Sperma

Alles über Sperma

Es ist milchig weiß bis durchsichtig und Männer setzen sich ab der Pubertät damit auseinander: Die Rede ist von Sperma. Die darin enthaltenen Spermien ähneln Kaulquappen, schwimmen drei bis vier Millimeter pro Minute, mögen es gerne kühl und man kann einiges für ihre Gesundheit tun. Was genau, darüber informiert urbia in einem Beitrag, der sich ganz dem Thema Sperma widmet.

Sperma setzt sich aus zellulären Bestandteilen zusammen: Zum einen besteht es aus den reifen Spermien, auch Spermatozoen genannt, zum anderen aus dem Samenplasma, dem Sekret der Geschlechtsdrüsen. Der Grund dafür, dass um die leicht salzige und proteinhaltige Flüssigkeit so viel Aufhebens gemacht wird, ist dass sie in unmittelbarem Zusammenhang mit der männlichen Sexualität sowie der männlichen Fruchtbarkeit steht. Kommt der Mann beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus, gibt er seinen Samen in die Scheide der Frau ab, wo die Samenzellen ihre Reise in die Eileiter antreten. Millionen von Spermien kämpfen darum, die genetischen Informationen des Mannes zur Eizelle zu bringen und legen dabei in 60 Minuten eine Strecke von ungefähr 15 Zentimetern zurück. Am Ende schafft es, wenn überhaupt, nur eine einzige Samenzelle ans Ziel. Spricht man von der Samenflüssigkeit, sind die Begriffe Sperma und Spermien im Übrigen klar voneinander abzugrenzen: So bezeichnet ein Spermium allein die Zelle und nicht die gesamte Flüssigkeit mit den darin enthaltenen Samenzellen.

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Das Spermium auf seiner Reise

Betrachtet man Sperma unter dem Mikroskop, sind die darin enthaltenen Zellen derart klein, dass man sie kaum erkennen wird. Reiht man hingegen alle Spermien aneinander, die ein Mann im Laufe seines Lebens produziert, ergibt dies eine Schnur von knapp zehn Metern Länge. Das ist eine gigantische Strecke, wenn man bedenkt, wie winzig ein einziges Spermium im direkten Vergleich ist. Doch wie entstehen die Samenzellen und welches Verhalten legen sie an den Tag? In den Hodenkanälchen vermehren sich zunächst die Spermien-Stammzellen und wandern in die Nebenhoden, wo sie innerhalb von zehn Wochen zu fertigen Spermien ausreifen. Nach der Entstehung kann eine Samenzelle bis zu einen Monat im sogenannten Samendepot des Mannes überleben. Kommt es in diesem Zeitraum zu keiner Ejakulation, sterben die Zellen einfach ab.

Gelangt beim Geschlechtsverkehr Sperma in die Scheide, beginnt für jedes einzelne Spermium das Rennen seines Lebens. Eine Samenzelle ist etwa 0,06 Millimeter lang und besteht aus drei Teilen: Kopf, Mittelstück und Schwanz. Der Kopf enthält Chromosomen, also das männliche Erbgut. An der Vorderseite des Spermienkopfes befinden sich Enzyme, mit deren Hilfe die Samenzelle leichter in die Eizelle eindringt. Im Mittelstück des Spermiums sitzt eine Art Motor, in dem Mitochondrien die Energie für die Fortbewegung bereitstellen. Sie arbeiten wie winzige Zellkraftwerke. Der hintere Teil besteht aus dem Schwanz, der fachsprachlich Geisel genannt wird und dem Spermium als Antrieb dient. Durch schlängelnde Bewegungen schwimmt es damit die Strecke von der Scheide bis zur Eizelle. Diesen Weg legt das Spermium in etwa einer Stunde zurück. Als Orientierung auf dem Weg zur Eizelle dienen jedem der Millionen Spermien der pH-Wert und die Temperaturunterschiede. Neuerdings weiß man auch, dass sie auf dieser langen Reise ihren  Schwimmstil ändern können.

Vor einigen Jahren wurde vermutet, die kleinen Samenzellen verfügten über gut ausgeprägte Geruchsrezeptoren und besäßen eine Affinität zu Maiglöckchenduft. In einem Experiment hatten Spermien auf diesen Duft mit einer Verdopplung der Schwimmgeschwindigkeit reagiert. Diese Annahme wurde jedoch von Forschern der Stiftung Caesar und Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich in einer Studie zu Sperma widerlegt. Sie fanden heraus, dass Spermien stattdessen von dem hormonellen Lockstoff Progesteron geleitet werden. Die Verdopplung der Schwimmgeschwindigkeit wurde somit zum reinen Laborphänomen erklärt.

Spermiogramm: Der Test auf Zeugungsfähigkeit

Bei einem Samenerguss werden durchschnittlich 300 Millionen Spermien ausgestoßen, von denen jedoch nur etwa 300 die Eizelle erreichen. Für die Befruchtung – und damit für eine  Schwangerschaft – ist jedoch eine einzige Samenzelle ausreichend. Um zu überprüfen, ob ein Mann zeugungsfähig ist, kann eine Probe vom Sperma untersucht werden. Ein solcher Test wird als Spermiogramm bezeichnet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahr 2010 eine Studie veröffentlicht, aus der eine Reihe an ermittelten Normalwerten hervorgeht. So beträgt das Ejakulat-Volumen im Durchschnitt mindestens 1,5 Milliliter, wobei sich die Anzahl der Spermien pro Milliliter auf mindestens 15 Millionen konzentriert. Obwohl von diesen Spermien mindestens 40 Prozent beweglich sind, richten sich lediglich 32 Prozent von ihnen vorwärts. Und nur 4 Prozent der Samenzellen weisen eine normale Form auf.

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Foto: © fotolia.com/ Henrie

 

Negative Einflüsse – Enthaltsamkeit, Fast Food und Drogen schaden

Die Gründe für die hohe Deformations- und Fehlerrate der Samenzellen liegen in einer Reihe von Einflüssen, die sich schädlich auf Spermien auswirken können. Früher empfahl man,  bei Kinderwunsch nicht täglich Sex zu haben, weil dies die Anzahl der Spermien im Ejakulat reduziere. Das stimmt zwar, doch nimmt durch Enthaltsamkeit die Anzahl beweglicher Spermien ab, sodass sich die Qualität des Spermas sogar verschlechtert. Als nachteilig für die Spermien werden immer wieder heiße Bäder genannt. Da Wärme die Samenproduktion drosselt, liegen die Hoden außerhalb des Körpers. Die Temperatur in dieser Körperregion ist idealerweise etwa sieben Grad niedriger als an den übrigen Körperpartien. Schon 30 Minuten in einem heißen Whirlpool über 37 Grad Celsius reduzieren die Anzahl und Beweglichkeit der Spermien. Wer häufig Junkfood wie Hamburger, Pommes & Co. verspeist, dessen Spermaqualität ist ebenfalls niedriger als bei einem Mann mit gesunder Ernährung, die aus vielen Vollkornprodukten, Gemüse und Fisch besteht.

Auch Drogen haben einen schädlichen Einfluss auf Sperma. Einer Studie der Queens University in Belfast zufolge macht Kiffen vorübergehend unfruchtbar. Das in Cannabis enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC) führt zu einer reduzierten Beweglichkeit der Samenzellen, sodass diese unfähig sind, in die Eizelle einzudringen. Auch starkes Rauchen wirkt sich schädlich aus, da Nikotin die Beweglichkeit der Spermien einschränkt. Wer nur gelegentlich oder auf kurzen Strecken mit dem Fahrrad unterwegs ist, schadet weder seinen Hoden noch der Potenz. Wer allerdings täglich und länger fährt, sollte den Dammbereich durch einen bequemen Sattel mit leicht abgesenkter Spitze entlasten. Spezielle Sattelmodelle mit einer länglichen Aussparung in der Mitte oder beweglichen Gelpolstern helfen hier.

Positive Einflüsse – Mit Sport und Powerfood die Spermaqualität ideal unterstützen

Indem man auf einige Dinge bewusst achtet, lässt sich die Qualität von Sperma schnell und einfach verbessern. Zum Beispiel kann die Zufuhr bestimmter Nährstoffe einen nützlichen Beitrag leisten. L-Arginin etwa – in Getreide, Sojabohnen und Nüssen enthalten – verbessert sowohl die Potenz als auch die Fitness der Spermien. Durch Zink in Fleisch und Hülsenfrüchten erhöht sich zusätzlich die Anzahl. Vitamin C, wie es unter anderem in Obst enthalten ist, steigert die Produktion. L-Carnitin und Vitamin E aus Pflanzenölen und Nüssen erhöhen die Beweglichkeit der Spermien, während  Folsäure – etwa aus grünem Blattgemüse – die Zellteilung anregt.


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