nahrungsmitteln, zu verzehren. Versuchen Sie Ihrem Kind also, Obst und Gemüse schmackhaft zu machen! Bieten Sie es in mundgerechten Stückchen als Zwischenmahlzeit an. Oft greifen die Kleinen „ganz nebenbei“ dann doch zu. Oder bereiten Sie daraus einen Obstsalat. Vielleicht „verstecken“ Sie geraspeltes bzw. püriertes Gemüse auch in Saucen, Suppen oder Aufläufen. Und geben Sie ein gutes Vorbild ab: Essen Sie selbst häufig und mit Genuss Obst und Gemüse.

Verweigert Ihr Kind Obst und Gemüse trotzdem über längere Zeit, können naturreine und ungesüßte Säfte (mit Wasser zu Schorle verdünnt), aber auch natürliche „Vitaminbomben“ die Vitaminversorgung verbessern. Viel Vitamin C ist beispielsweise in Sanddornmark, Hagebuttenmark oder Acerola-Zubereitungen (aus dem Reformhaus) enthalten. Diese lassen sich in Joghurt oder Müsli einrühren (eventuell mit Honig etwas gesüßt) und enthalten mehr sekundäre Pflanzenstoffe als eine Vitamintablette.

 


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