Familien und Alleinerziehende

Die wichtigsten Versicherungen

Rund 1.600 Euro gibt jeder Bundesbürger im Jahr für Versicherungen aus. Experten halten allerdings viele Verträge für überflüssig. Lesen Sie, welche Versicherung eine Familie wirklich braucht.

Autor: Andrea Lützenkirchen
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Wichtige Versicherungen: Das rät der Versicherungsexperte

Mann zwei Frauen Vertragsstudie
Foto: © panthermedia.net/ Artur Gabrysiak

Familien und allein Erziehende brauchen einen anderen Versicherungsschutz als ein kinderloses Paar. Doch das Angebot ist riesig und viele Verträge sind schlichtweg überflüssig. Hajo Köster, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Schleswig Holstein, hat für urbia die Versicherungen zusammengestellt, die eine Familie benötigt.

Hausratversicherung

Mit der Hausratversicherung sichern Sie Ihre Wohnungseinrichtung gegen Schäden, die durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Leitungswasser, Sturm, Einbruchdiebstahl und Raub entstehen. Um die Versicherungssumme zu ermitteln, mit denen Sie Ihre Wohnungseinrichtung absichern, gibt es verschiedene Wege. Am genauesten ist es, die Neupreise aller in der Wohnung vorhandenen Sachwerte einschließlich Elektrogeräten und Schrankinhalten zu addieren.

Schneller geht es, den Empfehlungen der Verbraucherzentrale zu folgen und die Wohnfläche in Quadratmeter mit 600 Euro zu multiplizieren. Sie unterstellen damit, dass sich in Ihrer Wohnung Gegenstände im Durchschnittswert von 600 Euro je Quadratmeter Wohnfläche befinden.

Kfz-Versicherungen

Als Autobesitzer/in brauchen Sie eine Kfz-Haftpflichtversicherung, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Denn Sie haften für jeden Schaden, den Sie mit dem Gebrauch Ihres Autos verursachen. Schließen Sie den Vertrag mit unbegrenzter Deckungssumme ab, denn gerade im Straßenverkehr passieren viele Unfälle mit z. T. schweren, und damit teuren, Folgen.

Mit der Teilkasko-Versicherung sichern Sie Ihr Auto gegen Glasbruch, Brand und Diebstahl. Bei einer Selbstbeteiligung von 150 Euro ist die Teilkasko recht preisgünstig. Die Vollkasko-Versicherung bezahlt auch selbstverschuldete Schäden am eigenen Auto. Sie lohnt sich eigentlich nur bei einem Wagen, der nicht älter ist als zwei Jahre. Doch dies muss im Einzelfall natürlich jeder selbst entscheiden.

Krankenversicherung und private Haftpflichtversicherung

Krankenversicherung

Sind Sie Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse, dann sind Ihre Kinder automatisch über Sie mitversichert. Privat Versicherte müssen für Ihre Kinder eine eigene private Krankenversicherung abschließen, weshalb diese Versicherungsform für Familien je nach Versicherung und den dort abgesicherten Leistungen relativ teuer werden kann.

Aber: Ein Vorteil der privaten Krankenversicherung ist es, dass - im Gegensatz zur gesetzlichen - die abgedeckten Leistungen selbst bestimmbar sind und diese Leistungen dann über die gesamte Laufzeit garantiert werden. Bei der gesetzlichen Krankenkasse hingegen gehen bei konstanten oder gar steigenden Beiträgen die Leistungen seit Jahren immer weiter zurück bzw. die Eigenleistungen steigen.

Private Haftpflichtversicherung

Unverzichtbar für jeden ist die private Haftpflichtversicherung, die dann einspringt, wenn einem anderen Schaden zugefügt wurde. Wie schnell kann sonst eine kleine Unachtsamkeit den finanziellen Ruin bedeuten? Wer nur als Radfahrer einen Fußgänger so unglücklich rammt, dass dieser Behinderungen davonträgt, muss unter Umständen sein Leben lang dafür bezahlen. Die Versicherungssumme sollte mindestens 2,5 Millionen Euro betragen. Kinder und Ehepartner sind kostenlos mitversichert. Auch bei nicht verheirateten Partnern reicht meist eine Versicherung.
Vor dem Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung lohnt sich der Vergleich. Bei sehr günstigen Anbietern ist man ab 50 Euro pro Jahr dabei.

Achtung: Ein Kind unter sieben Jahren kann noch nicht haftbar gemacht werden, wenn es einen Schaden angerichtet hat. Ihre Versicherung zahlt in diesem Fall nur dann, wenn Sie die Aufsichtspflicht verletzt haben und so die Schuld an dem Schaden tragen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Wichtigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann nicht genug betont werden. Denn was passiert, wenn der Haupternährer einer Familie berufsunfähig wird? Was die gesetzliche Rentenversicherung dann zahlt, reicht kaum aus, um die Familie über Wasser zu halten. Zudem ist Anfang 2001 - von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet - das "Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit" in Kraft getreten. Für Arbeitnehmer, die nach dem 2. Januar 1961 geboren wurden, gilt statt der vorherigen Berufsunfähigkeitsrente seitdem die Erwerbsminderungsrente. Dabei spielt der bisherige Beruf keine Rolle mehr: So lange ein Arbeitnehmer noch irgendeine Tätigkeit für mindestens sechs Stungen pro Tag ausüben kann, erhält er keine Rente. Wer noch zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält vom Staat die halbe Erwerbsminderungsrente. Die volle Rente steht denjenigen zu, die keine Teilzeitstelle finden oder die nur noch weniger als drei Stunden pro Tag irgendeine Arbeit ausüben können.

Nach der Gesetzesänderung kann es jetzt also im Extremfall vorkommen, dass ein Gehirnchirug, der wegen einer Krankheit nicht mehr operieren kann, als Pförtner arbeiten muss, weil er keine gesetzlichen Leistungen erhält.

Auf die gesetzliche Versorgung im Falle, dass Sie nicht mehr arbeitsfähig sind, können Sie sich also nicht verlassen. Die private Vorsorge in Form der Berufsunfähigkeitsversicherung ist notwendig.

Wenn die Familie auf zwei Gehälter angewiesen ist, sollten beide Partner eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Auch Hausfrauen und –männer können sich inzwischen für diesen Fall absichern. Hier kommt aber auch eine Unfallversicherung in Frage. Was für Familien gilt, gilt hier erst recht für Alleinerziehende: Sie sollten sich unbedingt gegen Berufsunfähigkeit absichern.

Der Unterschied zwischen Preis und Leistung ist gerade in diesem Bereich extrem. "Deshalb rate ich allen Interessierten, sich vorher in einer Verbraucher-Zentrale beraten zu lassen", meint Hajo Köster.

Finanziell günstig ist es, wenn Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung mit der ebenfalls notwendigen

Risiko-Lebensversicherung und Unfallversicherung

Risiko-Lebensversicherung

kombinieren. Diese Versicherung schützt die Angehörigen im Todesfall des Hauptverdieners vor einem finanziellen Desaster. Im Gegensatz zur Kapital-Lebensversicherung ist die Risiko-Lebensversicherung relativ preiswert schon für 20 Euro im Monat zu haben, da eine Rente nur ausgezahlt wird, wenn der Versicherte stirbt. Um die erforderliche Absicherungssumme zu ermitteln, multiplizieren Sie Ihren monatlichen Bedarf mit 200.
Die Laufzeit des Vertrages sollte mindestens bis zum 20. Lebensjahr Ihres jüngsten Kindes vereinbart werden. Dann werden Ihre Kinder voraussichtlich in der Lage sein, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.

Unfallversicherung

Das ist die Muss-Versicherung für Kinder und Hausfrauen oder-männer, die nicht gegen Berufsunfähigkeit abgesichert sind. Außerhalb von Kindergarten und Schule sind Kinder nicht gegen Unfälle oder Invalidität geschützt. Die weitaus meisten Unfälle (auch von Erwachsenen) passieren aber in der Freizeit. Besonders gefährlich: der Arbeitsplatz Haushalt. Wichtig ist nur die Absicherung für den Fall der Invalidität. Denn dann brauchen Sie richtig Geld – bis zum Ende Ihres Lebens. Auf Zusatzleistungen wie kosmetische Operationen, Todesfallabsicherung und Genesungsgeld können Sie aber getrost verzichten.
Kinder haben noch ein langes Leben vor sich und sollten deshalb ausreichend hoch gegen Unfälle versichert werden. Die Verbraucherzentralen empfehlen Policen über mindestens 100.000, besser noch 200.000 Euro.

Wenn Sie eine Immobilie besitzen

Wohngebäudeversicherung

Wenn Sie ein Haus besitzen, schützt Sie diese Versicherung bei Feuer-, Sturm-, und Wasserschäden. Die Versicherungssumme sollte den Wiederaufbaukosten des Gebäudes nach einem Totalschaden entsprechen. Achtung: Gehen Sie keine Verträge ein, die Sturmschäden erst ab Windstärke 12 ersetzen.

Restschuldversicherung

Diese Art der Risiko-Lebensversicherung ist wichtig, wenn zum Beispiel ein Haus finanziert werden soll. Stirbt der Darlehensnehmer, übernimmt die Versicherung eine bestimmte Summe bzw. zahlt die restliche Schuld.

urbia-Tipp: Einen guten Überblick gibt die Broschüre "Richtig versichert. Wer braucht welche Versicherungen?" der Verbraucherzentrale NRW, die für 12,90 Euro (zzgl. 2,50 Euro Versand) im Internet bestellt werden kann.



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