Pink Viagra Addyi

Lustpille für Frauen hilft nicht wirklich

Wäre es nicht toll, wenn frisch gebackene Mütter oder solche mit kräftezehrendem Familienalltag einfach eine gut verträgliche Pille einwerfen könnten - und schwupps! ist der Frust weg und die Lust auf Sex wieder da? Träumt weiter, liebe Frauen. Leider bringt das „Pink Viagra“ Addyi keine Rettung.

Autor: Heike Byn
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Lustpille für Frauen umstritten

Lustpille
Foto: © sprout pharmaceuticals

Das Medikament, das Ende Oktober in den USA auf den Markt gekommen ist, soll angeblich die Lust steigern, ist aber bei Medizinern umstritten. Schon Wochen, bevor der Verkauf von „Addyi" (sprich: Ädd-ii) begann, überschlugen sich die Medienberichte und öffentlichen Diskussionen über die wegen ihrer Farbe und Wirkung „Pink Viagra für Frauen" genannte Pille. Psychologen und Ärzte führten dabei vor allem folgende Nachteile an:

  • Experten kritisieren die vielen möglichen Nebenwirkungen des Präparats, wie beispielsweise Schwindel, Übelkeit und Erschöpfung – wer hat damit wohl noch Lust auf Sex?
  • außerdem spürte in vorangegangenen Tests nur eine von zehn Frauen ein gesteigertes Verlangen; die Wirksamkeit von Addyi ist wohl eher gering – worauf auch das zweimalige Ablehnen der Zulassung in den vergangenen Jahren hindeutet
  • im Unterschied zum Viagra für Männer muss Addyi auch täglich eingenommen werden, damit sich eine mögliche Wirkung einstellt und dauerhaft erhalten bleibt. Die Kosten dafür liegen bei umgerechnet zwischen 28 und 70 Euro pro Monat (je nach Beteiligung der Krankenversicherung)
  • während der Einnahme von Addyi dürfen Frauen auf keinen Fall Alkohol trinken, weil sich dadurch gefährlichere Nebenwirkungen entwickeln können. Also Schluss mit Prosecco am Mädelsabend, Weinproben im Urlaub oder Cocktailpartys!

Pink Viagra wirkt auf Psyche

Anders als das Männer-Viagra wirkt Addyi nicht auf den Körper, sondern auf die Psyche – vergleichbar mit Mitteln gegen Depression. Verantwortlich dafür ist der Wirkstoff Flibanserin. Er beeinflusst die so genannten Neurotransmitter im Gehirn, die für sexuelle Lust und Unlust verantwortlich sind. Mediziner bezweifeln, dass das tatsächlich funktioniert, denn die Entwicklung von Lust und Leidenschaft sei ein komplexer Vorgang, in dem Körper, Seele und Geist zusammenarbeiten.

Hilfe für Frauen mit Sexualstörung?

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Addyi nun aber speziell für Frauen vor der Menopause zugelassen, die unter einer diagnostizierten „Hypoaktiven Sexualstörung" leiden und damit unter einem Mangel an sexuellem Verlangen. Die Diagnose ist jedoch umstritten, weil viele Mediziner und Psychologen betonen, dass ein niedriger Sexualtrieb an sich gar keine Krankheit ist. Will ein Arzt jetzt einer Frau das Präparat verschreiben, muss er vorher mittels eines Fragebogen abklären, dass ihre Lustlosigkeit nicht durch bestimmte Lebensumstände, wie Schwangerschaft, Stillzeit, Krankheiten, Medikamenteneinnahme oder eine unglückliche Partnerschaft begründet ist. Die „Lustpille" ist also von vornherein gar nicht für Frauen und Mütter in stressigen Lebensphasen konzipiert worden, um ihnen wieder zu einem lustvolleren Sexleben zu verhelfen.

Addyi ist in Amerika verschreibungspflichtig und nur nach Beratungsgesprächen bei geschulten Ärzten und Apothekern erhältlich. Ob und wann das Mittel auf den deutschen Markt kommt, ist bislang noch offen.


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